Man muss ja nicht immer reden

Kleiner Gedanke zum Nacktscanner

Von 30. Dezember 2009 um 11:59 Uhr

Ist all den “Nacktscanner”-Gegnern eigentlich tatsächlich lieber, mit einem Flugzeug in die Luft gesprengt zu werden*), als für ein paar Sekunden von einem Menschen, den sie wahrscheinlich nie persönlich kennenlernen werden, auf dessen Bildschirm bereits mehrere andere hundert Personen vorbeigeblitzt sind und der zu diesem Zeitpunkt einen Busen vermutlich nicht mehr von einem Penis unterscheiden kann, als also auf dem Schirm dieses Menschen kurz mehr oder weniger nackt zu erscheinen?

*) Vorausgesetzt, mittels dieses Scanners können tatsächlich Sprengstoffe entdeckt werden.

Leser-Kommentare
  1. 1.

    Es gibt halt genug Menschen, die glauben, dass es irgendwann genug ist mit
    Security Theater
    und
    Totalüberwachung, insbesondere wenn es daten- und techniklose Alternativen gibt, siehe
    http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437BAA85A49C26FB23A0/Doc~E673FC18041D44BA0912A2B2D59E49386~ATpl~Ecommon~Scontent.html
    oder
    http://www.tagesschau.de/ausland/flughafentelaviv100.html

    • 5. Januar 2010 um 15:30 Uhr
    • Tobi
  2. 2.

    …mir ist eher diese absolute Hysterie zuwider, mit der diese Debatten geführt werden.

    Ich bin quasi permanent auf Geschäftsreise, fliege ca. 100 Mal pro Jahr, hatte nie Angst zu fliegen, nicht vor 2001, nicht danach, auch jetzt nicht, und ich finde, man sollte die Kirche mal im Dorf lassen. Ja, es kann immer was passieren, ob Unfall, Anschlag, Sabotage, etc. pp.
    Aber sich jetzt vollständig auf eine neue Technik verlassen? Und dann? Wieder eine Scheinsicherheit für die wieder neue Methoden gefunden werden, wie sie zu umgehen sind.

    Es geht mir nicht um irgendein Schamgefühl – ich ziehe mich von mir aus in der Öffentlichkeit auch ganz aus. Aber bitte, wenn ICH Lust dazu habe (ach ja, und wenn es möglichst niemanden stört – ich nehme auch gerne Rücksicht; nicht jeder kann mit natürlicher Schönheit umgehen). Aber das hier hysterische Politiker und Lobbyisten mal wieder eine Sau durchs Dorf treiben, dass nervt einfach nur noch. Abgesehen davon stehe ich nicht gerne unter Generalverdacht. Aber das ist halt meine Meinung.

    BTW: in England verstoßen Nacktscanner gegen das Kinderpornographieverbot. Ironie des Schicksals, würde ich sagen. Oder einfach nur ein weiterer Ausdruck dafür, wie pathologisch unsere Gesellschaften mittlerweile geworden sind.

    Na dann, bis Freitag am Flughafen…

    • 5. Januar 2010 um 15:37 Uhr
    • Captain Chaos
  3. 3.

    Ja, weil die Teile eben nur purer Aktionismus sind und “wir” im Zweifel trotzdem “in die Luft gesprengt” werden, vorher aber noch einen Teil mehr unserer Privatsphäre den Schikanen der Panikmacher opfern durften.

    Ein Beispielzitat zur Wirkung solcher Schnellschusslösungen unter vielen: “‘Schlagzeilenschinderei’, nennt Ben Wallace, konservativer Abgeordnete im britischen Unterhaus, deshalb die Forderung des Premiers Gordon Brown, Flugpassagiere möglichst bald mit den neuen Scannern zu durchleuchten. [...] Die Scanner seien ideal, sagt Wallace, um selbst aus größerer Entfernung Schusswaffen, Messer und sogar feinste Metallsplitter zu erkennen. Auch schwerer Plastiksprengstoff wie C4 würde von den Geräten nachgewiesen. Nicht aber Materialien geringer Dichte, pulverförmige Substanzen, Flüssigkeiten – Materialien eben wie PETN.” (Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,669877,00.html)

    Auch lesenswert:
    - http://www.schneier.com/blog/archives/2006/03/airport_passeng.html
    - http://www.theatlantic.com/doc/200811/airport-security
    - http://www.cnn.com/2009/OPINION/12/29/schneier.air.travel.security.theater/index.html

    • 5. Januar 2010 um 15:38 Uhr
    • foosel
  4. 4.

