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Alles ist erleuchtet

 
© Monkeylectric
© Monkeylectric

Wer im Dunkeln mit dem Fahrrad unterwegs ist, tut gut daran, sich möglichst sichtbar zu machen. Gerade in der Großstadt, wo es überall flackert und blinkt, sollte man sein Rad und sich selbst besser ausstatten, als es die StVZO vorschreibt. Allerdings sollte man zunächst überprüfen, ob das Velo überhaupt die vorgeschriebenen Lichtquellen und Reflektoren hat. Manchmal erlebt man dabei eine Überraschung.

Oft sind es Kleinigkeiten, an denen es hapert. Etwa die gelben Rückstrahler in den Pedalen – die sind Pflicht. Ganz anders ist das bei den erforderlichen Speichenreflektoren. Sie kann man gegen Mäntel mit Reflektorsstreifen austauschen oder reflektierende Speichenstäbchen verwenden.

Bedeutend flexibler ist die Wahl der Lichtquelle seit der Gesetzesänderung vom 1. August. Entweder man verwendet nun einen Nabendynamo oder man steckt sich ein Batterielicht, das eine Leistung von drei Watt (Spannung: sechs Volt) bringt, an den Lenker. Ist in der Lampe kein weißer Reflektor integriert, muss man zusätzlich einen anbringen. Ans Heck gehört ein roter Rückstrahler mit einem Rücklicht, in dem ein weiterer großflächiger Reflektor integriert ist.

Das ist das Pflichtprogramm. Mit mehr Strahlkraft versieht José Luis Mendez Acosta von der Fahrradschmiede Einzig seine Velos. Er bringt die komplette Rahmen-Silhouette zum Leuchten. Dazu wird in den Lack ein fluoreszierender Staub gemischt. „Dieser Staub speichert das Licht und strahlt es im Dunkeln wieder ab, wie das Zifferblatt einer Uhr oder Leuchtsterne fürs Kinderzimmer“, sagt Acosta. Nach etwa einer Stunde im Dunkeln lässt die Wirkung nach. Aber sobald der Rahmen von Autoscheinwerfern angestrahlt wird, leuchtet er wieder grünlich.

Das weiße Rad leuchtet im Dunkeln Grün© Einzig
Das weiße Rad leuchtet im Dunkeln Grün. © Einzig

Es gibt das Modell in den Farben weiß, grün und gelb. Am stärksten leuchtet laut Acosta das weiße Bike glow white. Die gelben und grünen Farbpigmente absorbieren offensichtlich das Licht stärker, und die Rahmen leuchten schwächer. Für die abgespeckte Version eines leuchtenden Rahmens gibt es auch reflektierende Folie in verschiedenen Farben.

Lichtorgel fürs Laufrad

Auffällig, aber in Deutschland nicht zugelassen, ist das Monkeylectric-Licht – die Lichtorgel fürs Laufrad (Foto ganz oben). Sie besteht aus einer Platine mit verschiedenen LED, die in den Fahrradspeichen befestigt wird. Das dazugehörende Batteriefach montiert man direkt an die Nabe. Beim Fahren erzeugen die LED bunte Muster oder Schriftzüge.

Vielleicht sind derlei Leuchten in absehbarer Zeit sogar legal. Der Sonderausschuss Lichttechnik des Fachausschusses Kraftfahrtechnik – ein Beratergremium des Bundesverkehrsministeriums – hat einen Entwurf zur Änderung des Paragrafen 67 der StVZO erarbeitet. Dieser Paragraf befasst sich mit der Lichttechnik am Fahrrad; Ziel ist es , die Regelung dem aktuellen Stand der Technik anzupassen.

In den Entwurf sind auch die Ergebnisse eines Forschungsprojekts zum selben Thema eingeflossen, das die Bundesanstalt für Straßenwesen vergeben hatte. Dabei wurden auch ungewöhnliche Lichtquellen wie Lenkerleuchten getestet und begutachtet. Auch die, die ich vor einiger Zeit hier im Blog vorgestellt habe.

Was Radfahrer oft übersehen: Auch Fahrradanhänger müssen bei Dunkelheit mit einer Schlussleuchte ausgestattet sein. Das ist der Fall, wenn das Rücklicht am Fahrrad nicht permanent sichtbar ist, weil der Fahrradanhänger das Licht verdeckt.

In einem zweiten Teil geht es kommende Woche um praktische Kleidung für die dunkle Jahreszeit.

30 Kommentare

  1.   Christian

    Der letzte Link ist nicht korrekt.

  2.   Matthias Breitinger

    @ Christian: Vielen Dank für den Hinweis, der Link ist korrigiert. Die Red.

  3.   Timo

    Leider gucken nur wenige Autofahrer genu genug, bevor sie in eine Straße einfahren. Oder sieunterschätzen oft die Geschwindigkeit vieler Radfahrer. An meinem Winterrad habe ich permanentes Licht. Es leuchtet, sobald der Nabendynamo läuft – auch am Tag. Es ist hell (30 Lux LED) und hat sowohl vorne als auch hinten Standlichtfunktion. Alle vorgeschriebenen Reflektoren sind dran. Trotzdem wird jede Stadtfahrt zum Spießrutenlauf.
    Mein Rennrad hat vorne und hinten sehr gute Batterielichter, vorne mit 40 Lux, also viermal so hell, wie vorgeschrieben. Es hilft alles nichts: Einmal kam ich an eine Einmündung, ich hatte Vorfahrt. Dort stand ein Auto und wartete. Mein Licht leuchtete direkt gegen das Seitenfenster der Fahrerseite (wohlgemerkt Fronttür). Was passiert? Direkt vor meiner Nase gibt er/sie Gas und fährt mich beinahe über den Haufen.

