Was wir machen und wer bei uns schreibt
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Der ZEIT ONLINE, Intro, Gesicht Zeigen!, die Agentur WE DO starteten 2007 gemeinsam mit den Moderatoren Markus Kavka, Ole Tillmann, Klaas Heufer-Umlauf das Projekt Störungsmelder gegen Rechtsextremismus.
Neben den eigenen negativen Erfahrungen aller Beteiligten, beunruhigt vor allem die Tatsache, dass Rechtsextreme mit wachsendem Erfolg, Jugendliche mit alltäglicher Lebenshilfe ansprechen. Über Hausaufgabenhilfen, durch die Organisation von Jugendreisen und Konzerten nehmen sie an deren Leben teil und prägen ihr Weltbild. Immer mehr Jugendliche sehen im Rechtsextremismus die Lösung für ihre persönlichen Probleme. Erfolgreich sind Neonazis besonders dort, wo Jugendliche kaum oder gar nicht widersprechen. Und genau hier setzt der Störungsmelder an.
Der Störungsmelder ist ein Weblog: Es diskutieren Prominente, Fachleute und Schüler aus betroffenen Regionen über Rechtsextremismus. Wo stören Rechte? Wo sind sie besonders aktiv? Welche Strategien wenden sie an? Warum finden sie Gehör? Und was kann man gegen sie tun? Es geht um den persönlichen Erfahrungsaustausch und auch darum zu zeigen, dass Nazis keine Lösung parat haben.
Seit Sommer 2008 läuft Phase zwei: Störungsmelder auf Tour. Zusammen mit dem Verein Gesicht Zeigen! besuchen die Initiatoren Markus Kavka, Ole Tillmann und Klaas Heufer-Umlauf Schülerinnen und Schüler vor Ort. Im direkten Gespräch mit den Jugendlichen geht es – abseits von Kameras und Medienrummel – um rechtsextreme Probleme des Alltags und Strategien ihm auf dem Bolzplatz, im Klassenzimmer oder auf dem Schulweg aktiv zu begegnen.
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Markus Kavka
Ich hätte mir damals ein schnelleres Auto gewünscht. Ein Renault R5, Baujahr 81, mit 35 PS war nicht die richtige Karre, um sich mit den Faschos heiße Verfolgungsjagden durch Schwabach zu liefern. Wir sind da fast jedes Wochenende von Ingolstadt aus hingefahren, weil es dort eine legendäre Gruftie-Disco gab.
In die durften die Nazi-Skins nicht rein, deswegen warteten sie davor, bis wir rauskamen. Durch den Hinterausgang gelangte man direkt in die Tiefgarage. Nachdem sich das Rolltor nach der Ausfahrt hinter einem schloss, wurde es spannend. Sie waren nicht jedes Mal da, wenn sie allerdings da waren, hieß es: Vollgas Richtung Autobahn. Sie erwischten uns kein einziges Mal, nur einmal schafften sie es an einer roten Ampel, mit ihren Stahlkappen-Doc-Martens ein paar Beulen ins Auto zu treten.
Da war ich gerade 18 und geriet das erste Mal mit Faschos aneinander. Und weil ich irgendwie immer so aussah, wie es ihnen nicht gefiel, sollte der Ärger auch nie so richtig abreißen. Vor etwa zehn Jahren bekam ich mal Morddrohungen aus der rechten Szene, weil ich “linke Zecke” es gewagt hatte, im Fernsehen ein Fred Perry-Poloshirt zu tragen.
Je mehr sie mich bedrohten, desto stärker reifte der Wunsch, etwas gegen sie zu machen. Weglaufen galt nicht mehr, ich wurde aktiv bei der Antifa und sah spätestens dort, welche Ausmaße die rechte Katastrophe hatte. Wahlerfolge rechter Parteien, “national befreite Zonen”, Übergriffe auf Menschen mit anderer Hautfarbe sowie die Bestrebungen der NPD, die bürgerliche Mitte zu unterwandern, indem zunehmend soziale Themen besetzt werden, sind nur einige von viel zu vielen Gründen, warum aktiv etwas getan werden muss.
Ich will/wir wollen dabei ganz bewusst bei den Jüngeren ansetzen. Mit ihnen reden, bevor es die Rechten tun. Ihnen Respekt entgegen bringen und für sie nachhaltig da sein.