    Naja, was kann denn dieser tolle Scanner leisten, was ein Flughafenbeamter mittels Abtasten nicht auch herausfinden kann? Der hätte auch den angenehmen Nebeneffekt dass dabei kein digitales Bild erzeugt und in irgendeiner “Anti-Terror-Datei” landet, bei der es garantiert bald zur nächsten Datenpanne kommt.
    Es werden bereits mehr als genug persönliche Daten von Vater Staat erhoben, die ihn überhaupt nichts angehen. Und irgendwelche Nacktbilder erhöhen die staatliche Sicherheit unter Garantie. Nicht.

    Überhaupt wird meiner Meinung nach die Gefahr durch den Terrorismus vollkommen überschätzt, das eigentlich Gefährliche daran sind die panischen Reaktionen darauf, immer mehr Bürgerrechte auszuschalten.

    • 5. Januar 2010 um 16:04 Uhr
    • ike
  5. 5.

    Welcher Troll hat denn hier das Weblog von Frau Neudecker gekapert? Ansonsten empfehle ich bei Totschlagargument-/Killerphrasen-Erbrechen einen Psychologen aufzusuchen oder Bruce Schneier zu lesen: http://www.schneier.com/blog/

    • 5. Januar 2010 um 16:05 Uhr
    • Uwe
  6. 6.

    Ohne jetzt beleidigend sein zu wollen: Ich muss Uwe rechtgeben.

    Ansonsten: Es geht nicht darum, dass irgendein Unbekannter für ein paar Sekunden auf das verpixelte Bild meines Schniepels guckt – es geht darum, dass teure und unsinnige Technik angeschafft, die Privatsphäre ständig weiter ausgehöhlt und Grundrechte immer weiter beschnitten werden – alles unter dem Deckmantel eines nicht existenten Sicherheitsgewinns.

  7. 7.

    Es ist also sichergestellt, dass sich zu keinem Zeitpunkt im Scanner und am Bildschirm zwei Personen befinden, die sich kennen und denen es irgendwie unangenehm sein könnte, das der eine den anderen nackig macht?

    • 5. Januar 2010 um 16:28 Uhr
    • tarzun
  8. 8.

    Was macht es denn, wenn der Staat alle unsere Emails, Telefonate und Bewegungsdaten speichert, wenn er dadurch doch vielleicht tödliche Anschläge verhindert?

    Was macht es denn, wenn wir am Flughafen durchleuchtet werden und vor irgendwelchen Polizisten nackt da stehen, wenn dadurch doch vielleicht Tote verhindert werden?

    Was macht es, wenn der Staat unsere privaten Computer durchsuchen darf, wenn dadurch doch vielleicht Terroristen gestoppt werden können?

    Was macht es, wenn vielleicht Unschuldige eingesperrt werden, wenn doch vielleicht auch gefährliche Terroristen mit festgesetzt werden?

    Was macht es denn, wenn man ein paar Unschuldige Menschen tötet, wenn man dadurch doch noch mehr Tote verhindern kann?

    Es ist immer eine Frage, wie weit man bereit ist zu gehen um vorgebliche Sicherheit zu bekommen. Wo ist die Grenze? Was sind wir bereit an Freiheiten und Privatsphäre aufzugeben und welche trügerische Sicherheit bekommen wir im Gegenzug?

    Ein Zitat dass oft Benjamin Franklin zugeschrieben wird besagt: “Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren.”

    • 5. Januar 2010 um 16:42 Uhr
    • Mathias
  9. Kommentare sind geschlossen.