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Zivilcourage – nur noch für die ganz Blöden?

 

Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen. Ein 51-jähriger bittet zwei 17- und 19-jährige darum, dass sie keine Silvesterknaller auf dem Bahnsteig zünden, weil das neunjährige Kind einer ebenfalls anwesenden Frau Angst vor dem Lärm hat. Was passiert? Sie schlagen ihn nieder.

Ich habe auch schon Leute darum gebeten kurz mit dem Knallen zu pausieren, wenn ich um den Jahreswechsel herum mit meiner Tochter durch die Stadt ging.

Heute saß ich im Oberdeck der Buslinie M85. Auf den letzten Bänken vier junge Araber(*). Der eine hatte sein Bein so auf den nebenanliegenden Doppelsitz gelegt, dass ich nicht hinten aussteigen konnte. Ich überlegte einen Moment tatsächlich, ob ich einfach vorne aussteigen sollte. Doch dann fragte ich: „Soll ich drübersteigen oder nehmen Sie bitte kurz den Fuß weg?“ – Die Antwort war ungelogen: „Du willst wohl auf die Fresse“. Was sich in den folgenden 30 Minuten in meinem Kopf an Gewaltphantasien abspielte möchte ich hier nicht wiedergeben. Wie mag das weitergehen? Ich jedenfalls mag so nicht leben.

(*andere Nationalitäten inklusive Deutschen benehmen sich durchaus auch so)

36 Kommentare

  1.   harald

    mit ihren äußerungen – da können sie ganz schnell als nazi verrufen sein. leider ist es ja so, dass die gutmesnschen, die die augen vor der wahrheit verschließen, nie mit solchen typen in berührung kommen. und falls zufällig doch, sind sicher die bösen einheimischen schuld, die es an respekt fehlen lassen.
    ich glaube, dass es langsam ernst wird, und sich die deutschen das nicht mehr lange bieten lassen. [rest editiert, ich hab eh schon anonyme drohanrufe, sorry JR]

  2.   Ludwig

    Laut http://www.zeit.de/2008/02/01-Gewalt ist das ein Unterschichtenproblem, ich sehe das ähnlich. Wenn man keine Perspektiven sieht oder hat, kotzt einen eben alles an, auch höflich fragende Mitreisende. Das ist für manche aber auch einfach eine Art, Hallo zu sagen. Wie man damit umgeht, sei jedem selbst überlassen, aber langfristig wird man das Problem wohl nur durch mehr und bessere Bildung in allen Schichten lösen können. Vielleicht ist diese Art verbaler Gewalt aber auch darum so auffällig, weil unsere Alltags- und Hochsprache stets so gewaschen und politisch korrekt daherkommt, dass Kraftausdrücken das einzig wirksame Mittel sind, noch auf sich aufmerksam zu machen. Also nehmen Sie’s nicht gleich persönlich. 😉

  3.   scipio

    Immerhin, kein Messer, kein Koma, das ist doch schon was. Aber letztendlich ist Zivilcourage unter den realjustitiablen Zuständen in Deutschland ein Himmelfahrtskommando. Ein Staat der selber wegsieht, hat keinen Grund, sich über seine Bürger zu mokieren. Und wie es weitergeht? Die Statistik zeigt, dass das Problem eskaliert. Irgendwann haben die Wähler das Gequatsche der Politiker und der Sozialarbeiter mal wieder satt und wählen radikal.

  4.   Gelincek

    Hi,

    ich wohne auch in Berlin. Gegenüber Arabern in Gruppen verhalte ich mich aus purer Angst defensiv. Innerlich bin ich in solchen Momenten aber sehr wütend. Die Momente sind genaus dieselben, die in den letzten Tagen zu massiven Angriffen geführt haben. Rauchen, laute Musikbeschallung, allgemeine und offensiv-provokative Rücksichtslosigkeit.

    Dass das auch mal bei Deutschen oder allerlei anderen Migrationsgruppen vorkommen mag, hilft auch nicht weiter. Als gefährlich emfinde ich vorallem Situationen mit türkisch-arabischen Cliquen. Statistiken zu Gewaltkriminalität in Berlin bestätigen das auch. Meine Haltung zu diesen Problemen radikalisiert sich immer weiter. Wie verhindert man die Auswüchse dieses verdammten Stärke- und Machokultes denn wirksam?
    Dieser ist sicher kulturell bedingt und nicht nur durch das Stichwort Unterschicht zu erklären. Mir Erschrecken stelle ich fest, dass ich den Äußerungen von Roland Koch innerlich voll zustimme. Und das hätte ich wohl vor ein paar Jahren, als ich noch woanders wohnte, nicht für denkbar gehalten. Aber die galoppierende Verrohung in muslimischen Parallelgesellschaften und meinetwegen auch der Unterschicht macht mir Angst.

