Das Politik-Blog

Politiker müssen Anti-Sexismus-Rhetorik Taten folgen lassen

Von 3. Februar 2013 um 16:07 Uhr

Betrachtet man die deutsche Sexismus-Debatte mit einer gewissen Distanz, etwa aus der Perspektive der USA, so wird deutlich, welche Auswirkungen derartige gesellschaftspolitische Diskussionen hier wie dort haben können. Man darf allerdings hoffen, dass die dortigen Regeln der "political correctness" nicht bald auch hier gelten. Sie entstanden sicherlich mit besten Intentionen. Inzwischen aber haben sie Dimensionen angenommen, die für keinen der Beteiligten hilfreich sind. Statt Respekt und Verständnis füreinander zu fördern, verhärten sie die Fronten bisweilen eher noch.

Am Beispiel Rainer Brüderle zeigt sich: In Deutschland geht man mit solchen Anlässen durchaus anders um als in den USA. Er steht ganz persönlich in der Kritik, doch viele Kommentatoren haben längst und mit Recht angemerkt, dass die Debatte nicht anhand einer bestimmten Person geführt werden sollte. Denn die Beobachtungen, um die es geht, treten im Alltag zuhauf und an ganz unterschiedlichen Stellen auf. Die politische Dimension für Brüderle und die FDP ist verglichen damit zweitrangig.

In den USA hingegen sind gesellschaftspolitische Debatten noch stärker mit Personen verknüpft. Das hat einen bemerkenswerten Effekt: Insbesondere Politiker der Republikanischen Partei "üben" in diesen Tagen verstärkt das politisch korrekte Auftreten. Der lange Wahlkampf im vergangenen Jahr hat viele unbedachte oder auch tatsächlich respektlose Äußerungen zutage gebracht, die der Partei in der öffentlichen Wahrnehmung und damit auch in der harten politischen Währung der Wählerstimmen nachhaltig geschadet haben.

Rhetorik und politisches Handeln klaffen auseinander

Den Republikanern geht es nun darum, mittelfristig wieder Wählerschichten für sich zu gewinnen, ohne die in Zukunft keine Präsidentschaftswahl mehr zu gewinnen ist: etwa Hispanics, Asiaten – oder eben Frauen. Über diese Gruppen will man nicht mehr herablassend sprechen, einem "Sensitivitätstraining" sollten sich die Politiker unterziehen, heißt es. Und die selbst auferlegte Maßregelung nimmt absurde Züge an: Beispielsweise ist doch tatsächlich mit Blick auf mittel- und südamerikanische Einwanderer der Ratschlag zu hören: "Don’t use phrases like 'send them all back'." oder; "Don’t characterize all Hispanics as undocumented and all undocumented as Hispanics." Dies nur als kleine Kostprobe.

Über diese republikanische Rhetorik wird in den USA gerade viel berichtet. Das politische Handeln auf diesen Themenfeldern findet dagegen oft unterhalb des nationalen (kritischen) medialen Radars statt. So werden etwa in den Staaten, in denen Republikaner reagieren, Abtreibungskliniken geschlossen. Die Amtsträger dort vertreten auch vielfach deutlich frauenfeindliche Standpunkte zu Verhütung oder Gesundheitsvorsorge. Gleichzeitig spricht die Struktur der Abgeordneten im Kongress nicht gerade dafür, dass aktiv Frauen rekrutiert werden. Die Republikaner haben sehr viel weniger weibliche Abgeordnete im Repräsentantenhaus als die Demokraten: Von den 234 Mitgliedern sind lediglich 20 Frauen; bei den Demokraten sind es immerhin 61 von 201 (mehr dazu auch in einer aktuellen Ausgabe der Rachel Maddow Show).

Über konkrete Veränderungen nachdenken

Die Diskrepanz zwischen Rhetorik und tatsächlichen politischen Positionen mag in Deutschland weniger drastisch sein, allerdings besteht sie auch hierzulande. Mit Blick auf die Sexismus-Debatte sollte man vor allem die Politik nicht nur an Worten, sondern auch an Taten messen. Wo bleiben die Frauen in den Aufsichtsräten? Wo bleibt die Quote? Wie steht es mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf? Warum haben wir im Jahre 2013 immer noch zu wenige Kita-Plätze? Auch dies sind Fragen, die im Zusammenhang mit alltäglichem Sexismus gestellt und beantwortet werden müssen.

