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Frankreichs erste, zarte Überlegungen zum „Atomausstieg“

 

Es ist eine kleine Revolution, die dieser Tage in Paris passiert ist. Wie die französische Tageszeitung Le Monde berichtet, gibt es erstmals von Regierungsseite Überlegungen zu einem langfristigen „Atomausstieg“. Industrieminister Eric Besson, bislang in keinster Weise als atomkritisch aufgefallen, hat von Reseau de Transport Electrice ein Energieszenario angefordert. Die Netztochter des französischen Energiegiganten EdF soll untersuchen, welche Folgen die Minderung des Atomanteils im französischen Energiemix habe. Der Report soll:

„d´examiner dans le cadre de son bilan previsionnel, un scenario de decroissance du nucleaire a l`horizon 2030, pour en analyser les impacts“.

Von einem Atomausstieg ist Frankreich sicherlich noch weit entfernt – der Report soll nur die „Abnahme des Atomstromanteils“ untersuchen. Und bis zum Jahr 2030 dauert es auch noch ein bisschen. Aber bemerkenswert ist dieser Report allemal – gerade in Zeiten, in denen in Frankreich die „Pro-Atom-Front“ zu bröckeln scheint. Schließlich ist Frankreich DIE europäische Atomnation, 58 Meiler liefern den Franzosen ihren billigen Atomstrom. Erst vergangene Woche hat Präsident Sarkozy angekündigt, eine Milliarde Euro in die Atomkraft zu stecken, um neue Meiler zu entwickeln und die bisherigen sicherer zu machen.

Zusätzlich will er aber auch 1,35 Milliarden Euro in den Ausbau der erneuerbaren Energien stecken. Unter anderem stehen Fördergelder und Kredite für Solarprojekte, Wellen- und Geothermie zur Verfügung. Um den Ökostromanteil bis 2020 auf 23 Prozent zu erhöhen, will Frankreich vor allem auch auf Offshore-Windenergie setzen. Bislang dreht sich allerdings noch kein einziges Offshore-Windrad vor der französischen Küste. 2015 soll dies passieren.

5 Kommentare


  1. Ja, die Franzosen und die Atomraft. Übrigens, schon gewusst, dass es am letzten Wochenende zu einer Explosion samt Feuer in einem französischen AKW Namens Tricasin gekommen ist?
    Nein? Dieser Vorfall wurde tatsächlich totgeschwiegen – schließlich gab es ja eine adelige Hochzeit, die ja so viel wichtiger ist, als ein Unfall im AKW eines Nachbarlandes und außerdem warum auch noch Dinge berichten, die nur noch mehr Unwohlsein beim Gedanken an AKWs schüren.
    Wer mehr wissen möchte:

    http://gutjahr.biz/blog/2011/07/es-brennt-tricastin/

    Unsere Medien werden mehr mehr zu einer Zumutung!

  2.   Cardoso

    Anxieté francaise? french angst? Da bin ich gespannt, was JJ, der furchtlose „Zeit“-Hrsg. dazu meint.


  3. Wir Deutschen sollten jetzt nicht denken, dass das irgendwie unser Verdienst wäre.
    Die Franzosen handeln vernünftig und langfristig, während wir einfach nur noch dümmlich sind.

  4.   J.S.

    Die Franzosen wollen mit Kernenergie UND Erneuerbaren den Ausstieg aus den zur Neige gehenden fossilen Energien (Kohle, Öl und Gas) schaffen.

    Das ist ein ganz anderes Motiv als die deutsche Atomangst.

    “ 58 Meiler liefern den Franzosen ihren billigen Atomstrom “

    Das werden die Grünen gar nicht gerne hören, denn die behaupten ja immer das Atomstrom so teuer sei.

  5.   Gerhard Höberth

    Die Aussage vom „billigem Atomstrom“ ist so ja auch nicht richtig. Billig ist Atomstrom nur dann, wenn die Kosten für Entwicklung, Entsorgung, Rückbau, Sicherheit und Risikoabsicherung entweder entfallen oder sozialisiert werden. Leider geschieht aber genau das.
    Im Endeffekt wird aber auch Frankreich nicht um einen Ausstieg herum kommen. Auch Uran ist endlich und die alchemistischen Träume von der Transmutation scheinen auch eher utopisch. In Deutschland summieren sich die Subventionen des Staates langfristig (ohne Zwischenfälle, die das wesentlich verteuern würde) auf mindestens 2,2 ct/kWh (immerhin 1/3 bis 1/2 des Preises an der Strombörse).

 

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