Ostdeutschland ist anders. Wir schreiben drüber.

Weiter im Text … (und nicht im Blog)

Von 17. Mai 2013 um 18:17 Uhr

Die letzte Meldung dieses Ostblogs kommt aus dem Westen. Von einer Krankenkasse. Eine dieser so genannten Körperschaften öffentlichen Rechts, die TK aus Hamburg, hat ihre Krankenscheine durchgesehen, hat Stapel gemacht, sortiert, Strichlisten angefertigt und das Ganze geordnet. Herausgekommen ist: Der Osten ist krank. Genauer: Der Osten ist öfter krank als der Westen. Aus den fünf seit 1990 bestehenden Bundesländern und der Bundeshauptstadt kommen im Ländervergleich die meisten Krankenscheine mit den dann auch noch längsten Krankenzeiten.

Was sagt das nun über den Osten aus? – Diese Frage hat sich auch die TK gestellt und schickte eine Sprecherin vor die Mikrofone mit einer Erklärung für diese Krankheit des Ostens: “Die Vermutung liegt nahe, dass die hohe Zahl an Fehltagen etwas mit der höheren Arbeitslosigkeit in den ostdeutschen Regionen zu tun hat.” – “Zu tun haben”, “Vermutung” und “liegt nahe” sind Floskeln, die anzeigen, dass hier jemand nicht Bescheid weiß und sich und anderen Annahmen präsentiert, auf die seine Daten eventuell passen könnten. So etwas passiert schon mal. Nicht nur der TK.

Wer aber nun feststellt, dass ihm da besonders oft ein Deckel übergestülpt wird, ein Deckel, den sich jemand anhand seiner fertigen Urteile zurechtgezimmert hat, der kann schon mal stänkern und sagen: “Nee, so einfach ist das nicht, den Deckel will ich nich!” – Genau das sollte hier passieren: Wir haben versucht, zu beleuchten, wo es holpert und kracht im Osten, wollten beschreiben, wie dieser Teil Deutschlands tickt und haben Erklärungsversuche angeboten. Und dann wollten wir im Ostblog ein bisschen pieksen und fragen, ob da – vor allem medial und politisch – immer mit den richtigen Nägeln und Brettern an den offenen Ostlöchern gewerkelt wurde.

Diese Debatte um die kleinen und großen Ostprobleme beenden wir hier nun. Allerdings lediglich an dieser Stelle und als Blog. Publizistisch geht das ganze weiter, denn zeit.de wird auch weiter verfolgen, was im Osten anders läuft und warum.

Dank, großer Dank, geht dabei an die Mitblogger im Netz, die hier intensiv beschrieben und argumentiert, diskutiert und gestritten haben.

Ach so und zum Abschluss noch eine unserer Annahmen zu der Krankenscheinsache (denn auch wir wissen es nicht): Der Osten ist natürlich nicht krank, er ist nur eben öfter mal zuhause, um zu regenerieren. Und das ist ja nichts Schlechtes.

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Die einen haben einen Krankenschein und die anderen haben es einfach am Kopf. Hauptsache es nützt!

  2. 2.

    Das einzige wirklich schlimme Problem des “OSTENS” ,wie diese Region so liebevoll abwertend genannt wird ist ja wohl dieser meist laut.arrogannt,überheblich und meistens auch leicht dümmliche Typus Mensch,welcher ohne jede Rücksicht auf geltende Moralvorstellungen oder gesellschaftliche Konventionen seine eigenen Interessen verfolgt.
    Das Hauptansiedlungsgebiet dieses Menschenschlages ist in Richtung der untergehenden Sonne zu finden.
    Also zumindest wenn man sich im “OSTEN”befindet.

    • 18. Mai 2013 um 12:05 Uhr
    • Mopps
  3. 3.

    “Was sagt das nun über den Osten aus?”

    Ganz einfach: Die Hausärzte haben einfach mehr Mitgefühl mit ihren im (Spät-)Sozialismus der DDR und im (Früh-)Kapitalismus des Beitrittsgebiets “ausgebeuteten” Mitmenschen.

    Außerdem gehen viele Pendler am Wohnort im Osten zum Arzt und nicht im Westen, wo sie arbeiten, meine ich.

    Ich bedaure sehr, dass dieses (dieser) Blog zu Ende geht. Die Beiträge von Stefan Ruwoldt habe ich gern gelesen und kommentiert.

    • 21. Mai 2013 um 13:14 Uhr
    • Siegfried Wittenburg
  4. 4.

    Ich habe folgende Schlussfolgerung. Die Menschen im Osten müssen mehr arbeiten. Ganz einfach. Die Bedingungen im Westen sind hier wesentlich besser gestellt. Nicht zuletzt durch die “männlichen Eliten”, die ja genug Kohle verdienen, so dass ihre Frauen wahrscheinlich nur halbtags – eher als Selbstverwirklichungsfaktor oder Mal-raus-aus-dem-Haus – nachgehen. Vier Stunden schafft man immer. Nur, dass die Menschen im Osten Vollzeit arbeiten plus Überstunden, um überhaupt überleben zu können. Und dies für einen Stundenlohn, der alles andere als eine Arbeitsanerkennung wäre.

    Bsp. ein Vorstandsvorsitzender – Beamter – hat einen sicheren Posten in staatlichen Gefilden ergattert. Keine Stechuhr, keine Stundennachweise etc. Der Arbeitsanfang 9.00 Uhr. Arbeitsende – genüsslich der Gleitzeit angepasst 15.00 Uhr, manchmal auch länger. Mittagszeit 1 1/2 im öffentlichen Dienst super ausgenutzt und “angepasst!”. Ein Spaziergang im Schlossgarten ist der ideale Mittagsspaziergang. Ok. Es gibt auch Dienstreisen. Die 9.00 Uhr beginnen und nach einem Mittagessen außer Haus wieder gegen 16.00 Uhr at home enden. Eine tolle 25 Stundenwoche bei einem Gehalt von 8.000,00 mtl. Ein Märchen? Nein. Ein realistisch erlebtes Ereignis! Wozu braucht man(n) da noch einen Krankenschein? Die Arbeitsbedingungen sind doch bestens.

