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Netzfilm der Woche

Netzfilm der Woche: “Crowded Healing”

Von 19. Mai 2013 um 12:04 Uhr

Die philippinische Hauptstadt Manila und ihre Metropolregion zählen zu den am dichtesten besiedelten Orten der Erde. Bis zu 43.000 Menschen teilen sich hier einen Quadratkilometer Stadtgebiet. Das führt dazu, dass selbst auf Friedhöfen neue Armensiedlungen entstehen. Nun haben die Behörden darauf reagiert: Nach dem jüngsten Anstieg der Kriminalität wurden viele Familien von den Friedhöfen vertrieben.

Der Fotograf Manuel Domes, der zurzeit für eine NGO auf den Philippinen arbeitet, hat Menschen besucht, die ihr “Zuhause” auf dem Friedhof verloren haben. Sie schlagen sich in Aushilfsjobs oder auf Müllhalden durch, wo der stechende Geruch und Rauch die Lungen schädigt. Da sie sich keine medizinische Hilfe leisten können, legen sie ihr Schicksal in die Hände sogenannter Geisterheiler.

An drei verschiedenen Schauplätzen in der Stadt, die doch alle miteinander verbunden sind, blickt Domes auf die enge Verbindung von Armut und Spiritualität. Crowded Healing ist das Abschlussprojekt seines Fotojournalismus-Studiums an der Ateneo de Manila University.

ZEIT ONLINE: Wie sind Sie mit den Personen im Film in Kontakt getreten?

Manuel Domes: Mehrere NGOs vor Ort haben mir bei der Recherche und Vermittlung sehr geholfen. Auf die Familie in Makati bin ich zufällig gestoßen, als ich dort in der Nähe des Friedhofs unterwegs war und mit einigen Leuten auf der Straße gesprochen habe.

ZEIT ONLINE: Sie ließen sich einfach filmen?

Domes: Generell haben die Leute hier wenige Berührungsängste gegenüber Fremden mit Kameras. Allerdings ist es in einigen Gegenden aus Sicherheitsgründen wichtig, vorher vertrauenswürdige Kontakte herzustellen.

ZEIT ONLINE: Im Film heißt es, dass die Familien auf dem Friedhof im Vergleich zum Leben “draußen” relativ glücklich waren. Was hat sich für sie geändert nach der Räumung?

Domes: Auf dem Friedhof konnten die Familien recht einfach kostenlos Wasser und Strom beziehen, was “draußen” schwierig oder zu teuer ist. Auch die Übernachtungsmöglichkeiten sind auf den Gräbern des Friedhofs besser und sicherer als auf der Straße. Die meisten Familien hatten ihre Einkommensmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe des Friedhofs, sodass sie nach der Räumung nun für den Weg zu ihrer Arbeit bezahlen müssen. Dies können sich die meisten kaum leisten und schlafen deshalb häufig in der Nähe des Friedhofs auf der Straße.

ZEIT ONLINE: Sie lassen die Beteiligten im Film ohne Autor-Kommentar und Einschätzung erzählen, selbst bei Themen, die uns Europäern wohl als “spirituell” vorkommen. Wieso haben Sie sich für diesen Ansatz entschieden?

Domes: Die Idee des Films war, eine Art Panorama verschiedener Gesichter und Geschichten von Überbevölkerung, öffentlicher Gesundheit und Spiritualität zu entwerfen. Ich wollte eher Fragen aufwerfen und Diskussionen anregen, statt zu versuchen, Antworten und Definitionen zu liefern. Deshalb habe ich mich dafür entschieden auf eine Kommentierung der Geschichten zu verzichten. Die Personengruppen, die ich im Film zeige, kommen im öffentlichen Diskurs in den Philippinen kaum zur Sprache. Oder sie werden von Interessengruppen und Politikern vereinnahmt, die behaupten, in ihrem Namen zu sprechen. Hierzu wollte ich einen Kontrapunkt setzen.

