Ostdeutschland ist anders. Wir schreiben drüber.

Die Menschen gehen und die Wölfe kommen

Von 8. Dezember 2012 um 15:19 Uhr

Der Mitteldeutsche Rundfunk hat in seiner Fernsehsendung “Fakt ist…!” am 3. Dezember ein Thema aufgegriffen, dass den Menschen im Osten auf den Nägeln brennt. “Wie viel Wolf verträgt das Land?”, fragte der Sender im Fernsehen und ergänzt auf seiner Website noch durch ein Voting zur Frage: Gehört der Wolf nach Deutschland?

Die Sendung ist keine Satire, sondern ernst gemeint. Denn in der Lausitz, also in Sachsen und Brandenburg, und angrenzenden Regionen haben sich in den vergangenen Jahren einige Wölfe angesiedelt und sorgen seither für Verunsicherung – besonders bei den einheimischen Schafherden und deren Besitzern. Verfolgt man die öffentliche Debatte über die Gefahr aus dem Osten – die Tiere sind vor allem aus Osteuropa eingewandert -, möchte man meinen, dass ganze Hundertschaften der bösen Räuber die entvölkerten ostdeutschen Lande heimsuchen. “Wenn die Wölfe wüssten, was alles in sie hineininterpretiert wird, müssten sie alle zum Psychiater”, zitiert der MDR die Wolfsforscherin Ilka Reinhardt. Diese Aussage wirkt dann doch irgendwie beruhigend. Denn so viele Isegrimms sind es nun doch nicht, die sich bei uns niedergelassen haben. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) nennt die Zahl von 71 Tieren. Die meisten davon leben in Sachsen und Brandenburg, einige aber auch in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Niedersachsen.

Doch die Berichte über die Wölfe lenken den Blick auf ein Problem: Der Osten verwildert. Zahlreich sind die Klagen über Waschbärenplagen zum Beispiel in Thüringen, wo die possierlichen Tiere ungeniert Mülltonnen leeren und sich in Kleingärten herumtreiben. Und als wäre das nicht schon Plage genug, war vor einiger Zeit aus Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt Magdeburg Irritierendes zu vernehmen. Die Stadtverwaltung plante, im Stadtgebiet Wildschweine zu jagen. Das war kein Witz, sondern bitterer Ernst, denn die Tiere spazieren, glaubt man den Berichten, recht fröhlich durch einige Stadtviertel. Auch aus anderen Städten wie etwa Berlin hört man von Problemen, die allzu forsche Wildschwein-Familien bei ihren Vorstößen ins urbane Revier den dort lebenden Menschen gelegentlich bereiten. Von den Elchen, die fröhlich die Autobahn überqueren und schlimme Verkehrsunfälle verursachen, ganz zu schweigen.

Angesichts dieser Meldungen gewinnen die an sich schon alarmierenden Studien über die Abwanderung von Menschen aus Ostdeutschland eine neue Dimension. Die Menschen ziehen weg und die Wölfe, Waschbären, Wildschweine und Elche kommen. Das ist beängstigend. Da kann man wirklich nur an die Abgewanderten appellieren: Kommt zurück und rettet den Osten vor den wilden Tieren. Sonst steht Ihr eines Tages vor Omas altem Garten und blickt hinter dem Zaun in die grauen, kalten Augen eines Wolfs, der die Zähne bleckt und knurrt: “Verschwinde, das ist jetzt mein Revier.”

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Dieser Beitrag ist so sinnlos, wie leer – bestimmt nur um Seiten zu füllen. Ich hätte ZEIT etwas mehr zugetraut.

    • 10. Dezember 2012 um 07:56 Uhr
    • Zora Rot
  2. 2.

    “Doch die Berichte über die Wölfe lenken den Blick auf ein Problem: Der Osten verwildert.”

    Wölfe gibt es auch in Finnland, Schweden, Polen und anderswo in Europa. Viel mehr als in Deutschland. Denkt man an Verwilderung, wenn man an diese Länder denkt?

    Hilfe! Dort ist ein Fuchs! Und dort ein Hase! Der Osten verwildert!

    • 10. Dezember 2012 um 11:10 Uhr
    • Siegfried Wittenburg
  3. 3.

