Offene Daten – offene Gesellschaft

API – das bald wichtigste Werkzeug des Journalisten

Von 13. März 2012 um 09:22 Uhr

Die API von Twitter bietet Zugang zu den Daten des Dienstes - Screenshot ZEIT ONLINE

Sharing is caring“, lautet einer der Kernsätze des freien Internets. Wer Informationen und Inhalte teilt, heißt das, der vermehrt das Wissen aller. Lange waren Links das einzige Instrument, um an den Inhalt einer Website zu gelangen. Inzwischen gibt es jedoch eines, das viel mächtiger ist, die API.

Die drei Buchstaben sind ein Akronym für Application Programming Interface, also eine Schnittstelle, damit Computer miteinander reden und automatisiert Daten tauschen können. Viele Dienste wie beispielsweise Twitter bieten solche Schnittstellen. Über sie können die in den Diensten enthaltenen Informationen – beispielsweise die Tweets – ausgelesen und weiterverarbeitet werden.

Warum das alles hier erwähnt wird? Weil APIs die Voraussetzung für das Konzept offener Daten sind. Denn niemand wird sich hinsetzen und die europäischen Bevölkerungsstatistiken von Hand in Tabellen eintragen wollen, damit er irgendwann daraus eine Karte bauen kann. Damit Daten überhaupt weiterverarbeitet werden können, müssen sie automatisiert zugänglich sein. Dieser Zugang, eben die API, ist also eine der Bedingungen, damit Daten den Stempel “offen” verdienen.

Seit einiger Zeit entwickelt sich auch in Deutschland eine neue Arbeitsweise, Daten-Journalismus genannt. Noch beschränkt sich der auf kleine Teams, die frei oder für ein paar große Verlage arbeiten. Das aber wird sich ändern, und APIs werden schon bald eines der wichtigsten Instrumente von Journalisten sein. Sie werden die Bedeutung haben, die früher das Telefon für die Arbeit von Medien hatte und die derzeit Google hat. Denn sie sind ein machtvolles Werkzeug, um an Informationen zu gelangen.

Wer ein wenig mehr zur Arbeitsweise von Schnittstellen wissen will und wie Journalisten sie nutzen können, hier entlang.

Das Poynter-Institut, eine renommierte Journalistenschule in Florida, hat gerade einen interessanten Text dazu veröffentlicht. “Acht APIs, die Ihre Nachrichtenredaktion ab sofort nutzen sollte”, lautet die Überschrift.

Aufgeführt ist dort beispielsweise der Datenzugang der Weltbank. Dort gibt es Finanzdaten aus mehr als 50 Jahren.

Oder der zur Open Library. Die will Informationen über “jedes jemals erschienene Buch” sammeln. Ein Katalog der Welt-Bibliothek, in dem bereits 20 Millionen Bücher erfasst sind. In vielen Fällen beschränkt sich das auf die bibliografischen Angaben zu den Büchern, also beispielsweise Autor, Verlag, Erscheinungsjahr und Ort. Wenn das Urheberrecht es zulässt, wird aber auch der komplette Inhalt aufgenommen. Bereits eine Million Bücher wurden vollständig eingescannt, sodass sie gelesen und durchsucht werden können.

Aufgeführt sind aber auch zwei Medien, die selbst APIs bereitstellen, um ihren Inhalt weiterzugeben, USA Today und der Guardian. Bei der amerikanischen Zeitung können damit Überschriften und Metadaten durchsucht und sortiert werden. Die britische Tageszeitung stellt sogar den kompletten Inhalt der Texte ab 1999 zur Verfügung und bietet verschiedene Lizenzmodelle an, um diese Inhalte zu nutzen.

Noch sind viele Verlage leider sehr mit der Idee beschäftigt, ihre Inhalte so gut wie möglich gegen eine Nutzung durch andere abzuschotten. Es wäre nicht schlecht, wenn sich das bald änderte. Immerhin sind auch Zeitungsarchive riesige Datenschätze, aus denen sich neue Erkenntnisse gewinnen lassen.

Kategorien: Datenjournalismus
Leser-Kommentare
  1. 9.

