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Ist das Lorenz Adlon gut?

 

Ja, das ist es. Soviel vorweg.

Es gab etwas zu feiern. Und so reservierte man im Gourmetrestaurant „Lorenz Adlon“ einen Tisch „à deux“. Plaziert wurde man unmittelbar vor dem Kamin. Gemütlich, herrlich! Man spies das „Périgord Trüffel Menü“, welches daselbst besteht aus folgender Speisenreihenfolge:

Gelierte Trüffelessenz mit Tranchen von der Mieral Bresse Poularde, glasierten Sot l’y laisse, Topinamburcreme und Erbsensprossen.

Gebratenes Filet vom Loup de Mer unter der Parmesankruste auf Trüffelsabayon mit grünem Gemüsepanaché

Mit Trüffel gespicktes Kalbsfilet im Petersilienmantel auf gratiniertem Blumenkohl und Trüffelkartoffeln

Törtchen von zweierlei Brillat Savarin mit Périgord Trüffel und gebackenem Birnencroustilliant

Gefüllter Trüffel von Valrhona Extra Amer Schokolade mit lauwarmer Marsalasabayon und halb confierten Zwergorangen.

Dazu trank man den unfassbaren Salwey Spätburgunder Rotwein.

Die Amuses geueles (ja, es gab zwei) waren phantastisch.

Teil 1, also die gelierte Trüffelessenz, enttäuschte. Der Geschmack war überraschend muffig. Auch war die Konsistenz eine Spur zu matschig. Gemeinsam mit der Topinamburcreme ergab sich ein eher eigenartiger Geschmacksakkord (Dollase, eat this!). Durch das würzige, zarte „Sot l’y laisse“ hingegen wurde diese Vorspeise wieder deutlich aufgewertet.

Der ohne „p“ zu sprechende Loup de Mer war von unfassbar hoher Qualität. Perfekt gegart, zart, fleischig. Die Parmesankruste, in der ich sogar einen kleinen Zacken Wasabi vermute, veredelte ihn ideal.

Das Kalbsfilet muss ich ebenfalls mit 100 von 100 Punkten bewerten. Saftig, zart, köstlich, die dazu auf dem Teller verteilte Tunke setzte Maßstäbe in den Punkten Vehemenz und Sämigkeit.

Das Käsewunder „Brillat Savarin“ war erschreckend gut. Mildsüß-würzig. Gemeinsam mit dem 2001-er gottgleichen Spätburgunder (Salwey) ereigneten sich nahezu hörbare Geschmacksexplosionen.

Die Nachspeie, bestehend aus dem Trüffel von der Valrhona Extra Amer Schokolade (vom Mitesser bezeichnet als: „Sieht aus wie Falafel“) erwies sich als solide Nachspeise ohne Glam und Glitz.

Der Service war überragend gut. Unglaublich aufmerksame Kellnerschaft mit Wiener Charme. Eine bessere Bedienung, zu gleichen Teilen gediegen und humorvoll, bekommt man in Berlin wohl nicht.

Aufgrund der deutlich abfallenden Vorspeise gebe ich gefühlte 91 von gefühlten 100 Punkten. Der Service verdient in jedem Fall 100 von 100.


Lorenz Adlon Gourmet Restaurant
geöffnet: Di-Sa 19-22:30 Uhr
(030) 2261-0
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6 Kommentare


  1. Gratuliere! „Nachspeie“ übrigens ein schöner Typo 😉

  2.   C. Zink

    Als Wienerin stolpere ich über die Formulierung „Wiener Charme“ des Personals im Lorenz Adlon. Waren Sie schon mal in Wien? Dann müssten Sie wissen, dass ein echter Wiener Kellner äußerst grantig und hantig ist, den Gast gerade eben „duldet“ und ihn gern warten lässt. Ein echter Wiener Kellner vermittelt den Eindruck, der Gast störe ihn bloß bei der Arbeit.

    Hoffe, das ist Ihnen im Lorenz Adlon nicht passiert 😉


  3. neinnein, ich meinte eher den wiener schmäh/schmelz in der stimme….

  4.   Horst Schmidt

    Um dieser Eloge die Krone auszusetzen, hätte es allerdings auch einer weiteren Information bedurft, nämlich die der zu entrichtenden Rechnung.

    So ganz uninteressant dürfte dieser Teil eines netten und auch dem Autor des Beitrages zu gönnenden Abend bzw. Mahles nicht sein.

    Hoffe, dass auch dann die 91 (mit Sicherheit gefühlten) Punkte zu vergeben sind!


  5. Zu zweit inklusive Aperitif, zwei Liter Mineralwasser, zwei ordentliche Flaschen Rotwein, eine Extra-Bestellung vom Käsewagen: 450,00 Euro inkl. Trinkgeld.

  6.   Horst Schmidt

    Gewiß, eine stolze Summe, doch bei der Zufriedenheit, die aus ihrem Betrag herauszuhören war, angemessen! Schließlich gönnt man sich dieses auch nicht jeden Tag!

    Hat richtig Spaß gemacht „Das nur Lesen“! Danke!

 

Kommentare sind geschlossen.