Blog der ZEIT ONLINE Sportredaktion

Bayern München gegen Borussia Dortmund

Von 26. Mai 2013 um 02:08 Uhr

Kurzfazit: Haben Sie diese Emotionen gesehen? Auf der einen Seite des Spielfeldes hüpften die Bayern nach dem Abpfiff herum wie junge Welpen. Auf der anderen standen die Dortmunder Arm in Arm vor ihren Fans, klatschten, wurden beklatscht und hatten feuchte Augen. Wobei: Philipp Lahm kullerten vor Freude und vor Erleichterung fast genauso viele Tränen übers Gesicht wie den Dortmundern. Und Arjen Robben. Er feierte sich ganz alleine, abseits der anderen. Sein Ego und seine Geschichte brauchte Platz. “Das ist mit nichts auf der Welt vergleichbar”, sagte Matthias Sammer, der heute mal nichts zu meckern hatte.

So ein Finale gab es in der Champions League noch nicht. Womöglich gab es sowieso nur ganz wenige Finals jemals, die so dynamisch, ausgeglichen und spannend waren. So was macht der Fußball. Deshalb drehen Millionen Menschen wegen 22 Fußballern und einem Ball durch.

Dortmund zeigte eine herausragende Leistung, besonders zu Beginn der Partie überrannten sie den Deutschen Meister. Doch der FC Bayern feiert nach zwei Jahren der CL-Enttäuschung völlig berechtigt den großen Erfolg. Guardiola wird in einigen Wochen die Besten noch besser machen müssen.

Der Mann des Spiels hätte einmal mehr Roman Weidenfeller sein können, neben Gündogan der beste unter allen guten BVB-Spielern. Wenn … ja wenn Arjen Robben, der ewige Zweite, wenige Minuten vor Schluss nicht mit seinem Tor das Spiel entschieden und die Geschichte seiner Karriere gedreht hätte.

200 bis 300 Millionen Menschen haben auf dieser Erde diese Bilder gesehen. Es war nur ein Fußballspiel, aber ein ziemlich faires, äußerst bewegendes und interessantes. Opa Jochen hätte sich daran erfreut. Der Security-Mitarbeiter, der die ZEIT-ONLINE-Redaktion bewacht, lag mir fast in den Armen.

Mit diesen Emotionen schließen wir das Liveblog, hoffen, Sie kommen mit guten Gefühlen in die Nacht und verweisen auf die Reportagen der London-Reporter, die am Sonntagmorgen folgen.

93′ Schluss in London. Aus für den BVB. Welch ein Spiel, welch ein Ende. Bayern München ist der Jahrhundert-Finalgewinner. Ich freue mich mit dem Security-Mitarbeiter. Wenn wir ausgetanzt haben, kommt noch ein kurzes Fazit.

88′ TOOOOOOOOOOOOR!!!!! ROBBEN ist doch ein MÜLLER 2:1. Welch ein Tor. Er schlängelt sich durch die halbe Abwehr des BVB und spitzelt das Ding an Weidenfeller vorbei. Hut ab!

87′ Weidenfeller, bisher wieder einmal der wichtigste Dortmunder. Jetzt pariert er gegen Schweinsteiger.

78′ Mich haut das Spiel fast vom Stuhl in der Redaktion. Aber der Kollege in London findet noch Zeit, um Freundschaften zu knüpfen. So ist Fußball. Sid heißt der Typ, der neben ihm im Stadion sitzt. Er ist Engländer, Fotograf und hasst Fußball. Ihm ist egal, wer gewinnt. Obwohl: Er war 2002 mal in Rotterdam als Dortmund da gespielt hat. Dort wurde er von BVB-Fans mit Bier beworfen und bespuckt, sagt er. Deshalb möchte er, dass Bayern gewinnt. Außerdem hat München einen Englischen Garten. So sieht es bei den beiden aus:

stadion2

76′ Müller spuckt jetzt Feuerpfeile.

71′ Robben ist kein Müller, 20 Zentimeter vor der Torlinie lässt er sich das Ding von Subotic weggrätschen. Ein Teufelsspiel. Ein Teufelsspiel. Ein Teufelsspiel.

68′ 1:1 GÜNDOGAN Ich umarme gleich den Security-Mitarbeiter, sieht ein bisschen so aus wie mein Opa.

66′ Dante rammt Reus das Knie in den Bauch: Elfmeter für den BVB.

59′ 1:0 TOOOOOOOOR! Für die Roten. Mario! Oh Mann. Mandžukić nach exakter Vorarbeit von Robben, der nicht schon wieder ein Finale verlieren will.

