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Lkw-Fahrer: Blind an der Kreuzung

 

Der tote Winkel ihrer Außenspiegel ist für Lastwagenfahrer riesig. Eine Vorstellung vom Ausmaß des toten Winkels gibt dieses Video. Transport of London – die Organisation, die das Verkehrssystem in London organisiert – hat es vor einigen Jahren im Zuge einer Sicherheitskampagne ins Netz gestellt. Aktuell ist es immer noch.

Das Video zeigt sehr eindrucksvoll, wie gefährdet Radfahrer an Kreuzungen sind. Der ADFC fordert seit Langem die generelle Ausstattung von Lastwagen mit Assistenzsystemen. Die Technik ist da: Abbiege- und Bremsassistent warnen Lkw-Fahrer vor Radfahrern oder Fußgängern, die sie im rechten Seitenraum übersehen könnten.

In den Niederlanden gibt es als weiteres Sicherheitssystem einen sogenannten black spot mirror. Das ist ein konvexer Spiegel, der unter dem Grünlicht einer Ampelanlage montiert wird. Er soll den toten Winkel aufheben. Während der Lkw-Fahrer das Ampellicht beobachtet, sieht er automatisch auch die Radfahrer, die parallel neben dem Laster stehen. In Deutschland hat Münster diese Spiegel an gefährlichen Kreuzungen installiert.

28 Kommentare

  1.   7Saturn

    Der Knaller daran: In Deutschland werden Radfahrer ausgesprochen häufig in genau jenen saugefährlichen toten Winkel von LKWs gezwungen. Seien es Radfahrstreifen, getrennte Geh- und Radwege oder auch gemeinsame Geh- und Radwege, jeweils beschildert mit VZ 237, 241 und 240. Weil das angeblich sicherer wäre. Ach ja… Warum genau nochmal zetert man nach noch mehr Spiegeln für LKWs? (Die nebenbei bemerkt auch erst mal alle abgeklappert werden müssen, bevor man abbiegt; wenn man hinten durch ist, kann man vorne schon wieder kucken.) Aber ich kann drauf wetten, dass sehr bald wieder ein Blog-Eintrag erscheinen wird, der jene Verkehrsführung wieder fordern und über den Klee loben wird. Wer unbedingt vom LKW zerlegt werden will, soll weiterhin in den toten Winkel einfahren. Ich würde mir nur wünschen, dass man mich nicht auch noch dazu zwingt.

  2.   Tobi

    Wenn man sich der Problematik bewusst ist, kann man den toten Winkel auch ganz einfach vermeiden: Man fährt entweder bewusst am haltenden LKW vorbei und voll davor; sollte dann aber tunlichst auch darauf achten, vom Fahrer gesehen zu werden. Oder man wartet einfach dahinter.

    Das Grundproblem ist aber, dass sehr viele Radwege die Fahrradfahrer bewusst in eben jene toten Winkel schicken, indem sie auf dem Gehweg rechts der Rechtsabbieger geführt werden. Später wird dann die Schuld auf die LKW-Fahrer geschoben, die aber eigentlich auch nur unter unsinniger Verkehrsführung leiden.

    Tobi

  3.   gekkox

    Ein Problem ist, dass es für viele Radler recht überraschend kommt, dass der LKW abbiegt – selbst wenn man darauf achtet, ob er blinkt. Durch die Länge des Fahrzeugs muss ein LKW viel weiter gerade aus fahren, bis er einschlägt, als ein Auto. Es sieht dann für viele aus, als würde er doch gerade aus weiter fahren oder zumindest meint man, er habe einen gesehen und warte nun, bis man vorbei ist. Wenn er dann doch plötzlich einlenkt, hat der Radler keine Chance mehr.
    Klar kann man jetzt wieder mit dem tollen Tipp der Polizei kommen, dass man halt nicht seine Vorfahrt erzwingen soll und zur Not lieber warten soll – aber auch ein Radler will ans Ziel kommen. Dazu kommt dann noch, das oftmals die Ampelphase für Radler viel kürzer ist. Wenn man sich also nicht beeilt, dann hat man schnell rot, wo die Autos noch 60 Sekunden gerade aus fahren.

    Man kann es drehen und wenden wie man will – das Konzept Radweg hat einfach enorme Schwächen und meist sind davon die am stärksten betroffen, die sich auf den Radweg am sichersten fühlen.