Wäre schön, wenn ihr mit uns seid.
Thomas Hitzlsperger
Als Fußballer begegnet mir das Thema Ausländerfeindlichkeit immer wieder. Obwohl ich selbst von Neonazis verschont geblieben bin, war ich doch sehr überrascht, wie sehr die Neonazis das Image der Deutschen im Ausland prägen. Fünf Jahre lang habe ich im Ausland gelebt und ich musste viel Überzeugungsarbeit leisten; Zudem habe ich erlebt, wie Mitspieler aufgrund Ihrer Hautfarbe beschimpft wurden, und die Aggressivität hat sich unterschieden von den üblichen Beschimpfungen, denen man im Fußballstadion ausgesetzt ist.
Grundsätzlich funktioniert das Zusammenleben und –spielen mit Fußballern aus der ganzen Welt problemlos. Der Ausländeranteil in den europäischen Topligen stieg in den letzten Jahren stetig an und die Fans unterstützen Ihre Mannschaft, egal aus welchen Nationalitäten sie sich zusammensetzt. Es gibt jedoch immer wieder Ausnahmen, die Projekte wie „Stand up Speak up“ und die aktuelle Aktion FARE (Football Against Racism In Europe) notwendig machen.
Das Problem im Fußball scheint sich aber in den unteren Ligen abzuspielen, dort wo die Medienpräsenz nicht so groß ist und Rechte ungehindert Ihre Ansichten verbreiten können.
Ich werde über meine Erfahrungen berichten und möchte dazu beitragen, dass Nazis vor allem im Profifußball, aber auch in allen anderen Bereichen unserer Gesellschaft, kein Bein auf den Boden bekommen.
Toralf Staud
Eigentlich bin ich nur Journalist – aber durch die jahrelange Beschäftigung mit dem Thema Rechtsextremismus für die ZEIT doch irgendsowas wie ein “Experte” geworden. Vor zwei Jahren schrieb ich dann ein Buch über die NPD (“Moderne Nazis”) – woraufhin mich die Parteizeitung als “einen der intelligenteren publizistischen Gegnern der nationalen Opposition in Deutschland” würdigte… Nunja, damit kann ich leben.
Klaas Heufer-Umlauf
Ich komme aus Oldenburg, dort war für mich mal ein ganzer Stadtteil tabu. Ausländer gibt es dort kaum und Leute mit linken Ansichten bekommen schnell zu spüren, dass sie in der Minderheit sind. Ich wohnte nicht weit von dort. Da ich als weißer Deutscher durchs Hetzraster fiel, begriff ich erst recht spät, welche Weltanschauung einem da unter die Nase gehalten wurde.
Einige Jungs aber, die ich schon aus Grundschultagen kannte, hatten das Pech, dort zu wohnen. Das Pech, auf den Partys der Älteren ihr erstes Bier trinken zu müssen und auf der Suche nach Vorbildern in ihre engeren Umfeld immer wieder auf dieselbe menschenfeindliche Ideologie zu stoßen. Egal, ob einer früher besonders nett, leise, laut, schüchtern oder clever war – man konnte zusehen, wie sie nicht nur älter, sondern auch rechter wurden.
Meine Freunde und Klassenkameraden waren glücklicherweise weit von dieser Szene entfernt. Dementsprechend ungefährdet war ich mit dreizehn, einem Alter, in dem man sich viel Scheiß erzählen lässt. Wäre ich je auf rechte Gedanken gekommen, meine Eltern hätten mir ruhig und plausibel klar gemacht, was ich da von mir gebe.
Bei vielen heute felsenfest überzeugten Rechtsradikalen wäre es vielleicht nicht so weit gekommen, wenn ihnen mal jemand im richtigen Moment, in einem vernünftigen Ton die Meinung gesagt hätte. Da aber nun leider nicht jeder dieses Glück hat, ist dieses Blog für mich umso wichtiger.
Ich habe mittlerweile einige Übergriffe von Rechtsradikalen auf Ausländer miterlebt. Einmal habe ich erlebt, wie 20 Nazis mit leeren Bierkrügen auf einen einzelnen Mann einschlugen. Ich hoffe, dass wir hier rechte Methoden transparenter machen, für einen toleranteren und respektvolleren Umgang zu werben und allen, die sonst niemanden kennen, ein Forum zu sein.
