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Wo das Volk auf die Straße ging

 

Von David Schraven

Vor 25 Jahren brach das Unrechtsregime der DDR in sich zusammen. Das Ende des SED-Staats war das Ergebnis einer friedlichen Revolution. Millionen Bürger demonstrierten zwischen Rostock und Chemnitz, von Suhl bis Neubrandenburg. Sie gingen auf die Straße, nicht nur zum Mauerfall, sondern auch, weil sie für ihre Freiheit protestierten.

Heute ist dieser Volksaufstand und die anschließende Wiedervereinigung in der Erinnerung einiger Menschen zusammengeschnurrt auf das Verhandlungsgeschick weniger Personen. Helmut Kohl, der damalige Bundeskanzler, sagt etwa: Nicht die Bürgerrechtsbewegung hätte „in erster Linie“ die Wende durchgesetzt. Vielmehr sei Gorbatschow durch „die Bücher durchgegangen“ und habe festgestellt, dass er „am Arsch des Propheten“ sei. Vorstellungen, die Revolutionäre im Osten hätten den Zusammenbruch der DDR bewirkt, seien dem „Volkshochschulhirn von Thierse“ entsprungen.

Das Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V. hat die Daten der Revolution gesammelt: Alle Demonstrationen zwischen dem 13. August 1989 und dem 30. April 1990. Die Besetzungen der Stasizentralen, die Proteste und Märsche. Das Recherchebüro CORRECT!V hat diese Daten sichtbar gemacht. Man erkennt, wie der Protest immer größer wird, bis er das ganze Land erfasst, und wie sich aus einzelnen Stimmen ein Sturm der Empörung formt, der die Herrschaft der Honeckers und Mielckes hinwegfegt.

15 Kommentare


  1. Game-Compass

    Wo das Volk auf die Straße ging – Data Blog

  2.   Alex

    Eines dürfen wir nicht vergessen, egal wie mächtig eine Regierung ist, Das Sagen hat immer die Mehrheit = Das Volk. Wir müssen nur zusammenarbeiten und zusammenhalten

  3.   Matthias Mazenauer

    Schöne Visualisierung, aber warum die komische Projektion? Verzerrt die Daten, weil der Süden grösser dargestellt wird.

  4.   Friedrich Hartmann

    @Jean-Anthelme Brillat-Savarin
    Plauen wurde natürlich nicht nicht vergessen
    und wird jetzt auch mit Namen angezeigt.


  5. Was den Informationsgehalt dieses sinnfreien Geblubbers angeht, hätte ich Erklärungsbedarf. Und wie 123 schon sagte: Hier unsere Aktivitäten in Plauen einfach zu „vergessen“, zeugt von tiefgreifender Unkenntnis der seinerzeitigen Verhältnisse. Wessis halt …

  6.   hairy

    Dass wir den Honni und seine Klicke weggeschickt haben, war notwendig. Dafür gabs dann Kohl und Schröder und Merkel. Mir war und ist das deutlich zu wenig. Heute sind wir wieder soweit, dass Links und Grün üblen Denunziationen ausgesetzt sind. Die Gewerkschaften sollen weiter in ihren Rechten beschnitten werden. Die Sozialdemokratie ist so wenig sozial, wie die Christliche Union christlich ist. Die perfide gewachsene Überwachungsmaschinerie wird weiter von obersten Politikern gedeckt. Altersarmut wächst, und die Konten der oberen 10000 entsprechend. Mir sind diese Zustände unerträglich.

  7.   JanChris

    Genau!

  8.   erf600

    Es wäre falsch nur einem Aspekt die friedliche Revolution zuzusprechen. Es waren viele:

    -Gorbartschows Glasnost und Perestroika
    -die Ausreisewelle über Tschechien und Ungarn
    -die Bürgerrechtsbewegung in der ehemaligen DDR
    -die alten Greise im Politbüro mit ihrem totalem Realitätsverlust
    -die Zehntausende nach den Friedensgebeten in Leipzig
    -der wirtschaftliche Niedergang der DDR-Wirtschaft

    Ich glaube jedoch, dass der Mut der Demostranten in Leipzig, den Ausschlag für den Sieg der Revolution bildete. Wenn es nicht soviele mutige Leipziger gewesen wären hätte die Polizei leichtes Spiel gehabt. Wenn die Demonstranten nicht friedlich gewesen wären („Keine Gewalt“) hätte die Polizei ebenfalls leicht einschreiten können.

    Es war ein Glücksfall der Geschichte, dass diese einzelnen Mosaiksteine gut zusammenpassten.


  9. wir sind immer noch das Volk

    ein Hoch auf unsere Brüder und Schwestern im Osten

    insgeheim aber, bemängele ich, dass heutige Politiker so oft das Wort „Wir sind das Volk“ in den Mund nehmen, und das “ für das Volk“ überm Eingang des Bundestages hängt. Das „höhnt“.

  10.   Tateus

    Ja das war schon eine recht euphorische Zeit für uns jungen Leute in Dresden. Die Dynamik, die damals viele Menschen bewegte ist unbeschreiblich.
    Ich muss aber leider feststellen, dass sich 25 Jahre nach dem Mauerfall schon wieder unangenehme Verhältnisse herausbilden. Die politischen Eliten entfernen sich zunehmend vom Volk. Ungerechtigkeit und Chancenlosigkeit für große Teile der Bevölkerung auf der einen Seite, Politiker mit ständiger Schönfärberei auf der anderen Seite.
    Irgend wie scheint sich alles zu wiederholen.