Das Politik-Blog

Die vergessene Linkspartei

Von 24. April 2012 um 17:32 Uhr

Von unserem Autor in NRW, Lenz Jacobsen:

„Klartext! Kein Gelaber! Ihre Fragen an die Politiker!“ rief der Sprecher, und dann kam Christian Lindner ins Bild, Spitzenkandidat der FDP für die Wahl in Nordrhein-Westfalen. Er war der Erste, der sich am gestrigen Montag im Regionalprogramm von RTL in der Reihe „10 Minuten Klartext“ den Fragen der Zuschauer stellen musste.

Oder besser gesagt: durfte. Denn genau solche Plattformen braucht Lindner im Wahlkampf, um Wähler für sich zu gewinnen. Im Laufe der Woche dürfen noch die Spitzenkandidaten von SPD, CDU, Grünen und auch den Piraten auf Sendung. Fünf werktägliche Sendungen, fünf Parteien: Das RTL-Programmschema und die politische Landschaft in NRW scheinen wunderbar zueinander zu passen.

Wäre da nicht noch eine Partei: Die Linke. Denn auch sie kämpft um Sitze im Düsseldorfer Parlament, doch ihre Spitzenkandidatin Katharina Schwabedissen darf nicht zu RTL. „Ach, wir haben uns daran ja schon fast gewöhnt“, sagt Angela Bankert aus der Pressestelle der Partei. Immer wieder wird die Linke bei solchen Parteien-Runden ignoriert, vergessen, ausgeschlossen.

So hat im „Hyperland“-Blog des ZDF kürzlich der Düsseldorfer Blogger Thomas Knüwer die Onlineaktivitäten der West-Parteien verglichen. Die Linken waren nicht dabei. Warum, will der Autor nicht öffentlich erklären.

Erstaunlich oft fallen die Linken durch die intransparenten Raster, die sich Redaktionen für ihre Berichterstattung ausdenken. So vergleicht die Rheinische Post in ihrer heutigen Ausgabe die Positionen der Parteien zur Finanzpolitik. Neben SPD, CDU und Grünen kommt auch die FDP zu Wort, die Linken aber nicht – obwohl beide Parteien bisher im Landtag vertreten waren, und beide um den Wiedereinzug kämpfen müssen.

„Manchmal gehen wir dem nach und beschweren uns“, sagt Linken-Sprecherin Bankert, „aber oft lassen wir es auch gut sein, denn sonst würden wir hier zu nichts anderem mehr kommen.“

Nun, im RTL-Fall, haben sie aber doch eine Pressemitteilung herausgegeben. Der Sender verstoße gegen „journalistische Spielregeln“, heißt es darin. RTL erlaube sich hier in einem wichtigen Format eine „Vorauswahl in der politischen Willensbildung der Bürgerinnen und Bürger“, die völlig inakzeptabel sei.

Warum sie gerade die Linken nicht eingeladen haben, will der Sender auch auf Nachfrage von ZEIT ONLINE nicht erklären: „Die Auswahl der in den fünf Folgen dieser Wochenserie vertretenen Parteien erfolgt durch die Redaktion“, erklärt ein Sprecher nur.

Vielleicht hat die Redaktion des Privatsenders also gar nichts gegen die Linken, vielleicht findet sie sie einfach nur langweiliger als die anderen Parteien.

Kategorien: Allgemein
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Was könnte denn noch langweiliger sein, als der NRW-im-Herzen-Wahlkampf der etablierten Parteien, der nur darüber hinwegtäuschen soll, dass ihnen außer weiterer Kürzungen sehr bald wohl nichts mehr einfallen wird? Und was tut die mutmaßliche Meinung der RTL-Redaktion überhaupt zur Sache? Journalisten müssen über ALLE Möglichkeiten der Wählerinnen und Wähler am 13. Mai berichten – das ist ihre Aufgabe. Und sollte ihnen das zu langweilig sein, dann bliebe ihnen noch, die etablierten Parteien mit den Forderungen der LINKEN zu konfrontieren, z. B. warum sie trotz der desolaten Haushaltslage keine grundlegenden Verbesserungen der Einnahmeseite auf Bundesebene gefordert haben. Dann wäre doch gleich ein bisschen Leben in der Bude!

    • 24. April 2012 um 18:44 Uhr
    • Paul Schrader
  2. 2.

    So ist es, und auf keinen Fall überhaupt anders;

    bitte dies als Statement meiner überbordenden Langeweile
    an diesem Thema aufzufassen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Felix Baur

    • 24. April 2012 um 19:17 Uhr
    • Felix Baur
  3. 3.

