Paris-Moskau, Essen der Extraklasse

An der Art, wie ein Restaurant mit „schwierigen“ Gästen umgeht, merkt man, ob man es mit Profis oder Amateuren zu tun hat. Aber warum soll ein mit Nahrungsmittelallergien gestrafter Mensch nicht genau so schön essen gehen können, wie ein komplett gesunder? Eben. Also habe ich einfach die Gattin unter den Arm geklemmt und geschaut, wie sich das Paris-Moskau mit einer Vegetarierin schlägt, die noch dazu gegen Milchprodukte und Ei allergisch ist.

Das Paris-Moskau liegt am östlichen Rand von Alt-Moabit, in einem Fachwerkhaus, das wie mit Photoshop ins Brachland hineingezaubert aussieht. Es ist sehr fein eingerichtet, doch die Begrüßung erfolgt herzlich, wie bei alten Freunden. Nachdem die ausgesprochen freundliche Kellnerin die Allergie-Informationen aufgenommen hatte, ging sie in die Küche, um uns kurz darauf ein spezielles Menü vorzuschlagen.

So begannen wir mit Scheiben von der Jakobsmuschel mit Passionsfrucht, das Muschelfleisch zart gegart, perfekt ergänzt von einem Pinot Grigio.

Weiter ging’s mit einem Medaillon von der Rotbarbe auf Shiitake-Risotto, dazu einen Weißburgunder aus der Pfalz.

Die Gattin bog dann links ab mit einem fantastischen Kabeljau, ich nahm die andere Abzweigung zum französischen Geflügel. Beide Hauptgerichte kamen übrigens trotz der außerordentlichen Qualität und Abstimmung in einer großzügigen Menge daher. Je feiner die Küche, desto kleiner die Portionen, dieser grundsätzlich richtige Trend wird hier glücklicherweise nicht übertrieben.

Zu guter Letzt Mohnküchlein mit gefüllter Zwergorange, dazu ein wuchtiger Muscat de Beaumes von 2003, bei dem die Rosinen-Aromen nur so durch den Mund zwitscherten.

Ich habe lange nicht mehr so gut gegessen, bin ewig nicht mehr so herzlich und nett bewirtet worden und war sehr erstaunt, dass dieser vorzügliche Abend, der im Nu vorbei gewesen schien, gut dreieinhalb Stunden gedauert hat. Das Paris-Moskau ist – nach all den Jahren – immer noch ein hervorragendes Restaurant der Extraklasse. Gerne wieder, gerne bald.

PS: Die Gäste am linken Nebentisch waren wesentlich komplizierter, als wir. Aber auch das hat die Kellnerin mit bewundernswerter Freundlichkeit erschlagen können.


Paris-Moskau
Alt-Moabit 141
10557 Berlin
(030) 303942081
www.paris-moskau.de

 

Der besondere Asiate

Ein bisschen versteckt, in der Schmargendorfer Str. 35 zu Friedenau, residiert seit einigen Monaten das Restaurant Garuda, welches ein bisher dort operierendes China-Restaurant recht durchwachsener Qualität ablöst. Das Garuda wirbt damit, dass keine Geschmacksverstärker verwendet werden, und das ist ja schon mal gut.

Wir waren jetzt einige Male dort essen und immer sehr zufrieden. Der Schwerpunkt der Küche liegt auf Gerichten aus Singapur, wobei man es hier damit nicht so schrecklich genau nimmt und insgesamt ein schrankenloses Crossover aus thailändischer, chinesischer, indonesischer und eben Singapur-Küche serviert. Die Speisekarte enthält außer bekannten vietnamesischen (Sommerrollen mit Reispapier), thailändischen (Saté-Spieße, diverse Curries) und chinesischen (Rindfleisch Sczezuan Art, gegrilltes Schweinefleisch) Gerichten auch malaysisch zubereitetes Huhn, Ente mit Orangenjus und originelle Gerichte wie „Drunken Chicken“, nämlich gebratene Hühnerbrust mit dreierlei Pilzen in Reisweinsauce. Besonders zu empfehlen ist in der Tat das Rindfleisch Sczezuan Art, es ist scharf wie die Hölle und erzeugt beim Verzehr einen amtlichen Adrenalin- und Endorphin-Ausstoß. Eine gute Vorspeise hierzu ist der frittierte Tofu. Ach – eigentlich schmeckt alles.

