‹ Alle Einträge

Ökobranche zerreißt Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes

 

Die Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes geht ja in die heiße Phase: Morgen tagt der Umweltausschuss und berät über Änderungswünsche, dann soll die Novelle Ende März schon in zweiter Lesung im Bundestag beraten werden.

Nicht nur der enge Zeitplan – der eine ausführliche Diskussion kaum ermöglicht – sondern natürlich auch die Inhalte bringen die Ökobranche in Wallung. Der Bundesverband Erneuerbare Energien hat sich jetzt solidarisch mit der Solarbranche erklärt (wenn er interessanterweise nicht öffentlich die Kürzung der Solarstromvergütung kritisiert): „Das Marktintegrationsmodell ist eine versteckte Vergütungskürzung“, wetterte BEE-Präsident Dietmar Schütz heute in Berlin.

Das was? Genau, es geht um das Marktintegrationsmodell (nicht zu verwechseln mit der Marktprämie, das ist eine andere Baustelle). Das auch liebevoll abgekürzte MIM sieht vor, dass den kleinen Solaranlagen nur noch 85 Prozent des produzierten Ökostroms vergütet werden, bei größeren Anlagen sind es 90 Prozent.

Die Branche klagt nun, dass sie vor ganz praktischen Problemen steht: Zum einen ein organisatorisches: Die Ökostromproduzenten müssen für die Neuregelung vorher ihre Stromproduktion beziffern und feststellen, wann 85/90 Prozent erreicht sind. Das im Vorhinein festzustellen, sei für sie kaum möglich, das ginge nur im Nachhinein. Dann allerdings könne sie wiederum nicht Anmeldefristen, die das EEG vorsieht, einhalten.

Zudem gebe es ein ganz prinzipielles Problem. Denn was wird mit den 10, 15 Prozent Ökostrom gemacht, die nicht mehr die gesetzlich garantierte EEG-Vergütung bekommen? Die verbraucht der Solarmüller selbst, schließlich braucht er für jede selbst produzierte Kilowattstunde keine einzukaufen.

Oder er verkauft die Mengen im Spotmarkt an der Strombörse. Das genau ist für die Betreiber von Freiflächenanlagen relevant. Allerdings muss man schon sagen: Wo ist der Vorteil? Vorher haben die Übertragungsnetzbetreiber den Ökostrom eingesammelt und an die Börse gebracht. Nun sollen das eben tausende Betreiber von Solarparks machen. „Aber was hat man davon?“, fragt Felix Matthes, Energiefachmann des Ökoinstituts. „Das Marktintegrationsmodell ist reine Augenwischerei.“ Es entstünden nur zusätzliche Kosten, weil sich plötzlich die Solarmüller Vermarkter organisieren müssen, weil sie selbst damit keine Erfahrung hätten.

Dazu kommt noch, dass der aktuelle Strommarkt einfach von den hohen Mengen Ökostrom überfordert ist.  „Die Ökobranche ist Opfer des eigenen Erfolgs“, sagt Daniel Hölder von der Vermarktungsfirma Clean Energy Sourcing. Denn die erneuerbaren Energien sorgen, wegen fehlender Kosten für Brennstoffe, zu manchen Zeiten für einen sinkenden Börsenstrompreis. Dieser Merit-Order-Effekt wird nun zum Fluch, denn je niedriger der Börsenpreis, desto weniger Anreiz gibt es für die Direktvermarkter, ihren Ökostrom an der Börse zu verticken. „Wir können die Energiewende nicht nur mit Eigenverbrauch schaffen“, sagt Hölder. „Wir wollen uns nicht vor dem Markt drücken, aber das Marktintegrationsmodell verhindert eine effiziente Vermarktung.“

23 Kommentare


  1. @ThorHa #19: „hat das dann (bei wenig veränderter Förderung) 300 Milliarden Euro gekostet“
    Die Schätzung – bezogen auf die „Differenzkosten“ (und die „EEG-Umlage“) – stelle ich nicht infrage. Aber die Interpretation dieser Zahl als durch das EEG entstehende zusätzliche Kosten ist schlicht sachlich falsch.

    „Solarstrom einen Anteil von 3,1% […] Das ist blanker Irrsinn.“
    Auch diese Zahl mag stimmen, sagt aber nicht viel: Strom hat einen im Tagesverlauf stark schwankenden Börsenwert. Wenn schon eine rein pekuniäre Wertbetrachtung, dann müsste diese den Zeitpunkt der Einspeisung – und die zu diesem Zeitpunkt relevanten Börsenpreise und Gesamtstrommengen – berücksichtigen.

    Davon abgesehen führt die Bewertung eines Produkts – auch von Strom! – rein aufgrund technischer Kriterien kaum weiter, wenn die Abnehmer aus anderen Gründen bestimmte Präferenzen haben. – Und das ist nach allen vorliegenden Umfragen im Strommarkt der Fall: Eine große Mehrheit will möglichst keinen Atomstrom, aber soviel wie möglich EE-Strom. Dieser „Kundenwunsch“ bleibt bei der Bestimmung des „Börsenpreises“ an der Strombörse (im Gegensatz übrigens zu anderen Börsen) systembedingt unberücksichtigt.

  2.   Adalbert Gabriel

    Nachdem EEG-Zuschlag von rd. 0,05 EURO/kWh nun noch ein weiterer Zuschlag für irrwitzige unterirdische Stromleitungen von Flensburg bis München? Wer unterirdische Stromleitungen fordert, sollte eine nachprüfbare Kalkulation der Mehrkosten mitliefern!

  3.   Peter Romanowski

    Das Marktprämienmodell ist Teil des Marktintegrationsmodell sagt zumindest der Gesetzesentwurf zur EEG Novellierung zum 1.1.2012. Ziel des Marktintegrationsmodells ist die Direktvermarktung und zu diesem Zweck hat sich der Gesetzgeber unterschiedliche Mechanismen ausgedacht.
    Der Strom der nun im Rahmen der 80/90% Regelung ueber den Markt abgerechnet werden soll, kann ohne Vertrag mit dem Stromabnehmer analog zum Anhang 4 Punkt 2.4 und 3 des EEG abgerechnet werden. Der Zeitpunkt der Abrechnung ist in Paragraph 16 des EEG konkretisiert.

    Sollte ein Stromabnahmevertrag existieren, beschreibt dieser wie und wann bezahlt wird. Da ein Verkauf der 10/20% nicht geregelt sein sollte, müsste der Vertrag dahingehend geändert werden.

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren