Ostdeutschland ist anders. Wir schreiben drüber.

Bauernland in Holdinghand

Von 28. Januar 2013 um 09:25 Uhr

Eigentlich war die Ackerkrume im Osten nie ein geeignetes Geschäftsfeld für die Geldanlagestrategien überkreativer Banker. Die großen Deals liefen in den Metropolen oder vielleicht noch in den eingestürzten Pferdeställen und Schuppen ehemaliger Kinderheime ab, die sich beim Abkratzen der Farbe als Gutshäuser entpuppten.

Wenn dann doch mal einer kam und einfach nur Grund und Boden wollte, dann tat er dies, weil er vorher in der Brigitte gelesen hatte, um wie viele Jahrzehnte man jünger werden kann, wenn man täglich ohne Sattel über die Wiesen bei Ragösen oder Müggen reitet. Dieses unverdorbene Wohlfühlvergnügen in der Ostprovinz war nicht nur "völlig ursprünglich" sondern auch noch "unbeschreiblich günstig". Kurz: An Grund und Boden gab es dort wenig finanzstarkes Interesse.

Nun aber ist die Scholle im Osten ernsthaft in Gefahr. Das Beitrittsgebiet wird als Investitionsfläche entdeckt. Aufgedeckt hat das Ganze jetzt die Märkische Allgemeine. Unter dem Aufreger-Titel "Ausverkauf märkischer Agrarflächen" schickte die Redaktion ihre Aufreger-Story über die Dörfer.

In klarer Nachrichtensprache erfährt der Brandenburger im zweiten Satz: "Immer häufiger kaufen sich auswärtige Investoren in märkische Agrarbetriebe ein." Als hätte hier der SED-Chefideologe Kurt Hager höchstpersönlich getextet. Nach dem vorangegangenen eher emotionalen Leadsatz ("Brandenburger Bauern schlagen Alarm") sind damit auch gleich Täter und Opfer klar: die Auswärtigen gegen die Brandenburger.

Das Schlimme, das hier gerade passiert, ist in einer Kurzzusammenfassung folgendes: Holdings, also eher an der Geldanlage denn am Geschäftszweig interessierte Firmen, kaufen sich in Agrarbetriebe ein und profitieren dabei unter anderem von Investitions- und Bewirtschaftungssubventionen der EU. Die kommen damit aber nicht dem Erhalt der ländlichen Struktur zugute, sondern fließen dorthin ab, wo diese Holdings eingetragen sind. Die im Beitrag genannten Firmen sitzen im Westen, genauer: in Hamburg und Niedersachsen.

Das Ganze ist reichlich kompliziert, weil es gerade an einer Stelle passiert, wo sich in den letzten Jahren ohnehin eigene Gesetze entwickelt haben. Wo der einzelne Bauer schwach, die großen ehemaligen LPG (Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften) aber stark sind, wo die Bodenpreise günstig waren und wo die großen ehemaligen LPG diese Preise auch noch bestimmten, wo der einzelne Grundbesitzer sich diesem Diktat des örtlichen Monopolisten unterordnen musste und … und … Diese Markt-Unegalitäten rächen sich jetzt, denn die Böden werden immer wertvoller. Sie sind vielfältiger nutzbar – für die Landwirtschaft, für die Energiebranche und zur Erholung. Die Strukturen entstammen aber aus einer anderen Zeit.

Die Märkische Allgemeine hat hier zwar ein wichtiges Thema aufgegriffen, aber höchst ostzonal berichtet. Keine Agrargenossenschaft und kein Bürgermeister und kein Entwicklungsplaner kommt zu Wort: Bauernverband, ein Einzelbauer, Vertreter der Holdings und Landeslandwirtschaftsministerium werden befragt – die Guten, die Bösen und die hilflose Behörde.

Und das Artikelbild zeigt einen Bauern mit Schippe. Bei so viel Propaganda statt Beschreibung und Analyse ist der Osten selbst Schuld, wenn er diese Schippe dann auch noch abbekommt.