Die derzeitige Debatte ist wichtig. Aber ihr ganzes Potenzial entfaltet sie erst, wenn wir sie zum Anlass nehmen, über konkrete Weichenstellungen zu sprechen. Nur dann kann es nachhaltige Veränderungen für unser Miteinander geben. Lasst uns über gesellschaftspolitische Positionen sprechen!

Kategorien: Brüderle, USA
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Wir müssen in dieser Debatte nicht nur von Brüderle wegkommen, sondern auch vom „Mann“ als sexistischem Tätergeschlecht. Die krassesten sexistischen Übergriffe in meinen Erlebnissen gingen nämlich von Frauen aus – und richteten sich gegen andere Frauen. Beispiel: An meiner ersten Arbeitsstelle schlossen sich Kolleginnen gegen zwei gut aussehende neue Mitarbeiterinnen zusammen und ließen allein aufgrund deren Aussehen kein gutes Haar an ihnen. Es wurden Intrigen gesponnen und wiederholt beim Vorgesetzten deren Leistungen in Frage gestellt. Am Ende mussten beide gehen, um den Frieden wiederherzustellen.

    Die alten Mann-gegen-Frau-Grabenkämpfe werden dem Thema einfach nicht gerecht.

  2. 2.

    „Wo bleiben die Frauen in den Aufsichtsräten? Wo bleibt die Quote?“

    Sie fordern Sexismus mit Sexismus und sexueller Diskriminierung zu bekämpfen.

    Eine Quote ist für mich ganz Eindeutig sexuelle Diskriminierung des des jeweils anderen Geschlechts. Damit ist es meiner Meinung nach auch ein Verstoß gegen das AGG und somit illegal.

  3. 3.

    Trotz anders lautender Gerüchte, sind Frauen nicht die „menschlicheren“ Menschen und werden in Macht- oder Verteilungskampf auch immer alle Mittel einsetzen, egal ob gegen Mann oder Frau.
    Eine Quote für Führungsposten mag ggf. dazu führen, dass einer Elite von Frauen der Bergaufkampf erspart bleibt, aber in den Chefetagen angekommen wird dadurch der Sexismus nicht kleiner, bestenfalls durch einen anderen ersetzt.
    Frau Merkel kann potentielle Konkurrenten ebenso gut wegbeissen wie Herr Kohl es konnte.

    Maßnahmen gegen Sexismus, dürfen und können sich nicht am Geschlecht festmachen, denn das ist schlicht widersinnig.

    Vlt. sollte man einfach damit anfangen Respekt und Anstand wieder als erstrebenswerte „Softskills“ zu propagieren. Dann kann man sich weite Teile der Sexsmus-Debatte sparen.

    • 4. Februar 2013 um 19:20 Uhr
    • welll
  4. 4.

    Sexismus ist eine Waffe der Frauen, die manche skrupellos einsetzen und eine Debatte aus den Achtzigern des letzten Jahrhundert, die aufgewärmt nicht appetitlicher wird. Frauen sind eben keine besseren Menschen.

  5. 5.

    Ich bedanke mich für die bisherigen Kommentare, ein guter Weg die Debatte zu versachlichen. Es wird Zeit.

    • 4. Februar 2013 um 20:15 Uhr
    • Quas
  6. 6.

    .. fällt herab ein träumelein

    >>Vlt. sollte man einfach damit anfangen Respekt und Anstand wieder als erstrebenswerte “Softskills” zu propagieren.<<

    ja, genau. warten wir einfach mit der zivilisierung der geschlechterverhältnisse, bis die betreiber des vernunftlosen marktkompetitiven rattenrennens ihre materiellen interessen treuherzig den 'guten sitten' unterordnen. auf die erfüllung der aufklärerischen mindestanforderung egalitärer geschlechterverhältnisse haben die frauen eh schon ziemlich lange gewartet. auf ein paar generationen mehr kommts da nicht an.

    nur mal so: sind naiv-überschnappende argumentationen wie die in den ersten drei beiträgen ihren schöpfern nicht doch ein bisschen peinlich?

  7. 7.

    @ hier kommt die Braut

    Es hätte an sich keiner Untermauerung meines Kommentars bedurft, aber ich sanke Ihnen dennoch herzlich.

    • 4. Februar 2013 um 20:29 Uhr
    • welll
  8. 8.

    sanke gleichfalls

  9. 9.

    Das war doch jetzt ein gelungener Konter.
    Peinlichen Verschreiber genutzt, um höflich und mit einem gewissen Witz zu kontern. Geht doch.

