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Schwarz-Gelb wird gewinnen.

 

Die gewünschte Regierungskoalition der amtierenden Bundeskanzlerin, eine Koalition aus CDU/CSU und FDP, wird bei der kommenden Bundestagswahl mit einem Stimmenanteil von 52,9 Prozent eine Mehrheit erhalten.

Diese Einsicht verdanken mein Kollege Helmut Norpoth und ich einem von uns entwickelten Prognosemodell, das sich bei den letzten beiden Bundestagswahlen bewährte. Abgeleitet von theoretischen Ansätzen zur Erklärung von Wahlverhalten haben wir ein statistisches Modell entwickelt, das bereits im Sommer vor den letzten beiden Bundestagswahlen 2002 und 2005 exakte Vorhersagen liefern konnte und auf den richtigen Sieger tippte, während die Ergebnisse der Meinungsforschungsinstitute, basierend auf den Umfragewerten der Parteien, daneben lagen. Unser Verfahren lieferte einen Monat vor der Wahl sogar genauere Werte für die Regierungskoalitionen als alle etablierten Meinungsforschungsinstitute, einschließlich deren 18-Uhr-Prognosen am Wahlabend selbst.

Für die Entwicklung unseres Vorhersagemodells fragten wir uns, was wir aus den zurückliegenden Bundestagswahlen in der Geschichte der Bundesrepublik lernen können. Uns interessierte dabei besonders der gemeinsame Stimmenanteil der jeweiligen Regierungskoalition. Dies verwandelt die Wahlentscheidung zwischen beliebig vielen Parteien in zwei handliche Hälften: die Wahl für oder gegen die Regierung. Weil die amtierende Regierung sich selbst als Notlösung sieht, nachdem keines der politischen Lager 2005 eine Regierungsmehrheit auf sich vereinen konnte, sagen wir für die kommende Bundestagswahl den Stimmenanteil der von der Kanzlerinnenpartei präferierten Regierungskoalition voraus.

Ob auf einen Sieg einer solchen Koalition gehofft werden darf, erklären wir mit dem Zusammenwirken von lang-, mittel- und kurzfristigen Einflussfaktoren. Da ist zunächst erstens der langfristige Wählerrückhalt der Regierungsparteien – gemessen als durchschnittlicher Wahlerfolg bei den vorangegangenen drei Bundestagswahlen. Hinzu kommt zweitens der mittelfristig wirksame Prozess der Abnutzung im Amt – gemessen durch die Zahl der Amtsperioden der Regierung. Drittens geht die durchschnittliche Popularität der jeweils amtierenden Kanzler ein, gemessen durch Werte in Umfragen im Zeitraum von ein und zwei Monaten vor einer Bundestagswahl.

Mit Hilfe statistischer Analyseverfahren können wir das Zusammenwirken dieser drei Faktoren und deren Gewichtung für die Stimmabgabe zu Gunsten der von der Kanzlerin präferierten Regierungskoalition wie folgt bestimmen.

Prognose für Schwarz-Gelb = -5,6 + 0,75*(PAR) + 0,38*(KAN) – 1,53*(AMT)

PAR: Langfristiger Wählerrückhalt der Regierungsparteien (Mittel der Stimmenanteile in den letzten drei Bundestagswahlen)
KAN: Kanzlerunterstützung (unter Ausschluss von Unentschlossenen)
AMT: Abnützungseffekt (Anzahl der Amtsperioden der Regierung)

Für die Berechnung der Prognose für 2009 brauchen wir noch drei Werte. Für den längerfristigen Wählerrückhalt, den Schwarz-Gelb bei den Wählern genießt, ergibt sich ein Wert von 44,1%. Dies entspricht dem Durchschnitt der Stimmenanteile, die Schwarz-Gelb in den letzten drei Bundestagswahlen gewinnen konnte. Hinzu kommt eine Kanzlerunterstützung von 71% für Angela Merkel auf Basis der Erhebungen im Juli und August der Forschungsgruppe Wahlen. Dieser Wert ergibt sich als gemittelter Anteil der Befragten in den Politbarometern im Juli und August, die lieber Merkel statt Steinmeier als Bundeskanzler hätten, unter Ausschluss der Unentschlossenen. Schließlich hat die amtierende Regierung bei dieser Bundestagswahl erst eine Amtsperiode hinter sich. Somit hat sie nur mit einem geringen Abnützungseffekt zu kämpfen.