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Anscheinend hat der Autor den Ernst der Lage nicht erkannt.
    Dass agarfremde Investoren im großen Stil Land kaufen und damit die Bodenpreise in die Höhe treiben, ist eine ernstzunehmende Entwicklung der letzten Jahre. Begünstigt durch den Boom der Biogasanlagen.
    Normale landwirtschaftliche Betriebe können im Bieterwettkampf nicht mehr mithalten und haben zusehends das nachsehen, wenn es um den Erwerb von Flächen geht. Besonders problematisch ist das, wenn die Pachtverträge mit der BVVG auslaufen und diese die Äcker lieber verkaufen als weiter verpachten möchte. Da stehen Bauern schon mal ganz plötzlich ohne Acker da. Und können nichts dagengen tun, weil ihnen schlicht das Geld fehlt, die Flächen zu kaufen.
    Woher die Investoren kommen, ist dabei völlig egal. Es ist auch blödsinnig, da irgendein Ost-West-Ding draus zu machen.
    Aber der Spott, der in obigem Artikel mehr als deutlich mitschwingt, ist absolut nicht angebracht. Das Thema ist wichtig und eine gewisse Aufregung mehr als verständlich.

    • 28. Januar 2013 um 12:02 Uhr
    • RoH
  2. 2.

    Nachtrag:

    Es handelt sich nicht um ein „Ost-Problem“.
    Der folgende Bericht vom Bodenforum vergangene Woche nennt auch Bayern und Nordrhein-Westfalen als Hot Spots bei den Bodenpreisen: http://www.agrarheute.com/10-bodenforum

    • 28. Januar 2013 um 12:19 Uhr
    • RoH
  3. 3.

    Da kann ich 1. (RoH) nur zustimmen. Seinen Spott über einen Artikel der Märkischen zu ergießen und das mit SED-Vergleichen zu garnieren ist zudem nicht gerade sportlich, wenig zeitgemäß und gehört (meiner Ansicht nach) auch nicht zum guten journalistischen Ton. Zumal die eigene Recherche von Hr. Ruwoldt zu diesem Thema auch nicht gerade sehr tief geht.

    • 28. Januar 2013 um 12:26 Uhr
    • NonDec
  4. 4.

    Stimmt, ein Ost-Problem ist es nicht, aber gemessen an früheren Entwicklungen der Sozialpsyche des Ostens (sage ich mal so grob), spricht es schon Bände, wenn nicht nur unbekannte Holdings, sondern auch selbsternannte Großbauern ihr Werk tun. Weiterführend geht das sogar in die Tourismusecke, wo z.B. auf Rügen Einheimische kein Bauland erhalten, reiche Leute aber schon (Rügen wird langfristig wohl so wie Sylt, was nicht sehr schön ist).
    Das soll aber nicht heißen, dass man hier irgendwelche Klauseln machen müsste, die Ossis bevorzugen – eher Einheimische bevorzugen, wohl, also egal in welchem Bundesland. Doch davon abgesehen, ist eine Lösung der Sache nicht im Ost-West-Ding zu suchen, sondern mal wieder in einer wichtigsten Frage dieser Tage: Wie beschränkt man den Dauerzugriff des Kapitals?

  5. 5.

    Erstens finde ich die herablassende Art des Autors unangepasst.

    Zweitens gibt es auch gute Artikel über dieses Thema (sowohl aus Ost und West) bzw. schlechte Artikel über jedes Thema in jeder Zeitung.

    Drittens, was hat der Autor in diesem Artikel besser gemacht?

    • 28. Januar 2013 um 12:55 Uhr
    • Jan
  6. 6.

    der Autor hat leicht die Lügendecke angehoben. Es ging nie um Wiedervereinigung sondern um einen Beitritt, Anschluß. Ostzonal wird berichtet, in der Ostprovinz. Jetzt regen sich diese Jammerossis auch noch auf wenn das Land, was nicht durch die Bodenreform unrechtmäßig an die Bundesrepublik ging, an Investoren verkauft wird, wie undankbar. Aufschwung Ost war Vermögensbildung West und jetzt hat das Kapital eben erkannt das da noch Land ist was man verschleudern kann. Da kann Herr Ruwoldt nur mit der eigenen Propaganda Keule zuschlagen, sollte aber mal die eigene Psyche reflektieren. Danke an die ‚Zeit‘ wo steht Ihr eigentlich ? „Ost-Blog Ostdeutschland ist anders wir schreiben darüber„ besser ist es das wir anders sind !!

    • 28. Januar 2013 um 14:03 Uhr
    • helmut köhlchen
  7. 7.

    Völlig anachronistisch: Die Bewirtschaftung von Flächen im großen Stil beschleunigt die Degradierung der Böden und ist nicht zukunftsfähig. Leider ist die Politik noch nicht soweit dies zu erkennen und zu handen. Ansonsten wird es so kommen dass die Böden erst völlig zerstört werden, dann haben wir den Dust bowl, und dann will sie von den Geldsäcken niemand mehr haben. Und dann fangen wir von vorne an.