Ole Tillmann
Ich hätte niemals gedacht, dass ich mal Opfer eines Naziüberfalls werden würde. Bis es eben passierte. Als ich im September 2006 in Berlin mit meinem Kumpel Matthias aus heiterem Himmel und ohne Vorwarnung von Skinheads überfallen wurde, dachte ich ungläubig: „Wow, Skinheads. Ich fasse es nicht. Jetzt attackieren die einen schon vor der Haustür. Mitten in Berlin.“ Wir waren schockiert. Und motiviert. Dagegen mussten wir etwas unternehmen.
Für mich war Rechtsradikalismus bis dahin ein weit entferntes und leicht zu ignorierendes Problem der ostdeutschen Provinz, das noch in ein paar Zeitungsartikeln Erwähnung findet, bevor es sich irgendwann von selbst erledigt. Tut es aber leider nicht. Das Gegenteil ist der Fall.
Die Neonazis organisieren sich immer besser und schleichen sich in manchen Gegenden Deutschlands in die gesellschaftliche Mitte. Sie restaurieren Jugendzentren, organisieren Feriencamps für Jugendliche, säubern Parks und erledigen so manch andere Aufgabe, die der Staat nicht mehr zu bewältigen vermag. Damit finden sie Anerkennung in der Bevölkerung vor Ort. Was soll man auch dagegen sagen, wenn sich jemand sozial engagiert und die Kinder beschäftigt, mitunter erzieht?
Genau hier liegt die Gefahr. Rechte sind nicht mehr zwangsläufig durch ihre Kleidung und ihr Aussehen zu erkennen. Mittlerweile gibt es Handy-Klingeltöne von Nazisongs im Internet, das Logo gibt’s noch gratis obendrauf. Rechts wird unauffällig, Rechts wird Pop. Und bleibt brutal. Es darf niemals cool sein, gegen Ausländer und anders Denkende zu sein. Es darf nicht cool sein, gegen Demokratie zu sein.
Wir alle dürfen nicht einfach nichts tun, und hoffen, dass der braune Spuk bald aufhört.
Wir müssen uns aktiv gegen Rechts abgrenzen, wir müssen im ersten Schritt darüber diskutieren, Informationen austauschen und jede Störung melden!
Benedikt Lux
Benedikt “Bene” Lux (27) ist innenpolitischer Sprecher der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus. Er setzt sich für vielfältige aber immer gewaltfreie Formen ein, Nazis in der Öffentlichkeit zu ächten: Nüchtern beobachten oder über sie lachen, Demonstrieren oder ignorieren; Zivilgesellschaftlich oder staatlich-repressiv. Alle legalen Handlungsformen sind gefragt, um der menschenverachtenden, braunen Ideologie etwas entgegenzusetzen.
Sein politisches Engagement gilt der Öffentlichen Sicherheit, Bürgerrechte und Datenschutz, sowie einer rationalen Drogenpolitik. Er beschäftigt sich außerdem mit vielen Einzelfällen aus den Berliner Gefängnissen.
Als alter Südwestberliner vermisst er das antifaschistische Jugendangebot in Steglitz-Zehlendorf, das Café Chaos, das es zu seiner Jugend noch gab.
Ario Ebrahimpour Mirzaie
Ario Ebrahimpour Mirzaie, 1985 in Köln geboren, ist Politikwissenschaftler und Journalist. Er lebt seit 2005 in Berlin. Neben seinem Engagement als Sprecher der Bundesarbeitsgemeinschaft Migration & Flucht von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, ist er auch als Autor für den Störungsmelder Blog von ZEIT ONLINE tätig. Er beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den Themen Kultur, Migration, Integration, Islam, Rechtsextremismus und Rechtspopulismus. Ebrahimpour Mirzaie ist unter anderem aktiv im Bündnis „Rechtspopulismus stoppen“ und organisiert regelmäßig Seminare und Fortbildungen zum Thema Rechtspopulismus im World Wide Web. Nebenher schreibt er für seinen eigenen Blog http://ordnungspolitiker.de
Clara Herrmann
Als Politikerin und Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses gehört für mich die Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus und das Einstehen für die Demokratie ganz nach OBEN auf meine Prioritätenliste. In meiner Fraktion bin ich Sprecherin für Strategien gegen Rechtsextremismus. Daher ist der Kampf gegen Rechts nichts, was mich nur nach grausamen Gewalttaten mit rechtsextremistischem Hintergrund oder nach Wahlerfolgen rechter Parteien beschäftigt. Es darf keine Räume geben in denen Menschen Angst vor Rechten haben.
