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Top-Solarwerte in der Krise – und nun auch noch ein Deckel für Solarstromförderung?

 

…es musste eines Tages wohl so kommen: Heute hat das deutsche Vorzeige-Solarunternehmen Solarworld einen Quartalsverlust bekanntgegeben – zum ersten Mal seit 2004, als Solarworld in den TecDax aufstieg. Ein Minus von neun Millionen Euro mag noch nicht schlimm klingen, doch fatal ist, dass Solarworld gleichzeitig ein Absatzwachstum verzeichnet. Die Branche ist in einen harten Preiswettbewerb eingestiegen – was ja prinzipiell auch nötig ist – und nun wird es ernst.

Solarworld-Chef Frank Asbeck nutzte die Vorstellung der Quartalszahlen, um über Preisrückgänge zu klagen, die „durch das starke Überangebot vor allem von staatlich subventionierten Billiganbietern“ verursacht würden. Keine Frage, dass er China meint. Der Ausblick ist ebenfalls alles andere als optimistisch, erstmals in der Geschichte kassiert Solarworld sogar seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr: Die 1,3 Milliarden Euro aus 2010 seien wohl nicht erreichbar.

Nach fetter Krise klingt ebenfalls das 3. Quartalsergebnis des Solarpioniers Q-Cells: Das Unternehmen aus dem Solarvalley fuhr einen operativen Verlust von 47,3 Millionen Euro ein. Nicht nur, dass das Unternehmen um ausreichend Cash fürchtet, um eine im Februar 2012 fällige Schuldverschreibung zurückzahlen zu können. Nun gibt es auch noch Tumulte im Vorstand, überraschend trat die Finanzchefin zurück, Vorstandschef Nedim Cen muss diesen Job nun auch noch stemmen.

Gibt es zumindest das oft zitierte „Licht am Ende des Tunnels“? Ehrlich gesagt: Nein, schaut man sich zumindest die Pläne der Regierung an. Denn die Koalitionsgruppe Energie will offenbar den Ausbau der Solarenergie in Deutschland deckeln.  Zurzeit ist eine maximale jährliche Ausbauleistung von einem Gigawatt im Gespräch. Das entspricht gerade etwa einem Siebtel der Kapazität, die vergangenes Jahr in Deutschland installiert wurde. 2010 waren es 7.4 Gigawatt, so der Bundesverband Solarwirtschaft.

 

5 Kommentare

  1.   JaHei

    Für die Mitarbeiter der Unternehmen ist das wirklich sehr bedauerlich. Leider ist das aber so, wenn ein Unternehmensgegenstand nur auf einem einzigen, auch noch staatlich subventioniertem Produkt besteht, Förderung weg, Geschäftsmodell weg. Für das EEG ist der Deckel eine echte Chance, auf effiziente Mittelverwendung getrimmt zu werden, zum Wohle aller.
    Dass Herr Asbeck sich über staatlich subventionierte Billiganbieter auslässt, zeugt von einem sehr eigenen Humor. Natürlich sind alle deutsche Solarunternehmen ohne staatliche Unterstützung in die neuen Bundesländer gegangen und er hat beim letzten Griechenlandbesuch mit Rössler auch nicht explizit auf europäische Fördermittel geschielt.


  2. Da fragt man sich natürlich zweierlei. Kommt der Deckel dann auch für die von der Bundesregierung geliebte Offshore-Windkraft, die jetzt fast genauso teuer ist und in spätestens 3 Jahren teurer ist als PV.

    Auch ist fraglich wie die EE-Ausbauziele erfüllt werden wollen. Bis 2020 35% Strom aus EE. Wie soll das denn klappen, wenn PV de facto wegfällt und onshore-Wind im Planungschaos (Bürgerbegehren, Mindestabstände, Tierschutz) versinkt und nicht genügend Hochspannungsleitungen zur Verfügung stehen.

    Wir wollen, wir wollen, wir …
    ….aber das Notwendige wollen wir auch nicht.

    Was bleibt?