    • 4. Februar 2013 um 20:47 Uhr
    • welll
  10. 10.

    wie man in den wald hineinruft..

  11. 11.

    Ich gebe Ihnen Recht. Sexismus hängt nicht an einer Person- ich werfe es auch Herrn Brüderle nicht vor. Sein Kommentar war einfach unpassend. Es liegt an der Attitüde. Wer sich und andere Menschen wirklich respektiert, der versucht sich nicht mit Sexismus, Rassismus oder ähnlichem durchzubeißen, sondern schätzt den fairen Kampf.

    Gerade bei der Sexismus-Debatte ist niemandem mit Ideologie geholfen (sei es Familien-, religiöse oder biologische Ideologie). Manchmal muss man einfach logisch denken: Frauen und Männer sind Menschen und sich daher sehr ähnlich statt verschieden. Niemand möchte gerne bevormundet werden.

    • 4. Februar 2013 um 21:04 Uhr
    • Derdriu
  12. 12.

    „Wo bleiben die Frauen in den Aufsichtsräten? Wo bleibt die Quote? Wie steht es mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf? Warum haben wir im Jahre 2013 immer noch zu wenige Kita-Plätze? Auch dies sind Fragen, die im Zusammenhang mit alltäglichem Sexismus gestellt und beantwortet werden müssen.“

    Sorry, aber in welchem Zusammenhang stehen beispielsweise Kita-Plätze und Sexismus? Ich antworte mal selbst: In überhaupt keinem Zusammenhang. Wieso soll es sinnvoll sein, zusammenhangslose Themen durch den Fleischwolf zu drehen und zu mischen? Inwiefern hat denn die neue ‚political correctness-Wahlkampfstrategie‘ der Republikaner einen Bezug zu unserer Sexismusdebatte?

    Falls man anderer Ansicht ist, könnten wir den Bogen ja auch noch etwas weiter spannnen, und im Zuge der Sexismusdebatte ja endlich mal über unsere zukünftige Energieversorgung sprechen, über die Rentensicherheit, den Klimawandel, die Finanzkrise, das Ausstreben der Wale, den Weltfrieden, …

    Wer schreibt denn solche Artikel, die nur in drei Zeilen einen Bezug zum Titel des Artikels haben?

    • 4. Februar 2013 um 21:16 Uhr
    • Coiote
  13. 13.

    Na toll…

    …ich dachte das wird endlich mal ein Artikel, der das Thema sachlich und nüchtern betrachen kann, doch was kommt am Ende raus? locker zwei drittel des Textes befassen sich mit der Bigotterie us-amerikanischer Politiker um dann schnell im Schlußwort eine Quote für Frauen in Aufsichtsräten und mehr Kitaplätze zu fordern.
    Wirklichen Inhalt und die Auseinandersetzung mit Alltagsthemen, die über ein paar sehr wenige hochdotierte Führungspositionen hinausgehen, sucht man vergebens.

    • 4. Februar 2013 um 21:31 Uhr
    • Taranis
  14. 14.

    Was hier zur Zeit abläuft lässt sich am besten mit einer Allergie vergleichen.
    Wenn Antikörper nicht genug wirkliche Bedrohungen zu bekämpfen haben, kann es passieren, dass sie beginnen auf harmlose Stoffe zu reagieren. Und nicht nur das, sondern über alle Maßen heftig.
    Auch wenn es mir in der Seele schmerzt, Feministinnen mit Antikörpern gleich zu setzen, so trifft es die Sache. Sie haben einfach keine wirklichen „Missstände“ mehr, die sie bekämpfen können. So werden belanglose Dinge medial zur nationalen Krise erhoben, dass man nur noch fassungslos den Kopf schütteln kann.
    Und, wer glaubt, dass Feministinnen jemals mit Männern zufrieden sein werden, den kann ich nur bemitleiden.

  15. 15.

    Liest man die Beiträge, die irgendein Redakteur anscheinend für veröffentlichungswert befindet, brauch man sich doch nicht wundern, warum die Debatte keinen Centimeter vorwärts kommt.

    Überladen mit Rhetorik der zweiten Welle des Feminismus (die damals durchaus angebracht und förderlich war), wird es den Fakten des Jahres 2013 doch einfach nicht gerecht. Es braucht eine faire und nüchterne Debatte die vor allem eines berücksichtigt: Das Geschlecht ist kein gesellschaftliches Konstrukt, wie viele es einem immer wieder einreden wollen, sondern eine biologische Realität, mit allen Konsequenzen. Wer sich davor verschließt, entfernt sich von einer Lösung bereits bevor er die Diskussion überhaupt begonnen hat.