ZEIT ONLINE: Haben Sie weiterhin Kontakt zu den Personen und verfolgen ihren Weg?

Domes: Ich stehe weiterhin in Kontakt zu den vermittelnden NGOs und zu einigen der Personen im Film. Im Laufe der kommenden Wochen möchte ich allen Beteiligten eine Kopie des Films zeigen oder zukommen lassen. Ich habe auch noch mehrere Stunden ungenutzter Interviewmaterialien, die ich langfristig gerne als Basis für einen längeren Film verwenden möchte.

Netzfilm der Woche: “Euphonia”

Von 5. Mai 2013 um 12:52 Uhr

euphonia_poster_small Listen. Im Fall von Euphonia sagt das Filmplakat schon alles: Listen, hör zu. Nicht etwa auf den Dialog, denn es wird wenig gesprochen in dem 53-minütigen Film. In Euphonia dreht sich alles um den Sound: Um knarzende Schritte im Kies, das Rattern von Einkaufswagen, statisches Rauschen im Radio und die Klänge sanfter Musik. Diese Geräusche bestimmen das Leben des jugendlichen Schülers, der eines Tages ein Aufnahmegerät entdeckt und fortan jeden Moment seines Lebens aufnimmt.

Das allgegenwärtige Aufnahmegerät spielt die Hauptrolle, sämtliche Aufnahmen während der Dreharbeiten wurden direkt mitgeschnitten. Kratzen, Übersteuerungen und Schläge gegen das Mikrofon inklusive, was zur Immersion der Zuschauer beiträgt.

Der 25-jährige Regissuer Danny Madden hat im vergangenen Jahr mit (Notes) on Biology bereits einen erfolgreichen Kurzfilm veröffentlicht. Euphonia entstand direkt im Anschluss, benötigte in der Entstehung aber fast ein ganzes Jahr länger, denn ein Budget gab es nicht. Alle an dem Film Beteiligten sind Freunde und Bekannte von Madden, sein jüngerer Bruder Will übernahm die männliche Hauptrolle. Insgesamt habe der Film nur 1.000 Dollar und “zahlreiche Erdnussbuttersandwiches aus der Küche der Eltern” gekostet, sagt Madden.

Euphonia ist nicht bloß ein experimenteller Film mit exzellentem Sounddesign. Er ist auch ein Stück Technologiekritik. Der Protagonist wird im Laufe der Handlung immer abhängiger von seinem Gerät, Realität und Aufnahmen vermischen sich so sehr, dass sogar die aufkeimende Beziehung mit einer Klassenkameradin zu scheitern droht.

Madden, der selbst um einen moderaten Gebrauch von Computern und Smartphones bemüht ist, hat in der Vorbereitung auf den Film erfahren, wie ein Aufnahmegerät zwar seine Sinne für die Geräusche um ihn herum schärfte, er sich aber bald gezwungen fühlte, alles aufnehmen zu müssen. Genau um diese Übertreibung geht es in Euphonia.

Apropos übertreiben: Mit einer Laufzeit von über 50 Minuten ist Euphonia lang, bisweilen zu lang. Und läuft Gefahr, ein Opfer seiner eigenen Idee zu werden. Gleichzeitig aber tut Madden gut daran, sich dem Trend zu kürzeren Online-Produktionen zu widersetzen. Denn erst nach einer gewissen Zeit stellt sich das Bedürfnis ein, wirklich richtig hinzuhören.

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Netzfilm der Woche: “Obey the Giant”

Von 21. April 2013 um 12:00 Uhr

Shepard Faireys berühmtestes Werk ist ein pastellfarbenes Stencil mit den Worten “HOPE” und dem Konterfei Barack Obamas. Zunächst als einmalige Aktion gedacht, entwickelte sich das Motiv schnell zu einem der prägnantesten Bilder von Obamas Wahlsieg 2008. Inzwischen hängt es neben den bekanntesten Porträts der US-Geschichte in der Nationalen Porträtgalerie in Washington.