    Der Sender verstoße gegen „journalistische Spielregeln“, heißt es darin. RTL erlaube sich hier in einem wichtigen Format eine „Vorauswahl in der politischen Willensbildung der Bürgerinnen und Bürger“, die völlig inakzeptabel sei.

    Welche „journalistischen Spielregeln“? Seit wann nimmt die deutsche Presse unvoreingenommen an der “politischen Willensbildung der Bürgerinnen und Bürger” teil?

    Die Linke wird seit jeher von den Medien wahlweise ignoriert oder angeriffen. Das ist auch nicht erst seit der Parteigründung der Linken so, sondern geschieht so schon seit Jahrzehnten.

    Dieser Artikel benennt tatsachen, die wir schon alle kennen und hassen gelernt haben.

    Vielleicht hat die Redaktion des Privatsenders also gar nichts gegen die Linken

    Nein, eher nicht.

    Wie wärs mal mit einem Artikel über die von den Linken geforderte “Demokratisierung” der Medien. Oder über die Eigentumsverhältnisse deutscher Medienkonzerne.

    Dann wäre der Leser wirklich schlauer.

  4. 4.

    Eine echte Opposition darf gar nicht erst beachtet werden, das ist die Grundregel einer jeden Diktatur und diese versucht sich in jedem System grundsätzlich durchzusetzen, egal wie gut es anfangs gemeint ist.

    Und wenn man es zulässt, schafft sie das auch, denn Korruption, der Anfang einer jeden Form von Diktatur, ist einfach und verführerisch.

  5. 5.

    Ganz schön link von RTL, die Linke nicht einzuladen aber RTL braucht keine pragmatischen Politiker in ihrer Show, Politik soll den RTL Zuschauer unterhalten und keine Lösungen für unsere Probleme anbieten.

    Wie sie es schon gesagt haben:
    “Vielleicht hat die Redaktion des Privatsenders also gar nichts gegen die Linken, vielleicht findet sie sie einfach nur langweiliger als die anderen Parteien.”

    Der Name der Sendung erinnert irgendwie an die Sendung mit der Maus, in gekürzter Fassung und über Komplexe politische Themen.

    “10 Minuten Klartext”

    Na dann Prost!

  6. 6.

    Ich zweifele an, dass jenes “Lokalfenster” von RTL überhaupt so einen regen Zulauf hat, als dass es wichtig ist dort aufzutreten. Sauberer Journalismus ist von dem Sender eh nicht zu erwarten. Es ist wie die B***zeitung auf der Matschscheibe. Viele schauen sie an, aber keiner mag sie.

    Die Linke sollte es als Auszeichnung ansehen, nicht vor der Karre dieses Senders gespannt zu werden. Vielleicht sollte sie nächstes Mal von vornherein öffentlich kundt tun, dass sie für diesen Sender in Zukunft nicht zur Verfügung steht. Einfach mal etwas Courage zeigen. Zeigen, dass man Mum hat und nicht jedes Medium zur Meinungsverbreitung braucht. Dann schon eher direkte Demokratie durch mehr Bürgernähe übers Internet wagen.

  7. 7.

    Vielleicht sollten die Linken mal ein wenig resoluter auftreten und die wahrlich vorhandenen Mängel in der NRW-Politik deutlich, markanter ansprechen, um nicht zu sagen provozieren!!! Ich weiß zwar nicht wer bei den Linken für die Pressearbeit zuständig ist, nur viel bewegt hat er/sie bisher bestimmt nicht. Die relevante Presse in NRW, RP, WAZ, um nur die wichtigsten zu nennen, sind so was von Schwarz, das es schon weh tut. Da werden ganzseitige Interview mit Herrn Röttgen geschaltet. Von den anderen Parteien, wenns hoch kommt ein Zweizeiler. Hier muß angegiffen, aufgegriffen werden. Linke, rann an den Speck und keine Angst!!!

  8. 8.

    Das Problem bei Pressearbeit dürfte sein, dass sie in der Regel zutiefst unehrlich verläuft. Wenn man auf Klartext und Aufklärung setzt, muss man einen Großteil der Medienlandschaft fast schon allein deswegen meiden, weil selbst Fakten einfach aus dem Kontext gerissen oder umgedeutet werden.

    Bei Phönix darf irgend ein dahergelaufener Journalist mal eben so 10 Minuten lang erklären, dass Hollande das Ende Europas einläutet, ohne dafür einen einzigen Grund abseits der Bezeichnung Hollands als Sozialist zu nennen.

    Und das auf Phoenix, nicht auf RTL. Eine Gegendarstellung oder auch nur Kommentierung dieser Hetz-Propaganda gegen den womöglich zukünftigen Präsidenten von Frankreich gab es nicht.

    Das sind unsere Medien.

  9. Kommentar zum Thema

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