    Ein zweiter Punkt ist die vorherrschende Einseitigkeit der Debatte. Das anitquierte Täter Opfer Verhältnis und die daraus resultierenden Abwehrhaltungen der betroffenen männlichen Fraktion braucht einen bei der vorherrschenden Meinung des öffentlichen Diskurses doch kaum mehr wundern.

    Auf den unpassenden Querbezug zur Familienpolitik (Kita-Plätze) ist in den vorherigen Kommentaren schon mehrfach eingegangen worden. Vielleicht wollte sich die Autorin auch einen Mangel an akutellem Bezug hier nicht vorwerfen lassen, was nichts an der Deplaziertheit ändert.

    • 4. Februar 2013 um 22:45 Uhr
    • NoSna
  16. 16.

    Durch diese Sexismus-Debatte werden Frauen noch seltener zu privaten, persönlichen Besprechungen eingeladen werden. Solche Besprechungen, wo inoffizielle Interna in Bierlaune ausgeplaudert werden — es muss ja nicht direkt ein Bordellbesuch sein, ein Treffen in einer Bar kommt häufiger vor.
    Dadurch werden Frauen aus den inneren Zirkeln ausgeschlossen.

    Die Journalistin hätte einfach gehen können, dann hätte sie aber einen in lockerer Stimmung befindlichen Brüderle vom Haken lassen müssen. Hat sie nicht getan. Anstatt dessen hat sie sich begrabschen lassen in der Hoffnung auf saftigere Informationen. Und dann hat sie ihre Quelle auflaufen lassen.

    Liebe Frau – Sie haben es ihren Geschlechtsgenossinnen nicht einfacher gemacht, in die inneren Führungszirkel einzudringen. Tolles Eigentor! Ich wette, viele Karrieristinnen werden Sie dafür verfluchen!

    • 4. Februar 2013 um 23:15 Uhr
    • Uwe
  17. 17.

    Tut mir leid das zu sagen, aber die Debattenbeiträge in der Zeit der vorwiegend weiblichen Autorinnen zu diesem Thema sind sowas von oberflächlich und auf Grundschulniveau, dass es langsam peinlich ist. Wenn die Debatte so geführt wird, dann braucht man sich nicht Wundern, wenn die meisten Menschen nur noch abwinken, wenn Sie das Wort Sexismus hören.

    • 4. Februar 2013 um 23:40 Uhr
    • vommond
  18. 18.

    Die gegenwärtige Sexismus-Debatte ist von Idealismus und Voluntarismus geprägt – und kommt deshalb kaum voran. Es erscheint mir höchst unwahrscheinlich, daß Sprachregelungen (großes Binnen-I, Unterstrich) oder Anmahnung von Anstand (Männer sollen Frauen nicht sexistisch anmachen) die tatsächlichen Verhältnisse ändern könnten. Ich verkenne dabei nicht, daß solche Kampagnen quantitative Verbesserungen erreichen können. Grundlegend werden sie jedoch nichts ändern. Denn die gesellschaftlichen Verhältnisse werden sich nicht durch die PC einiger Wohlmeinender wandeln. Dafür sind willkürliche Sprach- und Benimmregelen einfach zu schwach. Es müßten die fundamentalen Macht- und Ausbeutungsverhältnisse der unseligerweise immer noch sieghaften Männer-Kulturen geändert werden (so nehmen sich z.B. „christliche“ und „muslimische“ Kultur wenig, was Misogynie betrifft). Das wird lange dauern. Ich plädiere für Geduld und Beharrlichkeit. Anti-Sexismus-Kampagnen wie die gegenwärtige sind nicht unnütz, vernebeln aber das Problem, wenn es darauf reduziert bleibt. Es geht darum, Machtverhältnisse derart zu verändern, daß Macht möglichst breit verteilt und Dominanzstreben zurückgedrängt wird. Ich habe keine Ahnung, ob dies jemals eintreten wird. Wer jedoch annähernd solche Verhältnisse im eigenen Umfeld erlebt, wird bestätigen, wie befreiend für beide Geschlechter der Abschied von der „Macht“ sein kann. Und, schließlich: Wenn weibliche Teilhabe an der Macht Thatcher oder Merkel bedeutet, so ist dies nur das bekannte, patriarchalische Alte. Wenn Frauen, einmal an der Macht, nur die unheilvolle Politik ihrer männlichen Vorgänger nachahmen, sind sie in dieser Position unnütz. Dann lieber das Original der Bushs, Steinbrücks, Putins, gegen die es sich als feministischer Anarchist wenigstens zu kämpfen lohnt.