Werden diese drei Werte in die obige Formel eingesetzt, ergibt das eine Prognose von 52,9 Prozent an Zweitstimmen für Schwarz-Gelb am 27. September 2009. Diese Prognose bestätigt damit eine vorläufige Vorhersage, die wir bereits im Juli auf diesem Blog sowie in der der Financial Times Deutschland veröffentlicht hatten.

7 Kommentare


  1. Ein großes Kompliment für Ihre Erfolge von 2002 und 2005, aber stellt sich nicht bei der Wahl 2009 das Problem, dass nicht ein Regierungslager und ein Oppositionslager als Regierungslager im Wartestand sich gegenüberstehen, sondern zwei Lager, von denen jeweils Mitglieder der derzeit amtierenden Regierung und andere der Opposition angehören. Auch Schwarz-Gelb strebt also einen Regierungswechsel an! Relativieren sich nicht die 71% Kanzlerinnenunterstützung, wenn umgekehrt nur 28% Schwarz-Gelb als ihr präferiertes Bündnis angeben, genau so viele aber eine Weiterführung der Großen Koalition (die ja wohl auch keine Ablösung der Kanzlerin bedeuten würde)? Und wie haben Sie den Abnützungseffekt einer Regierung operationalisiert, die noch gar nicht amtiert?


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  3.   Jan Wenzel

    Das Problem hatte ich auch zunächst gesehen. Es geht aber darum, dass letztlich die Kanzlerin und ihre gescheiterten Vorgänger (Spitzenkandidaten Kohl/Stoiber) auch bei den letzten drei Wahlen ein konstantes Wunschbündnis hatten: schwarz-gelb.
    Innerhalb solcher Wahlkampfkoalitionen kann es zwar zu massiven Verschiebungen zugunsten eines Partners kommen, aber in der Summe fällt die Schwankung gering aus …
    Viel schwieriger finde ich die Konstante von -5,6 … die lag auch mal bei 6,55 (2002) … Spiegel Online sprach damals schon vom zauberhaftesten Teil der Zauberformel. Und so transparent alle Variablen doch offenbar das Ganze gestalten, so liegt hier die Willkür versteckt.
    Aber faszinierend, dass es trotzdem immer so genau hinkommt 😉
    Wie sah die Treffergenauigkeit bei Landtagswahlen aus?

  4.   Peter Lustig

    @ Jan Wenzel:
    Die Konstante ist statistisch nicht signifikant, und auch nicht bedeutsam: Sie wäre nur ausschlaggebend, wenn alle genannten Werte 0 wären (0% Stimmen, 0% Kanzlerzustimmung, 0 Amtsperioden).

    @ Thomas Gschwend:
    -Haben Sie ein OLS Modell mit den bekannten Schwächen genommen und die Robustness gegenüber einem logit/probit Modell überprüft? In Ihrem Paper konnte ich leider keine Angaben zur Methodik finden.
    -Was ist die theoretische Rechtfertigung dafür, Umfragen zur Kanzlerzustimmung aber nicht zur Sonntagsfragen zu verwenden?
    -Und schließlich: Implizit behaupten Sie, dass die Wahl 2002 NICHT von den kurzfristigen Ereignissen Oderflut/Irakkrieg beeinflusst wurde (soweit sie nicht in den Zustimmungsraten zur Kanzlerfrage enthalten sind). Können Sie dies weiter belegen?