Ich arbeite vor allem gegen das Vordringen rechter Ideologien in die Mitte der Gesellschaft. Momentan engagiere ich mich gegen die Verbreitung rechter Mode. Generell arbeite ich eng mit Bürgerinitiativen wie „Mitte gegen Rechts“ und „Initiative gegen Rechts in Friedrichshain“ zusammen und unterstütze engagierten Menschen mit meiner parlamentarischen Arbeit wo ich kann.
Die Politik muss eine Strategie der Repression, Intervention und insbesondere Prävention gegen die Ausbreitung rechtsextremen Gedankengutes verfolgen. Ein erfolgreiches Engagement gegen Rechts hängt aber besonders von einer couragierten Zivilgesellschaft ab.
Pierrot Raschdorff
Aufgewachsen bin ich in Ostfriesland. Eine idyllische Kindheit und Jugend zwischen Kühen und grünen Wiesen. Schon in diesen Jugendjahren kämpften wir im Freundeskreis gegen Rechtsextremismus. Dem Norden bin ich lange treu geblieben. Ich studierte in Hamburg Politikwissenschaft auf Diplom.
Rechtsextremismus und Rassismus sind seit jeher wichtige Themen für mich. Mich stört es, wenn Politiker das Thema bagatellisieren und verharmlosen. Politiker unterschiedlicher Parteien bedienen sich, vor allem in Zeiten des Wahlkampfs, rechter Themen. Sie schüren zum einen, eine allgemeine Fremdenfeindlichkeit und zum anderen schaffen sie ein Fundament für Rechtsextreme die unbehelligt diese Themen nutzen können. Dabei weiß man, dass die Ursachen von Rechtsextremismus in der Mitte der Gesellschaft zu finden sind. Ich bin der Auffassung, dass vor allem Deutschland bei der Bekämpfung von Rechtsextremismus intensiver und ehrlicher vorgehen muss. Rassismus ist in Deutschland und in vielen anderen Ländern weit verbreitet und dient als Quelle für Rechtsextremismus.
Jan Jetter
Seit vielen Jahren organisiere ich zusammen mit vielen anderen in der Arbeitsgemeinschaft freier Jugendverbände (AGfJ) in Hamburg regelmäßig Aktionen und Veranstaltungen gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Unser jährliches Aktionswochenende im November heißt „respekt – gegen alltägliche gleichgültigkeit“.
Es macht mich so oft wütend, dass in einem Land, in dem die Nazis systematisch das jüdische Leben vernichtet, politische Gegner ermordet und vielfältige andere unfassbare Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben, Nazis erneut auf dem Vormarsch sind. Nahezu ungehindert können sie heute ihre menschenverachtende Ideologie verbreiten: auf der Straße, im Alltag, bei Rechtsrock-Konzerten, auf den Schulhöfen und leider auch in den Parlamenten. Dass sie ihren drohenden Worten Taten folgen lassen, macht die stetig ansteigende Zahl von gewalttätigen Übergriffen gegen MigrantInnen, Andersdenkende und anders Aussehende deutlich. Es ist mehr als Zeit, diesem Terror und dieser Menschenverachtung auf breiter Ebene etwas entgegenzusetzen.
Um so besser also, dass es jetzt den Störungsmelder gibt!
Hier möchte ich dazu beitragen, Eure Argumente, Aktionen und Diskussionen gegen Rechts zu unterstützen und zu stärken. Damit wir die alten und neuen Nazis Schritt für Schritt wieder zurückdrängen: „Wann, wenn nicht jetzt?“! (Buchtitel von Primo Levi, jüdischer Überlebender des Holocaust und Autor vieler großartiger Bücher zum Thema Nationalsozialismus)
Boris Fust
In einer westfälischen Kleinstadt bestimmten in den Achtzigern die Billardkugeln das nächtliche Straßenbild. Nachdem ein Rudel Hools die Wohnung des Neonazi-Führers Michael Kühnen gestürmt und ihm auf das Kopfkissen gepinkelt hatte, kehrte allmählich Ruhe ein.