  4.   ohno

    Wollen wir wetten, dass auch hier wieder die Verantwortung auf die Opfer abgeschoben wird („hätte ja nicht in den toten Winkel fahren müssen“), anstatt die Verursacher zur Verantwortung (Muss man nicht eigentlich zu jeder Zeit den Überblick über sein Fahrzeug haben – und zur Not auch mal langsam fahren?) zu ziehen?

    Fußgänger und Radfahrer sind nicht gefährdet, sie werden gefährdet.

  5.   Rod

    Das Problem ist immens, aber bisher hat man es nur geschafft, den Unfallopfern die Schuld an den Unfällen in die Schuhe zu schieben. „Der LKW-Fahrer *kann* einfach nichts sehen, ihn trifft keine Schuld, wenn er einen Radfahrer totfährt.“ Das führt dann hin und wieder zu bizarren Hinweisen und Tipps, wie den „Cyclists stay back“-Aufklebern in Großbritannien.

    Ich fände es schön, wenn man hier endlich an der Ursache ansetzen würde, statt an Symptomen herumzudoktern: wenn jemand auf einem Auge blind ist, muss er sich an Kreuzungen eben vorsichtig verhalten und die Gefährung anderer ausschließen, statt mit voller Geschwindigkeit über Kreuzungen zu brettern.

  6.   Waschbaeren

    trotz allem: die Idee mit dem Spiegel ist doch gut und günstig!
    Kann sehr schnell überall nachmontiert werden. MS macht’s (anscheinend) vor!

  7.   7Saturn

    „trotz allem: die Idee mit dem Spiegel ist doch gut und günstig!“

    Noch günstiger ist, nicht dort zu fahren, wo man auf solche Dinge angewiesen wäre.

  8.   Hosenband

    »Das Video zeigt sehr eindrucksvoll, wie gefährdet Radfahrer an Kreuzungen sind.« Gefährdet sind die Radfahrer aber nicht einfach mal so von Natur aus. Sondern nur in zwei Fällen:

    1) Wenn sie erst dank einem ach so tollen Radweg in den Toten Winkel gezwungen werden.
    2) Wenn sie das Prinzip Radweg („Mein Platz ist rechts von Rechtsabbiegern, tralala… alles bestens hier rechts neben dem LKW…“) derart verinnerlicht haben, dass sie sich auch auf der Fahrbahn kopflos rechts neben stehenden, anfahrenden und abbiegenden Fahrzeugen vorbeiquetschen.

    Der sichere Platz für Radfahrer ist schlicht vor oder hinter anderen Fahrzeugen, und nicht daneben. Damit wäre das Problem Toter Winkel eigentlich vollkommen behoben. Da wir leider aber mit Unmengen kriminell angelegter Infrastruktur für Radfahrer „beschenkt“ wurden und das Bedürfnis nach noch mehr davon vorhanden ist und befördert wird, kann man nur auf ein baldiges Tätigwerden des Bundestages für verpflichtende Abbiegeassistenten drängen.

  9.   HH1960

    Man kann es drehen und wenden wie man will, solange nicht alle LKW, alle Ampeln an gefährlichen Kreuzungen und die Radverkehrsführung verbessert wurden, solange halte ich mich aus Selbstschutz NICHT neben einem LKW auf.

    Ich habe keine Lust das ganz bestimmte Unfallopfer zu sein, dass den Bundestag veranlasst, tätig zu werden. In solchen Situationen ist es besser 10 Sekunden auf sein Recht zu verzichten, als ein Leben lang tot zu sein!

  10.   Rainer Frohnhoff

    Schon wieder geistert diese Manipulationsvideo durchs Netz. Der Weitwinkelspiegel ist absichtlich falsch eingestellt und zeigt deshalb zur Hälfte die Fahrzeugtür. Die Kameraposition ist auf Höhe des Lenkrades, ein normalgroßer Fahrer könnte die vorderen Radfahrer schon durchs Seitenfenster sehen.
    Schade, dass auch die Zeit nun auf diese interessengesteuerten „Aufklärungsvideos“ reinfällt.
    Botschaft: „Wir können Euch nicht sehen, also seid Ihr schuld“.

 

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