Man muss ja nicht immer reden

Mrs Robinson oder: Die Gleichberechtigung ist da!

Von 13. Januar 2010 um 11:27 Uhr

In letzter Zeit auch wieder öfters Simon & Garfunkels Mrs Robinson im Ohr gehabt?

Kein Wunder. Kaum ein Berichterstatter konnte sich einen Bezug auf diesen bald 42 Jahre alten Song verkneifen. War auch zu nahe liegend. Eine Frau in den besten Jahren, die auch noch Iris Robinson heißt, hat eine Affäre mit einem 19-Jährigen.

Obwohl – darüber regt sich heutzutage eigentlich schon kaum mehr jemand auf. Sicher, die Frauenmagazine und die Goldenen Blätter bringen in schöner Regelmäßigkeit Geschichten, die einen Trend zum jungen Liebhaber feststellen und in denen prominente Damen darüber berichten dürfen, wie wunderbar es ist, und wie problemlos sie den Altersunterschied bewältigen. Schnarch.

In der aktuellen Mrs-Robinson-Story stecken allerdings noch ein paar scharfe Details, die dafür sorgen, dass sie seit Tagen nicht aus den Schlagzeilen kommt.

Mrs Robinson ist nicht nur verheiratet, sondern das auch noch mit dem Ministerpräsidenten Nordirlands. Sie selbst ist unter anderem Parlamentsabgeordnete und sitzt im Stadtrat von Castlereagh bei Belfast. Ebendieser Stadtrat suchte nach einem Mieter für ein Café in schöner Lage an einem Fluss. Worauf Mrs Robinson zwei befreundete Bauunternehmer angeblich dazu brachte, ihrem Liebhaber je 25.000 Pfund an Kredit zu überweisen. 5000 Pfund musste er ihr gleich “zurückzahlen”, damit sie Schulden begleichen konnte.

Für einen der Bauunternehmer betrieb Iris Robinson Lobbying. Und im Stadtrat selbst erwähnte sie nicht, dass sie persönliche und finanzielle Beziehungen zu jenem Mann hatte, der schließlich als einziger Kandidat ausgewählt wurde.

Ende 2008 informierte die erzkonservative Protestantin (die Homosexualität mit Pädophilie gleichsetzt, was ihr beides Übelkeit verursache) ihren engsten politischen Berater, sie habe das Verhältnis beendet. Sie war mittlerweile draufgekommen, dass Gott wohl doch nicht so ganz damit einverstanden gewesen wäre. In weiterer Folge forderte sie von ihrem Exliebhaber das ihm geliehene Geld zurück. Allerdings nicht, um es den beiden Bauunternehmern rückzuerstatten. 20.000 Pfund solle er an ihre Kirche überweisen.

Seither herrscht in Nordirland Aufruhr. Iris Robinson selbst ist wegen starker Depressionen im Krankenhaus. Sie habe bereits im März versucht, sich das Leben zu nehmen, heißt es, kurz nachdem ihre Familie von dem Verhältnis erfahren hatte.

Peter Robinson legte für sechs Wochen seine Ämter zurück, um sich um seine privaten Probleme kümmern zu können. Und das heikle Verhältnis zwischen Katholiken und Protestanten in der nordirischen Regierung ist stark gefährdet. Große Aufregung in einem Land, das in der Vergangenheit verhältnismäßig weniger Aufregung über ein paar durchaus prominente Fälle von Kindesmissbrauch zeigte.

Die Zeitungen – auch die hiesigen – haben seit Bekanntwerden der “Sexaffäre” ihren Spaß. Welches Wort darf nicht fehlen, wenn eine ältere Frau mit einem jüngeren Mann? Richtig, Toyboy. Gern wird auch darauf hingewiesen, dass sie seine Großmutter sein könnte. “Teenie-Sex” hat es ein deutsches Boulevardblatt gar suchmaschinenfreundlich genannt.

Neuesten Erfindungen Gerüchten zufolge habe Mrs Robinson ihren Toyboy gar um Sex angebettelt und mit SMS bombardiert. Ganz zu schweigen vom Sex im ehelichen Himmelbett und in schwarzen Spitzendessous. (In manchen Redaktionen muss das Reinigungspersonal derzeit wohl öfter mal feucht durchwischen. Und manche Redakteure kommen vor lauter Empörungssarbeit wohl kaum dazu, ihre eigenen außerehelichen Affären zu beglücken.)

Ach ja, was soll man sagen? Die Emanzipation hat einfach eine weitere Stufe erklommen. Was man bislang hauptsächlich von Männern gewohnt war, tun jetzt auch die Frauen: das Ausnutzen von Machtpositionen für Freundschaftsdienste. Haben wir wirklich geglaubt, das würde nicht passieren? Um einen Spruch von Heidi Kabel abzuwandeln: Die Emanzipation ist erst dann vollendet, wenn genauso viele unfähige Frauen wie Männer in verantwortlichen Positionen sind.

All das, was man sich bei ähnlichen Affären (Berlusconi et al.) bisher dachte, trifft auch auf die Affäre Robinson zu. War sie wirklich zu schwach, im entscheidenden Moment Stop zu sagen? (Sie kannte den jungen Mann seit seiner Kindheit, und das Verhältnis begann, nachdem sein Vater gestorben war und sie sich – vorerst mütterlich – um ihn kümmerte.)

Sah sie tatsächlich nicht die Unvereinbarkeiten, den Amtsmissbrauch, den ihre Vermittlungstätigkeit bedeutete? Und zu guter Letzt: Wie kann eine angeblich schwer gläubige Christin die Ehe brechen?

Die Erklärung ist vermutlich für beide Geschlechter die gleiche: Wer erst einmal so weit oben ist, fühlt sich unverwundbar. Und vermutlich hat er in dieser Position schon so viele ähnliche Freundschaftsdienste miterlebt, das sie für ihn nichts Besonderes mehr sind.

Wenn man aus dieser Geschichte also etwas lernen kann, dann dies: Männer und Frauen sind einander ähnlicher, als uns das jeden Tag weisgemacht wird. Frauen hatten nur bis jetzt weniger Gelegenheiten, diese Ähnlichkeiten auszuspielen.

Immerhin gibt es drei eindeutige Nutznießer dieser Affäre:
- der junge Liebhaber, dessen Café in diesen Tagen wohl so gut läuft, dass er keine Kredite mehr braucht.
- Simon & Garfunkel, die sich mit den aktuellen Tantiemen zwei bis drei neue Häuser bauen können.
- und Tiger Woods. Der ist fürs Erste vergessen.

Leser-Kommentare
  1. 9.

    Als ich es in der Zeitung las, war ich augenblicklich in dem Film. War ja auch schön.
    Was die gute Frau Robinson da in der Öffentlichkeit sagte, ist doch Wahlprogramm, was sonst. In einem kirchlich so dominanten Land muss/sollte man und frau es wohl sagen, wenn man/frau gewählt werden möchte. Lustig, wer sich da immer wieder noch Illusionen macht.
    Worüber man sich aufregen könnte ist die Korruptionsgeschichte, das über allem stehende und sich dann noch verkriechen (auf Depression machen). Wahrscheinlich ist die Frau mit allen Wassern gewaschen. Es fehlt jetzt nur eine Sucht z.B. Sexsucht, so dass sie gar keine Schuld trifft. Sie war total abhängig.
    In den heutigen Zeiten wundert es mich alles nicht mehr.
    Frau Neudecker gebe ich in einem Punkt besonders Recht. Das unterschiedliche Mass an Aufmerksamkeit, für Kindermissbrauch und das Verhalten von Politikern.

    • 13. Januar 2010 um 17:34 Uhr
    • Fritzig
  2. 10.

    [...] beim googlen nach Mrs. Robinson das Duo Pomplamoose Music entdeckt. Scheinen Hobby-Musiker zu sein, die sehr kreative Aufnahmen von [...]

  3. 11.