Die rechte Szene wurde älter, manche bekamen Kinder und heirateten. Die Tattoos auf der Unterlippe blieben, aber die Haare wurden länger. Die lokale Naziband musste ihr riesiges Mischpult loswerden, da sich die Erinnerung an die schlimmen Zeiten nicht so gut in der Doppelhaushälfte machte. Man begann, wieder miteinander zu reden.
Das Mischpult steht jetzt in meiner Wohnung und erinnert mich jeden Tag daran, dass Menschen sich ändern können. Aber nur, wenn man Widerstand leistet. Auch ohne auf anderer Leute Kopfkissen zu strullen.
Sophia Oppermann
Sophia Oppermann, geboren in Hessen, studierte Germanistik und Geschichte. Arbeitete jahrelang journalistisch fürs Fernsehen. 2000 Gründungsmitglied von Gesicht Zeigen! e.V – und seitdem dabei! Sie zeigt Gesicht, weil sie – natürlich! – die Welt verbessern will, weil Nazi-Ideologie nicht nur dumm, sondern menschenverachtend und brandgefährlich ist, und weil jeder einzelne gebraucht wird, um gegen Fremdenhass, Rassismus und Antisemitismus zu kämpfen.
Rebecca Weis
Rebecca Weis, geboren im Rheinland, studierte Germanistik und Japanologie in Freiburg und Berlin. Seit Oktober 2000 ist sie bei Gesicht Zeigen! Aktion weltoffenes Deutschland. “Kein Platz für Nazis – nirgends! Nein zu Dummheit und Rassismus, Ja zu Demokratie und Völkerverständigung. Gesicht Zeigen! auch im Internet! Ich wünsche uns allen viel Spaß beim Bloggen!
Julia Wilde
Ich bin 21 Jahre alt, komme aus Essen und bin seit 2009 Studentin in den Niederlanden, Maastricht. Dort studiere ich European Studies. Für das Thema Rassismus und Rechtsextremismus interessiere ich mich schon seit geraumer Zeit. Ich habe einen sehr internationalen Freundeskreis und war oft schockiert darüber, wie meine muslimischen Freunde auf offener Straße diskriminiert werden und deutliche Nachteile auf dem deutschen Arbeitsmarkt haben. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschieden meine Bachelorarbeit über “The Securitization of Migration and Anti-Muslim Racism” zu schreiben. Eine wissenschaftliche Arbeit zu dem Thema genügt mir jedoch nicht. Deshalb ich möchte aktiv und in kurzen Abständen über Rassismus und Islam-Kritik berichten. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich durch meine Beiträge beim Störungsmelder Aufklärung über das Thema leisten kann und mich auf diesem Wege für eine tolerantere und offenere deutsche Gesellschaft engagieren kann.
Johannes Radke
Ich bin freier Journalist mit dem Themenschwerpunkt Rechtsextremismus und Jugendkultur. Ich betreue für ZEIT-Online seit Juli 2009 den Störungsmelder. Gemeinsam mit Toralf Staud habe ich das ZEIT-Portal “Netz gegen Nazis” gestartet und an dem “Buch gegen Nazis” mitgeschrieben. Ansonsten schreibe ich für die taz, den Tagesspiegel und weitere Zeitungen und Magazine.
Andreas Speit
als Sozialwissenschaftler und Journalist arbeite ich zu dem weiten Thema Rechtsextremismus. Glatze, Bomberjacke und Springerstiefel sind schon lang nicht mehr der einzige Style. Neu durchdachte Argumentationen gehen in der Szene zwischen NPD und Freien Kameradschaften auch längst mit den altbekannten dumpfen Parolen einher. Die einstige “Altherrenpartei” NPD ist zu “dem” neuen wählbaren Hoffnungsträger geworden. Bei den Freien Kameradschaften geht das Politische ins Private durch Aktionen, Konzerte und Partys seit langem ineinander über. Selbstbewusst suchen sie die Auseinandersetzung, um in der “Mitte der Gesellschaft” ihre menschenverachtenden Ideen verankern zu können. Nicht minder bemüht greifen intellektuelle Rechtsextremisten die stetig steigenden rechten Ressentiments in der “Mitte” auf. Längst Zeit zu widersprechen.
