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Wiedergefunden

Geldverkehr

Von 31. August 2014 um 15:00 Uhr

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Mit meinen fast achtzig Jahren fange ich endlich an, aufzuräumen. Dabei fiel mir mein uraltes Postsparbuch in die Hände. Ich blätterte darin, und ich entdeckte: Nach der Einzahlung von drei Mark im Juli 1953 hob ich nur wenige Tage später zwei Mark wieder ab! Was bewog mich damals dazu? Was war für zwei Mark so Wichtiges anzuschaffen? Oder wollte ich nur dem Postbeamten die Macht des Besitzenden demonstrieren? Ich weiß es nicht mehr. Aber wundern tut es mich heute noch!

Rainer Senkbeil, Zell an der Mosel

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Kopf und Kragen

Von 25. August 2014 um 12:00 Uhr

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In unserer Foto- und Erinnerungskiste gibt es viele Dokumente aus dem Ersten Weltkrieg: Briefe, die mein Vater an seine Verlobte (später: meine Mutter) geschrieben hat, außerdem Ansichtskarten, ab Ende 1914 ganz aktuell auch mit Kriegsruinen: Lyck, Bialla, Mühlen, Petrikatschen, Stallupönen, Wartenburg, Allenstein. Ganz eigener Art aber ist diese »Postkarte«, für die er auf der Fahrt von seinem Heimatort Bochum zu seinem Gestellungsort Lötzen beim Umsteigen in Berlin in der Eile und in Ermangelung von Schreibpapier seinen steifen Stehkragen durchschnitten hat. Als Kind war ich von dieser Absonderlichkeit fasziniert, erst später hat mich ihre Symbolhaftigkeit berührt. Der Postbote, der zunächst »St(rafporto) 20 (Pfennig)« notiert, sich dann aber korrigiert hat, war offenbar noch nicht auf Feldpost eingestellt.

Marianne Muthmann-Friemann, Bochum

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Chapeau!

Von 14. August 2014 um 18:00 Uhr

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Kurz nach der Münchner »Wies’n« erreicht mich eine E-Mail von einem Berliner Ingenieur: Er hätte einen Trachtenhut aus meiner Werkstätte in München auf dem U-Bahnhof Marienplatz gefunden. Er bat mich, durch die im Hutleder eingestanzten Initialen und das beigefügte Bild des Fundstücks den rechtmäßigen Besitzer zu finden. Das war mir leider nicht möglich.
Nach ein paar Wochen kommt ein Herr ins Geschäft. Meine Tochter bedient ihn, ich bin mit anderen Dingen beschäftigt. Der Verkauf ist praktisch abgeschlossen, meine Tochter stanzt die Initialen ins Hutleder. Gleichzeitig beklagt sich der Herr, wie es denn sein könne, dass jemand einen Hut findet und einfach mitnimmt. Der Herr bezahlt und verlässt das Geschäft. Da fällt bei mir der Groschen! Vor dem Geschäft halte ich den Herrn auf und zeige ihm die Mail mit dem Bild. Es ist sein Hut, er erkennt ihn am Federgesteck wieder! Was aber die Geschichte nun so besonders macht: Der Hut war ein Andenken an seine kurz zuvor verstorbene Frau, es war ein Geschenk von ihr. Jetzt konnte ich doch noch vermitteln zwischen dem ehrlichen Finder in Berlin und dem rechtmäßigen Besitzer in München. Inzwischen hat der Herr seinen Hut wiederbekommen.

Doris Gollé-Leidreiter, Tegernsee, Oberbayern

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Trauriges Wiedersehen

Von 30. Juli 2014 um 12:00 Uhr

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Vor längerer Zeit stand auf der Moorweide in Hamburg eine wunderschöne, wuchtige Granitskulptur. Ein bildhauerisches Meisterwerk. Der Künstler war nicht genannt. Eines Tages war sie verschwunden, und nun habe ich sie wiederentdeckt – auf einer Grasfläche an der Kennedybrücke. Da fristet sie ein recht einsames Dasein, sozusagen auf dem Abstellgleis, und ist Anlaufstelle für notdürftige Passanten. Ein Sprayer hat sich auch schon auf ihr verewigt. Dieses Kunstwerk hätte wahrlich einen würdigeren Platz verdient. Was für ein Armutszeugnis für die zuständige Hamburger Behörde!

Fritz Bielefeld, Hamburg

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Birken-Post

Von 16. Juli 2014 um 12:00 Uhr

Im Nachlass meiner Großmutter fand ich ein beidseitig beschriftetes Stück Birkenrinde, das mein Großvater von der russischen Front im Herbst 1915 an seine Frau und seine siebenjährige Tochter schickte. Meine Großmutter war zu diesem Zeitpunkt wieder schwanger. Erst 1918 erfuhr sie, dass ihr Mann im März 1916 (also fast zeitgleich mit der Geburt seines Sohnes) in russischer Kriegsgefangenschaft an Flecktyphus gestorben war. Als junge Witwe sorgte sie fortan unter schwierigen Verhältnissen alleine für die beiden Kinder, denn nach dem frühen Tod ihres geliebten Mannes hat sie nie mehr geheiratet.

