‹ Alle Einträge

Das ZDF-Wahlforum – Spitzenpolitiker auf dem Vormarsch

 

Dass die Spitzenkandidaten der Parteien im Wahlkampf von der eigenen Partei aber auch von den Medien ins Rampenlicht gerückt werden ist nichts Neues. Daran ändern auch jüngst aus den USA importierte Formate wie das TV-Duell der Kanzlerkandidaten und die Frage-und-Antwort-Stunde mit Frau Merkel nichts. Diese Personalisierung der Medienberichterstattung ist in der Politik bei weitem kein neues Phänomen. Das erste von drei Wahlforen, die im Vorfeld der Bundestagswahl im ZDF ausgestrahlt werden, hat sich am gestrigen Abend diesbezüglich jedoch als ein Novum erwiesen: Die Riege der Starwahlkämpfer hat bei allen Parteien Zuwachs bekommen. Neben den Spitzenkandidaten sind es seit gestern auch die Spitzenpolitiker der Parteien, die dem Wähler in einem speziellen TV-Format „auf dem silbernen Tablett serviert werden“. So hatte jede der im Bundestag vertretenen Parteien einen Repräsentanten zum ZDF nach Mainz entsandt, der dem Moderatorenteam und einigen ausgewählten Zuschauern im Studio Rede und Antwort stand. Neben dem Arbeitsminister, Olaf Scholz (SPD) und dem CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla waren der gesundheitspolitische Sprecher der FDP, Daniel Bahr, Katrin Göring-Eckardt, Vizepräsidentin des Bundestags (Bündnis 90/die Grünen), Klaus Ernst, stellvertretender Partei- und Fraktionschef der Linken, und Christine Haderthauer, bayerische Sozialministerin (CSU), anwesend und gaben ihre Lösungsvorschläge zum Thema „Wie viel Sozialstaat können wir uns noch leisten?“ zum Besten.

Neben den Gallionsfiguren der Parteien, den Spitzenkandidaten, sind offensichtlich auch immer mehr die jeweiligen Experten zu bestimmten Themen gefragt, die mit ihrem Know-how in einem bestimmten Politikbereich beim Wähler punkten sollen. Dabei wird dieser push der „zweiten Riege“ sowohl von den Parteien selbst als auch von den Medien bewirkt. Das Fernsehen ruft und die Parteien entsenden ihre besten Pferde zu einem bestimmten Diskussionsthema. Diese mediale Personalisierung in Form einer Präsentation von Spitzenpolitikern in Verbindung mit dem Profil ihrer Partei deckt sich mit dem Befund einer empirischen Studie, die ich schon für die Printmedienberichterstattung im Rahmen des Bundestagswahlkampfes im Jahre 2002 durchgeführt habe. Hier wurde deutlich, dass Spitzenpolitiker als Experten zu bestimmten Themen immer mehr an Gewicht in der Wahlkampfberichterstattung der Printmedien gewinnen. Mit dem Wahlforum im ZDF scheint dieser Trend nun auch in den audiovisuellen Medien angekommen zu sein.

Literatur:

Jucknat, Kim (2007). Die Personalisierung der Wahlkampfberichterstattung in Deutschland und den USA: Köpfe und Themen. In: Zeitschrift für Parlamentsfragen 37 (1).

5 Kommentare

  1.   Ralf Bethke

    Vielen Dank an Kim Jucknat für die erfrischende Analyse des Wahlforums vom 25. August 2009 im ZDF. Ich bin ja selbst kein großer Fan vom Blick in die Mattscheibe und habe mir das ZDF Wahlforum als politisch interessierter live im Studio in Berlin angeschaut, von wo es übertragen wurde. Daher bin ich äußerst erfreut, dass offensichtlich Frau Jucknat nicht vor dem Fernseher saß und die Sendung wohl gänzlich nicht gesehen hat. Oder hätte sie sonst behauptet, sie sei in Mainz produziert worden?
    Leider war die Sendung eine Farce. Die Zuschauer konnten sich nicht wie behauptet beteiligen, die im Publikum befragten waren vorab ausgesucht und gebrieft und die geladenen Politiker waren offensichtlich bestens über die zu erwartenden Fragen informiert.

