Das Blog der Köche, Gastronomen und Gourmets

Garnelen kann jeder

Von 2. März 2012 um 16:59 Uhr

Bei Aufenthalten an der Meeresküste essen alle Leute gerne Garnelen. Bei Aufenthalten innerhalb Deutschlands anscheinend auch. (Import 200t täglich, Quelle: impulse Okt/11)
Lustig wird es, wenn man auf das türkisblaue Meer schaut und aufs Geratewohl Garnelen bestellt. Die Garnelen, die dann serviert werden, sind sicherheitshalber meistens schon ein paar Wochen vorher in das Feriendomizil gereist.
Interessant ist deshalb der Blick hinter die Kulissen der populären Strandkneipen; dort wo sich die leeren Tiefkühlkartons stapeln. Die dann „Made in Thailand“ oder „Vietnam“ sind, zumindest meist entfernt von der Küste, an der man sich gerade selbst aufhält.
Ich rate Ihnen, sich einfach mal durchzufragen, was es denn an so echtem Seafood gibt, da kriegt man manchmal spannende Sachen gezeigt, die man selber noch nicht kennt. So wie vor zwei Jahren in Andalusien die „Ortiguillas“.

Bei dem diesjährigen Urlaub auf den Kapverden bekam ich einmal fantastische Entenfußmuscheln (percebes), die in Europa aufgrund der Umweltverschmutzung (Tanker-Katastrophen sorgen immer für gewaltige Preiserhöhungen) sehr selten geworden sind.

Da mir die Strandkneipe, die Frische der Meeresfrüchte und die Livemusik gefallen hat (O Falorim in Santa Maria, Sal, Cabo Verde), bin ich gleich nochmal hin. Beim weiteren Durchfuttern des Angebotes bekam ich diese “Steinklotzmuscheln” und eine Art Miniharpune mit Spatel serviert.

So sahen bestimmt schon die Geräte aus, mit denen man einst den Pharaos in Ägypten das Hirn durch die Nase gezogen hat (zwecks Mumifizierung).

Nachdem die Ratlosigkeit in meinem Gesicht angesichts des getellerten Korallenriffs offensichtlich war, bekam ich einen kurzen, gestenreichen Lehrgang in kreolisch und hatte dann  mit dem Genuss des Muschelfleisches einen phantastischen Meeresgeschmack auf der Zunge.

Die Muschel nannten Sie in dem Restaurant Buzio, aber dies ist die portugiesische Oberbezeichnung für Muscheln. Nun hab ich dazu auch nichts in meinen Fachbüchern und im Internet gefunden, sodass ich bis heute nicht wusste, was für eine Muschel ich gegessen habe. Während ich diesen Blog geschrieben habe, hat mir mein Hotelkaufmann Marc Kuhn, der auch ein paar Semester Biologie studiert hat, weitergeholfen. Es handelt sich um Seepocken, die man unter dem Suchbegriff “Muschel” wohl lange suchen kann. Eine echte Überraschung !

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Nur damit es gesagt ist Herr Koch: beide gegessenen “Muscheln” gehören zu den sessilen Krebstieren – auch deswegen sind sie so wohlschmeckend…

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    • 2. März 2012 um 20:39 Uhr
    • Peter Kunze
  2. 2.

    Ende der 90er war ich zur Diplomarbeit bei einer Geo-Explorationsfima in “Mittel”-Chile. Da gab es (gefühlt) jeden 3. Tag Meeresschnecken. Die “cocina” nannte sie immer nur “Locus”

    Die Bergleute (wir waren insgesamt vielleicht 10 Leute) waren wild darauf, ich habe diese damals nicht essen wollen. Heute würde ich Geld dafür bezahlen. ca. 5-10cm groß, festes Fleisch, ein bisschen wie Hühnerfleisch von der Konsistenz her und Meeresgeschmack.

    Als ich dieses Schnecken endlich gut fand, wurde die “Ernte” leider wegen einer aktuellen giftigen Algenplage verboten.

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    • 4. März 2012 um 14:42 Uhr
    • f.loskel
  3. 3.

    Ich habe mittlerweile nach weiteren Recherchen auch rausgefunden, dass kommerzielle Verarbeitung wenn überhaupt nur geringfügig in Chile stattfand. Mein Esserlebnis auf den Kapverden war also ein echter Zufallstreffer. Biologisch gesehen gehören die Seepocken wie auch die percebes (Entenmuscheln) zu der Familie der Rankenfüßler (Cirripedia).
    Zitat und einziger Hinweis Seafood Lexikon Teubner Edition:
    “Zu dieser Ordnung der niederen Krebse gehören die Seepocken und Entenmuscheln, von denen in Europa nur letztere eine gewisse kulinarische Bedeutung haben. Seepocken werden nur in Chile gegessen, wo die große Megabalanus psittacus von Felsen abgesammelt und vermarktet werden.”

    Grüßle aus dem Taubertal
    Jürgen Koch

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    • 4. März 2012 um 17:54 Uhr
    • Jürgen Koch
  4. 4.

    Zoologisch oder botanisch?

    Grüßle aus Franken

    JK: Biologisch natürlich, Danke für den Hinweis, ich habe es in meinem Kommentar jetzt ausgebessert

    Grüßle zurück

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    • 4. März 2012 um 20:07 Uhr
    • Peter Kunze
  5. 5.

    @4 wie wäre es mit biozoobotanzoonistk

    Übrigends geht es hier um Essen (nicht das an der Ruhr)

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    • 5. März 2012 um 07:36 Uhr
    • f.loskel
  6. 6.

    Wenn dann zoologisch. Nicht alles was festgewachsen ist, ist eine Pflanze. Und auch wenn es hier um essen geht sollte man sich auch damit beschäftigen wie es denn um das essen steht und wer das essen erst gesammelt hat :

    http://www.geo.de/GEO/kultur/geo_tv/60860.html

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    • 6. März 2012 um 19:01 Uhr
    • FR
  7. 7.

    Abartig. Muss der Mensch denn wirklich JEDES arme Tier totessen, das auf diesem Planeten sein kleines Leben lebt??

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    • 6. März 2012 um 19:22 Uhr
    • TBax
  8. 8.

    Ist die Geo nicht die Zeitschrift mit den vielen bunten Bildern auf Hochglanzpapier?

    “Todesküste” im Titel? Is klar. Erinnert mich an an deutsche “Zeitung” Die Fischer wurden dort erst vorige Woche angelernt.

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    • 6. März 2012 um 19:26 Uhr
    • f.loskel
  9. Kommentar zum Thema

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