Alle bisher probierten Gerichte waren hochfrisch, aromatisch und – was man leider nur noch selten erlebt – beherzt gewürzt, und zwar eben nicht mit Mononatriumglutamat, sondern mit geröstetem Chili und scharfem Basilikum. Hervorzuheben ist die ausgesprochen aufmerksame männliche Bedienung, die auch durch mehrere komplexe Extrawünsche weder aus der Ruhe, noch aus dem Konzept zu bringen ist, und einen wirklich mustergültigen Service bietet.

Zu den Getränken: Es gibt vernünftige Biere (Weihenstephan), eine Handvoll brauchbarer Weine, aber auch eine kleine Cocktailauswahl, die sich in Zubereitungsqualität und Niveau der Grundspirituosen hinter „normalen“ Bars nicht verstecken muss. Nichtalkoholiker kommen ebenfalls auf ihre Kosten, durch einige kreative Kreationen wie Apfelschorle mit frischer Minze, diverse Tees und eben auch liebevoll zubereitete alkoholfreie Cocktails.

Man ist darüber hinaus sehr kinderlieb – insofern kann man das Garuda wirklich vorbehaltlos empfehlen. Das Restaurant ist derzeit noch eher mäßig besucht, was jedoch keinen Rückschluss auf die Qualität des Essens geben sollte – im Gegenteil: man speist hier preiswert und sehr gut.

Restaurant Garuda
Schmargendorfer Str. 35
12159 Berlin
Tgl. 12-23 Uhr
Nur Cash
Tel. (030) 852 8011
S Friedenau, Bus M48, M85 Rathaus Friedenau, U9 Friedrich-Wilhelm-Platz.

 

Empfehlung: San Nicci – der perfekte Italiener

Gerade bei italienischen Restaurants hat man oft drei Extreme: a) die unglaublich netten und persönlichen Kiez-Italiener, in denen jeder bebrillte Gast mit „Dottore“ angesprochen wird, bei denen das Essen aber eher durchschnittlich ist. b) die Pseudo-Italiener, die in ihren Hallen einen dumpf-achselhöhligen Geruch haben, auch gerne von Spaniern, Franzosen, Deutschen oder Arabern betrieben werden, ganzjährig Rabattsaison haben, Pizza mit vierfach Käse für 3 Euro anbieten und nur auf maximalen Durchsatz aus sind und c) die wirklich guten Italiener mit hervorragender Küche, in denen man aber häufig etwas blasiert bedient wird.

Das San Nicci gehört in die Kategorie d). Es ist schlicht und einfach perfekt. Ein wunderschöner Raum mit einer klassischen, riesigen Bar. Hervorragende Akustik, man kann sich bestens mit seinen Tischgenossen unterhalten und hat doch das Gefühl, Teil einer größeren Menge zu sein. Dezente, gut hörbare, aber nie störende Musik. Außerordentlich bemühtes, lockeres, freundliches Personal, das auch Erstgäste wie alte Bekannte begrüßt.

Auf dem eingedeckten Tisch stehen kleine Schälchen mit bestem Olivenöl. Daneben eine Pfeffermühle und ein Reagenzglas mit Meersalzkristallen. Man salzt und pfeffert das Öl und tunkt das hochfrisch gebackene Brot hinein, während man die Speisekarte studiert, die klug zusammengesetzt ist aus klassischen und modernen Variationen der italienischen Küche. Wir probierten als Vorspeise ein klassisches Vitello Tonnato, ein Tatar vom Biokalbsfilet mit Parmesantörtchen und Tomatencanneloni und einen Salat von grünem und weißem Spargel mit Granatapfel und Radicchio. Jede Speise ein Gedicht, perfekt abgeschmeckt, hochfrisch, schön präsentiert.

