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Hektik in Helsinki

 

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Neun Jahre, fürchten die Finnen, sind schneller vorbei als man denkt. Es sei, sagt die Regierung, höchste Zeit, einen Planungsstab für das 100-jährige Bestehen des Staates einzusetzen. Das feiern die Finnen 2017. Vor genau 91 Jahren nämlich löste sich das ehemalige russische Großherzogtum aus dem Zarenreich des großen östlichen Nachbarn heraus.

Da nun die Winter in Finnland lang und seine Bewohner eher häusliche Typen sind, halten die Finnen ein großes Gebäude für ein geeignetes Jubiläumsgeschenk. Daher die Hektik im Helsinkier Regierungsviertel. Bald schon will der Premierminister ein „Suomi 100“-Komitee präsentieren, dessen Mitglieder entscheiden müssen, welche die bessere Partygabe wäre:

Eine Nationalbibliothek oder ein neues Nationalmuseum.

Das mag für mitteleuropäische Ohren zunächst recht sachlich klingen. Doch von beidem, da sind sich die Finnen einig, könnten sie je ein neues Exemplar gebrauchen.

Ein moderner Büchereikomplex, findet der Bürgermeister von Helsinki, Jussi Pajunen (sprich: Pajunen), würde als begehbarer Beweis des vorbildlichen Bildungswesens Finnlands dienen, ja, es strahlte gar als steingewordenes Selbstwertgefühl des PISA-Gewinners und Technik-Vorreiters hinaus in die Welt.

Andere sagen, das bisherige Nationalmuseum sei zu verstaubt und folkloristisch. Es glaube doch kein Mensch, respektive Handybesitzer mehr, dass Finnland historisch vor allem Stockfisch, Lappenmützen und Schnitzkunst zu bieten habe. Der Architekt Olli Lehtovuori (sprich: Lehtovuori) schlägt deshalb vor, die Finnen sollten sich ein modernes Gedenkhaus nach Art des „Deutschen Historischen Museums“ zulegen. Für die Deutschen schließlich sei die Institution im Berliner Zeughaus eine wertvolle nationale „Erinnerungs-Bank“ geworden.

Dem Finnland-Besucher aus Deutschland kommt allerdings noch eine andere Idee. Die Finnen sollten sich zum 100sten Geburtstag vielleicht vor allem einmal eine Futurform leisten. Die kennt die finnische Sprache nämlich nicht. Das ist erstens für eine Zukunftsgesellschaft wie die ihre kein Zustand. Und zweitens könnten sich die Finnen in Zukunft womöglich schneller über die Zukunft unterhalten.

1 Kommentar

  1.   arne anka

    vielleicht sollte es ja eher uns zu denken geben, dass die finnen ohne futur besser in die zukunft kommen als wir deutschen mit zweien?
    *scnr*

 

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