  8. 8.

    Der Artikel zeugt von reichlich Ahnungslosogkeit und Naivität, wenn er einzig einen anderen Artikel zum Thema als Ausgangspunkt nimmt.
    Fakt ist, dass sich mehr und mehr Industrieholdings am Bieterwettkampf um die letzten großen verfügbaren Agrarflächen in Deutschland, die allesamt im Osten der Republik angesiedelt sind, beteiligen. Ebenso unbestritten ist, dass dies in keiner Weise ein neues Phänomen darstellt, sondern in verstärkter Weise schon seit gut zehn Jahren zu beobachten ist. Seitdem haben sich die Bodenpreise vervielfacht. Und auch aus so manchem „roten Junker“, der als ehemaliger LPG-Funktionär zu Spottpreisen an im Westen undenkbare Flächen von 1.500 ha und mehr gekommen ist, ist ein Multimillionär in Gummistiefeln geworden.Allein die Fördersumme pro Hektar beläuft sich noch vor jeder möglichen Bewirtschaftung auf Euro 300 – einfach so auf die Kralle und darüber hinaus auch noch weiter absetzfähig, falls doch noch jemand eingestellt wird, zumeist ohnehin nur in Teilzeit und im Winter natürlich Jobcenter.

    Nach der Wende haben bekanntlich gut 90% der in Ostdeutschland in der Landwirtschaft Beschäftigten ihre Arbeit verloren.
    Die BVVG verpachtet ihre Flächen nicht mehr an kleinere oder mittlere Biobetriebe, die expandieren wollen. Stattdessen werden die letzten arrondierten Flächen an jene vergeben, die schon in der Vergangenheit es verstanden, sich ihre Pfründe zu sichern. Die ehemalige PDS, heute Linkspartei, hat damals gleich nach der Wende alles dafür getan, gerade in Brandenburg einen neuen roten Agraradel zu schaffen, bei dem das Gros der LPG-Beschäftigten zugunsten der ehemaligen und neuen Dorfkaiser nur noch durch die Finger blicken konnte.Es sind diese ansässigen Neo-Großagrarier, die nun noch mehr Flächen haben wollen – und zwar wie gewohnt zu Vorzugspreisen,weniger als die ach bösen Holdings von „außerhalb“ in den deutschen Steuertopf zu zahlen bereit sind.

    • 28. Januar 2013 um 14:30 Uhr
    • F. Siebert
  9. 9.

    Ursache für das Interesse ist das EEG. Hier werden wieder Monokulturen angebaut für Energiepflanzen. Das was man in der DDR tunlichst vermied wird wieder hoffähig mit Klimaschutzmäntelchen.
    Zum ersten mal 2012 war beispielsweise Deutschland nicht in der Lage seinen Getreidebedarf selbst zu decken. Das hat weniger mit Agar- als mit Energiesubventionen zu tun.

    • 28. Januar 2013 um 14:43 Uhr
    • gw1200
  10. 10.

    „Die Märkische Allgemeine hat hier zwar ein wichtiges Thema aufgegriffen, aber höchst ostzonal berichtet.“

    Die Zeit hat hier sehr westzonal berichtet und die Wichtigkeit und den Schwerpunkt des Themas nicht richtig erkannt siehe Kommentar 1 und 3.
    Besser wäre es, vor dem Schreiben von Artikeln vor Ort zu recherchieren.
    Boden muss von Landwirten bewirtschaftet und gut gepflegt werden,
    dann können wir alle davon gut leben.
    Boden darf nicht als Spekulationsobjekt oder als Geldanlage bewertet werden,
    sonst gibt es irgendwo auf der Welt EU-geförderten Hunger.

  11. 11.

    Wer ist Stefan Ruwoldt und wie ahnungslos muss er sein um solchen Unsinn zu verzapfen? Die Boeden in Ostdeutschland sind teilweise sehr ertragreich und vergleichsweise billig, was soll dieser Bullshit-Vergleich mit Brigitte? Der herablassende, unverschaemte Ton („ostzonale“ Berichterstattung, die dummen Ossies haben die Schippe verdient), gehoert der auch zum Qualitaetsjournalismus mit „Beschreibung und Analyse“, die ich hier allerdings nirgends gefunden habe?
    Armseelig.

  12. 12.

    Es mag sein, dass die Märkische Zeitung *höchst ostzonal* berichtet.