    • 5. Februar 2013 um 00:18 Uhr
    • akomado
  19. 19.

    Kleiner Hinweis:

    wie jeder halbwegs gut ausgebildete Psychologe ( heute würde ich eher zu dem Ausdruck: Pseudologole neigen), weiß, sind mathemathische und sprachliche Höchstbegabungen (also die Ausreißer, oder Artefakte) eher bei Männern angesiedelt. Das ist nun mal so, das heißt aber nicht, dass Frauen per se dumm sind.

    Man sollte die Natur anerkennen und verstehen, und nicht versuchen, sie auf den Kopf zu stellen.

    Wie der Vater meiner 18-jährigen Freundin meinte: „Aus einer Krähe kann man nicht einen Singvogel machen“. Umgegekehrt natürlich schon,.
    ## Viel Erfolg noch.

  20. 20.

    Interessant, was man aus den Kommentaren schließen kann.

    Frauen bekommen bekanntlich im Schnitt ein Drittel weniger Lohn für die gleiche Arbeit – als Konsequenz meiner biologischen Realität?

    Und wer nach dem Zusammenhang von Kita-Plätzen und Sexismus fragt:

    haben sie bereits davon gehört, dass es eine stattliche Zahl an gut ausgebildeten Frauen gibt, die auf einen Kita-Platz warten, um wieder arbeiten zu können? Auch eine biologische Konsequenz? Und alle Alleinerziehenden müssen dann konsequent zum Amt… ok, Biologie mal formiert.

    Ich hoffe, die Kommentare spiegeln nicht unsere Gesellschaft, ich hielt sie für nicht so eingestaubt. Es wirkt vieles nach der „Kopf in den Sand“- Methode.

    • 5. Februar 2013 um 00:29 Uhr
    • dera
  21. 21.

    „Und wer nach dem Zusammenhang von Kita-Plätzen und Sexismus fragt:

    haben sie bereits davon gehört, dass es eine stattliche Zahl an gut ausgebildeten Frauen gibt, die auf einen Kita-Platz warten, um wieder arbeiten zu können? Auch eine biologische Konsequenz?“

    Ja und was hat das nun mit Sexismus zu tun?

    „Frauen bekommen bekanntlich im Schnitt ein Drittel weniger Lohn für die gleiche Arbeit – als Konsequenz meiner biologischen Realität?“

    Frauen erhalten für die gleiche Tätigkeit bei gleicher Qualifikation etwa 4% bis 8% weniger Lohn. Googlen Sie doch mal nach Gender-Pay-Gap.

    • 5. Februar 2013 um 00:46 Uhr
    • Coiote
  22. 22.

    Uwe (Komm.16) schreibt: „Durch diese Sexismus-Debatte werden Frauen noch seltener zu privaten, persönlichen Besprechungen eingeladen werden.“ und dann „..innerer Führungszirkel…Tolles Eigentor.“

    Womit er deutlich macht, dass es eben doch um die Macht von Männern geht, die Frauen nur dann zu „privaten Besprechungen“ zulassen, wenn sie – die Frauen – sich den Männern genehm verhalten und sich Anmache gefallen lassen.

    Und genau darum geht es, um die Machtfrage. Ich kann und will nicht leugnen, dass manche Frauen in Machtpositionen sich auch sexistisch verhalten, also ihre Machtposition ausnutzen, um Männer auf sexualisierte Weise zu demütigen. Aber solange viele „innere Führungszirkel“ männlich dominiert sind, werden wohl mehr Frauen von solchen Erfahrungen berichten.

  23. 23.

    „Wenn weibliche Teilhabe an der Macht Thatcher oder Merkel bedeutet, so ist dies nur das bekannte, patriarchalische Alte. “

    Es dürfte sich um eine Mär handeln, dass Matriarchat = besser und Patriarchat = schlechter ist. Insofern dürften die genannten schon als typische Vertreterinnen in Leitender Position durchgehen.

    Der Punkt Religion
    Natürlich ist die Geschlechterrelation hier eklatant. Besonders ausgeprägt in der RKK, und von dort ausstrahlend auch in die nichtkatholische Gesellschaft.
    Nur muss man das Fass nicht auch noch auf machen, denn daran wird sich nichts ändern (lassen). Das ist ein Ballast der mitgeschleppt werden muss.


    Es geht darum, Machtverhältnisse derart zu verändern, daß Macht möglichst breit verteilt und Dominanzstreben zurückgedrängt wird.“

    Vollkommen richtig, und zwar ist „breit“ hier das Stichwort.
    Wenn es nur darum geht die gegenwärtigen „Rosinen“ umzuverteilen, wird der Kampf um so zäher und härter je weniger Rosinen es gibt. Damit wird es auch in Puncto Sexismus soweit er als Machtmittel eingesetzt wird sicher nicht besser … evtl versteckter.

    Es müssten an sich mehr Rosinen her. Sprich klassisch „weibliche“ Tätigkeitsfelder und Führungspositionen müssten für Männer deutlich attraktiver und prestigeträchtiger gemacht werden. Dann würde sich sicher der ein oder andere finden, der ganz freiwillig und ohne Groll aus den klassischen „Machtstrukturen“ aussteigt.

    Das ist im Moment eher eine Utopie, aber wenn man ernst meint, wohl der Weg.
    Neu verteilen kann man per Kampf oder per Deal … im Moment wird versucht zu kämpfen.

    Nun ist es doch wieder sehr theoretisch geworden, sorry.

    • 5. Februar 2013 um 01:39 Uhr
    • welll
  24. 24.

    @16 (uwe) und 17 (vommond)
    Beide genau auf den Punkt!
    Diese scheinbaren Feministinnen, die naiv auf Kollektivgeheul setzen, bestätigen gerade damit jedes (Vor)Urteil, das man(n) gegen Frauen haben kann, aufs Schönste.
    Man muss die zarten Geschöpfe, die gleichzeitig mit Macht auf Führungspositionen drängen, also schonen? Was denn nun?
    Wenn sie in der „Wildnis“ leben wollen, müssen sies auch können.
    dumm glaufen: zuerst vom Herd wegwollen, und dann weinen, wenns draußen nicht schön kuschlig ist.
    … Männliche Strukturen … ich kanns nicht mehr hören! Und wenn? das war vorher klar, und da wollten sie hin. Man ändert Dinge nicht, indem man gegen sie anweint.

  25. 25.

    Das Problem dieser Gesellschaft ist, dass die Sexismusdebatte einseitig geführt wird. Es gibt auch Sexismus, der von Frauen aus ausgeht und das nicht zu knapp.

    Ich möchte das nicht gegeneinander aufwägen oder eine Wertigkeit aufmachen, welches Geschlecht das „bessere“ oder „schlechtere“ im Umgang mit Sexismus und sexistischen Verhaltensweisen sei.

    Aber ich verwehre mich gegen eine Debatte über Sexismus, die entlang sexistischer Klischees geführt wird: Der böse Mann als Täter, die arme Frau als Opfer.

    Warum wird denn beim Thema Quote immer nur über Tätigkeiten gesprochen, die für 99 Prozent aller Berufstätigen unabhängig vom Geschlecht völlig irrelevant sind? Wie hoch ist den der Anteil aller Berufstätigen, der in Vorständen oder Aufsichtsräten sitzt? – Verschwindend gering!
    Demgegenüber könnte man ja man über Geschlechterquoten beim Kindergartenpersonal, bei der Müllabfuhr, Fernfahrern oder in Kanalreinigungsbetrieben reden.

    Das sind die nicht so schön bezahlten Jobs mit eindeutig unausgewogenen Geschlechterverhältnissen ohne die unsere Gesellschaft aber nicht funktionieren würde. Es sind aber ganz alltägliche Berufe, die für viel mehr berufstätige relevant sind als die Pöstchenverteilung an der naturgemäß kleinen Spitze der Verdienstpyramide.

    Um z.B. eine gleiche Bezahlung von Männern und Frauen für die gleiche Tätigkeit zu erreichen, muss das Geschlechterverhältnis und Wertschöpfungsverhältnis in den vielen ganz normalen Berufen angeglichen werden. Nicht in irgendwelchen exponierten aber für die Verteilungssystematik nicht maßgeblichen Top-Jobs.

    Warum wird der Themenkomplex „Kita“ immer als „Frauenthema“ einseitig okkupiert? Als würden Männer sich nicht auch freuen, wenn sich das Spannungverhältnis aus Arbeitstätigkeit und Nachwuchspflege lockern würde. Als würden berufstätige Männer und Frauen, die ihr Leben nicht entlang sexistischer Rollenverteilungen ausrichten, nicht exakt vor den gleichen Problemen stehen!

    Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für Eltern unabhängig von ihrem Geschlecht häufig schwierig, das ist kein Thema das für eine Sexismusdebatte instrumentalisiert werden darf.

    Das ist genau das Problem: Um fehlende Kita-Plätze primär als Problem von Frauen zu definieren, müsste ich eine sexistische Weltanschauung zugrunde legen!

  26. 26.

    @ #24

    naja, das „kollektivgeheul“ findet wohl eher in kommentarspalten wie diesen statt, sobald es um disparitäten im geschlechterverhältnis geht – begleitet von ‚argumentationen‘, die die altbackenen strukturen, um deren zivilsisierung es eigtl. geht, kurzerhand zu einem statischen naturverhältnis erklären oder geschlechtsbezogene ungleichheiten in alberner blümchen-bienchen-manier zum ausfluss ökologischer zwangsgesetze biologisieren.
    dass es dabei hauptsächlich um reflexionslose abwehraffekte geht, zeigen die stereotypen reaktionen auf die wenigen kritischen stimmen, die sich in den von fortschrittsängstlichkeit und opferneid geschwängerten dunst dieser männersauna verirren.
    das miefig-verklemmte fifties-flair in solchen foren ist der beste beleg für die notwendigkeit der fortführung und forcierung der sexismus-debatte. auch wenn, wie ein/e user/in schrieb, zu hoffen ist, dass dieses hobbykeller-palaver hier nicht den stand der gesellschaftlichen diskussion widerspiegelt.

    • 5. Februar 2013 um 08:39 Uhr
    • hier kommt die braut
  27. 27.

    Das kollektive Gejammer höre ich aktuell weniger bei den hier vielgescholtenen Frauen, sondern bei den in diesem Forum scheinbar üppig vertretenen Gleichberechtigungsverlierern. Nur so eine Vermutung, weiss, männlich und die Chefin ist natürlich nur Vorgesetzte, weil sie´s über den Frauenbonus geworden ist?
    Frauen wollen einfach die Möglichkeit wieder in ihren Beruf zurückkehren, ohne 30 Krippen mit Öffnungszeiten 8.00 bis 14.00 abzuklappern. In denen ich meistens dann doch die Mütter und nicht die Väter um Plätze betteln sehe. Solche Themen werden dann eher als „Frauengedöhns“ bezeichnet.
    Der Intelligenzausreisser der Männer kann es auch nicht sein, der Anteil der Höchstbegabten (mit IQ grösser 145) in der Bevölkerung ist mit 1/1000 doch überschaubar. Selbst wenn man davon ausgeht, dass es sich hierbei mehrheitlich um Männer handelt, würde das nicht die Ungleichheit in nur mässig intelligenzlastigen Feldern (Durchschnittsabteilungsleiter, Behörden, Politik) erklären.
    Und die Begründung, dass Beschwerden über sexuelle Belästigung dazu führen, dass die Frauen dann halt nicht mehr zu Besprechungen eingelanden werden ist einfach jämmerlich. Mit derselben Begründung wird der Türke nicht mehr eingeladen, soll sich halt nicht so anstellen bei ein paar Türkenwitzen!
    Und auch ein gender pay gap von 4-8% ist zuviel.

    • 5. Februar 2013 um 09:13 Uhr
    • c.t.
  28. 28.

    für mich ist auch klar, dass hier das Fremdgehen und die Promiskuität normal sind. Kein Staat diser Welt hat bock Ihnen in Zukunft das Kindergeld üfr die so gezeugten Kinder zu zahlen. Innere Zirkel für beziehungsunfähige Männer, denen es nur um Macht und nicht um Beziehung geht. Dabei wird sich verschuldet. vieles in den Sand gesetzt aber politsch nichts geändert, sondern sie bleiben auf Ihren Positionen bestehen und mit Ihrer Raubtierrittermentalität geht es nur ums Herrschen. Das Denken oder Nachdenken bleibt dabei oft aus, auch mangelt es an Schuldbewußtsein, da sich Rechte rausgenommen werden, die nicht selbstverständlich sind. Als hätten sie auch Lust, permanent zu verletzen.

    • 5. Februar 2013 um 16:09 Uhr
    • Heike Schneider
  29. 29.