    Ja, ich bin selbst auch Autofahrer, und ich weiß, man kann Fahrräder und Motorräder leicht übersehen. Umso wichtiger ist es, verdammt nochmal genau zu gucken. Mindestens zweimal pro Richtung! Und wer aus einer Einmündung oder einer Grundstückseinfahrt kommt, möge doch bitte schon am Fuß- und Radweg gucken, ob Verkehr kreuzt; nicht erst an der Fahrbahn. Leider schafft das nur ein geringer Teil der Autofahrer.

    Zum Glück habe ich den Finger beim Radfahren immer an der Bremse und den Blick immer in alle vier Richtungen, wenn ich auf eine Kreuzung komme, ein parkendes Auto umfahre etc. Deswegen hatte ich auch erst einen ernsthaften Unfall mit einem Auto. Der UNfall war aber wirklich nicht mehr zu vermeiden: Ich befuhr den Radweg, der von der Fahrbahn durch einen weißen Strich abgetrennt war. Es war dunkel, mein Fahrradlicht brannte, die Straße war gut beleuchtet. Plötzlich sehe ich, wie bei dem rechts querab von mir parkendem Auto der Blinker angeht. Der Wagen zog sofort raus. Ich versuchte auszuweichen (Bremsen ging nicht mehr, da er direkt auf meiner Höhe rauszog), jedoch parkte er nicht nur aus, sondern machte direkt aus der Parklücke heraus einen U-Turn. Da lag ich auf der Motorhaube des Opel Zafiras. Glücklicherweise war die rechte Pedale gerade oben, so daß seine Stoßstange meine Pedale traf und nicht meinen Unterschenkel. Folge: Ich hatte Prellungen und Schürfwunden; das Fahrrad hatte Totalschaden (Rahmen verzogen). Der werte Autofahrer bezweifelte, daß ich Licht am Fahrrad hätte. Als er das sagte brannte am Fahrradwrack noch die Standlichtfunktion. Anschließend schlug er mir Versicherungsbetrug vor: Ich solle aussagen, er sei mir zu Fuß vors Rad gelaufen und wir wären zusammengestoßen; dann würde seine Privathaftpflicht das regeln, ohne daß er in der KFZ-Haftpflicht hochgestuft würde. Ich fragte ihn, wie ich der Versicherung einen verzogenen Stahlrahmen mit dem Zusammenstoß mit einem Fußgänger erklären sollte. Und ich sagte ihm, daß ich mich für seine niederen Interessen nicht zum Komplizen für einen Versicherungsbetrug machen würde.
    Er hat dann doch gezahlt.


  4. coole Sache, das mit dem „Leicht-Speichen“.
    Aber egal, ob in D erlaubt, oder nicht: für knapp 1000.- $ PRO Reifen ist das wohl außherhalb der Reichweite für den Großteil der Radfahrer! – Aber nett ist es trotzdem ;-)


  5. das man in der großstadt radfahrer trifft, die auch nur annähernd eine ausreichende beleuchtung haben ist selten. geschweige denn STVO konforme Räder.

  6.   Chrischan

    Seitdem die Autos verpflichtet sind mit Tagfahrlicht zu fahren, hat man als Radfahrer bei Tag mehr Probleme nicht übersehen zu werden. Ein reines Aufrüsten.Ohne Tagfahrleuchten wärs besser. Das Autos mit den TFL ausgerüstet werden müssen , ist mir ein rätsel. DIe werden doch als letztes übersehen.
    Die teuren Lampen, die gerne mal geklaut werden, will nicht jeder am Fahrrad anbauen.Sicher, es ist schön eine Lampe am Rad zu haben, mit denen man auch abseits der beleuchteten Straßen was sehen kann.
    Auf der Straße selbst wär weniger mehr.

  7.   Dagomar Müller

    … vielleicht das neue iRad? ;-) …

  8.   HH1960

    Als Radfahrer habe ich schon aus Selbstschutz eine gute Beleuchtung mit 50 Lux und Standlicht, welche immer angeschaltet ist. Das ist das Mindeste, was sein muss.

    Als Autofahrer sehe ich jeden Morgen 3 von 5 Radfahrern ohne Licht radeln und bin fassungslos. Insbesondere Schulkinder sind überwiegend ohne Beleuchtung aber mit Stöpsel im Ohr unterwegs. Sollte ich als Autofahrer jemals einen Radfahrer aufgrund fehlender Beleuchtung übersehen und anfahren, gehe ich vor Gericht durch alle Instanzen um den Radfahrer wegen grober Fahrlässigkeit zu belangen. Alternativ geht die Klage gegen die Eltern.

    Ich fahre lieber Rad als Auto, bin aber der Meinung, dass ich auch als Radler Verantwortungvoll handeln muss. Das scheinen viele Eltern ganz anders zu sehen.

  9.   peter

    Und dann gibt es noch die Idioten, die vorne (!) an ihren Griffeln rote(!) leds haben, damit man die gut sieht…

    Als Fahrradfahrer würde ich mir noch wünschen, dass die Spezialisten mit ihren sehr hellen Scheinwerfern diese auch richtig einstellen und zwar so, dass sie auf die Straße leuchten und nicht den Autofahrern/Radfahrern ins Gesicht.


  10. ///coole Sache, das mit dem “Leicht-Speichen”.
    Aber egal, ob in D erlaubt, oder nicht: für knapp 1000.- $ PRO Reifen ist das wohl außherhalb der Reichweite für den Großteil der Radfahrer! – Aber nett ist es trtzdem ;-)////

    So ein Quatsch, 40-100 $.
    Gibts sogar bei Amazon.de

 

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