    Hat Mrs. Robinson wirklich ihr Amt ausgenutzt oder nicht eher ihre Beziehungen? Der Junge war nicht bei ihr beschäftigt, finanziell nicht von ihr abhängig, erhoffte sich wohl auch nicht den Durchbruch in der Partei.
    Er war emotional abhängig und soweit, dass er in Mrs. Robinson eine Frau erkennen konnte.
    Sie scheint emotional instabil, was nicht dagegen spricht, ein politisches Amt auszuüben. Das tut man in der Regel in der Öffentlichkeit und sie kann abgewählt werden.
    Homosexualität und Pädophilie sollte sie nicht miteinander verwechseln.
    Dieser Film Herzflattern ist doch übrigens viel “schlimmer”. Dennoch glaube ich nicht, dass die Sache für den jungen Mann so gut war. Die Fixierung jüngerer Männer auf ältere Frauen ist nichts Neues.
    Madonna und ihr Jesus soundso. Nun, der sieht doch wohl erheblich besser aus und trotzdem möchte ich einwerfen, dass gutes Aussehen nicht gleichbedeutend ist mit gutem Liebhaber.
    Wenn Frauen schon Kinder haben, was sowohl bei Madonna als auch bei Mrs.Robinson der Fall ist, neige ich zu der Annahme, dass hier in der Tat der Wunsch nach einem weiteren Kind vorliegt.
    Madonna hätte gerne die halbe Welt adoptiert, was ja wohl ihr Mann nicht zugelassen hat, obwohl selbst Adoptivkind. Mrs. Robinson hat sich auch in der Richtung geäußert. Also sie hat sich bestimmt nicht aufwerten wollen oder mit einer jungen Liason ihr Sitzrecht bei den Jugendlichen deutlich machen wollen.
    Langer Rede kurzer Sinn, vorerst würde ich das Private und Politische bei Mrs.Robinson trennen. Es wäre für sie selbst aber besser, wenn sie es wieder zusammenbrächte.
    Für das Land vielleicht auch……

    • 13. Januar 2010 um 17:45 Uhr
    • beese
  4. 12.

    Wenn sie einen Bauunternehmer, dessen Projekt sie in der Lage ist zu fördern, dazu bringt, ihrem Liebhaber einen Kredit zu verschaffen (den er offensichtlich nicht an den Kreditgeber sondern an sie zurückzahlen sollte), dann ist das für mich Amtsmissbrauch.

    Oder das, was man eine sehr schiefe Optik nennt.

    • 13. Januar 2010 um 18:00 Uhr
    • Sigrid Neudecker
  5. 13.

    Ja, ja, die Hormone. Die sind manchmal nicht zu kontrollieren. Und Spass will man ja auch ab und zu haben. Im uebrigen laeuft alles immer nach dem Schema Angebot und Nachfrage ab: willst du was Knackiges Juengeres, dann kostet das so und so viel. Siehe auch Muente und seine Jungturnerin und kuerzlich Peter Harry aus Kiel. Das geht natuerlich nicht lange gut. Aber so lange es geht….. Man muss es nur richtig machen und hier nicht im Dunkeln und unterm Tisch. Sowas kommt nie gut an.

    • 13. Januar 2010 um 18:54 Uhr
    • eckhard
  6. 14.

    Machtmissbrauch war,ist und bleibt geschlechtslos.

    • 13. Januar 2010 um 19:29 Uhr
    • goodbay
  7. 15.

    @Axel:

    Ich bin nicht Homophob

    Doch. Tut mir leid, aber anders kann ich’s nicht sagen.

    • 13. Januar 2010 um 20:15 Uhr
    • Sonja
  8. 16.

    “Ach ja, was soll man sagen? Die Emanzipation hat einfach eine weitere Stufe erklommen. Was man bislang hauptsächlich von Männern gewohnt war, tun jetzt auch die Frauen: das Ausnutzen von Machtpositionen für Freundschaftsdienste. Haben wir wirklich geglaubt, das würde nicht passieren?”

    Die letzte Frage ist falsch gestellt.
    Haben wir natürlich nicht. Frauen sind in allem besser – selbstredend auch im Ausnutzen von Machtpositionen. Nur mit Mrs. Robinson hat`s halt mal eine vermasselt.

    Was man sagen soll? Ohne Männer wär das nicht passiert. Die Welt wäre ein besserer Ort, wenn es sie – die Männer – nicht gäbe. Man kann diese feministische Binsenweisheit nicht oft genug betonen.

    • 13. Januar 2010 um 20:16 Uhr
    • TheaRie
  9. Kommentare sind geschlossen.