Ostdeutschland ist anders. Wir schreiben drüber.

Durchgefallen – natürlich der Osten

Von 9. Februar 2013 um 07:03 Uhr

Die Fahrschüler im Osten sind nicht wettbewerbsfähig. Sie brauchen einfach zu viele Versuche, um mit ihren Pendants im Westen mithalten zu können.

Können die Fahrschüler einfach nicht geradeausfahren? Ist es der komplizierte Grüne Pfeil, der sie immer in die Nachprüfung zwingt? Oder stören die vielen Alleebäume mit den ganzen Kreuzen? - Nee, “die schlechte Ertragslage der Fahrschulen” ist hier die vermutete Ursache des Autoclubs Europa, ACE. Der ACE äußert diesen Verdacht in Auswertung von Zahlen, die unter anderem die Harzer Volksstimme veröffentlichte aber auch andere. Die Grundlage dieser Aufdeckung von Verkehrsdiskriminierung: Erhebungen des Kraftfahrtbundesamtes.

Danach sind die Zahlen bundesweit nicht berauschend, Sachsen-Anhalt allerdings hat die schlechtesten Fahrschüler (rund vier von zehn fallen durch), die Sachsen, die Thüringer, die Anwärter aus Mecklenburg-Vorpommern sind nicht viel besser, und natürlich sind auch die Brandenburger und Berliner ebenfalls exzellente Durchfaller. (Die besten sind die Hessen, nur zwei von zehn fallen durch.) Die einzigen, die die sich da bei den ganz Schwachen noch dazwischen gemogelt haben sind die Hamburger, aber auf diesen kleinen Hoffnungsschimmer, dass da in einer klar im Westen liegenden Großstadt noch mehr Nieten als im Osten versuchen, ans Steuer zu kommen, geht das Blatt nicht ein.

Was ist zu tun? In der Harzer Volksstimme ist angekündigt, dass die TU Dresden beauftragt wurde, die Hintergründe der Durchfallerei ostdeutscher Fahrschüler zu prüfen. Bis dahin bleibt natürlich die Angst, dass auch die Prüfungsbesteher im Osten nicht ganz koscher in ihrem Fahrstil und darum gefährlich sind.

Hier könnten Liebesregeln helfen, kleine Patentrezepte von Beziehungsexperten, die wissen, wie man zusammen, in diesem Fall Ost und West – schließlich sind wir ja zusammen -, durch dick und dünn geht, also auch durch den Verkehr fährt.

Ein Hinweis dazu kommt von Caryl Rusbult, einer bereits verstorbenen Soziologin von der Frije Universität Amsterdam. Sie nennt es das “Michelangelo Phänomen”. Ihr Modell besagt, grob ausgedrückt, dass die Beziehung stärker wird, wenn beide Partner einander helfen, das ideale Selbst zu entwickeln. Dieses ideale Selbst ist im Fall der Führerscheinanwärter natürlich der Schein, also die bestandene Prüfung. Wie also kann der Westen dem Osten helfen? – Daumen drücken. Wie kann der Osten auf den Westen besser eingehen? – Fahren üben! Und was können beide machen? – Vorsichtig fahren in Hamburg.

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Leser-Kommentare
  1. 1.

    Da ist es mal wieder, der Vergleich zwischen Ost und West. Erklären kann ich mir das Phänomen nicht. Vielleicht üben die jungen Menschen im westen Deutschlands einfach schon viel eher mit den Autos der Eltern als im Osten? Wer weiß, ich jedenfalls habe in Berlin meinen Führerschein gemacht und bin gleich beim ersten Mal durchgekommen. Das A und O bei jeder Prüfung ist die gute Vorbereitung und die Vermeidung von Prüfungsangst, die einem zum Fehlermachen verleitet. Das Modell meiner AS Fahrschule ist es tatsächlich, dieses erwähnte Michelangelo-Prinzip an zuwenden, gemünzt auf das Lehrer-Schüler-Verhältnis. Der Schüler will den Führerschein, der Lehrer will, dass sein Schüler sicher fährt. Wenn beide gemeinsam daran arbeiten, können sie das ideale Selbst entwickeln.

    • 10. Juli 2013 um 15:17 Uhr
    • Erwin Engers
  2. Kommentar zum Thema

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