‹ Alle Einträge

Das Berliner Radio-Elend

 

Sie stehen da, an der Kreuzung Potsdamer Brücke, mehrmals die Woche. Frierende Promo-Häschen, die Handzettel für Radiosender wie Energy 103,4 oder 94,3 r.s.2 verteilen. Es scheint, als wäre jeder Radiohörer einzeln und persönlich eingeladen worden. Wie unglaublich deprimierend. Radio ist tot, mausetot, toter geht es gar nicht, und das Berliner Radio sowieso. Selbst Sondersender sind indiskutabel. Bei Klassikradio läuft einen guten Teil der Zeit Musik, die man nicht wirklich ernsthaft als klassische Musik bezeichnen kann, und Jazzradio ist auch ganz furchtbar handzahm geworden. Bei Fritz hat man rechtzeitig versäumt, gealterte Berufsjugendliche zu feuern und durch frische Talente zu ersetzen. Der einzige Sender, der es nach meinem Geschmack noch halbwegs bringt, ist Radio Eins.

25 Kommentare


  1. „Gealterte Berufsjugendliche“ erfreut mein Herz. Anyway: Geht es bei solchen Promoaktionen nicht eher darum, daß wieder eine Mediaanalyse ansteht?

  2.   Horst Schulze

    naja, RADIO eins ist ja auch ein Formatsender mit Werbung und unerträglichen Moderatoren…

    … da bleibt doch nur die gute alte Mutti DLF


  3. Aber auch Radio Eins ist mittlerweile ziemlich weichgespült. Kann man eigentlich nur noch Abends hören.
    Ansonsten ist Motor FM noch eine Alternative.

  4.   portif

    Ja nee. Ich finde, dass man in Berlin noch immer viel mehr Auswahl (und das gilt für alle Medien) hat als in vielen anderen deutschen Städten. Das vergessen die Leute oft, wenn sie längere Zeit hier wohnen. Ich höre des Öfteren BBC, die sprechen so ein schönes Englisch, und decken alle Sparten von Boulevard bis Internationale Politik sehr gut ab. Außerdem gibt es das DeutschlandRadio (auch wenn es nicht mehr Berlin heißt), und was die Privatsender machen, ist mir ziemlich egal, solange ich es nicht hören _muss_. Der rbb ist wirklich ein Sanierungsfall, soweit ich weiß, ist dort aber auch das gesamte Personal im Durchschnitt über 60. Also jedem Kind seinen Luftballon, man wird schließlich zu nichts gezwungen. Allerdings sollte jeder wissen, dass er auch Privatradio und -fernsehen mitbezahlt, wenn er die dort beworbenen Produkte im Supermarkt kauft. Das wäre also der rechte Ort für medienpolitische Statements.

  5.   Tobi

    radio EINS war mal nett, inzwischen ist’s nur noch langweilig…


  6. Mhm.
    Ich frage mich einfach: Welchen SINN hat das klassische Broadcasting-Radio noch? Zumindest was das Musikhören angeht, gibt es kaum noch Rundfunk mit „Bildungsauftrag“. 90% der Radiosender besitzen eine Musikbibliothek, bestehend aus weniger als 1.500 Titeln. Diese werden als Rotation mit Software wie MusicMaster oder Selector programmiert, zumeist von externen Formatberatern. Das braucht doch kein normaler Mensch mehr, in Zeiten, in denen er von last.fm o.ä. wesentlich mehr „lernen“ kann. Insofern gebe ich Vorredner Recht, mit Sendern wie Deutschlandradio kann man noch am ehesten leben. Wenn ich im Radiobusiness arbeitete, ich hätte nacktestmögliche Existenzangst.

  7.   mitleser

    Ich sage nur: Inforadio (Claim: Schlau durch Bügeln).


  8. BBC, Inforadio und Deutschlandradio sind ok. Die Franzosen sind vielleicht auch nicht schlecht, die verstehe ich aber nicht. Alles andere ist Schrott.

    Bevor Lutz Bertram entlassen wurde, hörte ich oft seine Sendung bei Radio Brandenburg. Den hätte man nie entlassen dürfen, Stasi hin oder Stasi her. Seither habe ich nie wieder einen Politiker-Interviewer gehört, der dem Lutz Bertram auch nur bis zum Knie gereicht hätte. Den hätte man weitermachen lassen sollen. Wenn es nun mal nur einen gibt im Lande, der sowas kann. Mit seinen stets gut informierten und gewitzten Interviews, ist es ihm gelungen die Berufspolitiker aus der Reserve zu locken und er hat damit viel für die Demokratie getan. Heute kann man ja nur noch verzweifeln.

    Zum Glück gibt es ja inzwischen auch Podcasts. Aber zu Berlin oder Deutschland (Politik und Gesellschaft) gibts auch nur wenig brauchbares.

    Alle paar Wochen schalte ich mal durch die schlechten Sender, aber länger als einige Sekunden halte ich es dort selten aus.

    Musik höre ich per mp3. Schön wäre es, wenn es einen Klassik- oder Jazz-Sender gäbe, der den Namen verdient und einen mal auf neue oder andere Sachen bringen könnte. Ab und an höre ich mal dort rein, bin aber meistens enttäuscht, vor allem vom „Jazz“-Radio.

  9.   ui

    radiomultikulti!
    fritz!
    motorfm!

    berliner radiosender lernt man zu schätzen, wenn man sich plötzlich in so landstrichen wie mecklenburg wiederfindet. da ist radio richtig schlimm…

  10.   ptm

    ich bin fan von oceanclub.
    stimmt aber leider: radioeins hatte
    früher mehr biss. wie kommt sowas?

 

Kommentare sind geschlossen.