Ihre Notizen, Gedichte und Bilder für die gedruckte ZEIT
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Wiedergefunden


Beim Aufräumen fand ich dieses Dokument von 1936. Mein stolzer Vater hatte das Foto von mir – damals sechs Monate alt – an den Konzern geschickt. So hatte ich mir in jungen Jahren 25 Reichsmark für mein Sparbuch verdient.
Erik Herfurth, Lübeck

In einem alten Taschenbuch hat meine Nichte beiliegende Entschuldigung aus dem Jahr 1976 gefunden. Der ungehorsame Sohn Wilhelm ist heute 52 Jahre alt und hat trotz der selbst verschuldeten Bildungslücke alle Prüfungen des Lebens gemeistert.
Wilhelm Ebner, Landshut

Mai 1986, der Urlaub stand kurz bevor. Doch das Kofferpacken mit meiner Freundin in Hamburg wurde jäh unterbrochen: Ich hatte meinen Pass zu Hause in Bremerhaven vergessen! Ein netter Kollege schickte ihn mir per Eilzustellung nach. Der Brief erreichte mich zwar noch rechtzeitig – aber erst mit der zweiten Zustellung. Der erste Versuch wurde gar nicht erst unternommen – wie vom Postboten auf der Rückseite des Briefumschlages dokumentiert: »wegen Regen nicht zugestellt, 5. 5. 20:50«. Der Grund: Neun Tage vorher hatte sich der katastrophale Unfall von Tschernobyl ereignet, und der Regen hatte begonnen, den radioaktiven Fallout aus der Atmosphäre zu waschen.
Hannes Grobe, Bremerhaven

In alten Unterlagen fand sich dieser Bußgeldbescheid gegen meinen Großvater aus dem Jahr 1923 über 110 Milliarden Mark (der Löwenanteil davon für Porto und Bearbeitungsgebühren). Das Delikt: Unbefugtes Fahren mit dem Fahrrad auf dem Bürgersteig, immerhin mit Beleuchtung und »Klingelvorrichtung«. In der Zeit der großen Inflation, in der kaum noch etwas Bestand zu haben schien, hat sich ein Polizeiwachtmeister ganz unbeeindruckt seinem Tagesgeschäft gewidmet und sich – bis ins Kleinste – um Recht und Ordnung gekümmert. Wird er diese Akribie auch nach 1933 noch an den Tag gelegt haben? Wollen wir hoffen, dass er vorher die Pensionsgrenze erreicht hat.
Heinrich Iversen, Hamburg

Vor sechzig Jahren habe ich meinem Schulfreund Ludwig diesen Brief geschrieben, nachdem meine Eltern mit mir von Freiburg nach Villingen gezogen waren. Nachdem ich inzwischen längst wieder in Freiburg lebe, hat mir Ludwig den Brief vor einiger Zeit zurückgegeben. Noch heute nämlich sind wir echte alte Freunde. Unter den »Hosenspannis« und anderen damals üblichen erzieherischen Methoden hat mein Hang zum Schönschreiben übrigens nicht gelitten – und erst recht nicht, dass ich bislang und auch weiterhin an das Schöne glauben kann.

Siegfried Kottwitz, Freiburg im Breisgau

Als wir ein Zimmer in meinem Elternhaus renovierten, kamen die Reste einer Tapete aus den siebziger Jahren zum Vorschein. Das Zimmer hatte damals als Partyraum gedient und war mit einer Bartheke, Tütenlampen, Cocktailsesseln und eben dieser wunderbaren Tapete ausgestattet gewesen. Sie erinnert mich an viele Abende meiner Jugend: Hier habe ich mit Freundinnen zu den Klängen von Banks of the Ohio meinen Eltern einen Gruppentanz vorgeführt, die Freuden des Rumknutschens mit meinem Jugendfreund kennengelernt, einen schrecklichen 16. Geburtstag gefeiert (weil die Geschenke aus Alkoholika bestanden, deren Wirkung mir bis dahin unbekannt war) und im Kreise meiner Fachoberschulklasse darüber diskutiert, ob der damals in Pädagogikbüchern empfohlene »Liebesentzug« wirklich besser sei als Schläge. Leider ist das Motiv nicht mehr vollständig, aber die Reste hängen nun an der frisch gestrichenen Wand und machen diese Zeit wieder lebendig.
Claudia Wenzel, Nürnberg

