Ihre Notizen, Gedichte und Bilder für die gedruckte ZEIT
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Mein Ding

Das ist mein Ding

Von 21. Mai 2012 um 12:00 Uhr

Bei einem Besuch im Paderborner Diözesanmuseum vor vielen Jahren hörte ich erstmals von dem alten katholischen Brauch, einem Sterbenden ein Kreuz in die Hand zu geben. Ich fragte daraufhin meine Oma, ob sie diesen Brauch kenne. Als Antwort öffnete sie eine Schublade, zeigte mir dieses Kreuz und sagte: »Jetzt weißt du, wo mein Kreuz liegt. Wenn es mal so weit ist, dann bring es mir.« Dies habe ich nie vergessen. Ich war bei ihr, als sie starb und konnte ihr im richtigen Moment das Kreuz in die Hand geben. Eigentlich wird ein Sterbekreuz wohl mitbeerdigt. Meine Oma hatte ihres in der Hand, als sie im Sarg aufgebahrt war, aber ich bat die Bestatterin danach, es mir zu geben. So erinnert es mich bis heute an einen der großen Momente meines Lebens.

Claudia Auffenberg, Borchen, Nordrhein-Westfalen

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Das ist mein Ding

Von 5. Mai 2012 um 18:00 Uhr

Diese Küchenuhr versieht ihren Dienst seit 1960! Sie ist mir so lieb und teuer, weil ich sie damals in Pasadena, Kalifornien, gegen Rabattmarken bekam – erstmalig und in unserem zweiten Ehejahr. (Wir arbeiteten in den USA als Wissenschaftler.) Inzwischen kamen weitere Küchenwecker ins Haus, aber ich mag mich nicht von dem ersten trennen.

Waltraud Richter, Langenhagen

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Das ist mein Ding

Von 29. April 2012 um 12:00 Uhr

Im Winter 1947/48 lebten meine Eltern in einem Flüchtlingslager in der Lüneburger Heide. Meine Mutter war schwanger mit mir, ihrem ersten Kind. Weil es in der Nachkriegszeit noch keine Papiertaschentücher gab, schneiderte sie aus einem sicher nicht ganz taufrischen Stoffrest Babytaschentücher für mich, die sie mit blauem und rosa Garn umstickte. Die Initiale meines Vornamens, das kleine rosa R, fügte sie erst nach meiner Geburt hinzu – so erzählte sie mir. Eines der Taschentücher hat mich durch mein ganzes Leben begleitet und auch meine vielen Umzüge überstanden. Das kleine Tuch erinnert mich an meine 1974 verstorbene Mutter, und auch daran, dass ständiges Wegwerfen in meiner Kindheit noch nicht an der Tagesordnung war.

Reinhild Berger, Korntal-Münchingen bei Stuttgart

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Von 19. April 2012 um 12:00 Uhr

Der gute, alte Nähkasten, ein Relikt meiner Kindheit: auf den Deckeln zarte Kratzer und viel Staub. Eine Schraube löst sich. Wie oft habe ich als Kind bunte Garnrollen und Knöpfe in die Fächer sortiert! Gütermann’s Nähseide, Zwirn Nr. 12 als Handgarn, Nr. 50 als Maschinengarn. Heftgarn, Fingerhüte. Stopfpilz. Wäscheknöpfe, mit weißem Leinen bezogen. Stopfgarn, mit dem meine Mutter die Löcher meiner Strumpfhosen schloss. Ein Stück Nesselstoff, mit Kreuz- und Hexenstich verziert. Zwischen Gummilitzen Reste vom Stickgarn. Vieles davon kaufte meine Mutter mit mir gemeinsam. Bei »Leifert-Kurzwaren«. In altdeutschen Buchstaben stand dieser Name über dem Geschäft. Heute blinkt es dort neongrün: »Flippothek«.

Petra Yildiz, Göttingen

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Von 6. April 2012 um 18:00 Uhr

Zugegeben: »Mein Ding« ist weder schön noch wertvoll. Doch schon in meiner Kindheit in den fünfziger Jahren hat die stabile Kehrschaufel aus Metall dafür gesorgt, dass nichts unter den Tisch gekehrt wurde. So gezeichnet von einem langen Arbeitsleben, wie sie jetzt ist, hätten die meisten sie vermutlich längst ausgemustert. Selbst ich habe dem guten alten Stück schon einmal den Rücken gekehrt, als mir jemand einen stylischen, silbrig glänzenden Ersatz schenkte. Doch jenes neue Kehrblech war schon nach kurzer Zeit verbogen, und ich bin reumütig zurückgekehrt zu meiner unverwüstlichen Kehrschaufel. Seitdem kehrt sich alles wieder zum Besten.

Renate Steinhorst, Bamberg

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Von 29. März 2012 um 10:00 Uhr


So lange ich denken kann, stand er im Keller meiner Großeltern, hellgrün gestrichen und ungenutzt. Immer war er mit umgezogen, zuletzt aus dem Ruhrgebiet ins Hessische. Als auch meine Großmutter gestorben war und ich das Haus ausräumte, ging er wie selbstverständlich in meinen Besitz über. Er wurde abgelaugt und ist seitdem immer in meiner Nähe. Der kleine große Holzstuhl hat eine Sitzhöhe von 33 Zentimetern, ist durchaus bequem, auch für Ausgewachsene, verändert die Maßstäblichkeit jeden Raumes und weiß sich zu behaupten. Und wenn er jetzt in der ZEIT abgebildet wird, lässt sich vielleicht endlich auch mein Mann von seiner Unentbehrlichkeit überzeugen.