Gegen Rechts ging ich als Schüler schon zusammen mit Freunden auf die Straße, regelmäßig schreibe ich heute in der taz, Freitag, jungle world oder Der Rechte Rand über die rechte Szene. Seit Juni 2005 berichte ich in der taz-nord jede Woche in der Kolumne “der rechte rand” von rechten Esoterikern über “Deutschnationale” bis zu militanten Neonazis. Mehrere Bücher zu der vielfältigen Szene habe ich veröffentlicht. Let’s blog.
Fabian Weißbarth
Ich bin 22 jahre alt und stellvertretender Landesvorsitzender der Jusos Berlin und seit 2002 gegen Nazis in Berlin und besodners in meinem Bezirk Pankow aktiv. Im April 2009 bekam ich von Nazis eine Morddrohung über das Internet. Mein Bezirk Pankow fiel in den letzten Jahren nicht nur durch sogenannte “Anti-Antifa”-Aktivitäten auf. Der Streit um den Bau der ersten Moschee in den neuen Bundesländern zeigte auf, dass ein unter dem Label “Islamkritik” firmierender Rassismus aus der Mitte der Gesellschaft selbst entspringt. Ich setze mich daher auch wissenschaftlich mit dem Thema auseinander und habe meine Studienabschlussarbeit zu diesem Thema geschrieben.
Holger Lischke
Nach einer Unterhaltung mit seiner Großmutter, war klar, welche politische Richtung beziehungsweise Ideologie er im Traum nicht akzeptieren kann. Sie erzählte ihm damals, dass sein Urgroßvater nach Haft-Entlassung auf dem Bahnhof von der SS erschlagen wurde. Seitdem macht er sich stark gegen die braune Masse, die mehr und mehr versucht sich in die gesellschaftliche Mitte zu drängen. Er ist froh, dass es Orte wie diese gibt, an denen darüber gesprochen wird. Wir müssen etwas tun. 60 Jahre danach. Und gerade jetzt.
Claudia Naujoks
Claudia Naujoks arbeitet mit am Projekt www.endstation-rechts.de, das sich der kritischen Information über die Arbeit der NPD in den Landtagen von Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen widmet.
Marcel Pauly
Ich bin 25 Jahre alt und lebe in Mainz, wo ich Publizistik, Politik und Germanistik studiere. Man könnte meinen, Rechtsextremismus spielt in diesem Landesteil eine untergeordnete Rolle. Aber immer wieder kann man feststellen, dass rechtes Gedankengut sehr viel tiefer in unserer Gesellschaft verankert ist, als viele zugeben würden. Dieses Problem muss man offen ansprechen, um es zu lösen. marcelpauly.de und twitter.com/marcelpauly
Dennis Kazooba
Dennis, 24 Jahre alt, studiert Revolutions- pardon – Politikwissenschaften an der FU in Berlin, der Stadt, in der er als Sohn eines Ugandas und einer Deutschen aufgewachsen ist. Nach 24 Jahren mit einer anderen Hautfarbe in Deutschland, davon 16 außerhalb Kreuzbergs, ist es mittlerweile der schmale Grat zwischen kleinbürgerlicher Spießerei und subtiler Fremdenfeindlichkeit, der ihm Sorge bereitet. Offener Rassimus kommt in den Teilen des Landes, in denen er sich aufhält, eher nicht vor. Und so hat er sein Hauptaugenmerk auf jenes provinzielle Verhalten gelegt, dass zivilisierte Menschen in ihrer Sorge um die Ordnung des Alltags (“nur noch Dreck auf’m Marktplatz”) dazu bringt, widerwärtigste Stereotypen aufzuschnappen und wiederzugeben. Die dabei gemachten Erfahrungen sind zu größten Teilen im Selbstversuch entstanden.