Weiter!

Als Hauptgang ein Kalbskotelett mit knusprigem Salbei. Optisch und geschmacklich präsentiert wie ein Rindersteak. Saftig, mürb, gut. Die Kalbs-Saltimbocca waren grandios, mit einer würzigen Salbei-Note. Das Müritzlamm mit Flageolette-Bohnen und Knusperkartoffeln saftig mit rosa Kern. Allen Speisen gemeinsam ist eine außerordentlich saubere Abstimmung, Frische und auf-den-Punkt-Garung. Hierzu sei auch angemerkt, dass das Personal noch während der Vorspeise fragte, ob es danach sofort mit der Hauptspeise weitergehen solle oder ob wir eine Pause wünschten.

Das Essen klang aus mit Törtchen von Ricotta und Waldmeister und einem lauwamen Schokoladenkuchen auf Orangenragout. Auch hier: wun-der-bar.

Die Weine zum Essen waren perfekt temperiert und der Rotwein dekantiert. Auch hier alles zum Besten. Und zu guter Letzt gab es sogar – was man eigentlich nur vom Kiez-Italiener kennt – einen Limoncello auf Kosten des Hauses.

Selten so angenehm und leichfüßig, trotzdem aber hochwertig und sättigend gegessen. Toll!


San Nicci
Friedrichstr. 101
10117 Berlin
Mo-So 10-24 Uhr
www.san-nicci.de
(030) 306454980.

 

Entrecôte – volatile Qualität

Eigentlich kenne ich das Entrecote als verlässliches Restaurant: gut gebucht, aber nie ganz voll, ordentliches Fleisch, unauffälliger, professioneller Service. Heute war ich von der Leistung in mehrfacher Hinsicht enttäuscht. Wir hatten einen Kooperationspartner zu bewirten und kehrten heute dort ein. Das Restaurant war, und dazu möchte man die Betreiber durchaus beglückwünschen, bis auf den letzten Platz ausgebucht. Leider überforderte dies Küche und Personal gleichermaßen. Dass die erste bestellte Flasche Sancerre deutlich korkte, fanden wir noch akzeptabel, wiewohl ein echter Sommelier dies im Vorfeld bemerkt hätte. Dass wir jedoch auf das Hauptgericht mehr als 80 Minuten warten mussten, war inakzeptabel, ebenso wie der Umstand, dass der von uns bewirtete Gast sein Essen, das „Menu Classique“, auf einem Salatteller (!) serviert bekam. Die dritte Flasche Wein, die wir bestellten, wurde zwar gereicht, der Probierschluck kam dann jedoch in einem Wasserglas. Damit nicht genug: der Probierende selbst bekam nach dem erfolgreichen Probierschluck als einziger keinen weiteren Wein eingeschenkt.

Zur Qualität des Essens: Das Boeuf Bourgignon war eher mittelmäßig, für meinen Geschmack hatte das Fleisch einen für Rindfleisch zu dominanten Hautgout, die Perlzwiebeln in der Sauce verstärkten die etwa säuerliche Note. Es war dies kein Qualitätsproblem, aber auf jeden Fall eine nicht gelungene Abstimmung. Unser Gast bekam die zweite Ration seines Menu Classique lauwarm, was umso mehr verwundert, als dass das Menu Classique üblicherweise auf einem Rechaud warmgehalten wird. Das Fischgericht (Wolfsbarsch) und das ebenfall verzehrte Entrecôte Anglais waren fehlerfrei.

Fazit: für die aufgerufenen Preise waren Essen und Service nicht gut genug. Leider kann das Entrecôte derzeit nicht als sichere Bank für Geschäfts(anbahnungs)essen empfohlen werden.

 

Lasset uns das Hüftgold schaufeln!

