Offene Daten – offene Gesellschaft

Weltbank stellt alle Studien unter CC-Lizenz ins Netz

Von 21. Mai 2012 um 15:19 Uhr

Wie viel Prozent der Spanier nutzen das Internet? Wie hoch ist die Jugendarbeitslosigkeit in den USA? Nimmt der griechische Staat, gemessen an der Wirtschaftsleistung des Landes, wirklich weniger Steuern ein als der Deutsche? Wie groß ist die Fläche, die in Afghanistan durch Landminen verseucht ist? Hat Venezuela das Millenniumsziel schon erreicht, die Zahl der Armen zu halbieren? Wie gut ist die Ausbildung der Menschen in der arabischen Welt?

Antworten auf diese und viele andere Fragen finden sich in der Online-Datenbank der Weltbank. Schon seit längerer Zeit stellt die Weltbank der Öffentlichkeit viele ihrer Statistiken zur Verfügung. Zum Teil reichen die Daten Jahrzehnte zurück – eine echte Fundgrube. Nicht alle Statistiken sind bisher öffentlich, aber die wichtigsten lassen sich in der Online-Datenbank oder über eine Programmierschnittstelle (API) durchsuchen. Man kann sie auch herunterladen und dann mit Excel oder anderen gängigen Tabellenkalkulationsprogrammen weiterverarbeiten.

Jetzt will die Weltbank ihre Arbeit noch stärker in die Öffentlichkeit tragen. Ab dem 1. Juli sollen alle neuen Publikationen von Weltbank-Mitarbeitern im Netz frei verfügbar sein, ebenso neue Forschungsarbeiten, die von der Bank finanziert wurden. Damit sei jedermann “frei, die meisten Wissensprodukte und Forschungsergebnisse der Bank zu nutzen, wiederzuverwenden und weiterzuverbreiten, sei es zu kommerziellen oder nicht kommerziellen Zwecken”, teilt die Institution mit.

Einzige Bedingung: Die Weltbank muss als Urheber genannt werden (Creative-Commons-Lizenz CC BY). Um das gesammelte Wissen möglichst leicht zugänglich zu machen, will die Weltbank die Dublin-Core-Standards für Metadaten und das Open-Archives-Initiatives-Protokoll befolgen.

Was bringt das der Entwicklungspolitik? Darüber wollen zwei Weltbank-Leute am heutigen Montag mit Peter Suber, dem Direktor des Harvard Open Access Project, und Michael Carroll, Gründungsmitglied von Creative Commons diskutieren. Wer wollte, konnte vorab Fragen einschicken oder kann sich über Twitter (Hashtags: #wblive oder #openaccess) an der Debatte beteiligen.

Kategorien: Datenquelle
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Das ist eine Verschlechterung gegenüber §5 Urhebergesetz. Nach deutschem Recht sind amtliche Werke urheberrechtsfrei. Bei der Weltbank haben wir also offenbar schon einen Schaden, den die absurde Urheberrechtsdebatte hervorgerufen hat. Wieder zum Schaden der Bürger.
    http://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__5.html

    • 21. Mai 2012 um 15:39 Uhr
    • Wolfgang Ksoll
  2. 2.

    [...] Wie viel Prozent der Spanier nutzen das Internet? Wie hoch ist die Jugendarbeitslosigkeit in den USA… [...]

  3. 3.

    [...] .. zeit.de .. Weltbank stellt alle Studien unter cc-Lizenz ins Netz  Veröffentlicht von fk am [...]

  4. 4.

    Ich begruesse es sehr, dass sich mehr und mehr Organisationen (zB National Insitutes of Health, http://publicaccess.nih.gov ) und Forschungseinrichtungen (zB MIT, http://libraries.mit.edu/oapolicy , http://dspace.mit.edu/ ) zu Open Access bekennen. Eingeleitet durch einige “Big Player”, wird Open Access hoffentlich schon bald auf breiter Front der Durchbruch gelingen.

    Zum Thema passend gibt es derzeit eine Petition, in der die US-Regierung auffordert wird, Open Access zu fuer staatlich gefoerderte Forschungsprojekte verpflichtend einzufuehren. Eine vergleichbare Kampagne waere auch fuer Deutschland und der EU wuenschenswert.

    Webseite zur Petition: http://access2research.org/

    • 21. Mai 2012 um 18:11 Uhr
    • Robert
  5. 5.

    Hallo Herr Ksoll,

    die Weltbank unterliegt ja nicht deutschem Recht; und nicht alle Forschungsarbeiten sind amtliche Werke. Auch deutsche Unis drucken z.B. Doktorarbeiten häufig im Selbstverlag, statt sie ins Netz zu stellen. Wer die Arbeiten lesen will, muss sie kaufen oder aus Bibliotheken entleihen. Für Weltbank-Studien gilt das bald nicht mehr – wo ist der Schaden?

    Beste Grüße,
    Alexandra Endres

    • 21. Mai 2012 um 21:29 Uhr
    • Alexandra Endres
  6. 6.

    [...] DIE ZEIT: Ab Juli werden alle neuen Publikationen der Weltbank im Netz verfügbar sein – zur freien Verwendu… [...]

  7. 7.

    @Alexandra Endres

    Auch nach US-Recht gibt es kein Copyright für Amtliche Werke:
    “§ 105 · Subject matter of copyright: United States Government works
    Copyright protection under this title is not available for any work of the United States Government …”
    heisst es im US-Copyright Law.
    http://www.copyright.gov/title17/92chap1.pdf

    Die Weltbank ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Washington, D.C. Mitglieder können nur Staaten sein. Meines Erachtens sollten sie sich nicht im rechtsfreien Raum bewegen oder eigenes Recht schöpfen, sondern sich an die Gesetze halten der Staaten, in denen sie operieren. Urheberrecht nach CC zu claimen, wo kein Urheberrecht besteht, ist eine Verschlechterung für die Bürger.

    In den USA ist es üblich (auch für Forschungsarbeiten), dass staatlich finanzierte Ergebnisse in die Public Domain gehören (siehe die ganze Internetsoftware). Es gibt keinen Grund, diese Bürgerrechte einzuschränken.

    • 22. Mai 2012 um 05:38 Uhr
    • Wolfgang Ksoll
  8. 8.

    Was ist denn das bitte für eine Kritik???
    Eine verpflichtende Quellenangabe ist schlicht Sinnvoll um mehr Menschen darüber zu informieren, wo man an jenes Wissen kommt—> mehr menschen haben Zugang zu wissen.
    Dass diese öffnung erst jetzt passiert ist allerdings zu kritisieren.

  9. Kommentar zum Thema

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