Das Blog der Köche, Gastronomen und Gourmets

Vegetarische Gänseleber?

Von 15. April 2009 um 09:43 Uhr

Für’s Vegetarische habe ich sehr viel übrig, und den vielen guten Gründen, kein Fleisch zu essen, ist eigentlich nur ein wirkliches Argument entgegen zu stellen:
„Fleisch schmeckt verdammt gut!“
Allerdings nicht das, was freundlich geschätzt 80% der Bevölkerung an Billigfleisch vertilgen. So gesehen ist Fleischessen ein wirklicher Skandal.

Jetzt kam ein Schreiben von der Tierschutzvereinigung Peta, deren Arbeit ich sehr achte und für wichtig finde, auch wenn sie oft militant auftreten. Im Grunde haben die Leute Recht, Tierquäler gehören verprügelt.

Dem Schreiben, das ich gerade gelesen habe, entnehme ich nun allerdings einen völlig falschen Ansatz. Als Koch werde ich gebeten, mich an einem Wettbewerb zu beteiligen:

“Peta veranstaltet einen Wettbewerb, um einen hervorragenden Koch zu finden, der als erster in der Geschichte eine authentische Version vegetarischer Fois Gras herstellen kann.”

Also meine lieben Petaleute, mit so einem Wunsch muss man sich an die Chemiefirmen Nestlé, Knorr & Co wenden. Allenfalls noch an die Jünger von Ferran Adria, die sich mit Küchenchemie ziemlich auskennen. Die naturnahe Küche, um die es mir geht, darf nicht durch Surrogate verhunzt werden.

Der Wunsch nach vegetarischer Gänseleber ist legitim, aber das ändert nichts an der Schwachsinnigkeit des Gedankens. Bei meinem täglichen Speiseplan achte ich immer auf die Gegenwart einiger vegetarischer Gerichte. Die müssen so sein, dass man nicht merkt dass etwas fehlt, deshalb habe ich auch keine Vegetarische Karte, die ich genauso diskriminierend empfinde wie den Seniorenteller, ganz zu schweigen von den infamen Pumuck-Kindertellern.

Irgendwie komisch, viele Vegetarier kämpfen ständig mit dem Verzicht des Fleisches. Ich behaupte, so kommt kein glückliches Leben zustande. Man muss es irgendwie hinkriegen, gar nicht mehr ans Fleisch zu denken, das Fleischlose nicht als Mangel anzusehen, sondern als Gewinn. Das geht, und irgendwann mal hat man dann vielleicht auch vergessen, dass ein Milchlammbraten wahnsinnig gut schmecken kann.

Noch etwas an die lieben Petakämpfer:
Macht weiter so, aber bedenkt immer, ganz ohne Kompromisse geht es nicht. Was machen wir eigentlich in zehn Jahren, wenn Forscher womöglich entdeckt haben, dass ein abgeschnittener Salatkopf fürchterlich schreit, wir aber ihn bislang nicht hören konnten? Und was ist mit der Milch, die wir den Kälbern wegnehmen?

PS:
Man könnte sich doch mal den Fast-Vegi-Firmen Maggi, Knorr etc. widmen. Denen ist es beinahe gelungen, aus einer Hühnersuppe ein vegetarisches Gericht zu machen. In vier Tellern Hühnersuppe sind nur noch 4 Gramm Trockenhuhn enthalten. Das Produkt schmeckt wahnsinnig nach Huhn, weil die entsprechenden Geschmacks- und Aromaverstärker gewaltige Power haben. Bei solcher Chemie könnte man doch das bisschen Resthuhn ganz weglassen.
Liebe Petaleute, wollen wir diesen Konzernen nicht mal eine Fuhre Mist vor die Bude kippen, damit sie vollends ganz die Finger vom Fleisch lassen. Ich wäre gerne dabei. Apropos Vegi-Gänseleber, diese Firmen kriegen das hin, ein ehrlicher Koch nie.

