‹ Alle Einträge

Kohle versus Öko: Wer gewinnt den Wettlauf?

 

In bester Tradition hat Greenpeace zum vierten Mal sein Energieszenario „Energie (R)evolution“ vorgelegt. Seit dem Jahr 2007 rechnet das Deutsche Luft-und Raumfahrtzentrum für die Umweltschutzorganisation aus, wie ein Ausstieg aus der Kohle und Atomkraft möglich wäre und welche Investitionen in welchen Bereichen dafür nötig wären. Der Report wird etwa einmal im Jahr aktualisiert, u.a. weil etwa der Anteil der erneuerbaren Energien doch schneller gewachsen ist als gedacht.

Ganz interessante Zahlen finden sich zwar nicht in dem 340 Seiten langen Wälzer, aber in einem unveröffentlichtem Hintergrundpapier. Demnach liefern sich Kohle und alternative Energien gerade ein Kopf-an-Kopf-Rennen weltweit. Greenpeace hat unter anderem die internationale Energie-Datenbank wie Platts nach geplanten Kraftwerkprojekten durchforstet. Was haben die  Energieversorger in der Pipeline?

Demnach sind in den kommenden fünf Jahren Kohlekraftwerke mit einer Kapazität von rund 350 bis 400 Gigawatt weltweit geplant. Das beeindruckt, rechnet man im Schnitt mit 1.000 Megawatt Kapazität je Kraftwerk, wären das mindestens 350 neue Kohlekraftwerke (die ja für mindestens 40 Jahre am Netz sein werden).

Beeindruckender sind aber die Zahlen aus dem Bereich der Erneuerbaren Energien. Schaut man sich die Kapazitäten an, dann sind ähnlich hohe Zuwächse geplant wie bei der Kohle: Mehr als 470 Gigawatt Wind- und Solaranlagen sowie Wasserkraftwerke sind geplant. Und nein, den großen Batzen macht diesmal nicht die Wasserkraft aus, sondern Wind: Bis zu 300 Gigawatt Windkraft wären möglich.

Nun muss man allerdings vorsichtig sein, denn es handelt sich nur um Pläne. Auch in Deutschland waren zu Höchstzeiten ja einmal mehrere Dutzend Kohlekraftwerke geplant – am Ende wurde bislang gerade einmal eine Handvoll realisiert. Deswegen ist es jetzt so entscheidend, welche politischen Rahmenbedingungen herrschen; ob sich eher Investitionen in Kohle oder Wind lohnen. Damit das Zwei-Grad-Klimaschutzziel nicht gerissen wird, müssten laut Greenpeace die Erneuerbaren die Wachstumsraten der vergangenen zehn Jahre beibehalten. Zugleich müssten die Investitionen in fossile Kraftwerke auf ein Minimum heruntergefahren werden.

Nach aktuellen Zahlen des Netzwerks REN21 wurden übrigens im vergangenen Jahr weltweit rund 257 Milliarden US-Dollar in den Ausbau der Erneuerbaren investiert – ein Plus von 17 Prozent zum Vorjahr.

Und das in Zeiten der Euro- und Schuldenkrise.

17 Kommentare

  1.   kj

    Und Atomkraft?
    Ausgestorben?

  2.   Helmut Kuhl

    Äpfel und Birnen werden da verglichen. 300 GW aus einem Kohlekraftwerk stehen rund um die Uhr stabil zur Verfügung. Von 300 GW Windkraft stehen im Schnitt 20% also 60 GW zur Verfügung, aber nicht planbar, sondern sporadisch.
    Es müssten also 5 mal so viele Windmühlen aufgestellt werden, um vergleichbare durchschnittliche Kapazität zu haben. Und trotzdem wird immer noch das Kohlekraftwerk gebraucht, kann aber jetzt nicht mehr kontinuierlich arbeiten, sondern unwirtschaftlich. Wer finanziert ein Kraftwerk, das nicht mehr wirtschaftlich arbeiten darf? Niemand.


  3. Nur leider wurschtelt man hierzulande regierungsseitig planlos vor sich hin. Diese Konzeptlosigkeit könnte den Ausbau Erneuerbarer mittelfristig erheblich abbremsen. Leider!


