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Extraterrestrische Funk-Wellen empfangen

 

Aus dem All erreichen uns Klänge mit souliger Botschaft: Georgia Anne Muldrow und Dudley Perkins singen über „Love, Peace and Unity“ und lassen die Erdlinge dazu tanzen.

© Someothaship
© Someothaship

Wahnsinnig, wer sich für einen Außerirdischen hält. Manchmal aber auch genial. Die Funklegende George Clinton und der Jazzmusiker Sun Ra kamen von fernen Planeten auf die Erde und auch David Bowie fiel vom Himmel.

Da erscheint es fast vermessen, wenn sich Georgia Anne Muldrow und Dudley Perkins unter dem Namen G&D als außerirdische Botschafter des Funk inszenieren. Allerdings mit sympathischem Augenzwinkern, von Größenwahn keine Spur. Der große Vorteil am Alien-Dasein ist ja, dass die eigene Andersartigkeit ganz normal ist und sich das Geschehen auf der Erde distanziert betrachten lässt. Was treiben diese Erdlinge bloß? Nach diesem Prinzip funktioniert auch das aktuelle Album von G&D namens The Lighthouse.

Neben ihrem gemeinsamen Projekt haben die beiden Kalifornier diverse Soloalben veröffentlicht und können etwa auf Kollaborationen mit Erykah Badu oder Madlib verweisen. Musikalisch und thematisch bewegen sie sich in ähnlichen Gefilden. G&D fügen Soul, Funk und Hip-Hop zu einer Mischung, die mal tanzbar geradlinig, mal zurückgelehnt kopfnickend, sozialkritisch oder spirituell aber immer futuristisch daherkommt. Mit markanten Stimmen proklamieren sie „Love, Peace and Unity„.

Auf The Lighthouse geben Zitate von Malcom X und der Rap-Aktivistin Sister Souljah gleich die Richtung vor. Es geht um afroamerikanische Identität und die Missstände in der amerikanischen Gesellschaft. „Where the fuck are we?“ lautet die zentrale Frage. Die USA befänden sich auf falschem Kurs, man müsse schleunigst gegenlenken. Wer nun Sozialkritik mit ernster Miene erwartet, ist auf dem falschen Dampfer. Denn Muldrow und Perkins wären keine Repräsentanten des extraterrestrischen Funk, wenn sie sich von irdischen Problemen unterkriegen ließen. Vielmehr verbreitet The Lighthouse eine „Yes we can„-Attitüde.

Nicht ohne die metaphysische Hilfe alter Meister. Das Stück Power etwa appelliert durch George Clintons P-Funk an die Stärke der schwarzen Gemeinschaft. Im Folgenden erinnert ein Sample von John Lennon daran, dass man alles unter der Prämisse des Friedens machen sollte, egal ob zur Toilette zu gehen oder die Schule zu schwänzen. Auch der Titelsong zeigt mit einem eingängigen Pianosample über schlurfenden Drums, dass die Botschaft im Rap und Soul keineswegs der Lockerheit im Weg steht.

Größtenteils überzeugt das Album durch Abwechslungsreichtum und wackelige Mitschnipps-Beats. Nur gegen Ende lässt die Strahlkraft von The Lighthouse etwas nach. Emo Funk weckt weder Emotionen noch den Funk. Und Muthadear klingt wie eine glattgebügelte Muttertagshymne. So gelingt G&D mit ihrem zweiten gemeinsamen Album zwar kein intergalaktischer Kurswechsel. Für Freunde von Rap mit Attitüde und Soul ohne Schmalz ist The Lighthouse aber durchaus ein Lichtblick.

„The Lighthouse“ von G&D (Georgia Anne Muldrow & Declaime) ist erschienen bei Someothaship /Groove Attack.