‹ Alle Einträge

Alle mal herhören

 

Das Sommerloch besitzt in Brüssel eine besondere Qualität. Die Stadt, weil weitgehend entleert von ihren Beamten-Belagerern, wird zur Echokammer. Statt des gewohnten Akustik-Breis aus Tausenden brabbelnder Europäer werden plötzlich, vor allem in Bars und Restaurants, einzelne Sprachen identifizierbar.

Schön ist das nicht, denn nicht alle Kontinent-Genossen benehmen sich so ohrenfreundlich wie wir Deutschen. Da es in diesem Jahr den ZEIT-Korrespondenten verboten worden ist, per Dienstwagen in den Urlaub zu entfleuchen, bleibt zur Notwehr nur die Schelte an dieser Stelle.

Also, im Ernst und der Reihe nach. Spanier: Wir in Nordeuropa glauben daran, dass es möglich ist, nacheinander zu reden. Also hört auf, alle durcheinander zu schreien. Das gilt auch für euch, Italiener. Amerikaner: Dass ihr uns vom Totalitarismus befreit habt, heißt nicht, dass ihr allein auf der Welt seid. Also gewöhnt euch den Kasernenhofton ab und lernt, wie alle anderen, bitte und danke zu sagen.
Rumänen: Ruft weniger oft „Fuck!“ und ihr geht als Portugiesen durch. Polen: Natürlich fühlen wir, weil ihr historisch die Iren des Kontinents seid, romantisch mit euch. Euren Damen gehört der Wodka trotzdem verboten.

Apropos Iren: Deren Ausrufe werden nicht laut, sondern breiiger, je später der Abend. Daran nehmen wir uns jetzt alle mal ein Beispiel, bitte. Danke.

7 Kommentare

  1.   Julien

    Warum aber im Sommerloch solche nichtssagenden, klischeefördernden, und wenig voranbringenden Artikel verfasst werden müssen, anstatt die Ruhe mal für eine vertiefte Analyse zu nutzen, bleibt mir unklar.

    Falls es witzig sein sollte, ist es auch an mir vorbeigegangen…

  2.   Solange

    @Julien: Es gibt hier einige solcher Analysen bei den Blog-Artikeln, stöbern Sie vielleicht mal ein bisschen.

    Das hier ist eine andere Kategorie, wie man durch einen Blick über den Titel sofort erkennt, also nichts für ungut…

    In einer EU der Bürger darf man zudem auch ruhig mal gegenseitig „kontrolliert -und satirisch- Dampf“ (wie es in den Blogregeln heißt…) ablassen, absolut keine Einwände meinerseits, lieber Herr Bittner. Schönes Wochenende!

    Grüße,
    Solange

  3.   Julien

    Also ich verfolge das Blog ja regelmäßig und der Artikel schlägt da qualitativ doch deutlich nach unten durch. Und ich hab meine Zweifel, ob man den Titel dafür wirklich als Vorwarnung ansehen kann.

    Natürlich muss es auch Raum geben, „Dampf abzulassen“, aber muss das den wirklich so sein? Vor allem, weil ich es als „Satire“ wirklich nicht witzig fand, weil nun wirlich nur Standard-Klischees bedient wurden, so „wahr“ sie auch manchmal sein mögen.

    Aber bitte, warum nicht.

  4.   Boccanegra

    Na ja, Ostdeutschenwitze sind in der ZEIT ja auch nicht so besonders oft zu lesen, und mir scheint, dass es dafür durchaus Gründe gibt… Aber schon der große Peter Panter, Vorbild aller Auslandskorrespondenten, hat ja herrliche „Schnipsel“ über nationale Eigentümlichkeiten geschrieben; von Aristide Briand, einem der Vorväter der europäischen Einigungsidee, gibt es ein durchaus respektloses Gedicht zu diesem Thema ( http://www.europa.clio-online.de/site/lang__de/ItemID__9/mid__11373/40208215/Default.aspx ); und die Behauptung, dass die Deutschen sich „ohrenfreundlich“ benehmen würden, ist ein so herrlicher Fall von Selbstironie, dass diese Glosse hier zweifelsfrei als solche zu erkennen ist und nun wirklich von niemandem übelgenommen werden sollte…

    Aber vielleicht kommt es darauf ja gar nicht an. Denn, so Peter Panter:

    „Dieser Erdteil ist stolz auf sich, und er kann auch stolz auf sich sein. Man ist stolz in Europa:

    Deutscher zu sein.

    Franzose zu sein.

    Engländer zu sein.

    Kein Deutscher zu sein.

    Kein Franzose zu sein.

    Kein Engländer zu sein.“

    In diesem Sinne einen frohen Sommer!

  5.   Boccanegra

    Korrektur: Wie ich gerade festgestellt habe, stammt das Zitat gar nicht von Peter Panter, sondern von Kaspar Hauser (8. November 1932, Weltbühne). Aber so einen großen Unterschied macht das ja auch nicht…

  6.   Solange

    Hier noch zwei andere Zitate passend zu den „nationalen Eigentümlichkeiten“:

    „Der Himmel ist dort, wo die Polizisten Briten sind, die Köche Franzosen, die Mechaniker Deutsche, die Liebhaber Italiener und alles von den Schweizern organisiert wird. Die Hölle ist dort, wo die Köche Briten, die Mechaniker Franzosen, die Liebhaber Schweizer und die Polizisten Deutsche sind und alles von den Italienern organisiert wird.“ (unbekannt)

    „Jedesmal, wenn ich die Deutschen über Europa reden höre, habe ich Lust zu weinen. Was gibt es Traurigeres als eine deutsche Rede über Europa? Es gibt darin nichts, was zum Träumen anregte.“
    (von Brigitte Sauzay, frz. Dolmetscherin u. Publizistin, Beraterin des Bundeskanzlers f. dt.-frz. Beziehung)

    (Letzteres ist wohl ein wenig drastisch ausgedrückt, aber mir scheint das im Kern durchaus etwas Wahres zu enthalten, freilich nur, was unsere Politiker betrifft…)

    P.S. Danke Boccanegra, das ist sehr, sehr schön…;-)

  7.   Solange

    Nur weil’s so schön erheiternd ist (und vielleicht ein bisschen unter dem Gesichtspunkt regionaler, nun ja, Eigentümlichkeiten passt):
    Die CSU ist mit ihren Maximalforderungen in den parlamentarischen Vorverhandlungen zum neuen Begleitgesetz zum Lissabon-Vertrag wohl gescheitert. Die Forderungen sahen unter anderem verbindliche Stellungnahmen des Bundestags, Volksabstimmungen sowie einen völkerrechtlichen Vorbehalt vor, den Lissabon-Vertrag nur in der Auslegung gelten zu lassen, die ihm das BVerfG gegeben hat.
    Der SPD-Verhandlungsführer Oppermann kommentiert dies wie folgt:

    „Seehofer ist als bayerischer Löwe gesprungen und als europäischer Bettvorleger gelandet.“

    Das Zitat sowie ein schöner Überblick zum aktuellen Stand in Sachen Begleitgesetz findet sich hier (von Daniel Brössler):

    http://www.sueddeutsche.de/politik/185/484619/text/

    http://www.sueddeutsche.de/politik/65/484500/text/

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren