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Kandidatenturnier 2016: Drei Spitzenreiter nach drei Runden

 

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Drei Runden sind beim Kandidatenturnier 2016 in Moskau gespielt und vor dem morgigen Ruhetag nimmt das Feld allmählich Konturen an. Das liegt vor allem an dem Bulgaren Wesselin Topalow, der in Moskau nicht gut in Form ist und in Runde drei bereits seine zweite Partie verlor. Er spielte mit Weiß gegen Lewon Aronian, aber stand nach einem Übersehen in der Eröffnung schon nach 17 Zügen auf Verlust.

Kandidatenturnier 2016: Drei Spitzenreiter nach drei Runden

Topalow – L. Aronian, Stellung nach 16…Sc6 (Grafik ChessBase)

Topalow hatte in der Eröffnung einen Bauern geopfert, für den er nach der Fortsetzung 17.exd5 18.Sxd5 Kompensation gehabt hätte. Aber stattdessen spielte der bulgarische Großmeister 17.Td1? und erlebte nach 17…Sxe4! eine unangenehme Überraschung. Auf den ersten Blick sieht dieser Zug unmöglich aus, denn 17.Td1 hat ja den schwarzen d-Bauern gefesselt. Aber nach 18.Lxe4 Df6 hebt die schwarze Dame die Fesselung auf und greift den Turm auf a1 an. Spielt Weiß jetzt z.B. 19.Ta2 folgt 19…dxe4 und dann kann Weiß den Bauern auf e4 nicht nehmen, weil die weiße Dame den Bauern b3 decken muss. Und wenn Weiß mit 19.Lxh7+ Kh7 20.Ta2 improvisiert, spielt Schwarz 20…g5 21.Sg2 d4! und hat einen Bauern mehr und Angriff.

In der Partie spielte Topalow nach 17…Sxe4 18.Lb2, doch mit seinen zwei Mehrbauern gewann Schwarz problemlos.

Der Holländer Anish Giri, der jüngste Teilnehmer des Turniers, und der in der Ukraine geborene Russe Sergei Karjakin, der jüngste Schachgroßmeister aller Zeiten, trennten sich Unentschieden. Giri erzwang die Punkteteilung mit einer hübschen Remiskombination:

Kandidatenturnier 2016: Drei Spitzenreiter nach drei Runden

A. Giri – S. Karjakin, Stellung nach 23…Le7 (Grafik ChessBase)

In dieser Stellung spielte Giri 24.Sxg6 und erzwang nach 24…fxg6 25.Dxg6 Kh8 mit einem zweiten Springeropfer Dauerschach: 26.Sc5 bxc5 27.dxc5 Tf8 (Damit will Schwarz die weißen Drohungen mit 28…De8 parieren und zwingt Weiß, Dauerschach zu geben. Wenn Schwarz gar nichts macht, gewinnt Weiß mit dem Manöver 28.Ted1, 29.Td4 und 30.Th4+.) 28.Dh6+ Kg8 29.Dh6+ Kg8 30.Dg6+ Kh8 und hier einigten sich die beiden Spieler auf Remis.

Unentschieden trennten sich auch Vishy Anand und Fabiano Caruana. Beide Seiten bemühten sich, einen Vorteil zu bekommen, vermieden aber jedes Risiko und so endete die Partie nach 40 Zügen ohne große Aufregungen Remis.

Für das dritte Remis des Tages sorgten der Amerikaner Hikaru Nakamura und Pjotr Swidler aus Russland. Allerdings schrammte Nakamura, der gestern nach einem Blackout gegen Karjakin verloren hatte, nur knapp an seiner zweiten Niederlage vorbei.

Nakamura hatte Weiß und spielte schwungvoll und unternehmungslustig, aber dann wendete sich das Blatt und Nakamura musste von Angriff auf Verteidigung umschalten. Am Ende landete er in einem Endspiel mit einem Bauern weniger.

Kandidatenturnier 2016: Drei Spitzenreiter nach drei Runden

H. Nakamura – P. Swidler, Stellung nach 40…Sxa4 (Grafik ChessBase)

Hier wünscht sich Weiß natürlich, dass die Springer vom Brett verschwinden, denn das Turmendspiel mit vier gegen drei Bauern an einem Flügel ist zwar nicht einfach zu verteidigen, aber dennoch remis. Die beiden Springer geben Schwarz zusätzliche Gewinnchancen. Aber nicht umsonst gilt Nakamura als einer der zähesten und stärksten Verteidiger der Weltspitze. Swidler fand keinen Weg zum Gewinn und nach 24 weiteren Zügen hatte Nakamura einen halben Punkt gerettet und einen katastrophalen Turnierstart vermieden.

Gut ins Turnier gestartet sind Anand, Karjakin und Aronian. Sie holten jeweils einen Sieg und zwei Remis aus den ersten drei Runden und teilen sich die Tabellenführung.

 

Kandidatenturnier 2016, Runde 3
Anish Giri ½ Sergei Karjakin
Hikaru Nakamura ½ Pjotr Swidler
Wesselin Topalow 0-1 Lewon Aronian
Viswanathan Anand ½ Fabiano Caruana

Stand nach drei Runden

1 V. Anand 2,0
S. Karjakin 2,0
L. Aronian 2,0
4 F. Caruana 1,5
A. Giri 1,5
P. Swidler 1,5
7 H. Nakamura 1,0
8 W. Topalow 0,5

 

1 Kommentar

  1.   parrot0815

    Und am Ende steht wieder Anand ganz oben und darf gegen Carlsen verlieren. Dann fragt man sich wieder, wie es ausgesehen hätte, wenn Carlsen gegen einen anderen Herausforderer spielen müßte… sowohl beim Kandiatenturnier als auch bei der WM selbst reicht es nicht, mal einen guten Tag zu haben. Man muß viele gute Tage und viele gute Spielpläne haben.

    Mich würde es nicht wundern, wenn Anand das Kandidatenturnier gewinnt (auch aus der Hoffnung heraus, daß Peter Svidler dann wieder die WM kommentiert ;-).