    Alles in allem ist es trotzdem schon Teil 3 oder 4 eines Wirtschaftskrimis.

    Der Autor hätte da durchaus etwas mehr hinter die Kulissen leuchten können -immerhin scheint er die Spiegel- Artikel „Bauernland in Bonzenhand“ gelesen zu haben.

    Wenn mancher Kommentator hier allerdings beklagt, es seien „selbsternannte Großbauern“ am Werk, dann muss man einfach konstatieren, dass diese einem marktwirtschaftlichem Mechanismus folgten und die Gunst der Stunde nutzten. Dass das oft auch die ehemaligen Genossenschaftsvorsitzenden waren, liegt in der Natur der Sache -da saßen mehrheitlich echte Praktiker, zumindest kannten sie ihr Metier aus dem ff.

    Genau diese scheinen sich allerdings jetzt zu beklagen, wo noch potentere Mitspieler auf dem Markt sind. KTG (börsennotiert) soll wohl bereits so 33 000 ha haben (u.a. auch schon in Litauen, falls hier die EU- Mittel versiegen). Der Sitz in Hamburg täuscht, es ist ein Bayer. Und vom Biogas- Boom wollen auch einige möglichst viel abhaben, siehe die von Roland- Berger Leuten gegründete NAWARO. Würde mich nicht wundern, wenn eine ihnen nahestehende Holding im Landgeschäft mitmischt. Allein für deren Biogasanlage Penkun braucht es *Futter* aus 50 km Umkreis.

    • 28. Januar 2013 um 16:20 Uhr
    • Peugeot
  13. 13.

    Noch was: Einfach die Flächenprämien kappen. dann ist das Spiel aus.

    • 28. Januar 2013 um 16:21 Uhr
    • Peugeot
  14. 14.

    Besitzstandwahrung und Förderclaims.

    Die jahrzehntelange schwarze Dominanz im Bundestag und bei den Regierungskoalitionen hat und in Deutschland eine merkwürdige Form des Sozialismus im ländlichen Raum beschert. Mit Subventionen in Milliardenhöhe werden die bäuerlichen Betriebe von den Steuerzahlern gepäppelt, damit der „ländliche Siedlungraum“ erhalten bleibt. Ich kann mich nicht erinnern, dass in den Städten eine ähnliche Umsicht vorhanden gewesen wäre. Selbstverständlich haben die verschuldeten Städte mit der Zeit ihre Leigenschaften und Betriebe an diverse Holdings veräußert, ohne das sich irgendjemand um die Belange der Mieter oder Bürger gekümmert hätte. Wer die Miete nicht mehr zahlen konnte, der durfte ausziehen.

    Jetzt entdecken die Investoren auch vermehrt den ländlichen Raum und schöpfen auch noch die Subventionsknete ab? Was für ein Pech aber auch. Warten wir ab, ob der Bauernverband es schafft, die Merkel rund zu machen. Ich glaube, ehrlich gesagt, nicht daran. An den Verkäufen verdienen halt auch etliche Personen eine schöne Stange Geld.

  15. 15.

    wieder mal einer dieser artikel, bei denen die kommentare tiefgründiger und informativer sind, als der artikelinhalt selbst.
    zudem ist dieses bashing albern und zudem unangebracht. die referenzquelle ist bei weitem nicht so aufgeregt, wie der autor hier behauptet. hat ein wenig etwas offenbarendes seitens des autors.

    • 28. Januar 2013 um 21:51 Uhr
    • m.klein
  16. 16.

    Dem Kommentar von m.klein trifft den Kern. Die meisten Kommentarschreiber haben offenbar mehr Vorkenntnisse als der Autor. Es wäre sinnvoll, ein solcher Artikel würde von jemandem geschrieben, der sich regelmäßiger mit der Materie beschäftigt. Es sieht so aus, als schriebe der Autor sonst nur über Unternehmensbranchen, die keine volkswirtschaftliche Funktion bei der Bewirtschaftung öffentlicher Güter (hier: Grund und Boden mit Auswirkungen auf Grundwasser, Landschaftsbild, Artenschutz, etc.) haben. Meine Kritik richtet sich nicht an Hr. Ruwoldt selbst, sondern an seine Vorgesetzten, die ein solches Niveau unterbinden sollten, indem sie einen Redakteur dort einsetzen, wo er am besten wirken kann. Und dieses Thema jemand anderen beackern lassen…

    • 28. Januar 2013 um 22:49 Uhr
    • Wolfgang2012
  17. 17.

