‹ Alle Einträge

Laufzeitverlängerung: Das kleine Müllproblem

 

Heute treffen sich ja im Bundeskanzleramt die Atomkonzerne, um über die Laufzeitverlängerung zu verhandeln. Eine interessante Zahl hat der BUND dazu ausgegraben:

„Mit jedem Jahr Laufzeitverlängerung wächst der radioaktive Müllberg um weitere 450 Tonnen.“

Passend dazu empfehle ich heute ein Stück der Kollegen aus dem Wissensressort über die Asse: Vom Salzbergwerk zum Atommülllager. Mit einer beeindruckenden 360-Grad-Ansicht des unterirdischen Lagers… Eine gute Alternative zum vor-Ort-Besuch…

6 Kommentare

  1.   Crest

    Für den einen it es Duplo – für den anderen die längste Praline der Welt.

    Was ich damit meine?

    Nun, für den einen ist es Müll, für den anderen sind es Wertstoffe, deren Rückholung lohnen könnte.

    Als ich vor Jahren mit einem Gärtner durch meinen Garten ging, sprach ich gedankenlos von „Un“kraut. Es sind „Wild“-kräuter, klärte er mich auf.

    (Für Systemanalytiker: Im Klassendiagramm kennzeichnet „Müll“ kein Attribut sondern eine Relation, eine Rolle.)

    Herzlichst Crest


  2. @Crest #1: „Im Klassendiagramm kennzeichnet “Müll” kein Attribut sondern eine Relation, eine Rolle.“

    Aha, interessant. Da wir gerade beim Thema Versachlichung sind: Mit welchem Attribut bezeichnet der Systemanalytiker die Rolle „Rückholung könnte vielleicht irgendwann in Zukunft lohnen, vielleicht aber auch nicht“?

    Die theoretische Möglichkeit, den (nach derzeitiger Sachlage wohl auch aus Sicht der Systemanalyse korrekt bezeichneten) Atom“müll“ sowohl energetisch zu verwerten, als auch hinsichtlich Strahlungsrisiko ungefährlich zu machen, gehört für mich in dieselbe Kategorie wie das Märchen von der Kernfusion:

    Auch da möchte uns die Atomwirtschaft seit mindestens dreißig Jahren weißmachen, in (jeweils!) zehn Jahren werde diese technisch nutzbar sein und alle Energieprobleme auf einen Schlag lösen…

  3.   Crest

    den (nach derzeitiger Sachlage wohl auch aus Sicht der Systemanalyse korrekt bezeichneten) Atom”müll”

    keine korrekte Bezeichnung, da in den Spaltprodukten sich eine Reihe von Rohstoffen wiederfinden, die als Rohstoffe genutzt werden können und nicht energetisch verwertet werden (können).

    Mit welchem Attribut bezeichnet der Systemanalytiker die Rolle “Rückholung könnte vielleicht irgendwann in Zukunft lohnen, vielleicht aber auch nicht”?

    Genau wie Sie angedeutet haben: mit einem „Relationenattribut“. Ob sich eine Rückholung lohnt, ist dabei keine technische, sondern eine wirtschaftliche Frage, vergleichbar, der Frage, ob sich der Abbau gewisser anderer Rohstoffe (Gold, Diamanten etc.) lohnt.

    Eine letzte Bemerkung: die Atomwirtschaft „macht uns nicht weis“, sondern „Techniker und Ingenieure arbeiten hart an der Lösung“.

    (Können Sie das von sich, wenn Sie in den Spiegel schauen, auch sagen?)

    Herzlichst Crest


  4. Für der sachlichen Diskussion dienliche Begriffe bin ich immer zu haben: Welchen Begriff schlagen Sie für den Anteil der Spaltprodukte vor, die als Rohstoffe nutzbar sind (neben dem derzeit unbrauchbaren „Müll“)?

    Meines Wissens ist die Frage, ob sich die „Rückholung“ (Sie meinen vermutlich „endgelagerte“ Spaltprodukte) lohnt, derzeit vor allem eine Frage der technischen Realisierbarkeit – und noch lange nicht eine „wirtschaftliche Frage“. Aber Sie dürfen mich gern eines Besseren belehren.

    Ich bezweifle nicht, dass Techniker und Ingenieure (von mir aus auch „hart“) an vielen Problemen arbeiten. Was uns die Atomwirtschaft verkauft ist nicht dieser Umstand, sondern das Wolkenkuckucksheim einer (seit dreißig Jahren!) praktisch vor der Tür stehenden Lösung!

    (Und zu Ihrer in Klammern gesetzten, leicht vom Thema abgekommenen Frage: Nein. Während ich arbeite, schaue ich eher selten in den Spiegel.)

  5.   Crest

    Welchen Begriff schlagen Sie für den Anteil der Spaltprodukte vor, die als Rohstoffe nutzbar sind (neben dem derzeit unbrauchbaren “Müll”)?

    Da verweise ich nochmals auf meine Eingangsstatements für den einen ist es Müll, für den anderen sind es Wertstoffe. Es ist die Verengung der Sichtweise auf den Begriff „Müll“ allein, gegen den ich opponiere.

    Die Atomwirtschaft hat „uns nichts verkauft“. In der historischen Rückschau haben Politiker, die das „Empörungsmanagement“ (schöner Begriff aus einem Parallelartikel) nicht gut beherrschten und denen es an Zivilcourage fehlte, die eigenen Überzeugungen zu verteidigen (die – ich muss es so bitter formulieren – kein Problem haben, Soldaten für das Gemeinwohl in den Tod zu schicken, für sich selbst aber das Risiko eines politischen „Todes“ für das Gemeinwohl meiden), sich das Erreichte von denjenigen, die auf der Klaviatur der Angst besser spielen konnten, aus der Hand nehmen lassen.

    Konkret: Wer spricht heute z.B. noch von den fortgeschrittenen Hochtemperaturreaktoren. Verramscht wurde das know how!

    Herzlichst Crest


  6. OK, darauf können wir uns einigen: Ob Spaltprodukte verallgemeinernd als „Müll“ oder „Wertstoff“ bezeichnet werden, hängt von der (jeweils individuell verengten) Sichtweise ab.

    Kennen Sie noch die in den Siebzigern und Achtzigern regelmäßig erscheinenden Informationsblättchen „Kernenergie und -technik“ (später „Kernenergie und Umwelt“) von ich-weis-nicht-mehr-welcher Pressestelle irgendeines Energiemonopolisten? – Da war Kernfusion ein mit schöner Regelmäßigkeit (und mit der von mir genannten Aussicht) wiederkehrendes Thema. – Soweit zum Thema „Die Atomwirtschaft hat uns nichts verkauft“ und die bösenbösen Politiker sind schuld.

    Wenn Sie etwas zum Thema (T)HTR hören wollen, gehen Sie doch in die entsprechenden Vorlesungen. Soweit ich informiert bin, wird da durchaus noch drüber gesprochen.

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren