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Be-Berlin oder Roh-Rohrzucker?*

 

Ist das jetzt der neue Trend? Slogans und Produktnamen für Stotterer? Ich wurde in den Kommentaren zum vorigen Beitrag gefragt, ob ich nicht mal etwas über den Berlin-Slogan be.berlin bzw. sei Berlin schreiben könne. Ja, kann ich. Ich weiß nur nicht, was. Ich kann nur dazu sagen, dass ich Stadtslogans Unsinn finde. Zutiefst an der falschen Stelle rausgeschmissenes Geld. Eine Stadt braucht keinen Slogan. Ah, jetzt weiß ich doch, was ich schreiben kann. Der von mir sehr verehrte Kabarattist Hanns-Dieter Hüsch sollte nämlich mal einen Slogan für Berlin verfassen. Er vergaß den Auftrag und merkte erst morgens beim Weckerklingeln nach einer durchfeierten Nacht, dass er ja den Slogan in einer Agentur abzugeben habe. Daraufhin hatte er mit 2 Promille Standgas schnell auf einen Zettel gekritzelt, „Berlin – das bist du!“ – und gutgelaunt das Honorar eingestrichen.

Wer nun glaubt, so gehe das in Agenturen generell zu, der irrt. Zwar wirken Slogans oft wie schnell und besoffen hingeschludert, in Wahrheit ist es aber so, dass die Agentur-Denker sich in der Denkzelle mühsam Vorschlagslisten abringen, diese werden dann in größerer Runde vorgestellt, dort sitzen mindestens zehn Bedenkenträger mit Direktleitung zum Markenanwalt kopfwackelnd am Tisch, um in semantischen Streich- und Fabulierorgien wieder alles zu zerfleddern. Und das kostet.

Ich plädiere statt dessen für das Geld den Kapielski’schen Springbrunnen zu bauen. Dann hätte Berlin ein wirkliches Pfund zum Wuchern.

*) Wortwitz mit Roh-Rohrzucker (C) 2008 Sascha Lobo.