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Wer denkt auf dem Weihnachtsmarkt an Jesus?

Von 25. November 2012 um 10:00 Uhr

Die Stadtoberen von Potsdam, Rostock und Halberstadt haben sich dieser Tage den Unmut der Kirchen zugezogen. Sie haben nämlich ihre Weihnachtsmärkte schon drei Tage vor dem Totensonntag eröffnet.

Damit brachen die Stadtväter und –mütter eine alte Regel, nach der man zunächst der Toten gedenken und das Ende des Kirchenjahres abwarten soll, ehe man fröhlich Advent und Weihnachten feiert. Von Entwertung der Adventszeit war da bei den Kirchen die Rede und vom Sieg des schnöden Mammons über Jesus und die Pietät.

Nun sind die drei Städte zwar auch im Osten die Ausnahme von der Regel. Die allermeisten Kommunen versicherten angesichts der kirchlichen Kritik an den drei Sünderinnen, mit ihren Weihnachtsmarkteröffnungen bis nach dem Totensonntag zu warten. Wie hoch indes die Dunkelziffer der Bürgermeister und Gewerbetreibenden ist, die auch gerne schon etwas früher mit dem weihnachtlichen Marktgetümmel anfangen würden, ist nicht bekannt. Ich vermute, dass sie so klein nicht ist.

Denn mit ihren Begründungen für die vorzeitige Markteröffnung waren die Kommunen bestechend ehrlich: Man sei den Wünschen der Gewerbetreibenden gefolgt, erklärte man in den Rathäusern und beschrieb damit sehr genau den Zweck von Weihnachtsmärkten. Es sind kommerzielle Veranstaltungen, deren Besucher bei Glühwein und Bratwurst fröhlich zusammenstehen und anschließend noch ein paar Kleinigkeiten kaufen, Weihnachtsbaumschmuck zum Beispiel. Darin gleichen sich übrigens ost- wie westdeutsche Weihnachtsmärkte. Oder gehen Sie, verehrte Leser in Westdeutschland, nur deshalb auf den Weihnachtmarkt, um sich dort die Krippenfiguren anzuschauen und dabei an Jesu Geburt zu denken?

Nein, es geht dort in der Hauptsache ums Verkaufen. Darüber kann auch das Vorlesen von Weihnachtsmärchen auf der Bühne nicht hinwegtäuschen. Beklagenswert für die meisten Ostdeutschen ist daran vermutlich nur, dass sie weniger Geld ausgeben können als Weihnachtsmarkt-Besucher im Westen. Denn sie verdienen nicht nur weniger, sondern bekommen auch noch weniger oder gar kein Weihnachtsgeld, wie uns die Hans-Böckler-Stiftung mitteilt.

Letztlich ist das, was Potsdam, Rostock und Halberstadt gemacht haben, auch nur Ausdruck der weitgehenden Entchristianisierung des Ostens. Das kann man zwar beklagen, aber es wird sich voraussichtlich in den nächsten 300 Jahren nicht ändern. Nur die Kirchen müssten sich halt etwas einfallen lassen, wenn sie ein Problem mit der Kommerzialisierung der Weihnachtsmärkte haben. Zum Beispiel Krippenspiele dort verbieten. Dass Weihnachtsmärkte im Osten wie im Westen heutzutage irgendetwas mit der biblischen Geschichte zu haben, kann man ja wohl nicht ernsthaft glauben.

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