Dies ist mein Beitrag zu »100 Jahre Erster Weltkrieg«.

Hans Werner Fischer, Frankfurt am Main

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Blättrig

Von 8. Juli 2014 um 15:00 Uhr

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Ein Spaziergang im Berliner Tiergarten führte meine Frau und mich auch zum nahen Bundeskanzleramt. Auf einer Raseninsel vor dem Gitterzaun irritierte ein kleiner blauer Fleck im leuchtend frischen Grün. Neugierig ging ich näher und pickte ein zerknittertes »Ginkgo-Blatt« aus dem Gras. Aus blauem Papier, die Rückseite grün. »Na, das ist doch …!«, sagte ich verwundert zu meiner Frau, als ich auf der blauen Seite den Satz las: »Geburtsort ist Zufall«. Wir erinnerten uns an die Eröffnung der Schweizer Botschaft nebenan vor 13 Jahren, bei der die Züricher Künstlerin Pipilotti Rist im Eingang eine »Blattspendemaschine« installiert hatte, die Baum-Blätter aus Papier hervorbrachte. Auch wir hatten damals einige aufgesammelt, die aber im Laufe der Zeit »verweht« wurden. Nun hat uns der Wind offensichtlich – von wo auch immer – nach so vielen Jahren wieder ein Blatt zugespielt.

Klaus J. Rothbarth, Berlin

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Trügerische Hoffnung

Von 20. Juni 2014 um 18:00 Uhr

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»Nur 168 Tage!« Diese Postkarte schrieb mein Onkel im Frühjahr aus dem Militärdienst in einer Kaserne im lothringischen Forbach an seine Familie in Erkrath bei Düsseldorf.

Es sollte anders kommen. Nach Ausbruch des Krieges kam er an die Westfront und starb bald darauf – wie es offiziell hieß – den Heldentod. Zuvor war bereits mein Großvater, Schneidermeister und Ernährer der Familie, verstorben. Meine Großmutter verlor kurzzeitig den Verstand und kam in die Heilanstalt Grafenberg. Das war vor ziemlich genau hundert Jahren, als der Rekrut Willi Kloft noch dachte, bald in die Heimat entlassen zu werden.

Hans Kloft, Bremen

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Fräulein vom Amt

Von 17. Juni 2014 um 18:00 Uhr

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Im Nachlass meiner geliebten »Tante Hi« fand ich ein Schreiben aus dem Jahr 1931, also ihrer Anfangszeit bei der Oberpostdirektion. Eine Kuriosität: Ehe-Verbot für weibliche Beamte! Tante Hi, die Schwester meines im Krieg gefallenen Vaters, ist übrigens bis zu ihrem Tod im Jahr 1980 unverheiratet geblieben.

Klaus Sponheimer, Emden

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Klar!

Von 6. Juni 2014 um 15:00 Uhr

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In der Ausgabe Nr. 18/14 zeigten wir in dieser Rubrik eine Ansichtskarte, die der Leser Thomas Uerlichs vor 30 Jahren von dem großen Schriftsteller Heinrich Böll erhalten hatte – aus Ibiza. Das Problem: Uerlichs hatte nie genau entziffern können, was ihm Böll da auf einen Fanbrief geantwortet hatte. Wir baten unsere schriftkundigen Leserinnen und Leser um Hilfe und erhielten tatsächlich eine ganze Reihe von einleuchtenden Transkriptionen. Schließlich baten wir Thomas Uerlichs um sein Urteil, denn nur er kannte den Inhalt seines Briefes an Heinrich Böll. Uerlichs fand die folgende Zuschrift unserer Leserin Gisela Meyer-Velde am plausibelsten. DIE REDAKTION

Auch die Schrift meines Mannes (dessen Briefe mein Leben reicher gemacht haben) wurde mit der Zeit immer unleserlicher. So bin ich einigermaßen geübt im Entziffern, aber bei der Postkarte Bölls an Thomas Uerlichs hat ja obendrein noch die spanische Post ganze Arbeit geleistet. Mein Entzifferungsversuch: »Lieber Herr Uerlichs, Freundlichkeiten wie Ihre erfährt ein Autor selten, deshalb ist die Freude groß – auch zur Bestärkung – denn oft verliert einer den Mut und zweifelt an allem – herzlichen Dank Ihr Heinrich Böll«

Gisela Meyer-Velde, Oldenburg

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Zur späteren Heimat

Von 29. Mai 2014 um 12:00 Uhr

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Unser Haus ist Teil einer denkmalgeschützten Siedlung aus dem Jahr 1926. Hinter dem Haus steht ein alter Hasenstall, den wir ursprünglich den sechziger Jahren zuordneten. Als wir jetzt aber das Dach der Hütte erneuern mussten, kamen unter der Dachpappe viele alte Zeitungen zum Vorschein, und es waren auch Bruchstücke einer Ausgabe von 1928 dabei. Besonders die Kleinanzeigen haben es mir angetan.

Andreas Basner, Nürnberg

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