  3.   PBUH

    Ein industriepolitisches Trauerspiel, da die PV Produktion technologisch nicht sonderlich anspruchsvoll ist, hätte man in Deutschland eigentlich niemals diese Produktionskapazitäten hochziehen dürfen ohne den Markt abzuschotten oder eben einen klaren technologischen Vorteil zu haben.

    Die meisten chinesischen Firmen schreiben zur Zeit auch rote Zahlen, allerdings sieht man, wenn man genau hinsieht, sie verbessern kontinuierlich ihre Markt und Kostenposition.

    Die deutsche PV Industrie, auch Solarworld und Bosch, ist gnadenlos abgehängt, die Top-Chinesen können mittlerweile mit Preisen von $1/Wp Geld verdienen, unerreichbare Preispunkte für Solarworld und Co. und dabei fangen die Chinesen gerade erst an ihren „Economy of Scale“ Vorteil auszuspielen.

    Den Deutschen bleibt eigentlich nur noch der hochautomatisierte Modulbau mit Zellen aus China.


  4. Es wird aber nicht nur von Solarworld bezweifelt, dass die Chinesen wirklich billiger sind, da die Produktion großenteils mit den gleichen deutschen Maschinen stattfindet wie in Deutschland. Der Faktor Lohnkosten spielt dank hoch automatisierter Produktion kaum eine Rolle. Wieso existieren dann solche Unterschiede?
    Einen großen Einfluss spielen auch die Subventionen vor Ort, Energiekosten, Umweltauflagen, staatliche Kreditlinien.
    Rein technisch sind die nicht überlegen, aber vielleicht dank großzügiger Finanzierung in der Skalierung.

  5.   PBUH

    @energyturnaround

    Die grossen chinesischen Spieler sind eigentlich alle börsennotiert und offenbaren in ihren Finanzberichten jede Menge Details zu den Produktionskosten.

    Bei Solarworld kennen nur Insider die wichtigen Kennzahlen, der Laden veröffentlich nichtmal seine Bruttogewinnmarge.

    >Der Faktor Lohnkosten spielt dank hoch automatisierter Produktion kaum eine Rolle.

    Das wird immer wieder behauptet. Ich stelle dazu nur fest, hochvolumige Massenproduktion von einfachen und austauschbaren Gütern findet heute fast ausschliesslich in Asien bzw. in China statt. Den Nachweis, dass die Lohnkosten keine Rolle spielen konnte hier leider noch keiner wirklich erbringen.

    Energiekosten und Umweltauflagen spielen mit Sicherheit auch eine Rolle, deswegen sollte man sich in Deutschland ja auch genau überlegen ob man die Strompreise für die Industrie weiter nach oben treiben will.

    Weitere Vorteile der Chinesen dürfte der Einkauf und Kostendisziplin sein, die haben einfach eine enorme Erfahrung im Bereich Massenproduktion und mit der damit verbundenen Kostendrückerei.

    >Rein technisch sind die nicht überlegen,

    Nö, aber es ist auch nicht so wie vor 20 Jahren, die guten Chinesen beschäftigen mittlerweile eine Armee von Ingenieuren die, die im Westen erworbenen Anlagen optimieren und auch eigene Produktionsanlagen entwickeln.

    Das „lustige“ ist übrigens, in China hat die PV-Pleitewelle noch wesentlich grössere Auswirkungen als in Deutschland, überleben werden dort auch nur sehr wenige Firmen.

    Die EEG-Form PV kann ohne (bisher zu teure) Speichertechnologie keinen grösseren Beitrag zur Energieversorgung leisten, deswegen ist eine Deckelung auch absolut angebracht.

    Das einzigartige an PV ist aber die Kostenkurve, die wie bei keiner anderen Energieerzeugungsform weiter stark nach unten zeigt. Schon in wenigen Jahren wird es in der entwickelten Welt keinen Hausneubau mehr geben ohne PV Module als Dachelemente, völlig unabhängig von evtl. Subventionen.

 

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