    Keine Sorge, wir verwildern nicht und wir bleiben auch hier in der Lausitz!
    Sorgen machen nur so falsche Zahlen wie die 71 Wölfe vom NABU. Wer sorgfältig nachrechnet kommt für Deutschland heute auf gut 200 Wölfe.

    • 10. Dezember 2012 um 12:51 Uhr
    • Friedrich Noltenius
  4. 4.

    @ Zora Rot: Vielleicht hätte ich noch den sächsischen Landesjagdverband um ein Statement bitten sollen. ;-) Viele Grüße, Dirk Reinhardt

    • 11. Dezember 2012 um 09:50 Uhr
    • Dirk Reinhardt
  5. 5.

    “Vielleicht hätte ich noch den sächsischen Landesjagdverband um ein Statement bitten sollen. ;-)”

    Wölfe stehen unter Naturschutz. Statt den (sächsischen?) Landesjagdverband bitte den NABU fragen.

    “Lebensraum und Nahrungsangebot sind für den Wolf trotz der hohen Bevölkerungsdichte und Zersiedelung ausreichend vorhanden. Eine ernsthafte Gefährdung der ohnehin meist zu hohen Wildbestände ist nicht zu befürchten. Verluste unter Haustieren sind nur in geringem Ausmaß zu erwarten und finanziell auszugleichen – sie werden ohnehin meist von wildernden Hunden verursacht. Wir sollten uns die positiven Erfahrungen anderer Länder zum Vorbild nehmen, etwa in Italien und Rumänien!” Auch in Spanien gibt es Wölfe.

    • 11. Dezember 2012 um 14:21 Uhr
    • Siegfried Wittenburg
  6. 6.

    Lebensraum und Nahrungsangebot für den Wolf sind endliche Größen – auch hier in Deutschland! Die langfristige Auswirkung auf die Beutetiere im Wolfsgebieten ist wissenschaftlich nachgewiesen und auch hier bereits jetzt nachweisbar. Haustierverluste in nennenswerter Zahl durch wildernde Hunde gibt es in der Lausitz erst, seit der Wolf da ist! Die Spaghettiwölfe auf italienischen Müllkippen sollten uns kein Vorbild sein. Das Beispiel Spanien hat was. Dort weiß man sehr wohl zwischen Gebieten mit Vollschutz und Nulltoleranz zum Schutz der Viehzucht zu unterscheiden. Das Projekt der FAPAS in Asturien ist beispielhaft.
    Die Weisheit des NABU alleine wird dieses Projekt nicht zum Erfolg führen, schon weil er keine Verantwortung für sein Tun trägt.

    • 11. Dezember 2012 um 18:04 Uhr
    • Friedrich Noltenius
  7. 7.

    “Das Projekt der FAPAS in Asturien ist beispielhaft.”

    Na, dann haben wir schon einen Ansatz. Es gibt bei der FAPAS das “Projekt Wolf. Findet man im Internet.

    • 12. Dezember 2012 um 12:13 Uhr
    • Siegfried Wittenburg
  8. 8.

    JA, das FAPAS Projekt Wolf in Asturien ist bemerkenswert! Dort weiß man sehr fein zu unterscheiden, wo der Wolf als Spitzenprädator geschützt werden kann, und wo er für Landwirtschaft und Landeskultur nicht tragbar ist.
    HALLO NABU, BUND, BfN & Co in Deutschland – BITTE lernen. Wir haben hier nur EINE Natur, die eine Kulturlandschaft ist. Wer den Wolf hier zur heiligen Kuh erhebt, verurteilt ihn zum Scheitern. Es gibt keinen bösen Wolf, keine bösen Jäger und keine böse Landwirtschaft, aber durchaus böse Fundamentalisten, die EINE Tierart und nur diese auf ihre Fahnen geschrieben haben. Wir brauchen kein Wolfsmonitoring, sondern Wildlife Monitoring, welches ALLE frei lebenden Arten umfasst und ihren Erhalt sicherstellt.

    • 14. Dezember 2012 um 22:39 Uhr
    • Friedrich Noltenius
  9. Kommentar zum Thema

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