Julia Bernt-Dori, Darmstadt

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Von 26. März 2012 um 10:00 Uhr


»Als er fünf Jahre alt war, bin ich zu meinem Chef gekommen, und jetzt wache ich seit siebzig Jahren über seinen Schlaf. Was habe ich in dieser Zeit nicht alles erlebt! Ausgebombt in Berlin-Südende, bin ich 1943 mit in den Westen gezogen und wurde von der Mutter des Chefs in Verwahrung genommen, als er mich als 14-Jähriger glaubte entbehren zu können. Ich wurde mit einem neuen Fell eingekleidet und bei der Hochzeit meines Schützlings präsentiert. Seitdem habe ich die beiden begleitet, von Marburg nach Essen, Düsseldorf, Köln, Kassel und Siegburg. Ganz toll finde ich es, wenn die Enkel meines Chefs kommen und sagen: ›Cool, dass der Opa auch einen Teddy im Bett hat!‹ Die wollen dann manchmal mit mir spielen. Aber bei aller Fitness: Dafür bin ich jetzt doch zu alt.«

Walter Bitter, Siegburg

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Von 20. März 2012 um 10:00 Uhr

Wenn mir in den letzten Jahren jemand die Frage gestellt hat, welchen einzigen Gegenstand ich aus einem brennenden Haus unbedingt retten würde – vorausgesetzt, Personen und Tiere seien in Sicherheit –, dann sagte ich immer: mein Küchenmesser. Es hat schon jahrzehntelang meine Schwiegermutter durch ihr nicht gerade leichtes Leben als irische Hausfrau und vielfache Mutter begleitet. Sie liebte es heiß und innig. Dann erbte ich es, und seitdem ist es aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Es wird vielfach gebraucht, schon Hunderte Male war es verschwunden und tauchte dann zwischen Kartoffel- oder Gemüseschalen im Komposter wieder auf. Es war auch der wichtigste Gegenstand, der mit mir dann von einem Ende Europas an das andere zog: von Irland nach Griechenland. Leider hat jemand in wohlmeinender Absicht, aber ohne Fachkenntnisse, das arme Messer mit einer viel zu großen, viel zu groben Schleifscheibe »verschliffen«. Dennoch tut es immer noch seine Pflicht und ist in Haus und Garten stets an meiner Seite. Ich erwäge sogar, es per letzten Willen auf die allerletzte Reise mit mir zu nehmen – man kann ja nie wissen, ob man’s mal braucht …

Marina Müller McKenna, Spartiá, Kephallonía, Griechenland

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Von 9. März 2012 um 10:00 Uhr


Den Ofen entdeckte ich in einem Antiquitätengeschäft und war sofort fasziniert. Wegen Geschäftsaufgabe war er sogar für mich als Studenten erschwinglich. Und inzwischen begleitet er mich und meine Familie seit mehr als dreißig Jahren und sorgt als zusätzlicher Wärmespender für eine wohlige Zimmertemperatur. Damals als Student war ich so begeistert, dass ich direkt den Ölofen aus meiner zwölf Quadratmeter großen Studentenbude auslagerte und das neue Schmuckstück installierte. Leider erwischte mich bald der Vermieter, da ich das Treppenhaus unter Rauchschwaden gesetzt hatte, ich musste den nicht genehmigten Ofen wieder abbauen. Heute freut sich der Schornsteinfeger, wenn er das gute Stück zu begutachten hat. Der Ofen ist etwa 120 Zentimeter hoch, 38 Zentimeter breit, 50 Zentimeter tief, wiegt rund 80 Kilogramm und besteht überwiegend aus Gussstahl, außen grün emailliert. Wir heizen mit Holz, nur bei längeren Kälteperioden mit Briketts. Dann ist er am nächsten Morgen noch warm, und man kann ihn direkt wieder anheizen. Nussschalen frisst er auch – und zum Anheizen verwende ich auch mal eine alte Ausgabe der ZEIT (sorry).

Christian Göldner, Herzogenrath

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Von 17. Februar 2012 um 10:00 Uhr


Meine Nikkormat stammt aus dem Jahr 1972. Wir waren frisch verheiratet, und mein Mann erbte von seinem Großvater eine Briefmarkensammlung, die durch einen Wasserschaden allerdings zu einem großen Klumpen zusammengebacken war. Wochenlang lösten wir Marke um Marke mithilfe von Schwämmchen und Pinzette aus dem unförmigen Gebilde, wochenlang also roch es in unserer Wohnung nach nassem Papier. Dann trugen wir die Ausbeute zu einem Händler, der sie für uns auf einer Auktion versteigerte. Vom Erlös kauften wir uns die Kamera. Bis heute, vierzig Jahre lang, hat sie das Leben unserer Familie begleitet und dokumentiert. Und müsste ich je entscheiden, welche drei Dinge ich auf die berühmte einsame Insel mitnehmen würde: Neben meinem Mann und Thomas Manns Josephs-Roman wäre die Nikkormat dabei.

Monika Weymann, Stuttgart

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