55′ Jetzt grätschen sie hüben wie drüben. Und einige schwitzen. Der Security-Mitarbeiter, der die Redaktion bewachen soll, klärt mich auf: “Wenn ded nech ma Elfmeterschießen gibt.”

49′ Geht los wie nach dem ersten Anpfiff. Ball immer noch rund.

Noch die beiden wichtigsten Nachträge aus Hälfte eins: Erstens: Der Security-Mitarbeiter, der nachts die Redaktion schützen soll, ist Bayern-Fan und mir dennoch sympathisch. Erst hat er unwissend das Licht gelöscht und dann gesagt: “Die Dortmunder waren bisher besser.” Jetzt guckt er mit. Zweitens: Angela Merkel hat es getan, Steuersünde hin oder her.

45′ Halbzeit, was für eine. Das war Klopp-Fußball. Eine Halbzeit voller Volldampf. In den ersten zwei Dritteln der ersten Halbzeit spielte fast nur der BVB. Doch dann kamen die Bayern zu ihren Chancen. Ribéry mit Glück. Es hätte auch 2:3 stehen können. Tut es aber nicht. Was bisher bleibt: Das Jahrhundert-Finale der Champions League ist bisher schneller und spannender als die WM-Finals, an die ich mich erinnere. Irre ich mich da?

42′ Robben an die Omme des BVB-Torwarts. Neuer – Weidenfeller jetzt 6:3

30′ Weidenfeller! Weidenfeller! Er pariert allein vor Robben. Jetzt ist es langsam wie damals bei den Rittern. Geht ganz hart zur Sache.

30′ 23′ Falls Sie glauben, die von ZEIT ONLINE recherchieren nicht, schauen nur Fußball. Unser London-Reporter hat mal das wichtigste analysiert: die Schuhe der Künstler aus München: Neuer: Eineartschwarz, Alaba: Orange, Dante: Weiß, Boateng: Orange, Lahm: Schwarz, Martinez: Schwarz, Schweinsteiger: Orange, Müller: Grün, Ribery: Hellblau, Robben: Schwarz, Mandzukic: Hellblau

28′ Gelb für Dante, Ribéry hätte zuvor Rot fürs Ellenbogenschlagen bekommen können.

26′ Ohhhhaaa, der ZDF-Reporter gerät in Wallung. Der FC Bayern mit seiner ersten Ecke und einem gefährlichen Kopfball. Das ist hier wie beim Fußball.

21′ Jetzt versucht es mal Bender gegen Neuer. Inzwischen fünf Ecken für den BVB. Aber es macht ja doch nichts: Der FC Bayern hat ja noch das DFB-Pokalfinale. Ich weiß, wer zu früh …

14′ Lewandowski drischt aufs Bayerntor, Kuba schon zum zweiten Mal mit einem Torschuss. Der BVB spielt die Münchner bisher an die Wand.

5′ Breaking News aus London: Schweinsteigers weinerliches Gesicht haben Sie sicher beim Aufwärmen gesehen. Der Guardian will herausrecherchiert haben: Er spielt mit schmerzstillender Spritze.

3′ Der BVB mir gefühlten 78 Prozent Ballbesitz, einem Torschuss und einer Ecke. Der Favorit strauchelt.

20:44 Jürgen Klopp sagte: “Die Sonne scheint.” Olli Kahn sagte: “Im Finale ist alles möglich.” Opa Jochen hätte gesagt: “Was soll das? Ruhe jetzt!” Es geht los, Jahrhundert-Anpfiff.

20:37 Obacht, vor dem Spiel wollte ich noch ein Nickerchen machen. Aber diese Eröffnungszeremonie. Mit einem Pferd mit acht Beinen. Jetzt schießen Bayern- und Dortmund-Flitzebogenschützen aufeinander. Braveheart kam doch aus Schottland. Krieg im Öffentlich-Rechtlichen. Deeskalation sieht anders aus.

20:22 Bevor es losgeht, holen Sie sich noch schnell ein Weißbier, machen Sie es sich auf Ihrer Couch gemütlich und gestehen Sie sich ein, dass Sie nicht zu den ganz Harten gehören. Die ganz Harten heißen Kahn oder machen Sachen wie dieser Kerl auf dem Bild: Helmut Robers, der 500 Kilometer mit dem Fahrrad aus dem Münsterland bis zum Wembley-Stadion radelte. Elf Tage hat er gebraucht und ist dabei dreimal gestürzt.

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19:56 Der London-Reporter Fritsch liefert die Aufstellungen, diese 22 Männer werden heute spielen und 11 von ihnen danach weinen:

 

19:50 Apropos Götze: Post unseres London-Reporters Spiller. fans2

Das sind eigentlich zwei Bayern-Fans. Für das Spiel und weil doch alle Spaß haben wollen und weil sie Mario Götze toll finden, wollten sie sich “was Besonderes einfallen lassen”. Die Dinger sind selbstgenäht.