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„Wie machen Sie denn die Latte Macchiato?“

Bumm, die Frage saß. Ich drehte mich um. Eine Dame Ende Dreißig schaute den Inhaber des wohl kleinsten Schokoladenladens Berlins streng an. Es war nach Sekunden klar: wer so inquisitorisch fragt interessiert sich nicht wirklich für Latte Macchiato, sondern vor allem für Interesse an der eigenen Person. Die übliche Berliner Verhaltensweise des Cafépersonals wäre ein lapidares, „na so wie immà, ôda wollnse ne Extrawurst? Jetze?“ Aber Martin Hesse, der Besitzer des „Hüftgold – Your Süßkram Dealer“ – Ladens, läuft ob so einer Frage zur absoluten, selbstverständlich erscheinenden Service-Hochform auf.

„Ganz, wie sie wünschen. Wir haben kleine und große Gläser. Üblicherweise nehmen wir für das kleine Glas einen Espresso und für das große Glas zwei Espressi. Wir mischen dann die aufgeschäumte Milch mit dem Espresso und servieren.“

Damit hatte die Frau nicht gerechnet. „Also sie machen det nich mit Kàffe, sondan schon richtig mit Espresso.“

„Natürlich. Wissen Sie was, ich mache Ihnen einen großen mit zwei Espressi, da sind Sie auf jeden Fall gut bedient.“

„Sie füllen det dann âba noch mit geschäumta Milch auéf, ja?“

„Ja, gern, so wie es üblich ist.“

Ganz klar, der Mann ist zu bewundern. Nicht nur deshalb möchte ich sein Süßwaren-Café-Geschäft preisen. Es ist untergebracht in einem historischen, ehemaligen Cigarrenladen von 1906. Auf gefühlten acht Quadratmetern hortet dieser umgängliche Mensch die besten Schokoladen Berlins. Die berühmten Bitterschokoladen von Erich Hamann, aber auch Bioschokoladen und die abgefahrensten Edelsorten. An vier Miniatur-Tischchen kann gefrühstückt werden. Frau und Kind aßen Honigbagel, ich probierte einen Bagel mit frisch angemachtem Meerrettich-Kapern-Frischkäse und luftgetrocknetem Schinken. Es schmock köstlich. Hier gibt es auch noch handgebrühten Filterkaffee mit Zimt und Salz und Samstags ab 10 Uhr brummt der Laden. Das Publikum macht sehr schmunzeln, außer der zuvor beschriebenen Dame kam auch ein echter, weiblicher Tortenjunkie, der/die sicherheitshalber sämtliche Kleinst-Torten und Muffins wegkaufte, gefolgt von einem sanft ergrauten Paar, das nur ein zufriedenes, „wie imma bitte!“ fahren ließ und sich dann katzengleich in irgendeine Ecke dieses an Ecken so reichen Ladens fläzte. Ganz klarer Fall, hier kann man leben. Besser als mit einem Frühstück beim Süßkramdealer kann ein Tag nicht anfangen, zumindest nicht in Friedenau.

Your Süßkramdealer
Varziner Str. 4
12159 Berlin
(030) 85077797

 

Ein Abend im Pan Asia

Wer mich ein wenig kennt der weiß, dass ich manchmal gerne dahin gehe, wo es weh tut. Wo es eigentlich nur schiefgehen kann. Heute war es wieder soweit. Freunde luden ein ins Pan Asia, ein sehr stylisches Asia-Crossover-Restaurant direkt neben den Hackeschen Höfen. Wer ein bisschen nach diesem Restaurant googelt, findet überwiegend vernichtende Kritiken, vor allem bezüglich der Reservierungspolitik und der Freundlichkeit des Personals. Sowas macht mich ja neugierig.

Die Reservierung wurde anstandslos ausgeführt. Als ich gegen 19 Uhr eintraf, war das wirklich sehr große Restaurant noch fast leer, füllte sich aber bis 20 Uhr beinahe vollständig. Es besteht aus einem kleinen lounge-artigen Raum zur Linken und einem sehr großen Raum mit zahlreichen langen Tischen und mehreren Vierer- und Zweiertischen. Die durchgehend junge Bedienung ist in der Tat etwas blasiert, aber bei weitem nicht so schlimm, wie man es anderswo nachlesen kann. Bestellt wurde eine Sushi-Platte „For Friends“, Miso-Suppe, Saté-Spieße, ein Curry mit Garnelen und ein Thailändisches Puten-Curry.

