Ostdeutschland ist anders. Wir schreiben drüber.

Wer braucht schon den BER? Wir haben Cochstedt, Altenburg und Rostock-Laage

Von 12. Januar 2013 um 00:33 Uhr

Die Berliner können keinen Flughafen bauen. Das wollen wir angesichts der jüngsten Botschaften aus der Bundeshauptstadt an dieser Stelle mal festhalten. Man hört und liest ja die abstrusesten Geschichten. Neulich war die Rede davon, dass 1.000 Bäume an die falschen Stellen gepflanzt worden seien, die nun wieder herausgerissen werden müssten. Okay, Berliner-Flughafen-Planer-und-Bauer-Bashing ist gerade angesagt, und das ist mein Beitrag dazu.

Wir haben gelernt, dass die größte Variable des Berliner Hauptstadtflughafen-Projekts der Fertigstellungstermin ist. Das ist aber eigentlich gar nicht so schlimm, denn es gibt Alternativen. In Ostdeutschland wimmelt es von Flughäfen und -plätzen, die gegenüber dem BER zwei Vorteile haben: 1. Sie sind fertig. 2. Sie haben freie Kapazitäten.

Da wäre zum Beispiel der Flughafen Leipzig/Halle. Der ist in den vergangenen Jahren mit erklecklichen Milliönchen ausgebaut worden und hat mittlerweile dank DHL und NATO als Drehscheibe für Fracht- und Militärtransporte aller Art einige Bedeutung erlangt. Ein paar mehr Flugangebote für zivile Passagiere hätte er allerdings dringend nötig.

Das gilt noch viel mehr für den Flughafen in Erfurt. Hier werden zweisitzige Privatflugzeuge schon mal von einem "Follow-me"-Fahrzeug in Empfang genommen und zur Parkposition geleitet, das fast genauso groß ist wie das Flugzeug. Wer's nicht glaubt: Ich kenne Leute, die das erlebt haben. In Erfurt landen und starten zwar auch größere Maschinen, die z.B. Pauschalreisende in ferne Länder bringen, doch das Bodenpersonal würde sich über mehr Beschäftigung bestimmt nicht ärgern. Denn leider hat auch die vor einiger Zeit erfolgte Umbenennung des Airports in Flughafen Erfurt-Weimar das offenbar erhoffte Potenzial an Weimar-Touristen nicht erschlossen (was insofern tragisch ist, weil man ja mit dem ICE nicht in die Klassiker- und Kulturstadt fahren kann).

Ein paar Kilometer nordöstlich liegt der Flugplatz Altenburg. Der war mal 'ne Zeitlang der einzige Thüringer Airport mit internationalen Verbindungen, weil Ryanair von hier aus täglich nach London geflogen ist, während von Erfurt aus nur ein vom Land hoch subventioniertes Flugzeugchen nach München gedüst ist. Doch das ist mittlerweile Geschichte, und in Altenburg warten eine Landebahn und ein Tower auf mehr Inanspruchnahme.

In Cochstedt im nördlichen Sachsen-Anhalt gibt es auch so ein Flugfeld. Auch da ist in den vergangenen Jahren ordentlich investiert worden, in der Hoffnung, alle Welt warte nur darauf, von diesem Dörfchen in der Pampa aus ferne Kontinente zu entdecken. Immerhin landen und starten hier gelegentlich ein paar Flugzeuge der oben bereits erwähnten, sogenannten Billigairline. Aber auch hier würden die Fluglotsen bestimmt gern öfter die Kaffeetasse beiseite stellen und Piloten aus der weiten Welt den Weg auf die Betonpiste weisen.

Ein nettes kleines Airportchen gibt es auch nördlich von Berlin in Mecklenburg-Vorpommern, in Rostock-Laage. Hier stiegen einst schnittige MIG-29-Jets der NVA in die Lüfte. Heute ist hier mit einem bis drei Starts respektive Landungen pro Tag noch richtig was los, jedenfalls im Vergleich zu Altenburg und BER. Freie Slots hätte man den Airlines, die in BER nicht abheben können, aber sicher auch noch zu bieten.

Wozu also den Hauptstadt-Flughafen noch weiterbauen? Ihr Lufthansas und Air Berlins – kommt nach Cochstedt, Altenburg und Leipzig. Da gibt's Platz und schöne Pisten, und der Brandschutz ist auch gewährleistet. Und dass die Berliner für nicht genutzte Flughäfen auch andere Verwendung finden können, zeigen sie ja in Tempelhof. Da grillt man auf dem Rollfeld und fährt Fahrrad auf der Landebahn. Ooch schön.

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    „Wer braucht schon den BER? Wir haben Cochstedt, Altenburg und Rostock-Laage“

    Nur schade, dass im Umfeld dieser Flughäfen praktisch überhaupt keine Menschen mehr wohnen.
    Insofern ein alberner Artikel. Es scheint nur darum zu gehen, irgendwie mal die Namen dieser drei Miniflughäfen genannt zu haben.

    • 12. Januar 2013 um 11:48 Uhr
    • K3977
  2. 2.

    Im übrigen gibt es diese Kleinstflughäfen nicht nur in Ostdeutschland. Sie sind keineswegs etwas ost-spezifisches. Es gibt sie auch in Polen, Frankreich, Spanien, Italien und sogar in Westdeutschland. Was will uns dieses Geschreibsel also sagen?

    • 12. Januar 2013 um 12:15 Uhr
    • K3977
  3. 3.

    Der Autor vergisst Tegel und den alten Flughafen Schönefeld, die beide fertig sind und funktionieren. BER wurde nie und wird nie gebraucht. Es war ein Projekt mit dem der dicke Kohl und Diepgen der Bauindustrie ein paar Milliarden zuschanzen wollten. Beide sind nun Geschichte.

    Nun gilt es nur noch den Flughafen zu beerdigen. Nein die Berliner werden dahin nicht zum Grillen gehen. Viel zu weit weg von Berlin, aber vielleicht kommen die Leute aus Cottbus.

    • 12. Januar 2013 um 12:21 Uhr
    • Jochen Hoff
  4. 4.

    ein klasse vorschlag: weg vom gigantismus, von der steuerverschwendung, der angeberei und hin zur dezentralisierung, flexibilität, zum nutzen vorhandener ressourcen.

    und das wäre gut so.

    • 12. Januar 2013 um 12:26 Uhr
    • landkrieg
  5. 5.

    Irgendwie erinnert es an S21, angeblich sind alle dagegen und keiner will es, fragt man dann aber später demokratisch, ist wieder alles okay.

    In Altenburg ist man schon mit zwei Maschinen zur gleichen Zeit überfordert und in Couchstedt würde ich gern mal den A380 landen sehen ;).

    Wie jede, benötigt auch unsere Hauptstadt einen großen und würdigen Airport. Wer nun einen Hauptstadtflughafen auf der Welt kennt, der reibungslos fertiggestellt wurde, werfe den ersten Stein oder den ersten Tomatensaft. Man erinnere sich nur an das Kofferbanddebakel in Heathrow.

    Leipzig ist nett, aber auch keine wirkliche Alternative, wenn die anderen Berliner Häfen geschlossen würden, sehe es da auch sehr schnell sehr eng aus.

    • 12. Januar 2013 um 12:50 Uhr
    • Mr.east
  6. 6.

    @K3977: Ich nehme an, obiger Artikel ist eine Art Posse.

    • 12. Januar 2013 um 13:15 Uhr
    • K3978
  7. 7.

    Wenn Wowereit den Traditionsplatz Tempelhof nicht (gegen den Willen der Anwohner!) geschlossen hätte, dann bräuchte es in Berlin überhaupt keinen neuen Flugplatz.
    Mit einem Bruchteil der jetzt in den märkischen Sand gesetzten Steuermilliarden hätten die drei Flughäfen Tempelhof, Tegel und Schönhagen mit einer intelligenten Aufgabenverteilung die Aufgabe locker übernommen.

    Aber Wowereit wollte unbedingt sein ganzes Können zeigen.
    Das kennen wir jetzt.
    Und das ist gut so!

  8. 8.

    Das ist der Nachteil des Föderalismus !
    Man hätte einfach Schönefeld langsam(!) ausbauen sollen,
    anstatt soviel Geld in diese Miniflughäfen zu stecken !!

  9. 9.

    Was für spaßbefreite Kommentare. Schon mal was von Satire gehört?

  10. 10.

    Mal abgesehen von diversen Hinterlassenschaften der Sowjetarmee im Halbstundenumkreis die man auch hätte nutzen können. Ernsthaft!

    • 12. Januar 2013 um 14:51 Uhr
    • zauberwald
  11. 11.

    Als Cochstedter freue ich mich erstmal, dass es unser 1400-Seelen Örtchen dank seines International Airport auf die Startseite von ZeitOnline geschafft hat!
    Wir sind den unterschwelligen Spott, mit dem über unseren Airport berichtet wird, schon gewohnt.
    Natürlich ist es Schwachsinn gewesen, ihn, den ehemaligen sowjetischen Militärflugplatz, für insgesamt 60 Mio. Euro auszubauen.
    Dennoch möchte ich kurz richtigstellen:

    Es handelt sich dabei keinesfalls um ein Ost-Problem. In Lübeck haben ich die Menschen sogar bei einem Bürgerentscheid für einen ähnlich erfolglosen Mini-Flughafen ausgesprochen.

    @ Mr. East: Der Airbus A 380 könnte in Cochstedt landen und starten, so weitsichtig war man bei der Planung schon. Demnächst wird eine Boing 777 zu Übungsflügen kommen, eines der größten Transportflugzeuge der Welt.

    Pampa ist auch übertrieben: Abgesehen davon, dass das nördliche Harzvorland eine der schönsten Landschaften Deutschlands und absolut lebenswert ist, verfügt der Mageburg-Cochstedt International über eine nahazu perfekte Verkehrsanbindung über A2, A14 und die vierspurige B6. Berlin und Hannover sind in weniger als 2 Stunden mit dem Auto zu erreichen. Mit der ICE-Anbindung, die auch mal geplant war, wäre man noch schneller in Cochstedt.