    Die Bedinungen im Osten sehen einfach anders aus. Ich finde es einfach nur dumm und bedenklich, dies auf die Menschen IM OSTEN zurückzuführen. Das ist wohl zu einfach gedacht. Hier zeigt sich wieder, wer nur bis zwei zählen kann. Die Angst um einen Arbeitsplatz usw., der Druck etc. sind alles äußere Faktoren, die eine Rolle spielen, die auf die Menschen und letztendlich auf ihre Gesundheit wirken.

    Wenn wir natürlich wie Kristina Schröder in vier Jahren eine Superpension erwirtschaften könnten, würde sich sicher so mancher Ostdeutsche auch gerne mal zurücklehnen. Die Manager im Westen wollen das nicht. Denn die sind geld- und aktiengeil. Ach ja! Und sie definieren sich ja sowieso meist über “Was-sie-sind” nicht “Wer-sie-sind”.

    Ost- und Westdeutsche werden nie zusammenkommen. Im Denken, Handeln usw. Denn die Mentalitäten sind unterschiedlich. Solange der Westen nicht begreifen und unser ostdeutsches Leben anerkennen will, haben die Menschen einfach keine Chance. Schade nur, dass der Westen für sich in Anspruch nimmt, dass der Kapitalismus und die derzeitige Gesellschaftsform das einzige Nonplusultra wäre.

    • 26. Mai 2013 um 12:23 Uhr
    • Catherine Booker
  5. 5.

    @ Catherine Booker

    “Schade nur, dass der Westen für sich in Anspruch nimmt, dass der Kapitalismus und die derzeitige Gesellschaftsform das einzige Nonplusultra wäre.”

    Ich nehme einmal an, dass Kapitalismus und Demokratie für Sie nicht ein und dasselbe sind. Kapitalimus ist klar, aber welche Gesellschaftsform favorisieren Sie?

    • 27. Mai 2013 um 21:55 Uhr
    • Siegfried Wittenburg
  6. 6.

    “Bsp. ein Vorstandsvorsitzender – Beamter – hat einen sicheren Posten in staatlichen Gefilden ergattert. … Eine tolle 25 Stundenwoche bei einem Gehalt von 8.000,00 mtl. Ein Märchen?”

    Ja, ein privilegiertes Leben wie ein SED-ZK- oder Politbüromitglied. Es ist überall derselbe Typ Mensch, dem dieses gelingt. Aber warum dieser Neid ob eines so vorgestanzten, langweiligen Lebens?

    • 27. Mai 2013 um 22:07 Uhr
    • Siegfried Wittenburg
  7. 7.

    @5. Ich erlebe nun zu gleichen Hälften meines Lebens zwei verschiedene Gesellschaftsformen. Ich möchte hier weder pro noch contra gegenüberstellen. Einzig und allein möchte ich den Versuch starten, die Menschen in den Altbundesländern zu sensibilisieren und ihren Blickwinkel einfach mehr aufzumachen. Nur ein Bsp. Unsere Bildung in der ehemaligen DDR war keineswegs schlecht. Und dennoch wurde sie mit der Wiedervereinigung von Anfang an infrage gestellt. (Studienabschlüsses etc. wurden von vornherein einfach nicht anerkannt) Obwohl man überhaupt nicht wusste, welcher Inhalt vermittelt wurde. Das Gleiche in der Schule. Nach 20 Jahren leben hier in den Altbundesländern stelle ich immer in Dialogen fest, dass z.B. unterschiedliche geschichtliche Hintergründe erörtert wurden. Deswegen ist doch aber das ostdeutsche Wissen nicht “nichtig” oder nur halb zu gebrauchen. Von den Westdeutschen wurde und wird immer noch “verlangt”, dass sich die Ostdeutschen dies und das selbstverständlich an Wissen aneignen oder gar wissen müssten. Wenn das nicht der Fall ist, gelten sie als gleich als abgegrenzt und typisch “ost”. Stellt man einem Westdeutschen aber eine Frage, welcher Nebenfluss die Oder hat oder wo Denimm liegt, kommt man an Grenzen, aber das ist nicht so wild.
    Dabei brauchen sich die Ostdeutschen überhaupt nicht zu verstecken!

    Sie fragen nach meiner favorisierten Gesellschaftsform? Ich bin fest davon überzeugt, dass die von Marx in seinem Kapital beschriebenen Zusammenhänge ein gutes Omen sind – um möglicherweise noch einmal – eine Gesellschaftsform zu starten, die all dies berücksichtigt. Die Intelligenz der Menschheit zu nutzen gerade auch im Hinblick auf ein soziales gerechtes Leben, Zusammenleben, Achtung, Menschenwürde, usw.

    Wieviel der derzeitigen Ungerechtigkeiten wird sich das Volk noch bieten lassen?

    Christdemokraten und/oder Sozialdemokraten und deren Handeln haben meiner Meinung nach nichts mit “Demokratie” zutun, auch wenn sie sich nach wie vor so benennen.

    Was mir am Herzen liegt und mich aufregt ist, dass die ehemalige DDR in all ihren

    • 29. Mai 2013 um 23:24 Uhr
    • Catherine Booker
  8. 8.

    … (hier gehts weiter) stets niedergemacht wird … das war der Schlusssatz …

    • 29. Mai 2013 um 23:25 Uhr
    • Catherine Booker
  9. Kommentar zum Thema

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