Juliane Bartsch
“Mit Nazis reden? Warum? Haben sie einem etwas zu sagen?” Wiglaf Droste
In meinem direkten Umfeld lebt eine Person, die rechtsextrem denkt. Nach zahlreichen ergebnislosen und frustrierenden Diskussionen weiß ich, daß eines keinen Sinn macht: Zu versuchen, jemanden „umzupolen“, der dem Rechtsextremismus schon voll verfallen ist. Das ist verschwendete Energie.
Ganz anders sieht es bei jungen Menschen aus, die unsicher sind und aus falsch verstandener Solidarität mit oder sogar aus Angst vor Schulfreunden einfach mitmachen, ohne zu reflektieren, was sie eigentlich tun. Bei ihnen kann man viel erreichen und das ist auch genau das, was mich an diesem Blog begeistert und motiviert.
Ich bin in (Ost-)Berlin geboren, wohne immer noch dort und bin seit anderthalb Jahren Mitarbeiterin einer kleinen Plattenfirma. Dort betreue ich Bands, die nach Deutschland kommen und bin Ansprechpartnerin für alle möglichen Pressegeschichten. Neben der Arbeit kommt natürlich der wichtigere Teil: Freunde, Familie, Musik, Festivals, Filme, Bücher… Und (ganz idealistisch) im Rahmen meiner Möglichkeiten einen Teil dazu beizutragen, daß sich etwas bewegt. Da ich in letzter Zeit immer mal wieder unmittelbar mit Nazis konfrontiert war, ist es mir besonders wichtig, daß sich nicht noch mehr junge Leute aus Frust oder Langeweile diesem Wahnsinn verschreiben und daß man über die Bauernfängerei der Rechtsextremen aufklärt.
Maik Baumgärtner
beschäftigt sich in Initiativen und als Journalist mit dem Thema Neonazis. Er sagt: “Über rechtsextremes Gedankengut wird meistens erst berichtet, wenn Opfer zu beklagen sind, das muss sich ändern.”
Anne Pollmann
Ich heiße Anne, bin 22 Jahre alt, komme aus Köln und studiere derzeit Politikwissenschaft und Geschichte in Dresden. In meiner Schulzeit standen in der Pause einmal die Jungs von Pro Köln am unserem Schultor und verteilten Flyer mit dem Aufdruck “Deutsch ist geil”. Es dauerte nicht lange, bis eine erboste Schulleiterin aus ihrem Büro stürzte und die Herren mit Nachdruck wegschickte. Im Unterricht wurde dann über Pro Köln geredet und aufgeklärt. Da nicht jedeR in einem Umfeld aufwächst, in dem rechtspopulistischen und -extremen Ideologien konsequent ablehnend begegnet wird, ist Aufklärungsarbeit und Berichterstattung über die rechte Szene und besonders über ihre als bürgerlich getarnten Ableger so unglaublich wichtig.
Wolfgang Dudda
Ich bin seit dem 13.12.2009 der politische Geschäftsführer der schleswig-holsteinischen Piraten. Mein Landesverband hat mit meiner Wahl bewusst ein Zeichen gesetzt und mir im Akzeptanzwahlverfahren einen Wert von 74% gegeben. Das war der Wert des Landesparteitages. Die Piraten nördlich der Elbe sind also auf klarem Kurs!
Wolfgang Nacken
Ich war lange mit der Evangelischen Jugend verbandelt. Ich finde es wichtig klar zu machen, dass dieser Jugendverband, der aus der Mitte der Gesellschaft kommt, selbstverständlicher Teil einer Bewegung gegen Nazis ist. Das ist einfach eine Sache des guten Stils. Und der Moral.
Eigentlich komme ich aus Oberbayern. Aber halt – bevor sich in euren Köpfen Vorurteile zu Bildern von Bergpanoramen und selbstgefälligen Reaktionären zusammenbrauen… . Groß geworden bin ich nämlich in einem tristen Münchner Vorort, zwischen Industrieanlagen und Autobahnzubringer. Ich wuchs mit den Kindern italienischer, griechischer, jugoslawischer und türkischer Einwanderer auf. In dieser Ortschaft hatten die Rechten eigentlich nie eine Chance, weil eben alle miteinander in den Kindergarten, zur Schule, in die Kneipe oder später in die Ausbildung gingen, ungeachtet der Herkunft ihrer Eltern. Darauf bin ich noch heute stolz.