  4. Auf die Gefahr hin mich zu wiederholen: Blogs sind die Klowände des Internets. Ist zwar nicht von mir, aber trotzdem gut und einmal mehr bestätigt.

  5.   Johnny

    Keiner von beiden, der Ausstieg vom Ausstieg wird kommen und dann gehört den AKW´s die Zukunft.
    Die grünen Panikmacher können einpacken.

  6.   Bad Bank

    Kommerzieller Betrieb 2011:

    Chashma-2 (Pakistan) mit 300 MW Nettoleistung
    Kaiga-4 (Indien) mit 202 MW NL
    Ling-Ao-II-2 (China) mit 1007 MW NL
    Shin-Kori-1 (Südkorea)mit 960 MW NL

    Quelle:
    http://www.nuklearforum.ch/ebarticle.php?art_id=de-13394937301458&id=de-116487550462 und Wikipedia

    Mit 2,5GW Nettoleistung ist die Kernenergie in 2011 zwar noch nicht ausgestorben, sie ist aber bei diesem Wachstumstempo auf dem besten Weg in due Bedeutungslosigkeit. Da ist sie meiner Meinung nach auch gut aufgehoben.

    mfg

  7.   gquell

    Wir brauchen aber nicht 24 Stunden konstant die gleiche Leistung.
    Eine Mischung von konventionellen Kraftwerken, Photovoltaik und Windkraftwerken ist zur Zeit die beste Lösung.

    Wir haben zur Zeit aber noch keine wirklich belastbaren Daten über Wind und PV, d.h. wir wissen noch nicht, wann wieviel Wind weht und wann wieviel Sonnenenergie zur Verfügung steht. Wenn wir diese Daten über einen längeren Zeitraum wissen und auch die statistischen Abweichungen kennen, wissen wir auch, wie sich die Kraftwerksleistungen verteilen.


  8. @MaryPoppinsky

    Genau das ist der Plan – und immer zielgerichtet nicht planen!

    Jedoch:
    hat mit dem 1. 180°Merkelberger in 11/2009 nicht geklappt (da wurde ausser dem Ausstieg aus dem Ausstieg noch einiges an EE-Beschneidung ausgemauschelt zwischen RWE-Grossmann, Brüderle und Angela und dem Volk aus Energierevolution verkauft – nur wollte der das nicht und wurde mit dem Ergebnis der LT-Wahl in BW vom Bürger abgewatscht wie nie zuvor!)

    Beim 2. 180°Wendehalsmanöver nach dem 11.3.11 auch nicht!
    Also macht man jetzt gar keine Pläne oder jedes Ressort für sich selbst und lässt den EE-Karren fahren wie er will!
    Nur mal gespannt, ob so mancher ‚Schlauberger‘ nicht vom steuerlosen
    Karren überrollt wird!?

  9.   MarcelSchumann

    Genau das ist mir auch aufgefallen. Ergänzend ist noch zu sagen, dass in vielen Fällen noch nicht einmal das bestehende nun unwirtschaftliche Kohlekraftwerk als Reserve ausreicht. Denn der Wind lässt manchmal schneller nach als ein Kohlekraftwerk hochfahren kann. Folglich müssen also zusätzlich noch Gaskraftwerke gebaut werden, die zwar schneller hochgefahren werden können, aber teurer im Betrieb sind. Und die bestehenden Kohlekraftwerke werden abgerissen, obwohl sie noch Jahrzehnte fast ohne zusätzliche Investitionen funktioniert hätten und eventuell ihre eigene Investitionssumme noch nicht erwirtschaftet haben.

    Statt also die schon vorhandenen Kohlekraftwerke laufen zu lassen reißen wir sie teuer ab, bauen die gleiche Leistung komplett neu mit Gaskraftwerken, die unwirtschaftlich arbeiten werden und noch zusätzlich die fünffache Leistung mir Windkraftanlagen, und haben am Ende der ganzen Aktion als Krönung noch deutlich höhere Produktionskosten für Strom als jetzt, die zusätzlich zu den Investitionskosten den Preis nach oben treiben werden und sind abhängig von Russland.

 

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Anmelden Registrieren