"André the Giant has a Posse" von Shepard Fairey

“Andre the Giant has a Posse” von Shepard Fairey

Das Obama-Poster hat Fairey weltberühmt gemacht, doch die Karriere des Streetart-Künstlers begann fast zwanzig Jahre zuvor – mit einer ähnlichen Idee. Es war das Gesicht des massigen Wrestlers André the Giant, das Fairey zu seinem ersten Durchbruch verhalf. Damals, 1990, studierte Fairey an der Rhode Island School of Design (RISD) in Providence. Die Sticker brachten es schnell zu einem gewissen Ruhm in Skater-Kreisen, der große Coup folgte später: Eines Nachts kletterte Fairey auf eine Reklametafel und kleisterte seinen Giganten über ein Wahlplakat des ebenso legendären wie gefürchteten Bürgermeisters “Buddy” Cianci. Die Aktion war für ein Studienprojekt gedacht, doch die Folgen waren weitreichend: Praktisch jede Lokalzeitung griff die Story des “Vandalen” auf – und Faireys Kunst war stadtbekannt.

Genau diese Geschichte erzählt der Film Obey the Giant von Julian Marshall. Im vergangenen Frühjahr suchte der 22-Jährige, der nicht zufällig ebenfalls an der RISD studierte und einst ein Praktikum unter Fairey absolvierte, per Kickstarter nach Unterstützern, um sein Abschlussprojekt fertigzustellen. 65.000 US-Dollar kamen zusammen.

Der 20-minütige Film ist bemerkenswert. Marshall hat sich nicht für das naheliegende Genre der Dokumentation entschieden, sondern für einen Spielfilm. Obey the Giant besticht durch seine exzellenten Schauspieler, durch ein bis in die Details ausgeklügeltes Set-Design und nicht zuletzt durch das große Talent des Regisseurs. Kaum jemand würde hinter Obey the Giant einen Studentenfilm vermuten.

Allerdings wird auch nicht jeder Studentenfilm mit so großem Aufwand produziert. An den acht Tage dauernden Dreharbeiten waren 150 Leute beteiligt. Und doch zeigt Obey the Giant, dass sich mit Hingabe und einer guten Idee auch ambitionierte Filme erstellen – und vor allem finanzieren – lassen.

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Netzfilm der Woche: “Beast”

Von 14. April 2013 um 12:00 Uhr

Im aktuellen Kinofilm Die Jagd greift der dänische Regisseur Thomas Vinterberg wie schon in Das Fest (1999) das Thema des sexuellen Kindesmissbrauchs auf. Es geht um die dünne Linie zwischen Vertrauen und Gewalt, zwischen Wahrheit und Lüge. Es ist ein wichtiger, ein ungemütlicher Film und vor allem einer der einmal mehr beweist, dass das dänische Kino auch die unangenehmen Themen nicht scheut.

Das zeigt auch Lars P. Arendt. In seinem Kurzfilm Beast geht es ebenfalls um ein ebenso unbequemes wie wichtiges Thema, nämlich um häusliche Gewalt. Der zehnjährige Benjamin wird wiederholt Zeuge davon, wie sein Vater seine Mutter schlägt. Doch diesmal glaubt er nicht mehr den faulen Ausreden seiner Eltern. Er entschließt sich, seinem Vater die Stirn zu bieten.

Wo Vinterberg elegant mit Andeutungen spielt, ist Arendts Film, auch der Kürze geschuldet, direkter. Und nicht minder intensiv: Benjamins vermeintlicher Ausweg besteht nämlich ausgerechnet darin, es seinem Vater gleichzutun, ihm ebenfalls mit Gewalt gegenüber seiner Liebsten, in diesem Fall einem unschuldigen Hundewelpen, zu begegnen. Den Höhepunkt des Films bildet eine schockierende Szene, in der die Grenzen zwischen Rache und Strafe, Moral und Gerechtigkeit verschwimmen.

