Offene Daten – offene Gesellschaft

Ein bunter Punkt für jeden Amerikaner

Von 13. September 2013 um 14:35 Uhr
Verteilung ethnischer Gruppen in den USA: blau - Weiße, grün - Schwarze, rot - Asiaten, orange - Hispanics. Quelle: Dustin A. Cable http://demographics.coopercenter.org/DotMap/index.html

Verteilung ethnischer Gruppen in den USA: blau – Weiße, grün – Schwarze, rot – Asiaten, orange – Hispanics. Quelle: Dustin A. Cable http://demographics.coopercenter.org/DotMap/index.html

Die Frage der segregation, der Trennung der ethnischen Gruppen, treibt die USA noch immer um: Bleiben die mehr als 300 Millionen Menschen verschiedener Herkunft unter sich oder leben sie das amerikanische Ideal der bunt gemischten salad bowl?

Dustin Cable von der University of Virginia hat sich dieser Frage mit Daten genähert und die Racial Dot Map erstellt: Für jeden Bürger gibt es einen Punkt, oft kleiner als ein Pixel. Dieser Punkt wurde dann je nach ethnischer Herkunft entsprechend eingefärbt.

Auf den ersten Blick ist Cables Karte vor allem bunt. Wer hineinzoomt, kann jedoch bis auf den Straßenblock genau sehen, wo Weiße, Afro-Amerikaner, Asiaten oder Hispanics leben.

So ergibt sich ein selten anschauliches Bild: Während zum Beispiel in San Francisco vor allem Mischtöne zu sehen sind, besteht Chicago vielerorts aus verschiedenen, jedoch nahezu einfarbigen Kacheln.

In den großen, dünn besiedelten Gebieten außerhalb der Städte sieht man vornehmlich blauen Dunst – blau steht für Weiße. Mittendrin gibt es dann Städte wir Portland, die zwar vornehmlich blau sind, aber vergleichsweise gut integriert erscheinen.

Als Inspiration diente Cable ein Projekt von Brandon Martin-Anderson vom MIT Media Lab, der eine Karte mit einem schwarzen Punkt für jeden Bürger der USA, Kanadas und Mexikos erstellt hatte. Cable ergänzte dann die Farben für die ethnische Herkunft mit Daten aus dem amerikanischen Zensus 2010. Hier gibt es mehr zur Methodik.

Karte der Einwohner von Detroit und ihrer ethnischen Herkunft: blaue - Weiße, grün - Schwarze. Quelle: Dustin A. Cable http://www.wired.com/design/2013/08/how-segregated-is-your-city-this-eye-opening-map-shows-you/#slideid-210361

Karte der Einwohner von Detroit und ihrer ethnischen Herkunft: blau – Weiße, grün – Schwarze. Quelle: Dustin A. Cable http://www.wired.com/design/2013/08/how-segregated-is-your-city-this-eye-opening-map-shows-you/#slideid-210361

Außerdem korrigierte er das Kartenmaterial in manchen Städten, sodass keine Menschen mehr in Straßen oder Parks angezeigt werden. Erst dadurch werden Phänomene wie das in Detroit sichtbar: Dort trennt die 8 Mile Road exakt die Teile der Stadt, in denen Afro-Amerikaner und Weiße leben.

Kategorien: Datenvisualisierung
Leser-Kommentare
  1. 1.

    solche Karte sollte von Deutschland auch erstellt werden …………….

    • 13. September 2013 um 20:40 Uhr
    • upps2013
  2. 2.

    Falsche Interpretation von Salad Bowl:

    Das Bild von der Salad Bowl ist erfunden worden gerade als Gegenbegriff zum Melting Pot: dass nämlich im Moment die USA nicht mehr, wie in früheren Zeiten, ein Schmelztiegel sind, in der die verschiedenen Einwanderergruppen zu einer einheitlichen US-Identität verschmelzen (und ob das je vollständig gestimmt hat…), sondern eher wie die verschiedenen Teile eines bunten Salates in einer Salatschüssel nebeneinanderher existieren und dabei ihre getrennten Identitäten behalten.

