Offene Daten – offene Gesellschaft

Zahlen wir zukünftig nur noch bargeldlos?

Von 25. Februar 2013 um 09:15 Uhr

Zugegeben: Wir Deutschen sind noch nicht so weit wie die Skandinavier. In Norwegen und Schweden ist es durchaus üblich, selbst in Klubs und Kneipen jedes einzelne Bier am Tresen mit Karte zu bezahlen. Aber auch in Deutschland ist das bargeldlose Zahlen längst salonfähig geworden. Einige Banken denken bereits über eine Zukunft nach, in der Münzen und Scheine abgeschafft wurden und jeder Zahlungsverkehr digital abläuft.

Längst schickt niemand mehr seinem Vermieter monatlich Bargeld, um die Miete zu zahlen. Auch die Rechnungen für Strom, Telefon und Handy werden selbstverständlich bargeldlos beglichen. Kleinere Beträge aber, etwa für eine Schachtel Zigaretten am Kiosk um die Ecke, werden in aller Regel weiter mit Münzen und Scheinen bezahlt.

Unsere Daten zeigen, wie lange Bezahlkarten in Deutschland schon verbreitet sind. Bereits vor mehr als zehn Jahren gab es mehr solcher Karten als Einwohner: Im Jahr 2001 lag die Quote bei 1,35, bis Ende 2011 stieg sie auf 1,6. Das heißt, jeder Deutsche – selbst Kleinkinder eingerechnet – besitzt im Schnitt 1,6 Bezahlkarten. Das sind in aller Regel die Girocard – die frühere EC-Karte – und Kreditkarten. Insgesamt steckten Ende 2011 rund 130,6 Millionen solcher Karten in deutschen Geldbeuteln.

Zwar sind die Daten aus dem Jahr 2007 mit anderen Jahresdaten nur eingeschränkt vergleichbar. In jenem Jahr wurde die Zahlungsverkehrsstatistik innerhalb der Europäischen Währungsunion harmonisiert, die Erhebungsmethode ist seither eine andere. Der Trend aber ist offensichtlich. Während die Kartenzahl zwischen 2007 und 2011 um rund 6,2 Prozent anstieg, nahmen im selben Zeitraum die Transaktionen mit Bezahlkarten an sogenannten Point-of-Sale-Terminals erheblich stärker zu. Im Jahr 2011 wurde rund 2,72 Milliarden Mal an solchen Terminals mit einer Karte bezahlt. Insgesamt 34 Prozent häufiger als noch vier Jahre zuvor.

Für all diese Transaktionen standen 711.000 digitale Bezahlstationen zur Verfügung. Das ist im internationalen Vergleich relativ wenig: Frankreich und Großbritannien haben, bei niedrigerer Einwohnerzahl, rund doppelt so viele Terminals.

Meistens sind es jedoch keine großen Beträge, die auf diese Weise den Besitzer wechseln. Jede der 2,72 Milliarden Transaktionen des Jahres 2011 hatte im Durchschnitt einen Wert von etwa 65 Euro. Das ist sogar etwas weniger als die durchschnittliche Kartenzahlung im Jahr 2001 (knapp 73 Euro).

Doch auch wenn die Verwendung von Bezahlkarten in den vergangenen zehn Jahren kräftig zugenommen hat: Von einer bargeldlosen Zukunft, wie sie in Banken diskutiert wird, sind wir weit entfernt. Das zeigt die Entwicklung der im Umlauf befindlichen Bargeldmenge in der Euro-Zone. Seitdem die Euroscheine und -münzen 2002 eingeführt wurden, hat sich die Bargeldmenge pro Kopf auch inflationsbereinigt deutlich ausgeweitet.

Das Bargeld ist also nicht weniger geworden, selbst wenn es jetzt mehr Bezahlkarten gibt. Was das heißt? Womöglich ist die Vision einer bargeldlosen Zukunft ähnlich unrealistisch wie das papierlose Büro.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Immer wieder wird die Abschaffung der kleinen Münzeinheiten diskutiert (1 und 2 Cent-Münzen). Warum spricht eigentlich niemand darüber, die Geldscheine abzuschaffen? Kleine Beträge können weiter mit Münzen bezahlt werden – aber mit einem Schlag wäre dem massiven Umsatzsteuerbetrug, dem Drogenhandel und der Prostitution der wirtschaftliche Boden entzogen. Stattdessen ist die Euro-Zone noch stolz darauf, mit dem 500 € -Schein einen der wertvollsten Geldscheine weltweit anzubieten. Solange diese Politik bleibt, ist jeder “Kampf” gegen Geldwäsche nur Gefasel!