Zwar folgt Beast nicht allen Regeln der dänischen Dogma-95-Bewegung, die unter anderem auch Vinterberg einst mit ins Leben rief, doch mit der Reduzierung auf einen einzigen Schauplatz (den Hof der Familie), und dem Verzicht auf Effekte, Musik und künstliche Beleuchtung, deutet sich zumindest eine ästhetische Nähe zu dieser Filmtradition an. Thematisch muss er sich ohnehin nicht vor den unbequemen, dänischen Dramen verstecken.

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Netzfilm der Woche: “Premier Automne”

Von 7. April 2013 um 12:00 Uhr

Die Jahreszeiten sind der Bestandteil unzähliger Mythen. Von der Erzählung des Hades und der Persephone in der griechischen Mythologie bis hin zum allgegenwärtigen Winter is coming der US-Hitserie Game of Thrones ist das Wechselspiel zwischen Winter und Sommer ein ebenso universelles wie kraftvolles Bild in Kunst, Literatur und Film.

Auch der französische Animationsfilm Premier Automne von Carlos De Carvalho und Aude Danset greift die Thematik der Jahreszeiten auf. Abel, der Hüter des Winters, und Apolline, die Hüterin des Sommers, bewegen sich zu Beginn des Films in ihren natürlichen Sphären: Der eine lebt in einer verschneiten, brachen Landschaft, die andere wiegt sich unter blühenden Bäumen in einer nahezu paradiesischen Ruhe. Eines Tages treffen sich die beiden. Auf die anfängliche Berührungsangst folgt aber nicht etwa die Versöhnung, sondern die bittere Erkenntnis, dass sie nicht beide zur gleichen Zeit am gleichen Ort existieren können.

Premier Automne mag mit seiner niedlichen Animation und Figuren, die wohl eher zufällig an das Sandmännchen erinnern, kindlich wirken. Doch die Symbolik geht über die Beziehung der Jahreszeiten hinaus. Es ist eine wundervoll gezeichnete Allegorie des Lebenszyklus, des natürlichen Gleichgewichts zwischen Leben und Tod, an dessen Ende die gegenseitige Akzeptanz steht. Der Herbst.

Der Film wird unter anderem im Juni auf dem renommierten Animationsfilmfestival Annecy außer Konkurrenz laufen. Auf Vimeo gibt es zudem noch ein Making-of zu sehen.

Netzfilm der Woche: “Flamingo Pride”

Von 22. März 2013 um 20:05 Uhr

Schwule Flamingos gibt es tatsächlich. Möglicherweise war die Geschichte auch die Inspiration für Flamingo Pride von Tomer Eshed, der im Berliner Animationsstudio Talking Animals entstanden ist und gleichzeitig Esheds Abschlussfilm an der Potsdamer HFF war. In dem fünfminütigen Film feiern Zigtausende schwule Flamingos eine riesige Gay Pride Parade. Nur ein einzelner Hetero-Artgenosse ist nicht wirklich glücklich dabei, er liebäugelt vielmehr mit den Störchen am – aufgepasst – anderen Ufer. Doch der Versuch, mit ihnen anzubandeln, ist alles andere als leicht und zwingt ihn zu drastischen Maßnahmen.

Flamingo Pride erinnert an das Genre der Screwball-Komödie, die sich durch skurrile Figuren, bizarre Wendungen und Slapstick-Einlagen auszeichnet. Mit vielen kleinen Details und überdrehtem Humor bietet der Film, der stilistisch an Filme wie Ice Age erinnert, prima Unterhaltung und nimmt sich selbst nicht allzu ernst.

Bis zu 30 Menschen arbeiteten insgesamt an dem Streifen, der inzwischen mehrere Festivalpreise gewonnen hat. Es war nicht der erste Erfolg für Tomer Eshed: Mit seinem Animationsfilm Our Wonderful Nature über das Liebesleben von Wasserspitzmäusen hatte er es bereits 2009 in die Endrunde der Studenten-Oscars geschafft.