    Die beginnende Spekulation mit landwirtschaftlichen Flächen ist nicht unbedingt ein ostdeutsches Phänomen. Die Rechnung für den Investor ist grundsätzlich einfach: Die auf der Welt zur Verfügung stehenden Flächen werden nicht mehr, Klimawandel und sonstige Effekte verringern den Anteil landwirtschaftlich nutzbarer Flächen eher. Die Weltbevölkerung nimmt weiter zu. Die Flächen werden nicht nur zur Produktion von Nahrungsmitteln gebraucht, sondern für Verkehr, Infrastruktur, Wohnen, Freizeit, und neuerdings auch zur Produktion von Energie. Dabei spielt es keine Rolle, ob man nun Raps anbaut oder den letzten sandigen Acker noch mit Solarmodulen oder Windkrafträdern vollstellt. Es bleibt bei der einfachen Gleichung: Mehr Menschen, weniger Flächen und mehr Funktionen, die die Flächen erfüllen sollen. Das treibt den Preis für diese Flächen, und ein Investor wäre kurzsichtig, wenn er dies nicht ausnutzt. Also wird er Flächen erwerben, was den Preis abermals nach oben treibt, weil mehrere Investoren auf den Zug aufspringen. Was jetzt beginnt, ist eine Bodenspekulation und das Rennen um die letzten verfügbaren Flächen in Deutschland. In Ostdeutschland wird dies nur besonders gut sichtbar, weil hier nach der sog. Bodenreform verhältnismäßig große zusammenhängende Flächen entstanden sind, auf die sich die Investoren natürlich zuerst stürzen. Es ist deutlich einfacher, einmal 1.500 Hektar in Brandenburg zu kaufen als 20 mal 75 Hektar in Baden-Württemberg.

  18. 18.

    Als Leser , der in der Landwirtschaft völlig unbewandert ist, macht mir diese Entwicklung zunehmend sorgen..

    nach meinem Eindruck hat die Gesellschaft noch überhaupt nicht erkannt, welche Bedeutung für Uns diese Landwirtschaftsflächen haben und in naher Zukunft noch bekommen werden.

    Die Landwirtschaftliche Vollversorgung der Eu und Deutschlands steht doch auf einem festen Fundament fossiler Energieverfügbarkeit. Erntemaschinen, tausende Kilometer weiter Transport, Pestizide aus Öl und Düngemittel aus Erdgas, Energieintensive Lagerung. Das sind in einer Zukunft massiv sinkender Ölverfügbarkeit keinesfalls gesicherte Standarts garantiert.

    Wenn die Internationale Energieagentur im Bereich um 2020 einen Weltweiten Höhepunkt der Erdölversorgung erwartet, dann können wir doch nicht ernsthaft großstrukturen als antwort wählen…

    Was wir benötigen sind doch Lösungen die kleinteiliger und Regionaler in der Lage sind die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten oder überhaupt wieder zurückzugewinnen, die von der Bevölkerung vor Ort profitiert..

    Ich glaube bei dem was uns im Anbetracht sinkender Energieverfügbarkeit in den nächsten 30 Jahren bevorsteht, ist das was wir da an Preissteigerungen sehen erst ein kleiner Vorgeschmack…

    aber wie gesagt.. ich hab von Landwirtschaft selber noch wenig ahnung..

  19. 19.

    Schade, dass es hier im Blog keine Empfehlen-Funktion gibt. Aber dann auf diesem Weg vielen Dank für die zahlreichen vernünftigen Kommentare zu diesem seltsamen Beitrag. Hoffentlich nimmt Zeit-online das zum Anlass, noch einmal richtig und mit dem nötigen Ernst über das Thema zu berichten.

    Wie es passt: Hier ein ganz aktueller Artikel aus der Mitteldeutschen Zeitung (aus Sachsen-Anhalt), der sich bei weitem tiefgründiger mit der Materie beschäftigt: http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1359439260940&openMenu=987490165154&calledPageId=987490165154&listid=994342720546

    • 29. Januar 2013 um 11:16 Uhr
    • RoH
  20. 20.

    vielleicht liegt es einfach daran, dass da mehr kaufen wollen, das land selber aber nicht mehr wird, die alte geschichte von angebot und nachfrage.

    es sollen auch holländische landwirte im beitrttsgebiet in grossem umfang investiert haben (nachdem sie in holland gelder für diee flächenstillegung in anspruch genommen haben, aber auf die idee sind auch llandwirte dieser republik gekommen) und, aber das ganz leise, auch agrarier aus der ehemaligen udssr.

