Offene Daten – offene Gesellschaft

Open Knowlege Foundation macht Entwicklungshilfe transparenter

Von 1. Oktober 2012 um 17:55 Uhr

Ausgaben der deutschen Entwicklungshilfe / Screenshot von http://www.offene-entwicklungshilfe.de/

Wohin geht das Geld? Diese Frage können Daten-Visualisierungen meist schnell beantworten – denn das ist ihre Stärke: einen Überblick über komplexe Zusammenhänge geben. Die Open Knowledge Foundation hat sich genau deswegen der Ausgaben der deutschen Entwicklungshilfe angenommen und diese in einer interaktiven Grafik aufgeschlüsselt.

Demnach hat Deutschland in den vergangenen zehn Jahren die Länder Irak, China, Nigeria, Kamerun und Indien am stärksten gefördert, in dieser Reihenfolge. Das Geld geht also vor allem an Schwellenländer. Der größte Teil der deutschen Entwicklungshilfe weltweit wird außerdem für den Schuldenerlass aufgewendet – also nicht überwiesen, um konkrete Projekte zu fördern, sondern nur auf dem Papier gestrichen.

Beide Ergebnisse lassen sich sofort erfassen, betrachtet man die Grafiken, die die Open Knowledge Foundation Deutschland am Montag veröffentlicht hat.

Wer zahlt wo was?

Erstellt hat die Seite Christian Kreutz. Er ist im Vorstand der Open Knowledge Foundation und arbeitet in der Entwicklungshilfe. “Man weiß in diesem Bereich oft gar nicht, wer schon wo was gefördert hat”, sagt er. Es gebe keinen internationalen Überblick und nicht einmal einen nationalen. Seine Grafik könnte helfen, hofft er.

Denn die zeigt nicht nur bunt eingefärbte Länder. Sie schlüsselt auch genau auf, in welchem Bereich für welches Vorhaben wie viele Dollar ausgegeben wurden. “Wir wollen, dass man sich schnell durch die Daten bewegen kann”, sagt Kreutz. Die offiziellen Berichte, die solche Aufstellungen in Form langer Listen veröffentlichen, seien zu unübersichtlich.

Die Daten dafür stammen von der OECD. Sie sind inflationsbereinigt, allerdings in einigen Fällen nicht vollständig. So würden Informationen von Ländern, die nicht mehr als Entwicklungsland zählen, in der Datenbank der OECD rückwirkend entfernt.

Die OECD hat eine eigene Datenbankseite, auf der die Informationen eingesehen werden können. Allerdings ist Aidflows.org nicht sonderlich übersichtlich. Das größte Problem beim Erstellen von offene Entwicklungshilfe sei denn auch gewesen, die OECD-Daten zu verstehen, sagt Kreutz.

Bitte nachahmen!

Ein nicht zu unterschätzender Effekt solcher Projekte ist der Druck auf die Urheber der Daten. Seit ziemlich genau zwei Jahren gibt es die Seite offener Haushalt, auf der die Open Knowledge Foundation den Bundeshaushalt transparent macht und übersichtlich aufschlüsselt. Inzwischen sah sich das Finanzministerium anscheinend genötigt, nachzuziehen. Seit August dieses Jahres gibt es die Haushaltszahlen in einem Format heraus, das digital weiterverarbeitet werden kann. Auch eine Visualisierung hat das Ministerium eingeführt.

Das Ministerium habe sich dabei offensichtlich von der Seite offener Haushalt inspirieren lassen, wie der Datenjournalist Lorenz Matzat bei Netzpolitik schrieb. Vielleicht lässt sich das Entwicklungshilfeministerium ja von dem neuen Projekt inspirieren.

Update: Wahrgenommen hat das Ministerium das Projekt.

Leser-Kommentare
  1. 9.

    @5: ich lese diese grafik eher als visualisierung der bemühungen der deutschen regierung um aufträge für die exportwirtschaft. wer mit dem bau einer schule oder der finanzierung eines hochschulstudiengangs schon mal vor ort ist, hat bei infrastrukturprojekten oder joint-ventures in der produktion quasi den fuß in der tür.

    auf ähnliche weise machen es auch die discounter in den städten der deutschen provinz: im tausch gegen ein reibungslos verlaufendes bauleitverfahren bekommt der örtliche sportverein einen neuen kunstrasen oder ein vereinsheim.

    was mich interessieren würde: machen die briten, norweger, amerikaner das genauso oder ist nur die deutsche entwicklungshilfe derart von der seuche der exportwirtschaft zerfressen?