    Das Bild zeigt also, dass im Moment die USA eher dem Bild von der Salatschüssel entsprechen als dem des Schmelztiegels. – Zu berücksichtigen ist allerdings, dass sich das ändern kann: im Moment gibt es einen hohen Anteil relativ neuer Einwanderer, und sie sind aus verschiedenartigeren Kulturen als in der alten Zeit, als die Mehrzahl der Einwanderer aus Europa kamen; vielleicht hat der Schmelztiegel einfach noch nicht genug Zeit gehabt.

    • 13. September 2013 um 20:42 Uhr
    • WolfHai
  3. 3.

    Wenn man sieht dass einige Politdiskussionen/Wahlkämpfe in den USA nun auch auf Spanisch geführt werden, weil man dann einige Teile der Bevölkerung besser erreicht, dann spricht nicht viel für eine bessere Durchmischung in der Zukunft. Das Bild des Schmelztiegels ist eh unglücklich, diesen nutzt man auch um Verschmutzungen herauszubekommen oder um Metalle zu trennen.

  4. 4.

    Das ist nicht wirklich neu. Das Zensus-Büro der USA stellt diese Daten für jeden Postleitzahlbezirk (bzw. : Zensus-Bezirk, das weicht manchmal ab) zur Verfügung:

    Die NY-Times z.B. hatte dieses Projekt vor zwei Jahren eingestellt:
    http://projects.nytimes.com/census/2010/explorer?ref=us

    Ich hoffe, man kann das von Deutschland aus abrufen und empfehle:
    New York, Los Angeles und, unbedingt!: Detroit!

    Enjoy!

    Henrick

    • 13. September 2013 um 23:27 Uhr
    • lib-dem
  5. 5.

    Schach ist nicht das Leben. Interessanter wäre die Aufteilung der einzelnen Nationalitäten. Vermischen sich zumindestens Iren, Italiener, Polen und Deutsche? Wie steht es mit den sozialen Schichten? Vermischen sich bürgerliche Schwarze mit bürgerlichen Weißen? Und wie steht der Zeitpunkt der Ankunft in die neue Heimat mit dem Integrationsstand? Das könnte zu mehr Rückschlüssen führen als diese einfache Skizzierung.

  6. 6.

    [...] “Ein bunter Punkt für jeden Amerikaner” via Zeit.de [...]

  7. 7.

    Das ist überhaupt nicht neu. Jeder weiß doch, dass die Trennung nach “Rasse” ziemlich deutlich ist, besonders bei Hispaniern, Afroamerikanern und “Weißen”, ein Resultat von Immigration, aber auch von einem Jahrhundert rassistischer Bauplanung und sozialer Segregation, die in den letzten 40 Jahren aufgrund von sozialen Ungleichheiten vor allem in den Städten geblieben sind.
    Bevor aber jeder mit dem Finger auf die USA zeigt, guckt mal nach Deutschland, da sieht’s doch haargenau gleich aus. Da gibt’s deutsche, türkische, afghanische, albanische, arabische, Roma-Viertel, und mir kann da keiner erzählen, die US-Segregation sei nur durch die bösen Weißen passiert und hierzulande nur durch die bösen Muslime. Wir haben genau dasselbe Problem und wir bekämpfen es viel, viel schlechter als die in den USA, denn dort gibt es eine Geschichte dieses Problems, in Deutschland wiederum jedoch nicht, hier hätte man es von Beginn an besser machen können, aber wir sind natürlich nicht besser als die Amis.
    Hören wir doch auf, mit dem Finger auf die weißen Amerikaner zu zeigen, und machen wir es selbst erstmal besser!

    • 14. September 2013 um 00:34 Uhr
    • Mardas
  8. 8.

    nun ja ,aehnlich ist es auch in “la france”, hier die weissen franzleute, auf der anderen seite die anderen —die meisten werden von den franzleuten “le beurre”
    genannt,in den achtziegern habe ich 5 jahre in “la france” gelebt und es genau so erlebt in der grossen mehrheit jedenfalls, ich lebe seid 15 jahren in mexico,
    hier ist es auch so, die gemischten heben sich ab von indijinas(vorspanische ein-
    wohner), traurig, aber so ist der mensch eben, asta pronto,
    hansito

    • 14. September 2013 um 00:52 Uhr
    • hans-werner rust
  9. Kommentar zum Thema

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