Und ja, ohne Klischees kommt Flamingo Pride leider auch nicht aus. Die ausgeflippten, bunten, liebesuchenden Homosexuellen auf der einen und die biederen Störche und Enten auf der anderen Seite sind natürlich Stereotypen, die Eshed aber sogleich als solche überspitzt auszeichnet. Man verzeiht es ihm, denn gerade diese Überdrehtheit macht Flamingo Pride so komisch.

Netzfilm der Woche: “Stille Nacht”

Von 17. März 2013 um 12:17 Uhr

Kandahar, Afghanistan am 11. März 2012. Der 38-jährige US-Soldat Robert Bales verlässt nach einer durchzechten Nacht in den frühen Morgenstunden den Armeestützpunkt Camp Belambay. Er läuft in das nahe gelegene Dorf, betritt drei Häuser und erschießt insgesamt 16 Menschen, darunter neun Kinder. Einige seiner Opfer verbrennt er, dann kehrt er in das Lager zurück.

Ein Jahr später steht Bales vor einem amerikanischen Kriegsgericht. Die Staatsanwaltschaft fordert die Todesstrafe für den Unteroffizier, seine Verteidiger führen psychische Probleme durch frühere Kampfeinsätze an. Ein Urteil ist noch nicht in Sicht.

Die Autorin und Filmemacherin Lela Ahmadzai vom Berliner Multimedia-Studio 2470media nahm den Jahrestag des Massakers zum Anlass, um mit den Menschen zu sprechen, die in den westlichen Medien nur selten auftauchen: die Angehörigen der Opfer. Für ihre Videoreportage Stille Nacht reiste sie nach Kandahar. Ein Unterfangen, das nicht leicht war, wie sie im Interview erzählt.

ZEIT ONLINE: Sie sind in Afghanistan aufgewachsen. War das für Sie ein Grund, gerade über diesen Fall zu berichten?

Lela Ahmadzai: Nachdem das Massaker passiert war, hatte ich recht schnell die Idee, darüber etwas zu machen, und bin dazu auch verschiedene Zeitungen und Zeitschriften angegangen. Ich bin Afghanin und mit 17 nach Deutschland ausgewandert. Paschto ist meine Muttersprache, so hatte ich einen direkten Zugang zu den Angehörigen. Die Recherche hat mehr als sechs Monate gedauert, denn die Menschen, mit denen ich sprechen wollte, haben kein Telefon oder E-Mail. Dazu kommt, dass sie nicht mehr in ihren Dörfern leben, wo das Massaker passierte. Sie sind über die ganze Provinz Kandahar verteilt. Ich brauchte also jemanden vor Ort, der losging, um diese Menschen erst einmal zu finden.

ZEIT ONLINE: In den hiesigen Medien werden meist nur “16 getötete Afghanen” erwähnt. Wollten Sie den Opfern und den Angehörigen eine Stimme geben?

Ahmadzai: Ja. Aber ich wollte der Sache auch journalistisch auf den Grund gehen. Über die von dem Massaker direkt Betroffenen gab es fast keine Berichte. Ich hätte gerne auch mit weiblichen Zeugen gesprochen. Das durfte ich leider nicht, weil es Frauen nach den regionalen Sitten kaum gestattet wird, öffentlich zu sprechen. Geschweige denn gefilmt zu werden.

ZEIT ONLINE: Wie liefen die Gespräche ab?