  2.   Geek

    Wer sich für die aktuelle politische Lage und die Wahlprogramme interessiert, der sollte sich mal die Zusammenfassung der Programme auf frogged.de anschauen.
    Hier mal ein netter Link:
    http://www.frogged.de/superwahljahr-2009-parteiprogramme.html

  3.   Hans-Jürgen Bucher

    Die Behauptung von Frau Jucknat, daß im diesjährigen Wahlkampf „neben den Spitzenkandidaten, offensichtlich auch immer mehr die jeweiligen Experten zu bestimmten Themen gefragt (sind)“, hat den Neuigkeitswert einer Neuhjahrsansprache. Seit es im Fernsehen Themenforen gibt – immerhin seit den 70er-Jahren – war das noch nie anders. In diesen Foren saßen noch nie die Spitzenkandidaten sondern die entsprechenden Experten der Pateien, oder diejenigen, die dafür gehalten wurden.
    Im übrigen gab es bereits vor einigen Jahren eine interessante Medienanalyse zum „Immer-Mehrismus“ der Journalisten. Wenn sich jetzt die Wissenschaft derselben Strategie bedient, so ist das ein schönes Beispiel für ihre Medialisierung.


  4. […] DIE ZEIT blog.zeit.de/wahlen-nach-zahlen/2009/08/26/das-zdf-wahlforum-spitzenpolitiker-auf-dem-vormarsch_1665 – view page – cached Dass die Spitzenkandidaten der Parteien im Wahlkampf von der eigenen Partei aber auch von den Medien ins Rampenlicht gerückt werden ist nichts Neues. — From the page […]

  5.   Aliena Lutz

    Ich habe mir heute leider auch diese große Volksverdummung angesehen! Frau Künast sagt, eine Familie mit zwei Kindern und einem Jahreseinkommen von 40.000,- € zahlt heute keine Steuern! Da soll es ja welche geben, aber ich rauche – seit Jahren auch gegen den Terrorismus (die erste Tabaksteuererhöhung) und um den Tod unserer Soldaten in Afghanistan zu finanzieren, in den sie Frau Künast (von den GRÜNEN, die aus den 68ern hervorgegangen sind und gegen Kriege protestiert haben) geschickt hat! Und wenn ich tanke, Lebensmittel einkaufe oder Kleidung für meine schnell wachsenden Kinder zahle ich auf jeden Fall Steuern – 40.000 Einkommen oder nicht! Frau Künast redet auch von Schulden zurückzahlen und ganz nebenbei von der Einführung einer Börsenumsatzsteuer, nur eben nicht vom Sparen! Und alle haben anscheinend bei der ganzen Steuerdiskussion vergessen, wie die SPD vor vier Jahren sagte, wir müssen die Umsatzsteuer um 2% erhöhen, die CDU/CSU hat eine Mehrwertsteuererhöhung strikt abgelehnt. Geeinigt hat man sich nicht etwa in der Mitte bei 1% sondern man hat grad noch eins draufgelegt! Davon werden dann Urlaubsfahrten nach Spanien und Geburtstagsfeiern für Herrn Ackermann bezahlt – unter dem Motto „Das machen doch alle so!“ Von der Linken kommen nur Luftblasen, ist ganz praktisch in der Opposition, da kann man über alles meckern, aber die beiden Großen, Herr Gysi und Herr Lafontain haben jedesmal, wenn sie in der Verantwortung waren, das Handtuch schnell geschmissen! Gott-sei-Dank, ich habe DDR erlebt und hoffe, die kommen nie wieder an die Macht! Leider haben das alles auch die Journalisten vergessen, sonst würden sie die Damen und Herren mal an ihre Wahlversprechen und die danach folgenden konträren Entscheidungen erinnern. Solange keiner unsere Politiker zur Rechenschaft zwingt, und das könnten die Journalisten, wird weiter gelogen und verdummt! Solange Herr Matschie in einem Interview mit einer Nachrichtensprecherin auf den Hinweis „Sie sagen garnichts!“ weiterredet ohne Luft zu holen und tatsächlich nichts sagt und man ihn gewähren läßt, ändert sich nichts! Leider sind wir alle zwar frustriert aber immernoch viel zu satt, um etwas dagegen zu tun! Schade, schade!