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Im italienischen Himmel angekommen

 

„Wir gehen ins Bocca di Bacco“, sagt der Kollege. „Och nö“, sage ich, erstens ist mir seit dem letzten Original-Besuch in Volterra gar nicht so nach italienischem Essen aus vermutlich deutscher Hand, außerdem gilt das Bocca di Bacco derzeit als der superhyperangesagte Spezialitaliener und so erwarte ich eigentlich viel Chichi um nichts, miserablen Service und überteuertes, schlechtes Essen, so wie ich es schon mehrmals im Sale è Tabacchi erleben musste.

Aber der Kollege setzte sich durch (klar, er lud ja ein) und so folgte ich ihm seufzend und mit gesenktem Kopf ins Bocca di Bacco. Das Restaurant ist sehr elegant, hält an der vorderen, inneren Glasfront schön eingedeckte Tische bereit und zur Mitte hin einen Bereich, den ich leider (ahh, Herpes) „Lounge“ nennen muss. Die Kellnerin ist hinreißend nett und aufmerksam und hat einen guten Humor. Das Publikum ist sehr oldschool-mittig, also der Herr im Anzug, die Dame im Kleid. Jeans-und-Sneaker-Schnullis mit Freitag-Umhängetasche hingegen glücklicherweise abwesend.

Wir bestellen Bündnerfleisch mit Feldsalat, Pinienkernen und Parmesan, Tagliolini mit einer Sauce aus schwarzen Oliven und eine Kaninchenroulade. Direkt nach der Bestellung ergreift die Bedienung eine Ölflasche, gießt Öl auf einen Teller, gibt einige Tropfen besten Balsamico dazu, verrührt beides zu einem kleinen Gemälde und reicht Oliven und einen Brotkorb mit mehren Sorten frisch gebackenem Weißbrot. Fantastico.

Das Bündnerfleisch kommt wenig später, es ist duftig-zart und von nahezu obszöner Frische. Und es geht Schlag auf Schlag weiter. Die Pasta sind gerade richtig bemessen und beherzt gewürzt (endlich mal wieder ein Koch, der sich traut zu salzen), die Kaninchenroulade ist grandios. Der dazu bestellte gereichte 1985-er Brunello Riserva Castelgiocondo ist samtig-süffig und beamt einen innerhalb von drei Sekunden in einen toskanischen Spätsommertag heinein.

Es gibt nichts – gar nichts – zu meckern. Essen und Service sind von höchster Güte, das Restaurant ist – obwohl rammelvoll – angenehm ruhig, kein spitzes Gelächter, keine wichtigtuerischen Dickdenker, angenehme Dezenz herrscht. Derzeit muss man das Bocca di Bacco uneingeschränkt empfehlen.

Bocca di Bacco
Friedrichstr. 167/168
10117 Berlin
(030) 20672828
www.boccadibacco.de
Mo-Sa 12-24 Uhr,
So 18-24 Uhr

5 Kommentare

  1.   Fritz Bolle

    und wie hoch war die Rechnung?

    Oder müssen wir für Sie zusammenlegen?

  2.   edv

    na, die kritik sitzt.


  3. auch ne Kritik muss mal sitzen!

  4.   Fritz Bolle

    Sonst sind Sie doch offen mit Ihrer Restaurantrechnungen.

    Kann man sich diesen Italiener einmal die Woche, einmal im Monat oder einmal im Jahr leisten? 🙂

  5.   Fritz Bolle

    hier ein anderer Bericht mit den ersten Preisangaben:

    Die Kritiken fuer dieses Restaurant lassen keinen Zweifel offen …. hier handelt es sich um Spitzengastronomie!!! … sollte man denken!!
    doch so haben wir es erlebt: Unser Tisch war direkt neben dem Eingang … entsprechend das Ambiente wie im Bienenhaus …. das Personal ist nicht freundlich verbreitet dafuer eine unglaubliche Hektik!! …Auf die Frage nach einem Aschenbecher… hier darf man nicht rauchen!! … aha New York jetzt auch im Mitte!! ..aber an der Bar … von einem Nichtraucherbereich hatte uns niemand was gesagt.
    Einige Minuten spaeter…. eine Bedienung verliert ein Glas, welches mich trift und neben mir zerschellt … war zum Glueck nur ein leeres!! … irgendwann kam dann mal jemand vorbei und meinte „sorry“
    Die bestellte Pasta … wir wurden gefragt ob als Hauptgang?? … ja !! …Portion super winzig … und wir sind wenig essen gewohnt!! Die Seeigel und Tintenfische schmeckten nach Meer … naemlich salzig!!
    In Zahlen: 2x Pasta 2 Gl. Wein 1Fl Wasser 47,-Euro … also wenigstens die Preise sind gehoben!!
    Aber ein Laden in dieser Lage!! … da kann ich hier vermutlich schreiben was ich will …. die Touristen rennen trotzdem hin !! … und das weiss auch der Inhaber

 

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