Die Miso-Suppe war großzügig portioniert, überdurchschnittlich gut und anders, als man es kennt, mit einem Hauch von Sternanis gewürzt, was ihr einen ungewöhnlichen, aber schönen Dreh verpasste. Das Saté war ebenfalls einwandfrei. Das Putencurry mit Zuckererbsenschoten kam ebenfalls sehr frisch daher, auch wenn die Kokosmilchsauce etwas handzahm wirkte. Das extra scharf bestellte Garnelen-Curry war nur so mittelscharf. Die Sushi-Platte war abwechslungsreich, allerdings nicht besonders geschmackvoll zusammengestellt; sie versammelte eine frisch anmutende Sashimi-Kombination, diverse ebenfalls recht frische Nigiri, diese allerdings ungut konterkariert von einer warmen Big Roll, die mit ihrer Mischung aus Tempura, Avocado, Gurke, Philly-Cheese, Lachs und Tobiko die Geschmacksnerven doch recht arg strapazierte und eine eigentümliche, beinahe bananenartige Geschmacksexplosion am Gaumen erzeugte.

Insgesamt war das Essen auf einem sehr ordentlichen Niveau und die Atmosphäre deutlich angenehmer, als die sonstigen Online-Kritiken vermuten lassen. Trotzdem: man kann für weniger Geld woanders merklich inspirierter essen.

PAN ASIA
Rosenthaler Str. 38
10178 Berlin
www.panasia.de
Reservierung dringend empfohlen.
(030) 27908811

 

Umzug geglückt

Secco Bar

Als ich erfuhr, dass meine puschelige Stammbar, die Schöneberger Secco Bar, ihre Pforten in der Rheinstraße schließt, um einige Monate später in der Nähe der S-Bahn-Station Feuerbachstraße neu zu eröffnen, da war ich ein wenig geschockt. Wie kann man eine ordentlich laufende Bar mitten ins Nichts setzen? Das konnte doch nicht gut gehen.

Doch es scheint gut zu gehen. Die Secco Bar in der Schönhauser Straße (nicht -Allee!) ist seit einigen Tagen offen. Und sie brummt. Auf etwa doppelt so großem Terrain versammelt die Bar nun ein Tryptichon aus Restaurant, Lounge und klassischer Bar. All dies auf bemerkenswertem innenarchitektonischen Niveau. Das Restaurant verfügt über eine große, einsehbare, blitzblanke Küche. Die Lounge über hochbequeme Sitzgelegenheiten und die Bar über einen schönen Tresen, an dem sich gut abgehangenes Sitzfleisch entwickeln lässt.

Die Cocktailkarte umfasst 160 Drinks. Ich war in Rum- und Klassiker-Stimmung und probierte zunächst den Hurricane aus. Fruchtig, gut temperiert, fein. Ich lege nach mit einem Planter’s Punch, der tatsächlich, wie es sich gehört, mit frisch geriebener Muskatnuss veredelt wird. Also wenn das so gut ist und schmeckt, lege ich noch einen Classic Daiquiri nach, und der wird – was ich ebenfalls sehr erfreulich finde – nicht mir irgendeinem Rum, sondern mit sieben Jahre altem Rum zubereitet. Überhaupt: die Grundstoffe sind von guter Qualität. Wir haben Granini-Säfte und hochwertige Spirituosen. Die Malt Whisky Auswahl beinhaltet alle wichtigen Provenienzen, es gibt brauchbare Rums und guten Gin (Tanqueray und Tanqueray Ten).

Da die Bar erst einige Tage geöffnet ist, habe ich die Küche noch nicht probiert, das muss sich bestimmt erst eingrooven. Das Essen probiere ich später. Jedenfalls: verdammt guter Start!