    • 2. Oktober 2012 um 07:52 Uhr
    • knus horlanski
  2. 10.

    [...] DIE ZEIT: Welche Organisation zahlt an wen wie viel Geld? Es ist nicht leicht, einen Überblick über die deut… [...]

  3. 11.

    [...] [...]

  4. 12.

    Ich kann nicht erkennen was alles unter Tertiärer Bildung subsumiert wird. Insbesondere nicht für Kamerun, das ich ganz gut kenne.
    In Kamerun sind die Reichen nicht die Unternehmer, sondern die Günstlinge des Regimes. Die miserable Platzierung des Landes auf dem Korruptions-Index von Transparency International ist nicht etwa nur eine abstrakte Zahl, sondern wird bei jeder Bewegung im Alltag fühlbar. Wenn man im Geschäftsleben ohne Korruption vorgehen will, lauft man Gefahr, zum Störfaktor zu werden. Eine Unterscheidung zwischen Privatem und Öffentlichem existiert kaum. Die Ausgabenkontrolle lasst zu wünschen übrig, insbesondere angesichts der unübersichtlichen Personalausgaben und zahlreiche ad-hoc- und Ausnahmezahlungen. Als 2008 der französische Journalist Philippe Bernard in ›Le Monde‹ über die Korruption in Kamerun berichtete, war seine Kernaussage, dass 40 Prozent der Staatseinnahmen der Korruption zum Opfer fallen. Buchfuhrung,Datenerfassung und externe Haushaltskontrolle gehören zu den schwächsten Teilen öffentlicher Finanzverwaltung. Alle, auch”kleine Leute” wie Polizisten, Funktionare und Soldaten leben von Bestechungsgeldern und Erpressung. Sich auch nur auf der Straße bewegen ist teuer und muss an jeder Straßensperre von neuem erkauft werden. Illegale Straßenkontrollen erhöhen natürlich die Transportkosten.Noch keine kamerunische Regierung hat es vermocht, die Bürger effizient und ohne Korruption und Vetternwirtschaft mit staatlichen Dienstleistungen zu versorgen, klagen die Kameruner. Anstelle von Regeln gibt es nur Beamte, die immer beweisen konnen,dass der Burger im Unrecht ist, so lange, bis er genug bezahlt. Es gibt sogar Kameruner, die sich gerne an die autoritäre Ordnung der Kolonialzeit zurück erinnern, weil sie zumindest den Schein von Gerechtigkeit bot. Viele kamerunische Politiker haben ein Sonderbudget, das jeder parlamentarischen Überprüfung entzogen ist, und begegnen den von ihnen Regierten mit der Ansage: “Schnall Dir den Gürtel enger während Du mir den Champagner holst.”
    Volker Seitz, Autor “Afrika wird armregiert”

    • 3. Oktober 2012 um 09:36 Uhr
    • Volker Seitz
  5. 13.

    Hallo,

    Transparenz ist das eine, dass andere ist wie es auf der Mikroebene aussieht. Also die Umsetzung und ich weiss wovon ich da rede. Ich habe fast drei Jahre als so genannter Entwicklungshelfer gearbeitet und einiges erlebt. Mir geht es bei der Aussage nicht um Kritik, es geht um die Feststellung dass man in der eigenen Organisation nicht einmal das Thema Korruption (ich meine im Land) diskutieren konnte. Das war einfach nicht erwünscht! Man hätte sich ja selber in Frage stellen müssen.
    Ein anderes Thema ist, dass es manchmal zwei Jahre dauert um eine Stelle zu besetzen und die Situation vor Ort eine völlig andere ist!
    Das manche Projekte gar keinen Sinn machen steht auf einem anderen Blatt, ist aber auch nicht zu vernachlässigen.

    Ich will hier wahrlich keine Werbung machen, habe allerdings meine Erlebnisse als “Entwicklungshelfer” gesammelt und bei Amazon unter “Ich denke oft an Afrika” veröffentlicht!

    • 6. Dezember 2014 um 13:15 Uhr
    • Ralf Westhagemann
  6. Kommentar zum Thema

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