Mittlerweile lebe ich in Norddeutschland, in einem multikulturellen (in mehrerlei Hinsicht) Stadtviertel. Mein Sohn geht mit den Enkeln türkischer, portugiesischer und polnischer Einwanderer in die Schule. Ich finde es prima – denn derjenige, der hier neu zugewandert ist, bin ich; von den Alteingesessenen werde ich freundlich und interessiert aufgenommen, egal, wie lange sie hier schon wohnen. Und ich hoffe sehr, dass das so bleibt.
Timo Müller
Ich arbeite als freier Journalist und Pressefotograf für verschiedene Medien und bin Autor bei der Antifaschistischen Informations- Dokumentations- und Archivstelle München e.V. (a.i.d.a.). Seit meiner Jugend engagiere ich mich gegen die neonazistische Rechte und recherchiere in dieser. In Bayern, speziell in Franken gibt es eine gut strukturierte, militante, extrem rechte Szene. Bayerische Neonazis verüben seit Jahren Anschläge auf Gewerkschaftsbüros, Autos und Wohnungen von AntifaschistInnen und schrecken auch vor körperlichen Angriffen nicht zurück. Bei einem dieser Übergriffe konnte ein linker Jugendlicher nur durch eine vierzig- minütige Wiederbelebungsmaßnahme gerettet werden. Ein führender Neonazi hat ihm am mittags in der Nürnberger U-Bahn zusammengeschlagen. Über diese, gesellschaftspolitisch oft unterschätze, rechte Szene Bayerns und Frankens werde ich beim Störungsmelder berichten.
Fabian Biastoch
Ich studiere Politik- und Verwaltungswissenschaften und wohne in Leipzig. Durch meinen Wohnort komme ich leider immer wieder in Kontakt mit Rechtsextremen. Schon lange kämpfe ich gegen dieses unmenschliche Gedankengut. Zuerst in meiner alten Heimat, in der ich auf ein Gymnasium ging, welches den Titel “Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage” dank unseres Engagements verliehen bekam und nun in Leipzig. All dies sollte öffentlich werden. Ich möchte erreichen, dass alle Menschen von diesen Dingen erfahren und sie reden werden – über Nazis.
Micha Neumann
Ich bin 23 Jahre alt, komme aus einer Stadt im Ruhrgebiet und studiere Soziale Arbeit. Zudem bin ich ehrenamtlich in der politischen Bildungsarbeit mit den Themenschwerpunkten Antisemitimus und extreme Rechte aktiv. Hier im Ruhrgebiet, besonders in Dortmund, sind Neonazis sehr aktiv. Übergriffe und Aufmärsche sind leider keine Seltenheit. Um darüber zu berichten, schreibe ich für den Störungsmelder.
Martin Pätzold
Martin studiert Wirtschaftswissenschaften an der Humboldt Universität zu Berlin und ist in Berlin-Hohenschönhausen politisch aktiv. Dort ist er seit über drei Jahren Vorsitzender der CDU Hohenschönhausen. Seit März 2009 ist er Mitglied des Landesvorstandes der Berliner CDU. Martin Pätzold ist in Moskau geboren und hat da zehn Jahre seiner Kindheit verbracht. Er ist in einer ethnisch durchgemischten Umgebung groß geworden und hat dadurch keine Berührungsängste mit anderen Kulturen. Vernünftige Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik sind für ihn die stärksten Waffen um Rechtsextremismus zu bekämpfen.
Johannes Hartl
Ich bin 17 Jahre alt und komme aus Bayern. In meiner Freizeit engagiere ich mich nun schon seit einiger Zeit gegen Rechtsextremismus, da es in Schwandorf immer mal wieder zu Aufmärschen von Neonazis kommt. Aus diesem Grund habe ich den Blog “Schwandorf gegen Neonazis” gegründet, in dem ich die Aktivitäten der Rechten aufmerksam beobachte und kritisch davon berichte. Ein besonderes Augenmerk lege ich dabei auch darauf, wie die rechtsextreme Szene das Internet für ihre Propaganda benutzt. Und eben davon will ich auch hier beim Störungsmelder berichten.
Mathias Brodkorb
geboren 1977, Magister der Philosophie und Gräzistik, Landtagsabgeordneter in Mecklenburg-Vorpommern, www.endstation-rechts.de