Secco Bar
Schönhauser Str. 1
12157 Berlin
Tel. 030 – 854 053 62
Email. mail@secco-berlin.com
Web. http://www.secco-berlin.com

 

Appetito Italiano – beste Pizza im Springerhauskiez

Den Italiener mit dem wenig einfallsreichen Namen „Appetito Italiano“ gibt es jetzt ein knappes Jahr. Anfangs holperte das Konzept etwas, die Räume waren wenig geheizt und rochen arg nach frischer Farbe, doch inzwischen bin ich ein echter Fan dieser kleinen, funktional eingerichteten Osteria. Der Grund sind unter anderem die wirklich hervorragenden Pizzen, die frisch im Steinofen zubereitet werden, punktgenau gegart sind und mit einer milden Tomaten-Sugo und ordentlicher Mozzarella als Basis wirklich immer wieder perfekt gelingen. Die Salate sind frischestmöglich, die Pasta-Gerichte originell, gut bemessen und stets von vorzüglicher Qualität. Der Espresso schmeckt um Klassen besser, als der gegenüber in der Coffee Bar gereichte; seine Crema ist so fest, dass sie einen kleinen Löffer Kristallzucker mühelos trägt. Der trockene, augenzwinkernde Charme der Bedienung ist auf nahezu verwirrendende Weise anziehend, und was ich hier ganz besonders mag, ist die lässige Art mit Gästen umzugehen. Der Laden ist als Lunch-Italiener konzipiert und gerade so weit weg vom Checkpoint Charlie, dass er nicht mit lärmenden Touristen überfüllt ist. Fazit: es ist so nett hier, dass ich langsam Angst um meine Figur kriege.

Appetito Italiano
Markgrafenstr. 58, Eingang Zimmerstraße
10117 Berlin
(030) 47088669
Mo-Fr 11:30-23:30
SA 16-24 Uhr
SO geschlossen.

 

Vapiano – es gibt schlechtere Kantinen

Ja, manchmal will ich es wissen. Dann zieht es mich in die Niederungen der Systemgastronomie, dann lasse ich mich willenlos in den Strudel der amüsierwilligen Meute fallen und probiere ohne jegliche Scheuklappen die merkwürdigsten Dinge aus. Heute also das Vapiano am Potsdamer Platz. Vapiano ist eine Restaurant-Kette, die schnelle und trotzdem frisch vor Kundenaugen zubereitete italienische Küche verspricht. Das kann eigentlich kaum gutgehen. Ich warte vor dem Restaurant auf meine Mittagsverabredung und staune: die Menschen, 50% Touristen und 50% Business-Lunch-Leute, strömen in riesigen Mengen in den Laden hinein. In den fünf Minuten, die ich warte, betreten sicherlich 30 Leute das Vapiano.

So, die Verabredung ist da. Man bekommt am Eingang eine Chipkarte überreicht, auf der die Bestellungen gespeichert werden. Dann stellt man sich an einem der drei Verkaufstresen an. Es gibt einen für Salat, einen für Pasta-Gerichte, einen für Pizza. Bei den Pasta-Gerichten kann man zwischen verschiedenen Nudeln (u.a. Fusili, Spaghetti, Penne) und immerhin 21 verschiedenen frisch zubereiteten Saucen, eingeteilt in vier Preisgruppen entscheiden. 16 verschiedene Pizzen gibt es. Ich entscheide mich für einen kleinen gemischten Salat mit „Nizza“-Dressing und Spaghetti mit Limonenbutter und Minze. Die Begleitung wählt Penne mit Scampi, Kirschtomaten und blauem Mohn. Zugegeben, ich hatte Angst vor den Wartezeiten. Aber diese sind wirklich vertretbar, wenn man zu zweit geht, einer sich bei den Pasta anstellt, der andere beim Salat, dann hat man in acht Minuten sein Essen. Pizzen dauern etwas länger, man bekommt ein funkgesteuertes, handtellergroßes „Ufo“ überreicht, das akustisch signalisiert, sobald man die fertige Pizza abholen kann.

