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Das Schlupfloch der Solarstrom-Branche

 

Heute hat ja das Kabinett Grundzüge der zukünftigen Solarstrom-Förderung entschieden. Die Große schwarz-gelbe Koalition hat sich darauf verständigt, dass die Förderung erst im Juli und damit drei Monate später als ursprünglich vorgesehen gekürzt werden soll. Damit kann die Industrie noch auf einen Auftragsboom hoffen. Für Solaranlagen auf Dächern wird die Förderung um 16 Prozent gekürzt. Die Solarstrom-Sätze sollen ja reduziert werden, weil die Politik eine Überförderung befürchtet.

Glaubt man den Spezialisten des Solarstrom-Magazins Photon, sieht die Geschichte etwas anders. Denn die Koalition will ausdrücklich den Eigenverbrauch stärken – und das frisst die geplante Kürzung zum Teil wieder auf. Jeder Solaranlagenbesitzer, der Strom nicht ins öffentliche Netz einspeist, sondern selbst verbraucht, soll einen zusätzlichen Nutzen von acht Cent haben: Er kassiert zum einen eine Eigenverbrauchs-Vergütun (die zurzeit 22 Cent beträgt, aber bislang kaum genutzt wird) und muss zudem keinen Strom von außen mehr einkaufen.

Dank dieser neuen Eigenverbrauchsregelung werden Solaranlagen trotz offizieller Kürzungen attraktiv für Investoren – Photon rechnet auf jeden Fall mit einem starken Nachfrageplus. „Durch den Trojaner Eigenverbrauch wird die Kürzung der Förderung in vielen Fällen nur maximal neun Prozent betragen statt der ankündigten 16 Prozent“, sagt Photon Chefredakteurin Anne Kreutzmann.

19 Kommentare


  1. Die GROSSE KOALITION hat sich darauf verständigt, daß … ?????


  2. […] fällt sie aber weniger stark aus als angekündigt, bloggt Marlies Uken Originalartikel lesen: Solarstrom-Vergütung: Regierung und Solarbranche rechnen sich die Kürzung schön Hier […]


  3. Alles Luege !

    fuer eine kleine Einfamilienhaus-Anlage (5kWp) ist – bei meiner laienhaften unmassgeblichen Rechnung – der Kapitalwert ~4700 Euro (25% Eigenverbrauch, 4% „Energieinflation“). Der alte Kapitalwert (43 cts Verguetung) war ebenfalls (fast) 4700 Euro. Wo ist der Nachteil fuer einen Solarschmarotzer ? (Naja, ein zus, Zähler. Ohne Eigenverbrauch waere der Kapitalwert übrigens 3100 Euro). Der Vorteil wird u.a durch die (anteilige) Vermeidung der kommerziellen Strompreissteigerung erreicht.

  4.   achimvr

    Das als Trojaner oder Schlupfloch zu bezeichnen ist doch etwas armselig.

    Der Eigenverbrauch macht etwa nur ein Drittel des erzeugten PV-Stroms aus, nur für diesen Teil kann diese Förderung gelten. Eine (sehr fragliche) erhöhte Nachfrage von Hauseigentümern die die PV-Anlagen auf ihren Dächern installieren wird die fehlenden Installationszahlen auf der Ackerfläche nie ausgleichen können.

    Die schwarzgelbe Regierung hat mal wieder Mist gebaut.


  5. Herzlichen Dank für den Hinweis, Herr Heckl!

  6.   Alexander Sasse

    Die 30 % Eigenverbrauchsquote scheint mir unrealistisch zu sein. Sie ist nur zu erreichen, wenn ein Solaranlagenbetreiber vor allem Tagsüber zu Hause gleichmäßig viel Strom aus einer sehr kleinen Anlage nutzen kann.

    Berufstätige die Tagsüber den Strom nicht zu Hause verbrauchen, Leute die dem Klima zuliebe auf effiziente Umgang mit Strom achten und Leute die die gesamte Dachfläche nutzen wollen werden deutlich niedrigere Eigenverbrauchsquoten haben.

    Die Logik dass die geringere Kürzung beim Eigenverbrauch die Nachfrage beflügeln wird wundert mich: es ist eine Kürzung, die lediglich bei einem kleinen Teil der Anlage geringer ausfällt.

    Der Optimismus den bestimmte Börsen-notierte Firmen zum Eigenverbrauch verbreiten erscheint mir Zweckoptimismus zu sein.

  7.   Oliver Rosee

    „Solarschmarotzer“ :-) Na dann Danke fuer die immer sachliche gefuehrte Diskussion.

    Ganz pedantisch mal, der „Trojaner Eigenverbrauch“ – waren es nicht gerade die Trojaner, die eins auf den Deckel bekommen haben, wegen dieses griechischen Holzpferdes? Demzufolge diese Aussage also in ihr Gegenteil verkehrt wuerde. Oder jemand nur halt wieder schlampig mit Sprache umgegangen ist. Ach so, von der PHOTON… alles klar ;-)

  8.   Mike

    Die Rentabilität von Solaranlagen in Deutschland ist beisspielhaft und auch mit einer Senkung der EEG-Vergütung noch ausreichend gegeben um Abzocker anzulocken, denen Klimaschutz völlig egal ist.
    Einmal mehr zahlt die Allgemeinheit für den Profit von wenigen.

    Ich halte den Hype um PV-Anlagen für völlig überzogen. Der Anteil der Anlage am Gesamtaufkommen der Stromerzeugung im Vergleich zu den aufgewedeten Kosten für die Allgemeinheit ist fast kriminell.

    Deutschland ist mit seinen, absolut gesehen, mickrigen Erträge pro installierter kWp der Spitzenreiter bei installierten PV-Anlagen weltweit und ein Ende ist nicht in Sicht. Das muss man sich mal vorstellen. Wenn schon Spanien die Reisleine gezogen hat, warum wird hier nicht angemessen reagiert??

    Man könnte mit dem Geld, das für die Etablierung dieser (in Deutschland) völlig sinnlosen Technik verpulvert wird, auch vernünftiger wirtschaften.
    PV ist nicht der Weg um die Klimaschutzziele der BRD zu erreichen. Das ist eine politsch inszenierte Lüge, nichts weiter.

  9.   Mike

    „Reißleine!“, ‚tschuldigung, aber ReiSleine ist auch gut.


  10. Eine richtige Benennung der Dinge – so wie sie sind – ist doch sachlich ! :-))
    Sie haben natuerlich recht, die Trojaner sind die anderen armen Stromkunden (aber ggf. auch die boesen boesen Energiemultis), die durch diesen Trick der schwarz-gelben Regierung das Hobbyhorse von DINKS (mit zweifacher Erbschaft !) weiterhin subventionieren duerfen. Setzt man eine moderate Steigerung des Strompreises voraus, so liegt die Rendite einer PV-Anlage im jetzigen System immer noch in aehnlicher Hoehe wie vor der Kuerzung. Das Ganze ist eine Mogelpackung.

 

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