    oder nochmals anders, während sich die grünen und in ihrem gefolge die akademiker in den städten die landwirtschaft als idyll nach der art von „im märzen der bauer“ träumen, ist es tatsächlich so, dass eine zeitgemäße agrarindustrie erhebliche investitionen in grund, boden und technik voraussetzt. wer das machen kann, macht das, und wer das nicht kann, macht sich vom acker. eine gewisse altersentwicklung der ländlichen bevölkerung tut das ihre. eben das passiert jetzt und hat mit ossi und wessi erst mal nichts zu tun.

    hätte man presseseitig auch recherchieren können, wie war das nochmals mit den qualitätsmedien?

    • 30. Januar 2013 um 13:52 Uhr
    • teilnehmender beobachter
  21. 21.

    Privater Großgrundbesitz war in der Vergangenheit ein wesentlicher Armutsgrund und wird es wohl auch in Zukunft wieder sein. Land in solchen Ausmaßen sollte grundsätzlich nicht in privatem Besitz sein. Nichts spricht gegen Pacht (mit verbindlichen Auflagen für Boden-, Gewässer- und Landschaftsschutz). Gerade bei Land und Wald ist ein Besitz beim Staat tatsächlich aus meiner Sicht das einzige Vertretbare. Es geht nicht um ein paar Hektar je Bewohner. Das hat mit Sozialismus nichts zu tun sondern mit Staatsraison. Dann ließe sich Missbrauch des Bodens jederzeit gegensteuern. Agrarwüsten wie in großen Teilen Ostdeutschlands ließen sich dann wieder beleben und rekultivieren. Die Qualität von Grundwasser und Fließgewässern verbessern … Aus eigenem Interesse oder gar Verantwortungsgefühl tun das weder kleine und erst recht nicht große Agrarbetriebe, von wenigen Ökobetrieben abgesehen. Dies wird mittelfristig die Lebensqualtität in der ganzen Republik betreffen.

    • 4. Februar 2013 um 17:48 Uhr
    • ojeoje
  22. 22.

    Großgrundbesitz ist über viele Jahrhunderte die Ursache von Armut gewesen und wird es wohl wieder werden. Land in Größenordnungen weit über die eigene Existenzsicherung hinaus sollte aus Gründen der Staatsraison unterbunden werden. Land ist doch ein wesentlicher Definitions- und Legitimationsgrund für jedes Staatswesen. Wer Land in größerem Rahmen braucht kann es pachten. Mit Auflagen für Boden- Gewässer- und Landschaftsschutz. Das würde viele Probleme leichter lösbar machen, die jetzt nicht in den Griff zu kriegen sind. Die Bereicherung Einzelner an den Lebensgrundlagen Aller ist problematisch. Das hat mit Sozialismus nichts zu tun, wie mancher jetzt unken mag. Es geht um Zukunftssicherung für das Gemeinwesen.

    • 4. Februar 2013 um 18:15 Uhr
    • ojeoje
  23. 23.

    Ich schließe mich voll der Bemerkung weiter oben an: dass nämlich die Leserbeiträge hier durchweg vernünftiger sind als der seltsame Aufsatz, der diesen Blog auslöst.
    Dennoch greifen einige der Leserbeiträge nicht tief genug.
    – Aneignung der landwirtschaftlichen Flächen im großen Stil durch Investoren; – nun durch die EU-Kommission veranlasste Privatisierung der Wasserwirtschaft (Nestlé steht schon in den Startlöchern); – das Interview kürzlich hier auf ZEIT-online mit Ilse Aigner über EU-Subventionen; – die erfolgreiche Lobbyisten-Bearbeitung an den EU-Kommissionären; – die aktuelle Diskussion über die Bezüge der EU-Beamtenschaft; – die weltweiten Monsanto-Aktionen:
    – dass dies alles (ich hoffe, man erkennt den Zusammenhang) nicht zu einem Riesenaufschrei führt, wundert mich. Die seriösen Medien wie hier sind da ge-(über-?)fordert. Da redet man sich in einer „Sexismus“-Debatte die Köpfe heiß und ignoriert den Abgrund, in den uns die oben genannten (durchaus konzertierten) Aktionen führt.

    • 5. Februar 2013 um 14:11 Uhr
    • gert
  24. Kommentar zum Thema

    (erforderlich)

    (wird nicht veröffentlicht) (erforderlich)

    (erforderlich)