  5.   harald

    Edit: sorry, ich habe das hier auch gelöscht, ich möchte bitte ein sachliche Diskussion. JR

  6.   och

    Mal sehen.
    Herr Reinicke, zuerst würde ich aufhören, anderen zu helfen, die Sie noch gar nicht um Hilfe gebeten haben.
    Ich habe dieses Jahr das erste Mal ein völlig ruhiges Neues Jahr erlebt.
    Wie das?
    Die lieben Kinder, die sonst schon mal bis zur Besinnungslosigkeit ballerten, ohne dass ihren Eltern auch nur das Geringste auffiel, sie waren erwachsen geworden.
    Ich hätte vor der Stille möglicherweise Angst bekommen, wenn nicht neuhinzugezogene junge Eltern offensichtlich diese Ruhe für normal hielten.
    Ich sage einfach mal, bei uns war es die letzten Jahre so laut, dass in der Berliner Innenstadt geradezu paradiesische Zustände geherrscht haben dürften.
    Migranten waren nicht bei den Ballermännern.
    Natürlich betraf es nicht alle Bereiche, aber trotzdem dürfen wir nicht verlernen, mit Kindern und Jugendlichen zusammenzuleben.
    Obwohl Berlin ja eigentlich recht großzügig gebaut ist, wäre es mir selbst nur für mich zu eng in der Innenstadt.
    Ich atme immer auf, wenn sich die U-Bahn der Endstation nähert. Ich komme raus und atme tief durch. Eine gute Luft hier und nur ab und an Randale.
    Habe aber gelesen, dass die Leute in NeuDelhi (16M.) gerne zusammengepfercht leben.
    Was sagt mir das?
    In erster Linie versuche ich da zu leben, wo ich mich wohl fühle.
    Bin ich in anderen Sektoren, halte ich mich ersteinmal zurück, wohlwissend, dass ich da nicht die Gesetze des Miteinander mache.
    Und wenn Sie allein sind, warum setzen Sie sich dann nach oben?
    Auf die Idee käme ich gar nicht.
    Also trotz aller Widerfahrnisse, bleiben Sie entspannt oder rufen Sie um Hilfe.


  7. „Herr Reinicke, zuerst würde ich aufhören, anderen zu helfen, die Sie noch gar nicht um Hilfe gebeten haben.“

    Wenn meine Tochter sich weinend an mich klammert, weil einen Meter neben ihr ein Chinakracher hochgeht, dann helfe ich ihr, auch wenn sie mich nicht explizit bittet.

    „Und wenn Sie allein sind, warum setzen Sie sich dann nach oben?“

    Weil unten voll war.

  8.   Kleopatra

    Bemerkenswert, daß Sie zugeben, selbst in Gewaltphantasien geschwelgt zu haben, die hier nicht publiziert werden sollten. Ich kann nur spekulieren, ob sie den — durchaus verständlicherweise — von Ihnen gestrichenen Passagen ähnlich waren. Das Gefühl scheint verbreitet zu sein, ich kenne etwa ein Kollegin, die lange in Berlin gelebt hat.

    Wenn die Stimmung zwischen Ethnien schon so ist, dann ist es für die schönen Ratschläge wie „Arbeit und Ausbildung“ zu spät. Denn wer kann beispielsweise von einem Handwerker, der solchen Persönlichkeiten, wie beschrieben, im Bus begegnet, erwarten, daß er solche Jugendliche als Lehrlinge einstellt? Eher als daß sie, weil chancenlos, „gegen die Gesellschaft rebellieren“, zerstören sie selbst ihre eigenen Chancen. (Und allerdings die vieler Leute, die ähnlich aussehen oder reden wie sie, dazu).

    Fazit: „Gewaltmonopol des Staates“ funktioniert nur dann, wenn der Staat bereit ist, notfalls auch wirklich Gewalt anzuwenden. Die Aussichten sind daher sehr finster.

  9.   Gelincek

    @Kleopatra

    ich hab die „Gewaltphantasien“ eher so gedeutet, dass sich
    unser Blogger schon halb tot geprügelt hat daliegen sehen. Aber vielleicht lieg ich ja falsch?


  10. kleopatra: Sie haben Recht. Aber es ist etwas anderes, ob ich meine Gewaltphantasien im Wissen ihrer Sinnlosigkeit privat auslebe – oder ob ich sie unter Ausnutzung publizistischer Macht veröffentliche. Manches muss man einfach streichen 🙂

 

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