    [...] Kai Biermann auf dem Data Blog von Zeit Online: Seit einiger Zeit entwickelt sich auch in Deutschland eine neue Arbeitsweise, Daten-Journalismus genannt. Noch beschränkt sich der auf kleine Teams, die frei oder für ein paar große Verlage arbeiten. Das aber wird sich ändern, und APIs werden schon bald eines der wichtigsten Instrumente von Journalisten sein. Sie werden die Bedeutung haben, die früher das Telefon für die Arbeit von Medien hatte und die derzeit Google hat. Denn sie sind ein machtvolles Werkzeug, um an Informationen zu gelangen. [...]

  2. 10.

    Zitat:
    Die drei Buchstaben sind ein Akronym für Application Programming Interface, also eine Schnittstelle, damit Computer miteinander reden und automatisiert Daten tauschen können.

    Das ist aus Sicht eines Softwareentwicklers nicht richtig. Application Programming Interface bezeichnet in der Softwarebranche die Möglichkeit, bereits programmierte Funktionalitäten bei der Erstellung von Programmen zu nutzen.

    Herzliche Grüße

    • 13. März 2012 um 15:35 Uhr
    • P.Kaulmann
  3. 11.

    sharing ist caring, right, habe letztens populr.de entdeckt, eine deutsche reddit installation, auch praktisch um seine eigenen bookmarks abzulegen

    • 13. März 2012 um 19:30 Uhr
    • Michael
  4. 12.

    [...] API – das bald wichtigste Werkzeug des Journalisten « Datenjournalismus « Data Blo… [...]

  5. 13.

    @Ronald Dae:
    Ich denke nicht, dass die Echtzeit-Darstelllung der Daten direkt vom Hersteller die Zukunft sein wird. Viel eher wird eine API ein Werkzeug sein, um einfachere Recherchen zu ermöglichen.
    So könnte man beispielsweise die Daten des Statistischen Bundesamtes durchaus in viele Artikel, die sich mit Behauptungen von Politikern auseinandersetzen, nutzen.
    Wenn man Daten dann im Artikel darstellen möchte, so kann man diese auch selbst vorhalten (worauf sie mit dem Hinweis auf Exportmöglichkeiten auch schon hindeuten), so dass die meisten Punkte ihrer Argumentation hinfällig werden.

    Generell ist es zu begrüßen, wenn sich Artikel auf einfacher zu erlangende Daten stützen. Wie bereits angemerkt ist die Initiative OpenData allerdings der (politische) Weg dahin, (gute) APIs sind nur ein Werkzeug.

    • 14. März 2012 um 08:40 Uhr
    • Sandro
  6. 14.

    APIs erfordern nicht zwingend Programmierkenntnisse. Ein Beispiel sind RSS Feeds (wenn auch ein wenig aus der Mode gekommen). Feeds sind auch nichts anderes als APIs für Blogs. Aber nicht jeder muss programmieren können um einen RSS Feed zu nutzen. Stattdessen gibt es Programme, die das Format verstehen und dann entsprechende Funktionen darauf aufbauen. Der entscheidende Punkt ist, dass eine API Informationen über die Struktur und Semantik der Inhalte bereitstellt, die von Maschinen verstanden werden können.

    • 14. März 2012 um 08:50 Uhr
    • Jan Ehrhardt
  7. 15.

    Muss man wirklich alles machen, nur weil es möglich ist?

    • 14. März 2012 um 10:04 Uhr
    • Klaus
  8. 16.

    @ Ronald Dae

    Das sind sicher alles schöne Gründe. Nur wird das allerdings schon längst gemacht (es ist ja in Deutschland immer alles zwei bis drei Jahre später später, wenn es mit Internet zu tun hat).

    Zu der Komplexität der APIs: REST-API, die JSON basiert sind (oder meinetwegen auch XML), sind ja meist eher einfach auszulesen und zu verstehen. Gute Statistiktools gibt es für wenig Geld. Und die wirklich interessierten Zeitungen können ja auch sowas wie einen Data-Desk einrichten. Dann sind auch die Informatiker nicht länger aussen vor, sondern können Programme schreiben, die Daten irgendwo auslesen.

    Der Guardian hat dem ganzen ein eigenes Blog gewidmet: http://www.guardian.co.uk/news/datablog

    Ergebnisse der APIs kann man hier ansehen: http://www.informationisbeautiful.net/

  9. Kommentar zum Thema

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