19:35 Kurzer TV-Check: Auf Sky versaut sich Harald Schmidt seinen Ruf durch schlechte Fußballerwitze. Im ZDF verklausulieren Watzke und Kahn ihre Meinungen zum Muskelfaser des Mario Götze. Auf Arte kommt ab 20.15 Uhr Auf der Suche nach dem Zarenschatz. Noch haben sie die Wahl.

19:28 @Caesar Steiner: Wir tun gar nicht erst so, als könne man beim Fußball neutral sein. Möge der Bessere gewinnen. transfergelderOder nicht der Wohlhabendere.

 

 

19:15 In Berlin hat das Herbstgruselmärchen die ganze Stadt im Griff. Der Veranstalter der Fanmeile vor dem Brandenburger Tor hatte trotz schlechter Wetterprognose auf 100.000 Besucher gehofft – bei gutem Wetter wären 250.000 erwartet worden. Eben waren allerdings erst etwas mehr als 100 Menschen da. Inzwischen wären die Partymacher “mit 30.000 bis 40.000 Besuchern glücklich”, sagte der Veranstalter unserem Hospitanten Sören Maunz. Ich habe im Regen eine Eiskugel gegessen. Ja, und von wegen einkaufen: Ich wollte nur schwarze Hosen, gelbe Socken; meine Frau zeigte mir einen Vogel. Ist Ihnen die Lust auf dieses Fußballspiel eigentlich noch geblieben oder geht’s Ihnen wie unserem Leser zerblogger (siehe Kommentare) und fast 60 Prozent der Deutschen? CL-Stellenwert-übertrieben-02

 

Vorbemerkungen: Als mein Opa Jochen noch lebte, buddelte er an Tagen wie diesen seinen ganzen Garten um, setzte sich fünf Minuten vor Anpfiff auf seine Couch, schaltete den Fernseher ein, und wenn meine Oma dann noch was sagte, unterbrach er sie: “Na, nu ist Fußball.” Das ganze Drumherum war ihm nichts.

Heute kann das Tamtam nicht größer sein. Bayern, Dortmund, Jahrhundertfinale: Fußball auf allen Fanmeilen und -kneipen, Titel- und Webseiten. Ich habe mich heute sogar nass rasiert. Und der Focus warnt seine Leser ernsthaft: Ein spannendes Fußballspiel kann zum Tode führen.

Meinen Bruder hat es noch schlimmer erwischt: Er ist seit Monaten auf der Hochzeit seines guten Freundes eingeladen und konnte deshalb nicht nach London fliegen.

Das Leben ist hart. Auch für meine beiden Kollegen Christian Spiller und Oliver Fritsch. Seit Donnerstag leben sie in einer kleinen Wohnung in Chelsea. Zata, eine nette Londonerin mit polnischen Wurzeln und Tantra- und Kama-Sutra-Büchern im Regal, ist gegen Geld ausgezogen, damit die beiden Reporter zwischen ihren Wänden schlafen, leben, schreiben, twittern unter @zeitonlinesport und essen können.

Bevor die Kollegen mit Winterjacken auf nach England sind, hat der eine erstmals seine Gefühle für den FC Bayern niedergeschrieben und der andere in Videoform erklärt, wieso Schweinsteiger und Alaba die Schwächen im Spiel des Deutschen Meisters sind. Auch noch empfehlenswert zur Jahrhundertvorbereitung:

 

 

 

 

Und natürlich der Jahrhunderttrailer der schmerzbefreiten Fußballnerds von 11 Freunde.

Bevor Ihr Herz jetzt schon vor dem Anpfiff stehenbleibt, sagen Sie es laut: “Es ist nur ein Fußballspiel.”

Ich gehe jetzt einkaufen, Unterhosen, Schuhe, Socken. An dieser Stelle wird danach ab etwa 20 Uhr aus Berlin livegebloggt. Wenn Sie es objektiv mögen, klicken Sie lieber auf unseren Live-Ticker. Als Norddeutscher bin ich in der Tradition meines Opas gefangen. Aus Bayern mögen wir höchstens das Weißbier. Okay, und anlässlich dieser Darbietung der Münchener Philharmoniker auch die Töne aus Bayern.

Kategorien: Champions League
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Offengesagt: Ich finde die heutige Partie ziemlich öde, hätte mir die Beteiligung einer englischen, spanischen oder italienischen Mannschaft gewünscht.

