Offene Daten – offene Gesellschaft

Bilder des Raumfahrtzentrums DLR “befreit”

Von 1. März 2012 um 17:04 Uhr

Die Zerstörungen im Hafen von Sendai nach dem Tsunami – Die TerraSAR-X-Aufnahme vom 12. März 2011 zeigt, dass der Hafen der japanischen Stadt Sendai stark von den Tsunami-Wellen verwüstet worden ist. Die magentafarbenen Flächen zeigen den Grad der Zerstörung in Form von Geröll und Schuttablagerungen an, die blauen Flächen die überschwemmten Gebiete. Quelle: DLR (CC-BY 3.0)

Die Bilder der Nasa können schon seit Jahren frei von jedem verwendet werden. Nun hat sich auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) dazu entschlossen, seine Bilder zu “befreien”. Für die Idee, dass öffentlich finanzierte Daten auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen sollten, ist das ein großer Fortschritt.

Alle Fotos und Videos, die vom DLR gemacht werden, stehen ab sofort unter einer Creative-Commons-Lizenz. Sie können somit unter bestimmten Bedingungen von jedem genutzt werden, um eigene Projekte zu bebildern. Vor allem die Onlineenzyklopädie Wikipedia profitiert davon.

Sie war es auch, die den Anstoß zu der “Befreiung” der Bilder gab. Beziehungsweise Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e.V., also der Verein, der sich hierzulande um Belange rund um die Wikipedia kümmert. Im Mai 2009 hatte Mathias Schindler von Wikimedia Deutschland beim DLR gefragt, ob man die Bilder nicht im Rahmen der Wikipedia nutzen könne. Es hat letztlich mehr als zwei Jahre gedauert, dafür aber ist die Erkenntnis beim DLR offensichtlich angekommen. Das DLR schreibt dazu in seinem Blog:

“Nicht nur, dass uns infolge von Mathias Schindlers Anfrage auffiel, dass wir Wikipedia hier sehr gerne unterstützen wollten – uns fiel auch auf, dass wir als Wissenschafts- und Technologiekommunikatoren das Teilen und damit die Verbreitung bzw. Multiplikation unserer Inhalte durch die allgemeine Öffentlichkeit und Medien unnötig erschwerten und dass wir bei genauer rechtlicher Auslegung unserer Nutzungsbedingungen auch den Medien genau das nicht eindeutig erlaubten, da die entsprechenden Verlage bzw. Unternehmen in den meisten Fällen kommerziell arbeitende Wirtschaftsunternehmen sind.”

Der Nachrichtenagentur dpa sagte DLR-Sprecher Marco Trovatello außerdem:

“Wir sind zu sehr großen Teilen aus Steuermitteln finanziert. Was wir machen, hat der Steuerzahler schon bezahlt. Wir geben die Ergebnisse jetzt dem Steuerzahler zurück.”

Die nun verwendete Lizenz ist die CC-BY 3.0. Sie verlangt lediglich, dass bei Verwendung der Bilder der Name des Urhebers korrekt genannt wird. Gleichzeitig muss eben diese Lizenz und ihre Bedingung mitgeteilt werden. Das heißt, wer ein solches Bild nutzt, kann es nicht exklusiv für sich nutzen, andere dürfen es auch weiterverbreiten.

Das DLR will damit aber nicht nur die Öffentlichkeit und die Wikipedia unterstützen, Zitat:

“Bei der Verwendung von CC-Inhalten geht es uns nicht nur um die gewünschte höhere Reichtweite der DLR-Inhalte, sondern auch um die Unterstützung der Vision von Creative Commons.”

Beim Wikimedia Deutschland ist man dementsprechend begeistert. Angesichts des Erfolges für die Idee “Open Data” rief man die Öffentlichkeit dazu auf, “sich bei Behörden, Archiven und Ministerien Gehör zu verschaffen und für eine freie Lizenzierung von öffentlich finanzierten Werken einzutreten”.