Es herrscht allein aufgrund der Menschenmenge schon ein gewisses Kantinenfeeling, allerdings muss man konzedieren, dass die Filialen mit aller Gewalt auf modern-gemütlich getrimmt sind. Das Mobiliar ist chic, man sitzt an Tischen wie Tresen bequem. Das Geschirr ist schön designed, aber nicht quietschig. Und das Essen? Auch hier bin ich positiv überrascht. Der Salat ist knackfrisch und gut zusammengestellt. Das Dressing schmeckt durchaus extravagant, nach Art eines klassischen French Dressings, aber nicht so mächtig, statt dessen mit einem interessanten, sehr sachten Kapern-Aroma. Man ist arg großzügig mit dem Dressing, ein unfrischer Salat würde darin ertrinken, so aber geht es. Die Pasta sind ebenfalls völlig in Ordnung. Hier wurde die Limonenbutter gut abgeschmeckt und sorgfältig portioniert, die Nudeln sind al dente, ein fehlerfreies Gericht. Die Pasta mit Garnelen und Kirschtomaten sind ebenfalls absolut in Ordnung, wenn auch die Sugo hier optisch etwas öliger wirkt.

Man zahlt beim Herausgehen an der Kasse mittels der Chipkarte.

Fazit: überraschend gut. Wesentlich besser kann man auch bei großem Andrang das Verhältnis zwischen Wartezeiten und Qualität der Speisen nicht machen. Ich habe im Internet schon andere, deutlich schlechtere Rezensionen über das Vapiano lesen müssen, kann mich dem aber – zumindest was die Filiale am Potsdamer Platz angeht – nicht anschließen.

Bezahlt haben wir für Salat, 2x Pasta und zwei Getränke übrigens 24 Euro. Dafür gibt’s in Venedig gerade mal eine Cola mit Eiswürfeln 🙂

Vapiano
Potsdamer Platz 5
10785 Berlin
(030) 2300 5005
www.vapiano.de
Mo-Sa 10-01 Uhr
So 10-24 Uhr

 

Der funktionierende Erkältungstotmacher

Nun ist es also soweit. Die Menschen um einen herum schniefen und husten und sabbern graugesichtig. Wer den aufkeimenden Erkält‘ spürt, hat jetzt nur noch eine Chance: Ab ins „Cocos Thai“, mein liebstes Thai-Restaurant. Vom Interieur sollte man nicht allzuviel erwarten, es ist gepflegt, aber einfach. Jedoch die Küche: Seit mehr als fünf Jahren kocht hier ein unglaublich guter Koch ein Essen, das sehr nah an der traditionellen Thai-Küche ist. Ich empfehle als Vorspeise eine Tom Kha Ga, und dann ein rotes Hühnercurry, das man in der Abstufung „scharf“ odern sollte. Mit der Suppe geht es harmlos los, sie ist mildwürzig, lecker, aromatisch. Doch dann das Curry. Ein Löffelchen mit Reis und Curry in den Mund geschoben: hmmm. Dann, eine Sekunde später: Der Schärfe-Flash. Und dieser Flash kommt hier nicht aus dem Chilisaucenfläschchen, sondern hier röstet man manuell die feinen, scharfen Chilischoten in Öl und lässt diese Schärfe in die Kokosmilchcurrysauce diffundieren. Es ist eine Schärfe, die nicht von dieser Welt ist, nicht weil sie so extrem wäre, sondern weil sie so euphorisiert. Man nehme einen großen Schluck Kristallweizenbier, pappe sich die Papierserviette an die Stirn und staune, wie sie ob des plötzlichen Schweißausbruchs dort kleben bleibt.
Nach dem Essen ist man pumperlgsund.

Ungelogen: Ich gehe immer dort Essen, wenn ich mich kränklich fühle. Bisher habe ich damit jede aufkeimende Krankheit weggekriegt. Das erzählte ich am vergangenen Samstag dem Kellner. Er lachte und sagte, es gebe in der Umgegend eine andere junge Dame, die ihm just das selbe erzählte. Junge Dame – wer sind Sie? Wie dem auch sei: Sie haben Recht.

Ich liebe dieses Restaurant.

Cocos Thai
Hauptstr. 82
12159 Berlin
(030) 85075675
tgl. ab 18 Uhr