Ahmadzai: Mein Ziel war es, aus jeder betroffenen Familie Überlebende zu interviewen. Der Film entstand in sieben Tagen in Kabul, was den Vorteil hatte, dass die drei Interviewpartner viel Zeit für mich hatten. Die Interviews, wie sie im Film und dem ergänzenden Footage zu sehen sind, entstanden am siebten Tag. Die Gespräche an den sechs Tagen davor waren aber nicht nur notwendig, um Vertrauen zu gewinnen, sondern auch, um zu verstehen, was gemeint war. Beispiel: Für Alter oder auch Uhrzeit – etwa als Zeitangabe “ich hatte eine Schulter Schlaf gehabt” – verwendet man dort Einheiten, die kaum oder nur durch sehr detailliertes Nachfragen und gemeinsames Durchgehen in hiesige Zeitangaben zu übersetzen sind.

ZEIT ONLINE: Weshalb haben Sie sich entschieden, den fertigen Film so minimalistisch zu halten?

Ahmadzai: Für das Schwarz-Weiß-Format haben wir uns entschieden, da das Massaker ja in der Nacht, im Dunkeln passiert ist. Die Betroffenen hatten kein elektrisches Licht und alles, was passierte, nahmen sie nur silhouettenhaft wahr. Außerdem wirkten die Aufnahmen, die direkt nach dem Massaker gemacht wurden, in Farbe extrem brutal. Das hätte in unserem Film den Fokus weg von den Interviews und subtileren Botschaften genommen.

Bei 2470media produzieren wir Filme in erster Linie für das Internet – und wir möchten, dass möglichst viele Zuschauer sie bis zum Ende sehen. Dass mit dem kompakten Format nicht gleichzeitig eine verkürzte Darstellung des Themas einhergeht, ist dabei natürlich immer wieder die Herausforderung. Bei Stille Nacht haben wir zu den Interviews eine detailgetreue Karte des Geschehens und eine Chronologie der Ereignisse mit veröffentlicht. Der Film ist so “nur” Teil eines größeren Ganzen.

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Netzfilm der Woche: “CatCam”

Von 10. März 2013 um 12:15 Uhr

Was machen Katzen eigentlich, wenn sie draußen unterwegs ist? Wo treiben sie sich die ganze Nacht herum? Wieso rühren sie am nächsten Tag manchmal ihr Futter nicht an? Diese Fragen trieben den deutschen Ingenieur Jürgen Perthold so um, dass er dem streunenden Kater Mr. Lee, der ständiger Gast in seinem Haus in North Carolina war, mit einer Kamera am Halsband ausstattete.  Der Akku reichte für etwa 48 Stunden, jede Minute löste die CatCam automatisch ein Bild aus.

Das war 2007. Damals war Pertholds Erfindung tatsächlich so etwas wie die erste erschwingliche Katzen-Kamera. Das kleine, 70 Gramm leichte Gerät war höchst gefragt, Tausende E-Mails erreichten den Deutschen schon in den ersten Tagen.

Einige Jahre später hat Perthold seine Erfindung patentieren lassen. Inzwischen kann man auch Video- und Liveaufnahmen damit machen. Auch der Kater Mr. Lee hat es zu einem gewissen Ruhm gebracht. Als wohl erste Katze überhaupt hat er einen Fotopreis gewonnen. Und tatsächlich mag man in einigen seiner – nicht ganz freiwilligen – Aufnahmen kaum Unterschiede zur Instagram-Ästhetik erkennen.

Mehr als alles andere ist die Geschichte der CatCam aber eine Geschichte des Internets. Denn ohne die schnelle Verbreitung der Idee und der von Mr. Lee geknipsten Bilder aus dem Unterholz und von seinen Artgenossen, wäre der Erfolg des Projekts nicht möglich gewesen. Längst gibt es auf YouTube Tausende Videos unter dem Stichwort “CatCam”. Das inspirierte auch den Regisseur Seth Keal. In seiner fünfzehnminütigen Dokumentation CatCam: The Movie holte er den Erfinder und natürlich Mr. Lee vor die Kamera.

CatCam läuft nur noch bis zum 22. März exklusiv im Programm des PBS Online-Film-Festivals. Die Macher sagen, sie möchten bald auch eine internationale Version online stellen. Die wird dann selbstverständlich hier nachgetragen.