Übrigens eine Forderung, die auch im Zusammenhang mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk erhoben wird. Auch die von ARD und ZDF produzierten Inhalte wurden durch die Öffentlichkeit finanziert. Daher gibt es nicht wenige Menschen, die fordern, sie müssten auch allen zur Verfügung stehen. Allerdings haben private Verlage genau das Gegenteil durchgesetzt. Laut Rundfunkstaatsvertrag verschwinden die Inhalte nach derzeit meistens sieben Tagen aus den Archiven der öffentlich-rechtlichen Sender und sind damit für niemanden mehr nutzbar.

Kategorien: Datengesellschaft
Leser-Kommentare
  1. 9.

    [...] is the original post: Creative Commons: Raumfahrtzentrum DLR "befreit" seine Bilder Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Digital und verschlagwortet mit daten, deutschen, [...]

  2. 10.

    Danke für die Anmerkungen zur Nasa-Lizesierung und zur CC-Lizenz. Ich habe die entsprechenden Stellen überarbeitet.

    lg
    k

    • 1. März 2012 um 22:42 Uhr
    • Kai Biermann
  3. 11.

    Die GEZ ist unnötig aufgeblasen, keine Frage. Alledings müssen die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten unbedingt finanziell unabhängig von Politikern, deren Steuergeldern und deren Interessen sein – zumindest ist das der Plan. Die Realität sieht leider leider ja vollkommen anders aus.

    • 2. März 2012 um 00:42 Uhr
    • d_bolle
  4. 12.

    Eine gute Nachricht für den freien Informationszugang im Internet. Und gut zu wissen, daß man sich an diesem Institut des öffentlichen Auftrags bewusst ist.

    Schönen Abend noch!

  5. 13.

    [...] Daten auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen sollten, ist das ein großer Fortschritt.» Bilder des Raumfahrtzentrums DLR befreit » Creative Commons: Die Jedermann-Lizenz und die Inhalte des DLR OpenStreetMap Und auch [...]

  6. 14.

    [...] DLR dem Beispiel der NASA und nun fehlt noch die Europäische Weltraumorganisation ESA. (heise.de + zeit.de + [...]

  7. 15.

    Mit dem Konzept des “Public Domain” sind die USA weiter als Europa.

    Ganz generell könnte man fordern, dass alles, was vom Staat (mit-)finanziert wird, der Allgemein zur Verfügung stehen sollte.

    Vgl. die “Open Science” Bewegung

  8. 16.

    Werter Claudius,

    Nicht nur das DLR hat Geodaten als OpenSource bereitgestellt, unter dem Stichwort MAPS4DE stehen verschiedene Geodaten der Länder kostenfrei zum Download bereit. Auf der CeBIT werden nächste Woche bereits erste Ideen vorgestellt (Initiative “Apps für Deutschland”), was man mit diesen Daten alles machen kann.
    Ich bin allerdings dafür, dass die Bereitstellung von amtlichen Geodaten Grenzen haben muss. Wenn ich z.B. Methodenwissen habe, wie ich aus frei zugänglichen Katasterdaten, Geodaten zur Wasserversorgung, Bodengüte, Erosionsanfälligkeit etc. den Wert einer landwirtschaftlichen Nutzfläche ableiten könnte, muss das noch lange nicht heißen, dass der Grundstückseigentümer davon begeistert wäre, wenn ich mit diesem Wissen in die Bodenspekulation einsteige.
    Technische Bereitstellung ist das eine – dafür vielen Dank ans DLR – die Diskussion, was bereitgestellt werden müsste, sollte aber überlegt geführt werden. Alles fordern (“is ja bereits bezahlt”), ein Ungleichgewicht bei der Verteilung des Wissens provozieren und damit den Grundstücksmarkt verzerren geht nicht. Aber vielleicht hatten Sie das ja auch nicht im Auge.

    Mit besten Grüßen
    J. Rebehn

    • 2. März 2012 um 12:44 Uhr
    • JRebehn
  9. Kommentar zum Thema

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