    So aber bleibt irgendwo eine lokal verlagerte Neuauflage des trägen Bundesliga-Klassikers vor gerademal zwei Wochen. Für Funktionäre, Werbepartner etc. sicher nicht leicht, eine Liga-interne Begegnung international an den Mann zu bringen, die in der Vorstellung vieler wohl eher von regionaler Bedeutung ist. Da lässt sich die Vorstellung, dass hier ein Underdog gegen die gesättigten Parvenüs aus Bayern antreten, schon besser vermarkten.

    Europaweites Interesse sieht trotzdem anders aus – das wurde schon klar bei den verzweifelt anmutenden Versuchen deutscher TV-Reporter, in den vergangenen Tagen per Kamera Belege der “Begeisterung” auf englischen Straßen oder Beobachtung der internationalen Presse einzusammeln. Und weder die britische Sun noch Spaniens größte Sportzeitung “La Marca” zeigten sich in den vergangenen Tagen sonderlich Interessiert: Noch jetzt – zwei Stunden vor Anpfiff – muss man bei Letzterer für das Finale ganz nach unten scrollen, dabei die Lupe auspacken: Die Neuverpflichtung des brasilianischen Fußballstars “Neymar” bei Real Madrid ist eben wichtiger.

    Und auch ich werde heute Abend wohl etwas anderes machen, mich anschließend begnügen mit einer kurzen Zusammenfassung des Aufeinandertreffens globalisierter Kicker aus allen Herren Ländern – bei den zahlungsfreudigen Fans als “deutsche Mannschaften” vermarktet. Auch um zu vermeiden, die Kameras immer wieder auf die Fleisch gewordenen Pyourette im Hosenrock gerichtet zu sehen.

  2. 2.

    @zeroblogger: Das interessiert Sie alles gar nicht, aber hier lesen und kommentieren tun Sie schon. Klingt logisch.

    Auch bei der spanischen Marca schauen Sie extra nach, wo allerdings eine gewisse Leseschwäche zu bestehen scheint. Ich zähle auf der Startseite 19 (angerissene/verlinkte) Artikel mit CL-Finale-Kontext und es geht oben direkt unter der einen Topnews zu Neymar los. Auf der englischsprachigen Marca-Seite sind 5 von 5 Top-News zum CL-Finale.

    Die britische Boulevardzeitung Sun pflegt eine herbe Antipathie zu allem, was irgendwie deutsch ist. Das zeigt sich auch darin, dass das Einzige was prominent auf der Startseite zum CL-Finale angerissen wird, die paar Pseudo-Fans sind, die sich geprügelt haben.

    Wenn ManU im CL-Finale gegen Inter spielt, ist das in Deutschland im Übrigen auch nicht die Top-News.

    • 25. Mai 2013 um 18:44 Uhr
    • Guido3
  3. 3.

    @Guido3

    19 Artikel in der spanischen La Marca? Wie und vor allem wo haben Sie gesucht?

    Ich gebe zu: Eine halbe Stunde vor Spielbeginn gibt es jetzt einen kurzen Artikel auf Platz 4, erfordert aber einiges Scrollen. Und ziemlich mickrig im Vergleich zur Nach-Wie-Vor Schlagzeile (…das sind die mit den dicken Buchstaben) zum Thema Neymar. Na ja, vielleicht ändert sich das ja 5 Minuten oder nach dem Spiel…

    Also das heißt für ein so fußball-verrücktes Blatt schon viel. Im Übrigen liegt es ganz sicher nicht an “Leseschwäche” – ich spiele den Ball gerne zurück ‘-)

  4. 4.

    Da bekennt die ZEIT ja wieder mal ganz ungeniert Farbe. Allen Ernstes ein Bild von ausschließlich BVB-Fans mit Fake-CL-Pokal. Wenn das mal nicht durchaus bewusst gewählt ist…

  5. 5.

    “Es ist nur ein Spiel, aber am Ende werden ganz viele Männer weinen.”

    ein selten guter satz

  6. 6.

    “Es ist nur ein Spiel, aber am Ende werden ganz viele Männer weinen.”

    Dann müssen halt ganz viele Frauen aus Wolfsburg sich, über die Republik verteilt, kümmern.

    • 25. Mai 2013 um 19:58 Uhr
    • Götz'vonBerlichingen
  7. 7.

    Wenn es um das Gewinnen geht…

    Ganz egal, welche Mannschaft gewinnt oder verliert zu dem großen Finale in Wembley, eines ist sicher:… Deutschland ist der unstrittige Sieger in der europäische Fussballwelt!

  8. 8.

    Der Breitner Paule macht das sehr gut, find ich.
    Ansonsten fehlen nur noch die Me109 .. Sowas martialisches. Doof.

  9. Kommentar zum Thema

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