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Verlassen auf Schloss Bellevue

 

Die Affäre unseres Bundespräsidenten hat ganz offenkundig das finale Stadium erreicht. Nach seinem jüngsten Skandal im Skandal, seinem Angriff auf die Pressefreiheit, dämmert selbst den letzten in seiner Partei und wohl auch der Kanzlerin, dass Christian Wulff nicht mehr zu halten ist. Kaum einer aus den eigenen Reihen ergriff am Montag das Wort und stellte sich noch hinter ihn. Kein Wort mehr der Unterstützung aus dem Kanzleramt. Und auch heute: Schweigen. Es ist, so ist zu vermuten, die kurze Ruhe vor dem Ende.

Wie wollte, könnte man denn auch einen Bundespräsidenten noch verteidigen, der in seiner übergroßen Bedrängnis und Verzweiflung jede Kontrolle verliert? Ein Staatsoberhaupt, das seinem Amtseid zuwider handelt, die Verfassung zu achten und zu wahren, indem er die freie, kritische Berichterstattung über ihn selber zu verhindern trachtet? Und der offensichtlich niemanden hat, der ihn daran hinderte, seine Kriegserklärung ausgerechnet gegen die Bild-Zeitung, sein früheres Haus- und Hofblatt, das seine Affäre öffentliche machte, auch noch auf der Mailbox des Chefredakteurs zu hinterlassen. Von wo sie, wie nicht anders zu erwarten, irgendwann ebenfalls den Weg in die Öffentlichkeit fand.

Nun steht Wulff einsam und verlassen da. Und es ist wohl nur noch eine Frage kurzer Zeit, bis Angela Merkel den Daumen senkt. Diese Affäre ist nicht mehr zu beherrschen; sie wird, je länger sie dauert, zur Krise auch der Kanzlerin, die Wulff als Präsidenten erkoren hat. Das dürfte auch Merkel inzwischen so sehen.

Intern gehen viele Parteifreunde und CDU-Abgeordnete spätestens seit Montag deutlich auf Distanz. Sie sind entsetzt über Wulffs stümperhaftes Krisenmanagement, selbst wenn sie seine dubiosen Privatgeschäfte mit Wirtschaftsfreunden und seine Anfälligkeit für die Verlockungen der Macht und des Luxus‘ lange Zeit allenfalls mit Stirnrunzeln betrachtet hatten. Hatte Merkel diesen Mann nicht gerade deswegen ins höchste Amt gehoben, weil er ein Politprofi zu sein schien; einer, von dem sie keine Gefahr witterte nach der schlechten Erfahrung mit seinem Vorgänger, dem Politik-Neuling Horst Köhler? Und jetzt das!

Ihr Kalkül dürfte daher nun einfach sein: Schadet es ihr und der Koalition mehr, wenn Wulff trotz allem im Amt bleibt? Oder ist der Schaden größer, wenn – nach nur anderthalb Jahren – der zweite Bundespräsident ihrer Wahl stürzt? Und sie sich nicht sicher sein kann, einen dritten durch die Bundesversammlung zu bringen.

Die Opposition hält sich weiter auffallend zurück. SPD-Chef Sigmar Gabriel dürfte indes inzwischen sein Persilschein für Wulff reuen. Die Staatskrise, die er für den Fall an die Wand malte, dass schon wieder ein Bundespräsident gehen muss, ist längst da.

171 Kommentare


  1. Aus dem Text : SPD-Chef Sigmar Gabriel dürfte inzwischen sein Persilschein für Wulff reuen.

    Also : Was kann man auch anderes erwarten von einer Partei die nicht einmal mehr weiss was „Opposition“ bedeutet.

  2.   Macintom

    Herr Wulff darf nicht gehen !!!

    Je länger er im Amt bleiben darf, desto eher fällt es auch Ließchen Müller und meinen Großeltern wie Schuppen von den Augen, wie korrupt unsere heutige Politikerkaste ist.
    Wie sonst wäre es zu erklären daß die Stimmenanteile für die etablierten Parteien bei Wahlen so sind wie sind?

    Nein, nein; jeder weitere Tag des Herrn Wulff im Amt ist gut für Deutschland!


  3. Die Affäre Wulff ist mehr als die Affäre Wulff: Sie ist auch die Affäre Merkel und die Affäre Bundesversammlung. Schlicht: Es ist die Affäre um einen Bundespräsidenten, den das Volk womöglich nie haben wollte. Und das sich nun dafür rächt, nie gefraht worden zu sein. Ein Kommentar auf: http://researchandreport.wordpress.com/


  4. Die ganze „Merkelgang“ verliert die Kontrolle. Richtig, wir haben eine Staatskrise !
    Wenn das Vertrauen einmal missbraucht wurde, ist es so schwer wieder zurückzugewinnen. Wem kann man denn noch trauen ? Es werden so viele Entscheidungen gegen den Willen der Mehrheit des Volkes getroffen, dass die Wut immer größer wird. Solange das so ist, schauen immer mehr Bürger dieses Landes sehr genau hin !

  5.   Sphinx61

    Ein Spiegelbild der Politik und der Gesellschaft. Es wird zeit, dass die Politik wieder ehrlich und seriös wird, und sich auf ihre Aufgaben besinnt: zum Wohle des Volkes zu agieren und nicht im ureigensten Interesse.


  6. Herr Wulff sollte es machen wie Köhler > ICH BIN DANN MAL WEG!
    Das Amt des Bundestrainers ist eh relevanter als das des Bundespräsidenten!

  7.   Morchel

    BP Wulff: StrG + Alt + Del

  8.   CM

    Ein Blick nach England verrät, daß große Nähe zum größten „meinungsbildenden“ Verlag ganz schnell zum Bumerang werden kann.

    Wie würde dieser Fall verlaufen, wenn Wulff nicht Diekmann sondern den Chefredakteur eines Lokalblatts so angegangen hätte?

  9.   achimvr

    Nach reiflicher Überlegung komme ich zum Schluß daß GEORG SCHRAMM als Bundespräsident besser geeignet ist als jeder andere!

  10.   Hans-Hermann Siekmann

    der kann sich freuen das er nicht in England lebt denn die
    Presse würde mit ihn Schlittenfahren aber ohne schnee………..