    Als Mann schämt man sich für die allermeisten Kommentare hier. Das schockiert, weil ich erwartet hatte, sowas in ZEIT-Kommentarspalten nicht zu finden. Aber auch hier hält sich das selbstgefällige Patriarchat offenbar lachend den Bauch. Auch wenn leider nicht viel anderes zu erwarten war: Biologistische Begründungen, Belächeln von weiblichem Protest bis hin zu ganz offenen Herabwürdigungen á la nicht weinen & selber Schuld wenn sie vom Herd wegwollten.

    Schlimm, wenn Männer (oder sagen wir: Menschen) sich von einer Sexismus-Debatte bedroht fühlen. Wieso greift der Beißreflex, wenn sich doch scheinbar niemand etwas zu Schulden kommen lassen hat? Feindbild Feminismus – da weiß ich wirklich nicht mehr weiter. Ich empfehle ein Feminismus-Buch für Anfänger, z.B. das von Bell Hooks, welches damals mir die Augen öffnete. Feminism is for everybody.
    Dann versteht man auch, was die Forderung von mehr Kita-Plätzen mit der derzeitigen Debatte zu tun hat. Die Hausaufgabe müssen wir nämlich schon selber machen, wenn wir’s bislang noch nicht verstanden haben.

    Und nochwas:
    Quoten sind nicht sexistisch, sondern sie sind notwendig, weil das bisherige Auswahlssystem zur Beförderung & Einstellung von Personal offenbar sexistisch ist (es bevorzugt nämlich Männer).

    Ich wünsche der Sexismus-Debatte den Erfolg den sie verdient. Auf dass es kräftig ruckt in unseren Reihen! Ein Hoch auf die Kommentare 20, 22, 26 und 27.

  30. 30.

    Also bei den meisten Kommentaren hier steigt mein Blutdruck bereits in ungesunde Höhen.

    Wer sich mal näher mit #aufschrei oder der Webseite alltagssexismus.de beschäftigt hat sieht doch sofort, dass Sexismus, vor allem gegen Frauen, in Deutschland ein riesiges Problem ist. Bislang ein Tabu-Thema wurde es jetzt endlich aus dieser Ecke heraus geholt. Wie die Autorin schreibt, reicht dies aber nicht sondern muss jetzt endlich zu praktischen Konsequenzen führen.

    Und natürlich hat Frauenquote etwas mit diesen Realitäten in Deutschland zu tun – wir haben bislang für Führungspositionen ca. 98 % ungeschriebene Männerquote und das nicht, weil Frauen sich für solche Positionen nicht interessieren, sondern weil sie schlicht nach wie vor häugig bei Beförderungen zugunsten eines männlichen Kollegen übergangen werden; nicht wegen ihrer Qualifikation sondern weil sie Frauen sind – also Sexismus pur! Bei Neueinstellungen für Führungspositionen das selbe.

    Dann wird auch hier wieder biologisches und soziales Geschlecht in einen Topf geworfen bzw. die Existenz letzteren negiert. Ich kann diesen – sorry – Blödsinn wirklich nicht mehr hören, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts z. B. kein Händchen für Naturwissenschaften oder Mathe oder IT etc. haben. Dann müssen Iranerinnen wohl einer anderen Menschenart angehören. Im Iran – auch ZO berichtete darüber – finden naturwissenschaftliche Studienfächer bei Frauen großen Anklang und darum haben die Mullahs dort den Zugang zu selbigen für Frauen jetzt stark eingeschränkt bzw. teilweise sogar verboten. Weil Naturwissenschaft ja unweiblich wäre! Es bestimmen also die Mullahs – und viele Deutsche, vor allem Männer, tun dies, nach den Kommentaren hier und an anderen Stellen zu urteilen, ihnen gleich – was weiblich zu sein hat und was nicht! Und genau das nennt man „soziales Geschlecht“ oder auch „traditionelle Geschlechterrollen“ bzw. Geschlechterklischees! Mit Biologie hat dies aber rein gar nichts zu tun! Es ist ein gesellschaftliches Konstrukt, also etwas Künstliches und eben nichts Natürliches!

    Es geht, wie auch schon hier in einem Kommentar erwähnt, um Machtpositionen. Die Gesellschaften weltweit, auch in Deutschland, werden nach wie vor von Männern dominiert, die einfach ihre Macht nicht abgeben wollen – nicht mehr und nicht weniger! Darum auch der Beißreflex bei „Frauenquote in Führungspositionen“.

    • 7. Februar 2013 um 00:08 Uhr
    • e.m.s.
  31. Kommentar zum Thema

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