    Weitere Vorteile: 24-h-Betrieb möglich, große Parkplätze, schnelle Abfertigung, Hotel und für weitere Investoren stehen 85 ha voll erschlossenes Gewerbegebiet zur Verfügung.

    Außerdem wird in Cochstedt bei der Firma XtremeAir eines der weltweit wenigen Sport- und Kunstflugzeuge in Serienfertigung hergestellt.

    Sie merken also, trotz allem sind wir auch ein bisschen stolz auf unseren International Airport ;-)
    Ich wünsche der Dänischen Beteibergeselschaft jedenfalls weiterhin viel Erfolg beim Anwerben neuer Fluglinien und Geschäftsfelder, bin aber auch froh, dass keine weiteren Steuergelder mehr in dieses Projekt fließen.

    • 12. Januar 2013 um 14:59 Uhr
    • RoH
  12. 12.

    Ein Nachtrag sei noch gestattet, von wegen „Dörfchen“:
    Cochstedt hat seit 15nochwas Stadtrecht, da legen wir großen Wert drauf! ;-)

    • 12. Januar 2013 um 15:02 Uhr
    • RoH
  13. 13.

    Vielen Dank für diesen Artikel! Humorvoll, mit leichtem [satirischen] „Biss“ und angenehmer grammatikalischer und orthografischer Perfektion [eine Rarität, besonders im Online-Angebot der ZEIT]. Bravo!

    • 12. Januar 2013 um 15:25 Uhr
    • gejo
  14. 14.

    Herr Wowereit könnte sich ein paar Tips von Herrn Beck holen, um den BER in eine Art Vergnügungspark umzubauen.

  15. 15.

    Mit dem Transrapid ist man in 10 MINUTEN am Berliner Hauptbahnhof, wär doch was. So kann man in menschenleere Auen den Flughafen Gottes bauen wos keinen stört. Transrapidticket ist im Flugpreis inklusive.

    Nur blöd, dass Berlin da geografisch weit ab vom Schuss ist, Frankfurt liegt da zum Beispiel zentraler.

    Dubai hat sowas. Die ham einen der inzwischen weltgrößten Flughäfen als Drehkreuz Asien – Europa – Afrika mitten in die Wüste gebaut. 6 Start/Landebahnen oder so mit Option auf noch mehr.

  16. 16.

    Es scheint ja genug Geld dazu sein für Verschwendungen. Schade ist nur die Leute die Ihr trautes Heim aufgeben mussten. So eine grosse Stadt wie Berlin braucht doch mehrere Fluhäfen. Ich finde Tegel sehr praktisch zum ein-und auschecken. Übersichtlich zum Taxi zum Bus und auch zum Einkaufen. Bitte überdenken!!!

    • 12. Januar 2013 um 20:42 Uhr
    • S. Deutschmann
  17. 17.

    Hier sind aber auch einige unkundige Äußerungen dabei. Im direkten Umkreis vom Flugplatz Altenburg (20 km) leben z.B. ca. 100.000 Menschen. In den direkt benachbarten Landkreisen leben ca. 1,45 Millionen Menschen. Im Umkreis von etwa 90 Autominuten leben etwa 4,5 Millionen Menschen. Menschenleer sieht etwas anders aus.:)

    Er ist übrigens einer der ältesten Flughäfen Deutschlands! Einst ein Militärflughafen von so großer Bedeutung – dass eine 1:1 Kopie davon in den USA existiert – um damals den Ernstfall zu proben.

    Heute können Maschinen bis zur Größe einer Boeing 737-800 oder Airbus A 320 abgefertigt werden. Instrumentenflug ist auch möglich mittels eines modernen Flugleitsystems. Altenburg hatte zeitweise mehr Flugbewegungen und Passagiere zu verzeichnen als der Landeshauptstadt- Airport in Erfurt – also gute Kapazitäten.

    • 13. Januar 2013 um 18:36 Uhr
    • Frank
  18. 18.

    Ach Leute, hinterher meckern kann jeder. Die vielen Flughäfen (Ihr habt noch den chinesischen Flughafen in Parchim in MV vergessen), die vier- und sechsspurigen Autobahnen mit Tunneln und Brücken, die gewaltigen Umgehungsstraßen um verlassene Städte, die modernen Wasserstraßen mit viel Personal und wenigen Schiffen, das alles zählt zum Projekt deutsche Einheit. Es ist die Infrastruktur, damit Ihr etwas unternehmen und Eure Produkte transportieren könnt, um reich, gesund und sexy zu werden.

    Und was habt Ihr daraus gemacht?

    • 14. Januar 2013 um 09:50 Uhr
    • Siegfried Wittenburg
  19. 19.

    Neuhardenberg mit 2400 m x 50 m sei bitte auch nicht zu vergessen!

    Bedingt durch die Weltkriege und die Ost-West-Konfrontation ist Deutschland und speziell auch Ostdeutschland übersät mit Flugplätzen.

  20. Kommentar zum Thema

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