  2. 2.

    Bargeld hat einen unschätzbaren Vorteil! Wenn das Finanzsystem irgendwann kollabiert kann man damit noch wunderbar heizen, mit dem Plastikgeld sollte man da eher vorsichtig sein ;-)

    • 26. Februar 2013 um 11:39 Uhr
    • deDude
  3. 3.

    Es hat einen ganz konkreten Grund, dass wir in Deutschland noch lange nicht so weit sind wie die Skandinavier: Kartenzahlung ist in Deutschland für viele Händler und Gastronomen offenbar immer noch etwas Besonderes. Häufig funktionieren die Terminals nicht nur oder kriechlangsam, oder – noch häufiger – Kartenzahlung wird überhaupt nicht oder erst ab einem Mindestbetrag akzeptiert. Sogar manche Restaurants trauen sich, Schilder wie “Kartenzahlung erst ab 20 Euro” an die Tür zu kleben (was für mich im Allgemeinen ein Grund ist, da schon aus Prinzip nicht reinzugehen). Kreditkarten sind noch weniger verbreitet als EC-Karten.

    Schon klar, die Kosten, die Kosten… Andererseits frage ich mich, warum andere Länder es so viel besser hinkriegen.

    • 26. Februar 2013 um 11:40 Uhr
    • Daniel K.
  4. 4.

    Alle Jahre wieder die gleiche Vermutung – Bargeld wird es bald nicht mehr geben.

    Das bezweifle ich! Bargeld wird es so lange geben, wie es Bedarf an diskreten Zahlungen gibt.

    Und den wird es immer geben, fragen Sie mal Herr Blatter…

  5. 5.

    Auch die Anonymität des Bezahlens sollte eine Rolle spielen. Es muss weiterhin die Möglichkeit geben, zu bezahlen, ohne dass irgendjemand nachvollziehen kann, wer wann wo was gekauft hat.

    • 26. Februar 2013 um 11:56 Uhr
    • Januar4300
  6. 6.

    Eher bezahlen wir wieder mit Gold und Silbermünzen, als nur mit Karte.

  7. 7.

    Interessant ist, dass das Giralgeld – das unbare Geld- kein vollwertiges, gesetzliches Zahlungsmittel ist und es doch ca. 90% (Tendenz steigend) der Umlauf-Geldmenge ausmacht.

    Wer meint, Besitzer seines auf seinem Girokonto eingetragenen Giralgeldes zu sein, irrt sich. Es handelt sich um nichts anderes, als um eine Forderung gegenüber der Bank, dass diese Summe auf Anforderung in Banknoten oder Münzen auszuzahlen ist.

    Bei Lichte betrachtet, bedarf es eines blinden Vertrauens seiner Bank und dem Banksystem gegenüber, damit man seinen Lohn, seine Rente etc. auf seinem Girokonto beläßt. Es zeugt von Realitätssinn, wenn man sein monatliches Einkommen weiterhin als Bargeld in den Händen halten will und von seinem Girokonto abhebt.

    Wäre Giralgeld ein vollwertiges, gesetzliches Zahlungsmittel (Vollgeld), allein von der Zentralbank erzeugt, von ihr garantiert und bei ihr hinterlegt, wobei Zahlungsverkehrsbanken meine Giralgeld nur verwalten, sähe ich die Dinge mit anderen Augen. Bis dahin heißt mein Motto: “Bargeld lacht.” Wahrscheinlich stehe ich mit dieser Ansicht nicht allein da.

    • 26. Februar 2013 um 12:18 Uhr
    • wulewuu
  8. 8.

    Wer tatsächlich die Abschaffung des Bargeldes fordert hat unser Geldsystem nicht verstanden. Ich empfehle diesen Beitrag der Wissensmanufaktur
    http://www.wissensmanufaktur.net/abschaffung-des-bargeldes

    • 26. Februar 2013 um 12:19 Uhr
    • Daniel
  9. Kommentar zum Thema

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