  5. PAR, der langfristige Wählerrückhalt, macht das Modell mit einem Anteil von rund 70% an der Vorhersage enorm statisch. Die Gewichtungen (0,75, 0,38, 1,53) und die Abzugspauschale (-5,6) sind letzlich ebenso auf die Vergangenheit bezogen, da sie sich aus der Abweichung von Prognosen zu realen Wahlergebnissen errechnen.
    Was wirklich interessant wäre, ist im Modell nicht unterzubringen: Kurzfristige Medienthemen wie Irakkrieg oder Oderflut.
    Und der längerfristige Niedergang oder Aufstieg einer Partei oder eines Themenkataloges ist bei „Wahlen nach Zahlen“ in den Untiefen von Standardabweichungen und Parameterschätzungen verschollen.
    Aber mal unterm Strich: Es funzt erstaunlich gut! Hut ab!

  6.   Gerhard Seifert

    Die Konstante (-5,6) ist in der Tat der etwas „mystische“ Anteil an der ganzen Geschichte. Ansonsten leuchtet mir die langfristige Betrachtungweise schon ein. Warum eigentlich unterstellt man dem deutschen Wähler immer, er wäre so sprunghaft und würde sich von kurzfristigen Medienthemen beeindrucken lassen? Das mag für die Meinungsumfragen ja stimmen, aber spätestens bevor einer in der Wahlkabine seine Kreuzchen macht, wägt er schon nochmal die zurückliegenden Jahre ab und erstellt daraus eine Erwartungshaltung für die nächste Legislaturperiode – und da kommt bei allem kurzfristigen Ärger über eine amtierende Regierung dann doch die Frage nach der Alternative auf. Und da sich der Mensch an sich nach Stabilität und Kontinuität sehnt, ist es sehr einleuchtend, dass im Zweifelsfall der amtierende Kanzler gewählt wird – und sowohl 2002 als 2005 gab’s ja genug Zweifel an Schröders Gegenkandidaten …

    Die Schwierigkeit für die jetzige Prognose sehe ich auch in
    der neuen Situation aus schwarz-rot heraus; andererseits dürfte es eine ganze Reihe Wähler geben, die schwarz-rot beenden wollen, und die einzig denkbare andere stabile Regierung ist eben schwarz-gelb. Das wird aller Voraussicht nach auch einige, die weder diese Kombination noch Frau Merkel besonders überzeugen, ihr mangels alternative dann doch die Stimme zu geben. Insofern scheint mir auch plausibel, dass das Ergebnis tendenziell etwas besser ausfällt als derzeit vorhergesagt.

    Bin wirklich gespannt, ob die Prognose wieder mal zutrifft!

  7.   Princesskimberly

    Britta Lambert sagt:Hallo Werner,vielen Dank ffcr deine Offenheit. Ich weidf, dass viele Alte Seelen Probleme damit haben, Geld ffcr Ihre Lichtarbeit zu verlangen. Ich hatte damit auch lange Zeit ein Problem.Ich habe darfcber grade erst lztteens wieder ganz tolle Hinweise aus dem Buch Gespre4che mit Gott von Neale Donald Walsh bekommen. Kann ich dir sehr empfehlen.Was gfcnstig und teuer ist, ist immer eine Geffchlssache oder Ermessenssache, was mit etwas wert ist.Ein Teil meines Weges ist sicher auch, den Menschen zu helfen, in Ihre Kraft zu kommen und ihren eigenen Wert zu erkennen. Und das kann sich durchaus auch in Geld ausdrfccken oder in dem, was meine Arbeit wert ist .Ich versuche den Menschen, die zu mir kommen, an einem Tag sehr viel zu geben. Viele strecken solche Inhalte auf 2 bis 3 Tage. An einem Tag bekommt man so wertvolle Hilfe und Instrumente, die helfen, ein ganzes Leben zu vere4ndern. Zum Preis von ca. 3 Tankffcllungen oder 3 Wellnessmassagen. Alles Liebe zu dir und danke ffcr deine OffenheitBritta