Seit Jahren versuche ich, die Familie meines Vaters ausfindig zu machen. In vielen Archiven habe ich schon geforscht, mit zahlreichen Experten gesprochen. Bisher ohne Ergebnis. Jetzt habe ich ein Foto gefunden, auf dem mein Vater vor einem markanten Kirchturm abgebildet ist. Die Aufnahme entstand sehr wahrscheinlich im Jahr 1942. Damals wurde mein Vater in einem Lazarett in Dallgow-Döberitz im Havelland behandelt, nach der Genesung war er in Südfrankreich stationiert.
Wenn ich nun wüsste, in welchem Ort dieser Kirchturm steht (oder stand?), könnte mir dies eventuell helfen, die militärische Einheit ausfindig zu machen, zu der mein Vater gehörte. Ob irgendein ZEIT-Leser diesen Kirchturm wiedererkennt?
Rudolf Hanov, Weilheim an der Teck

Auf meiner Rundreise durch Syrien im vergangenen Jahr: Eine junge Familie erregt meine Aufmerksamkeit. Ob ich wohl ein Foto machen darf? Der Familienvater nickt, die Tochter lächelt mich an, die Mutter verdeckt ihren Augenschlitz mit der Hand, die kleine Schwester versteckt sich an ihrer Mutter. Im Weggehen bemerke ich, wie das Mädchen im roten Pullover mit seinen Eltern tuschelt. Dann kommt es strahlend auf mich zugelaufen und drückt mir ein Bonbon in die Hand. Wie mag es dieser freundlichen Familie wohl heute ergehen?
Falk Horn, Berlin

Mit jedem Umzug habe ich Kellerkisten tragbarer, manche Erinnerungskiste erträglicher gemacht. Jetzt ist es wieder so weit. Diesmal widme ich mich der Teenagerzeit. Da war ich überall! Konzerteintrittskarten wandern in den Müll. Mein Idol Wolfgang Niedecken hat mir backstage mal ein Milky Way geschenkt. Natürlich habe ich es nicht gegessen. Bis heute nicht. Laut Aufschrift ist es am 29. September 1984 abgelaufen. Stimmt doch gar nicht! Es ist »verdamp lang haltbar«. Ich werde ihm im nächsten Keller wieder einen schönen Platz suchen. Für diesmal hat es genug von der Welt gesehen. Sogar zu meinem Freund Klaus Eppele durfte es, der es für mich fotografiert hat.
Birgit Jennerjahn-Hakenes, Karlsruhe

Das Foto entstand vor knapp 50 Jahren, es zeigt zwei jugendliche Fans des legendären »Zündapp Janus«. Das Auto ist eines von nur 6902 Exemplaren, die 1957/58 insgesamt produziert wurden. Es gehörte meinem Freund Sebastian, der das Foto gemacht hat. Freund Kurt (links im Bild) und ich freuten uns immer sehr, auf der Rückbank Platz zu nehmen. Dort saß man Rücken an Rücken zum Fahrer und Beifahrer auf den Vordersitzen (weshalb Zündapp den doppelköpfigen römischen Gott Janus als Namenspaten für das Auto wählte). Lässig und mit recht viel Beinfreiheit auf der Rückbank logierend, konnte man den Frauen auf der Straße zuwinken. Der Benzinpreis lag Mitte der sechziger Jahre übrigens bei etwa 53 Pfennig pro Liter.
Leo Klöckner, Rüber, Landkreis Mayen-Koblenz