Liebe Grüße, Vincent

Kategorien: Aufreger, Innereien
Leser-Kommentare
  1. 17.

    Gut, dann meldet sich einmal ein Veganer zu Wort (bitte steinigt mich nicht :p)

    Es stimmt. Haustiere werden hier teilweise besser behandelt, als Kinder in anderen Ländern. Kinder hier werden auch besser behandelt, als Kinder in anderen Ländern. Sollt man die Kinder hier jetzt hungern lassen? Sollte man die Tiere hier jetzt hungern lassen? Versteht ihr worauf ich hinaus will?
    Mal ganz abgesehen davon habe ich mich zum Veganismus entschlossen, weil ich nicht denke, dass es richtig ist, Tier zu quälen oder gar zu essen. Vegan leben heisst übrigends nicht nur sich um “Tiere” zu sorgen. Vegan leben heisst eben auch sich um das Säugetier Mensch zu sorgen. In der Regel, kaufen veganer zum Beispiele keine Schokolade, welche nicht fairtrade ist da die anderen meist unter menschenunwürdigen verhältnissen herrgestellt werden. Es gibt da auch noch andere Beispiele (Kleidung aus China, Rohrzucker…) Was ich damit sagen will ist, dass Veganer Tiere nicht über Menschen stellen sondern auf die gleiche Stufe (so wie ich). Viele von euch werden selber HAustiere haben, und ich kann mir nicht vorstellen, dass einer von euch sie essen würde?! Was ist da an dem Lamm aus dem Stall anders???
    Und gegen analogfleisch, analogkäse hab ich persönlich nix. Überlegt euch mal, wie ihr euch bei eurer letzten Diät gefühlt habt und auf eure beliebten Würstchen etc. verzichtet habt. Wenn ihr das ein Leben lang durchziehen würdet würdet ihr da nicht auch was ersatzmäßiges haben wollen? Es gibt übrigends auch Veganer/Vegetarier welche 0 Problem damit haben auf das ganze Zeug zu verzichten. (Zu denen gehöre auch ich glücklicherweise. Ich habe in meinem Leben keine Diät länger als 2 Wochen durchgehalten und die warn pure Folter! Vegan lebe ich hundert Prozent Problemfrei.:))

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    • 20. April 2009 um 21:15 Uhr
    • Alwine
  2. 18.

    Hi, nice post. I have been wondering about this issue,so thanks for posting. I’ll definitely be coming back to your blog.

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  3. 19.

    @ sinninger armin

    “sie fühlen wie wir, sie spüren Freud und Leid wie wir, haben Angst wie wir und können das Leben geniessen wie wir”

    … und können Fleisch essen wie wir!

    Der Liberalismus hat noch ein Versprechen einzulösen.
    Champagner für alle!

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    • 23. Juni 2009 um 16:54 Uhr
    • Peppone
  4. 20.

    Ja, ich finde auch eine andere Art von Kochwettbwerk wäre sinnvoller gewesen.

    Aber: Warum soll man nicht ohne Fleisch etwas zubereiten, dass ähnlich schmeckt wie Fois Gras? Vielleich sogar besser? Nach Fleisch schmeckt das Original ja auch nicht.

    Das Fleischersatzprodukte fürchterlich schmecken, stimmt übrigens auch nicht. Meine vegetarischen Frikadellen bewegen gestanden Ruhrgebietsmenschen schon mal zu einem “schmeck wie bei Omma!”. Das könnte übrigens auch damit zu tun haben, dass in mancher Omma-Bullete ziemlich wenig Fleisch drin ist. Ist denn so gesehen also meine Frikadelle ein “Fleischersatzprodukt”.

    Das hier gern genommene Gemecker über PETA ist m.E. schlicht unangebracht. Sowas kommt immer von Leuten, die sich selbst um schlicht nix kümmern.

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    • 12. August 2010 um 16:12 Uhr
    • Bill Bo
  5. Kommentar zum Thema

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