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Wenn das der Schäuble wüsste

 

Mir ist heute was wirklich putziges passiert. Ich war wegen meines Umzugs zwecks Ummeldung im Bürgeramt Schöneberg (Rathaus Schöneberg)

Wir wissen ja, dass Wolfgang Schäuble im Bereich Innere Sicherheit derzeit mächtig herumwirbelt. Vom Telefonierverbot für potenzielle Möchtegernterroristen bis hin zur umfangreichen Nabelschau des heimischen PC. Nun wüsst‘ ich nur gerne, was er dazu sagt, dass man sich – zumindest in Berlin-Schöneberg – auf s Einfachste eine Tarn- oder Deckadresse besorgen kann.

Wer innerhalb Berlins umzieht, der muss zum Bürgeramt. Vorher lädt er sich hier ein putziges kleines Formular herunter. Interessant ist hier vor allem Seite drei links unten. Da steht: „Datum, Name und Unterschrift des Wohnungsgebers“. Wohnungsgeber ist der Vermieter, klar.

Nun der Hit. Man kann sich jetzt einfach hinstellen und sagen, „wir haben die Wohnung gekauft“. Eigentlich wäre zu erwarten, dass die freundlichen Damen und Herren einen Eigentumsnachweis fordern, vulgo einen Auszug aus dem Grundbuch oder wenigstens eine notariell beglaubigte Abschrift des Kaufvertrags. Aber: Fehlanzeige. „Schreimse einfach „EIGENTUM“ dahin, denn passt dît schon“, lautet die übereinstimmende Auskunft mehrerer Bürgeramtstanten und -onkels.

Mit anderen Worten: Ich suche mir eine Tarnanschrift, installiere dort einen toten Briefkasten, melde mich „offiziell“ ohne Vorlage irgendwelcher Papiere dahin ab – und bin a sort of vogelfrei.

Das finde ich nun irgendwie schon sehr bizarr.

6 Kommentare

  1.   portif

    Jochen R. lebt gefährlich. Pass bloß auf, sonst bist du deinen neuen Telefonanschluss ganz schnell wieder los. 😉 http://www.zeit.de/online/2007/16/bildergalerie-sicherheitsplaene

  2.   T.

    Schicke Bilder. Hier noch eins, wo der künstlerische Aspekt nicht so sehr im Vordergrund steht: http://blog.kairaven.de/archives/1218-Internierung-und-Liquidierung-Schaeuble-legt-nach.html

  3.   Maritta

    Die USA, Inspirationsquelle Schäublescher Rechtspolitik, hat noch nicht mal eine Meldepflicht. Und auch „Big-CCTV-is-watching-you“-Großbritannien nicht. Witzigerweise nehmen die Bürger dort ein Niveau staatlicher Eingriffsmöglichkeiten – zum Zweck der Prävention, wohlgemerkt, wenn noch niemand etwas Böses getan hat! – in Kauf, bei dem den Leuten hier zu recht gruselt. Aber Personalausweise und Meldepflicht gelten als des Teufels. Wer ist jetzt meschugge – die oder wir?

  4.   T.

    Denke ich an die GEZ, die ja bekanntlich die Adressen von den Meldebehörden beziehen, …

  5.   Fritz Bolle

    Bizarr ist auch die Tatsache, dass beim Wohnungswechsel der Personalausweis einen Aufkleber mit der neuen Adresse erhält…

    Nebenbei ist doch zu hoffen, dass dieser “ Verbesserungsvorschlag “ eine notarielle Beglaubigung vorzulegen nicht durchgeführt wird…

    denn was kostet wohl eine notarielle Beglaubigung 🙂

    P.S. Anderswo stand zu lesen, dass Studenten an der Uni Karlsruhe bei der Immatrikulation eine Beglaubigung ihres Personalausweises vorlegen müssen………

  6.   Norbert

    Es geht auch noch einfacher: Fälschen Se einfach Name und Unterschrift des (angeblichen) Wohnungsgebers! Das ist nämlich nichts Anderes als das, was Sie machen, wenn Sie „Eigentum“ hinschreiben, aber gar nicht Eigentümer der angegeben Wohnung sind: Urkundenfälschung.

    Deshalb verstehe ich Ihre Empörung/Verwunderung auch nicht, denn das Verhalten der Meldebehörde ist doch konsequent. Es wird doch auch kein Nachweis über die Richtigkeit der Angabe zum Bestehen eines Mietverhältnisses verlangt (der Mietvertrag kann ja theoretisch auch nur mündlich abgeschlossen worden sein), also ist es doch folgerichtig, auch keinen Nachweis über die Richtigkeit der Angabe „Eigentum“ zu machen.

 

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