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Konsequent Berlin oder ziemlich Potsdam?

 

Ich will nicht FDP wählen. Ich will nicht FDP wählen. Ich will nicht FDP wählen. Ich will nicht FDP wählen. Ich will nicht FDP wählen. Aber ich sollte. Sagt der Wahlomat, nachdem ich ihm 20 intime, hoch politische und brennend-brennende Fragen (z.B. meine Meinung zur „Wiedereinführung für Kopfnoten wie Fleiß und Betragen“ oder einem potenziellen „Ausbau der Binnenschifffahrtswege in Berlin?“) beantwortet habe. Ich habe also 20x auf „stimme zu“, „neutral“ oder „stimme nicht zu“ geklickt und soll jetzt FDP wählen. Ich könnte natürlich auch eine der anderen 22 Parteien wählen. Wäre gar kein Problem. Könnte – zack! – am 17. September bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin die „Grauen“ wählen, in deren Wahlprogramm steht, wie’s geht, mit der Welt:

„Ehrlichkeit ganz oben auf der Wunschliste… und wir hätten Geld ohne Ende.“

Ah, ach so! Einfach nicht mehr lügen, und rummsdibumms ist Geld in der Kasse. Mit anderen Worten, habe ich genug Kohle, kann ich lügen wie gedrückt. Nein, eine solche Partei ist nicht meine Tasse Tee.

Könnte natürlich auch die PSG wählen, die „Partei für Soziale Gleichheit, Sektion der Vierten Internationale“. Hui, das klingt aber ganz schön Heinermülleresk. Haupt-These: „Arbeit zu finden, ist ein soziales Grundrecht.“ – och nöh. Ich finde, es soll jeder machen, was er will, und Stein findet das auch.

Vielleicht die Humanwirtschaftspartei? Die hat zwar ganz schöne Ideen („Die Abschaffung sämtlicher Steuern auf den Faktor ‚Arbeit‘ (Lohn- und Einkommenssteuer) [ausschließliche Besteuerung von ‚Verbrauch‘] sowie die Reduzierung der Kapitalkosten durch die ‚Umlaufsicherung'“), aber erst 35 Mitglieder, und gerade eine so vernunftorientierte Partei wird wohl verstehen, wenn ich im Sinne einer persönlich-politischen Investitionssicherheit hier erst mal ein bissl Angst habe ein Kreuzlein zu machen.

Der Wowereit! So nett sieht der aus. So ein feines Kerlchen! Denn will ich wählen. Aber ich kann nicht: Weil auf seinen Plakaten steht: „Konsequent Berlin“. Ich kann so nicht wählen! Konsequent Berlin. Das ist wie: „Ziemlich Potsdam“. Oder „Ganz schön Bremen“. Wenn nicht gar „Mein lieber Scholli Travemünde“.

Ich weiß nicht, was ich wählen soll. Ich mach den Wahlomat einfach nochmal von vorne.

6 Kommentare

  1.   Thomas

    Würden Sie jetzt bitte aufhören, sich so anszustellen? Mir wurde die WASG empfohlen!

  2.   Johann

    Ganz genau ! Mein Herz schlägt nicht ungrün, aber beim Wahl-O-Mat muss es natürlich ausgerechnet die FDP sein.

  3.   Florian

    Verdächtig, das mit dem Wahlomaten. Mercedes Bunz berichtet im Zitty-Editorial, auch dort sei jemandem das Wählen des gelben Elends angepriesen worden. Ich weiß auch von noch wem, der unbedingt laut Wahlomat die Dreifremokraten wählen sollte. Ist da ein System hinter?

    Andererseits: Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (the sender formerly known as SFB/ORB) versteckt auf seiner Website ein dem Wahlomaten nachempfundenen RBB-Typ-O-Maten (siehe A-Z-Liste, sinnigerweise unter „R“), der mich überzeugten Radioeins-Hörer auch auf die Antennebrandenburg jagen will.

    Und wie laut wäre der Aufschrei, wären solcherlei Typ-, Farb- und Stilberatungen nicht so beruhigend erratisch. Das wäre doch gefundenes Fressen für Paranoiker, die dann lauthals vorm Gläsernen Wähler warnten, schließlich Speicherung der IP-Adresse usw. und aus wäre es mit dem Wahlgeheimnis.

    Fazit: Bitte Bergpartei wählen.

  4.   Ludwig

    In der Wahlkabine einfach die Augen schließen und mit dem Stift irgendwo hintippen. Wenn es nicht passt, kannst Du ja nochmal probieren. Alternativ obszöne Bildchen draufmalen oder Papierflieger draus basteln, dann haben die Wahlhelfer vielleicht einen schöneren Tag. Wenn man mit Wahlen wirklich seine Situation verbessern will, sollte man selbst kandidieren.

  5.   Hansi

    Vielleicht ist einfach das Programm der FDP gut. Macht Euch frei!


  6. Tut mir Leid, ich kann die FDP-Verschwörung nicht bestätigen. Bei mir lief’s – zu meiner Überraschung – auch auf die WASG raus. *grübel*

 

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