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Bunte (illegale) Tomatenvielfalt

Von 13. September 2012 um 18:31 Uhr

Bunte (illegale) Tomatenvielfalt im eigenen Saft, Buttermilchschaum, Verjuszwiebeln, Vogelmiere und Brezelbröckel

 

… so steht es auf unserer Speisekarte, um die Gäste für alte Tomatensorten zu sensibilisieren.

Immer mehr Tomatensorten verschwinden Jahr für Jahr vom Markt. Die Sortenzulassungsverfahren sind derart kompliziert und gewünscht wird vor allem eine Einheitstomate, die auf Bundes- und EU-Ebene besteht. Es ist wie bei anderen Obst- und Gemüsesorten auch, man legt sich auf wenige Sorten fest, das ist bequem für die Herstellung. Wirtschaftlich uninteressante Sorten werden nicht mehr zugelassen. Diese alten Sorten, die oftmals besser im Geschmack sind, kann man nur in seinem eigenen Garten anbauen und das nur zur eigenen Verwendung. Zum Glück hat man immer noch eine gute Auswahl, das Internet macht es möglich. Es gibt noch Anbieter, die sich auf die alten Sorten spezialisiert haben und immer mehr Hobbygärtner nutzen die Angebote. Meist werden sie als Zierpflanzensaatgut angepriesen, so erspart sich der Händler Ärger, denn es ist verboten, mit nicht zugelassenen Sorten zu handeln. Tauschen ist dagegen erlaubt.“ (Quelle)

Und so tausche ich Tomaten in meinem kleinen Tomatennetzwerk mit Vor-, Stadt- und Kleingartenbesitzern, Bio-Gärtnern  und einigen Tomatenfreaks. Auch Winzer bauen gerne Tomaten an: Legendär die Ochsenherztomaten von Paul Fürst aus der Lage Bürgstadter Centgrafenberg.

Bei meinen Köchen bin jetzt ich der “Tomatensommelier”, der stets auf die richtige Behandlung seiner Lieblinge achtet, nicht zu kalt, nicht zu warm, volle Aromen, Reifegrade und Zusammenstellung.

Für die oben gezeigte Vorspeise gibt es kein Rezept. Wir nehmen die vorhandene Tomatenvielfalt und behandeln jede einzelne Frucht, wie es gerade passt oder passen könnte. Manche Tomaten werden dünn aufgeschnitten, manche grob gewürfelt. Die gelben, mehligen Sorten „quetsche“ ich gerne. Von den schwarzen Sorten schmecken Saft und Kerne sehr intensiv. Ochsenherztomate gibt es als Spalte, Eiertomaten als Streifen. Alles nach Lust und Laune (zwei unabdingbare Kochzutaten). Komplementiert wird alles mit Vogelmiere, Buttermilch-Tomatenschaum, feinen Verjuszwiebeln und Brezelbröckel.
Hoffentlich einige Anregungen für Sie, den Tomatenendspurt zu genießen.

Zum Stöbern bitte hier entlang

 

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Und ein weiteres Beispiel, dass das Internet nicht nur böse ist!
    Viele der angeblich alten Sorten sind jedoch keine, da muss man einfach ein wenig selbst recherchieren.
    Nichts spricht aber gegen neue, geschmackige Sorten. Nur das alte zu erhalten, ist ja auch keine Lösung.

    • 13. September 2012 um 20:08 Uhr
    • Heike
  2. 2.

    Hier eine interessante Internetadresse:

    http://www.tomatenadel.de

    • 16. September 2012 um 13:09 Uhr
    • Der alte Koch
  3. 3.

    Den Begriff “-freaks” mag man in dem Zusammenhang eigentlich nicht lesen. Wenn es schon denglisch werden soll, dann doch eher “-fans”.
    Das um so mehr, als man ja selbst als “Tomatensommelier” aufläuft.

  4. 4.

    Illegale Tomatenvielfalt für wen? Weil die EU sagt, müssen wir hopsen? Wo steht, dass ich unbedingt politischen Schwachsinn beherzigen muss? Schön, dass hier mal jemand macht was er will und zeigt, dass es einem gut bekommen kann. Das Internet ist somit sehr bekömmlich.

    Vielleicht ist es genau die Lösung, um sich vom politischen Müll abzusetzen. Nach dem Motto:
    “Verkaufe Tomaten-Zierfrüchte. Diese Früchte sind nicht für den Verzehr gedacht, können aber bei Verwendung für Speisen keinen gesundhetlichen Schaden anrichten und sind rein ökologisch gezüchtet.”

    Danke EU, wir machen das schon mit den Gemüsemonopolisten!

  5. 5.

    Schon der Ausdruck “Sortenzulassungsverfahren” ist ein Graus: dieses arrogante, korrupte Eurofunktionärspack schreibt uns – und der Natur – vor, was es an Pflanzen denn noch geben darf und was wir essen dürfen!
    “Es ist verboten, mit nicht zugelassenen Sorten zu handeln” – wenn man so etwas liest, könnte man wirklich zum Bioterroristen werden!

    • 17. September 2012 um 17:35 Uhr
    • w.brühlmann
  6. 6.

    das sortenzulassungsverfahren ist von und für das große agribusiness gemacht. zum agribusiness kann man stehen wie man will, dort hat es allerdings seinen sinn. schließlich soll durch die zulassung gewährleistet werden, dass die neuen sorten auch wirklich höhere erträge bieten als die alten. man vergleiche: die zulassungsverfahren für neue pharmaprodukte sind vom prinzip her ähnlich, und dort habe ich noch nie jemanden gehört, der da argumentiert wie bei saatgut.

    für alle, denen das höher, schneller, weiter in der landwirtschaft ein graus ist, gibt es bio-saatgutversande und ökologische saatgutforschung, kartoffelbauern mit internethandel, und lokale und überregionale saatgutbörsen, die alle von der eu aus quasi unter artenschutz stehen. der verfasser dieses blogbeitrags übertreibt in seiner feststellung, dass tomatenvielfalt illegal sei.

    • 17. September 2012 um 18:06 Uhr
    • knus horlanski
  7. 7.

    Und wenn Sid jetzt noch den ganzen Krimskrams wie die brezendinger weglassen, dann wird es richtig gut.

    • 17. September 2012 um 21:45 Uhr
    • bth
  8. 8.

    Zum Thema Krimskrams wäre noch zu ergänzen:
    Wer hat sich nur diese ekelerregenden Schäumchen einfallen lassen, die auf dem Teller aussehen wie Spucke!? Da hilft auch der Hinweis auf die “Buttermilch” nicht. Nein danke.

    • 18. September 2012 um 10:00 Uhr
    • Ilona Schulz
  9. Kommentar zum Thema

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