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Elektroschrott: Fragwürdige US-Recyclinginitiative

 

Auf den ersten Blick klingen die Ziele ambitioniert: Die großen Elektronikkonzerne in den USA, etwa Panasonic, Sony und Toshiba, wollen in den kommenden fünf Jahren ihre Recyclingquote von Elektroschrott verdreifachen. Eine Milliarde US-Pfund Elektroschrott („one billion pounds“) wollen sie jährlich einsammeln, gaben sie jüngst bekannt. Das entspreche etwa einem Football-Stadium mit 71.000 Sitzplätzen, das bis zur Oberkannte nur mit alten Computern, Laptops, Handys und Fernsehern gefüllt sei. Ziel sei unter anderem zu verhindern, dass Elektroschrott unsortiert in Entwicklungsländern lande, wo er nicht nur für Umweltprobleme sorgt, sondern auch massive Gesundheitsschäden verursacht. Die eCycling Leadership Initiative will dafür unter anderem die 5000 Recyclinghöfe in den USA besser bewerben und setzt auf Aufklärung beim Kauf von neuen Elektrogeräten.

Doch Kritik gab es prompt – und zwar von prominenter Stelle. Das Basel Action Network, eine einflussreiche Umweltschutzorganisation, die sich auf illegale Müllexporte spezialisiert hat, weist darauf hin, dass die USA immer noch nicht die Basel Konvention ratifiziert haben. Das wäre der erste und wichtige Schritt, um den Export von Elektroschrott in Entwicklungsländer zu brandmarken. Dieses Abkommen regelt den internationalen Handel mit Giftmüll und verbietet den Export in Entwicklungsländer. Deutschland hat es 2002 ratifiziert.

So schön freiwillige Initiativen der Privatwirtschaft auch sein mögen, die Praxis zeigt: Beim Elektroschrott  braucht es Gesetze, damit der Handel besser kontrolliert werden kann. Das findet auch die Electronics Take Back Coalition, die vermutet, die Unternehmen wollten einer ungeliebten Gesetzgebung nur zuvorkommen. Das Problem wird sicherlich nicht kleiner, nur weil niemand mehr darüber berichtet. Kaum eine andere Müllart wächst so schnell wie Elektroschrott  (kein Wunder, wenn fast jedes Jahr neue iPhones auf den Markt kommen). Und die USA sind einer der größten Elektroschrott-Produzenten der Welt.

16 Kommentare

  1.   Hans-Werner Rust

    Nun ja, elektroschrott–USA exportiert auch nuklearschrott nach mexico,sicher steckt man den korupten politikern genug geld in die taschen fuer die aufnahme dieses toetlichen schrotts, niemand hat intersse hier in mexico–wo ich lebe, an diesen diel, schoene sch….
    hansito

  2.   Mbaudis

    „jedes Jahr neue iPhones …“

    Sicher kein gutes Beispiel, da diese eine deutlich höhere Nutzungsdauer als andere haben (und im Gegensatz zu den seit Jahren obsoleten Fernsehgeräten auch einen sehr hohen Nutzwert , besonders per American Pound, haben).
    Indirekt schon, durch neue Begehrlichkeiten; so wie auch die jetzige massive Einführung von Benzinspartechnologien den Autoabsatz ankurbelt.
    Jedenfalls nehme ich gerne alte iPhones entgegen und verteile sie an Beduürftige. Bitte keine anderen Modelle.

  3.   Marcus Mueller

    „… die USA sind einer der größten Elektroschrott-Produzenten der Welt“
    Naja, die USA ist auch eines der größten Laender (Flaeche und Bevoelkerung) dieser Welt …


  4. Korrektur

    Liebe Frau Uken,

    in den USA gibt es schon lange keine Elektronikkonzerne mehr, sondern nur noch Importeure. Daher produzieren die USA auch keinen Elektroschrott, sondern konsumieren Elektronikartikel.

    LG,

    EK

  5.   fkrause

    Apple Geräte sind sicherlich eine der Nachhaltigsten Produkte. Ersten sind sie aus Material gefertigt, dass sich deutlich besser recyceln kann (Aluminium, Glas) und zweitens sind sie am Wertstabilsten, was zur folge hat, dass selbst Jahre alte Macbooks noch hunderte von Euros einbringen und auch die iPhones werden in der Regel weitergereicht.

  6.   Ami

    Der Artikel startet im ersten Satz mit

    „Die großen Elektronikkonzerne in den USA, etwa Panasonic, Sony und Toshiba…“

    Ehm, Entschuldigung, meines Wissens ist keiner dieser Konzerne amerikanisch. Oder sieht die Autorin keinen Unterschied zwischen USA und Japan?


  7. “jedes Jahr neue iPhones …”

    sicher kein gutes Beispiel. Es sei denn, es war geplant die Apple Fanboys auf den Plan zu rufen.
    Sinnvoller wäre wohl die Nennung „Blackberry“ oder eines beliebigen Android-basierten Mobilfunkgerätes gewesen. Deren Nutzer sind i.a.R. Realisten genug, um zu wissen, daß am Ende des Lebenszyklus Ihres Handys dieses doch auch nur Elektroschrott ist.


  8. […] weniger Elektroschrott exportieren, bloggt Marlies Uken. Hier klicken für den Originalartikel: Elektroschrott: Amerikas fragwürdige Recyclinginitiative Hier […]

  9.   Heiner R

    Im Artikel hieß es auch „Elektronikkonzerne in den USA“ und nicht „US-Amerikanische Elektronikkonzerne“. Das ist ein Unterschied. Jeder weiß, dass dies japanische Konzerne sind aber eben auch in USA (und andere Länder) produzieren.

  10.   Astlach

    Die USA machen doch nur das, was diesmal die EU vormacht.

    Elektro“schrott“ enthält wertvolle Materialien, die sich bei den augenblicklichen Marktpreisen zu recyceln lohnen.

    Und nur solange diese Marktpreise hoch genug sind, dass sich das zerschreddern und zu sortieren.

    Sollten die Preise für die in Elektroschrott enthaltenen Materialien wieder unter die wirtschaftlichkeits- (oder sollte man sagen: wirtschaftlich interessante) -grenze fallen wird der „Krempel“ wieder mit Freude den ärmeren Ländern zugeschickt.

 

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