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Anti-Dumping-Klage spaltet Solarbranche

 

Solarworld-Chef Frank Asbeck aus Bonn nimmt es an allen Fronten mit der chinesischen Konkurrenz auf: Über seine Solarworld-Tochter in den USA hat er es bereits geschafft, dass die USA auf chinesische Solarmodule Strafzölle von 30 Prozent und mehr erheben.

Und jetzt geht es in der EU weiter. Europäische Solarhersteller haben bei der EU-Kommission eine Anti-Dumping-Klage gegen die Konkurrenz aus China eingereicht. Es gibt sogar gleich eine neue Initiative dazu, EU ProSun, deren Sprecher der Solarworld-Konzernsprecher Milan Nitzschke ist. Auch Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) unterstützt die Klage.

Die Solarkonzerne werfen China vor, mit günstigen Krediten und dem billigen Renminbi Preisdumping zu betreiben und ihre Produkte so in den Markt zu drücken.

Jetzt könnte man meinen: Die Ökobranche stärkt Asbeck den Rücken, schließlich geht es auch darum, heimische Hersteller und deren Absatz zu schützen. Aber weitgefehlt. Nicht nur der europäische Solarbranchenverband EPIA äußert sich zurückhaltend. Einer der prominentesten Fürsprecher der Solarenergie, Hans-Josef-Fell von den Grünen, hält die Klage sogar für komplett falsch:

„Anti-Dumping-Klagen behindern die Energiewende, weil sie einen weiteren Preisrutsch der Module ausbremsen, womit auch die schnelle Entwicklung sich selbsttragender Märkte behindert wird. Die EU-Kommission wäre gut beraten, die Anti-Dumping-Klagen abzuwehren und stattdessen aktiv für offene Marktzugänge europäischer Solarfirmen in China, Indien, USA und anderswo zu sorgen.

Man kann also sagen: Anstatt künstlich mit Hilfe von Strafzöllen die weltweiten Preise hochzuhalten, ist Fell das Gelingen der Energiewende wichtiger. Und das geht eben einfacher mit billigen als mit teuren Solarmodulen. Natürlich würde er das nie so sagen. Er verweist lieber darauf, dass die Zukunftsmärkte auch für die deutsche Solarbranche in China, Indien und die USA liegen. Und dass es deshalb wichtig sei, den weltweiten Handel zu fördern, anstatt ihn mit Strafzöllen zu lähmen.

Zudem ist das Gesamtbild mal wieder komplizierter als gedacht. In chinesischen Solarmodulen stecken, so Fell in einem Thesenpapier, auch 60 Prozent europäische Wertschöpfung, zum Beispiel Produktionsanlagen, die in Deutschland hergestellt wurden und nun in China Module ausspucken.

Diese europäische Wertschöpfung beim Rückimport aus China mit Strafzöllen zu belegen macht offensichtlich keinen Sinn.“

14 Kommentare


  1. „Anti-Dumping-Klagen behindern die Energiewende“

    vielleicht sollten sich die grünen einmal die preisentwicklung bei den seltenen metallen ansehen. china hat hierbei so ziemlich alle amerikaninschen und europäischen konkurrenten zu tode gedumpt. sowie die letzte grössere produktionsstätte geschlossen wurde, haben sie die preise um ein vielfaches erhöht. praktischerweise sitzt auch das meiste know-how bezüglich gewinnung und raffinierung mittlerweile in china. will man das wirklich?

  2.   Max

    Man sollte natürlich auch Bedenken, dass die günstigen Preise chinesischer Module auch durch niedrigere Umweltauflagen zustande kommen. Und das Ziel der Energiewende kann nicht sein Umweltprobleme nur in ein anderes Land zu verlagern.


  3. Aha, grünglobale Planwirtschaft.

    Ist schon mal jemandem aufgefallen, daß Russland, östlich von China, sogar in südlichere Breiten reicht als Marseille ?

    Also, wieso kommt den Russland gleich gar nicht in diesen wirtschafssinnigen Grünüberlegungen vor ?

    Ich glaube unter Putin wäre ein EEG auch in fünf Minuten in der Duma durch.


  4. Solche Artikel lesen die Grünen anscheinend nicht: Proteste in China, weil giftige Abwässer von Solarpanel-Fabriken die Flüsse verschmutzen:
    http://www.thenational.ae/news/world/asia-pacific/environental-protests-halt-production-at-polluting-chinese-solar-panel-plant

    Egal ob dadurch in China die Fische sterben (oder der Strom für die Panelproduktion aus Kohleverfeuerung kommt) Hauptsache, hier in Deutschland kann man sich die Taschen mit grünen Illusionen vollügen

  5.   hardius

    Die Grünen sind keine Linken. Und Umwelt und soziale Aspekte in China gehen denen am Gesicht vorbei. Ja, das Geld für grüne Politiker kommt vom Steuerzahler. Wie es dem Steuerzahler ergeht, ob er einen sicheren Arbeitsplatz mit angemessenem Einkommen hat, ist doch denen egal.
    Die Grünen sind mehr schein als sein, überaltert und überflüssig!


  6. Tja, so eine Aussage (Fell) hätte ich ehrlich gesagt, nicht erwartet und vor allem nicht von einem Grünen??

    Die Solarindustrie hat es natürlich in den vergangenen „fetten“ Jahren versäumt, sich mit hoher Qualität und deutschem Erfindergeist bzw. Innovationskraft gegen die dreisten chinesischen Kopierer zur Wehr zu setzen.

    Aber jetzt zu sagen, friss oder stirb, bzw. der freie Markt wird es schon richten,
    wir warten bis die Module noch billiger sind (und noch mehr Firmen pleite sind) solche Sprüche kommen doch normalerweise aus der FDP Ecke?

    Die Chinesen verkaufen unter ihren Produktionskosten, den Rest steuert der Staat bei, das kann es doch nicht sein, einfach zu warten, bis uns China platt gemacht hat!
    Mit sonnigen Grüßen
    Werner Thoma


  7. Man muss doch dem dreisten Treiben der Chinesen, endlich mal einen Riegel vorschieben.
    Auf der einen Seite zerstören sie ihre Umwelt auf schändlichste Weise, auf der anderen Seite pumpen sie Milliarden in Solarfirmen, die unter Selbstkostenpreis verkaufen und damit
    die deutschen Modulhersteller in einen ruinösen Preiskampf treiben.

    Die Sonnenstrom Förderung ist gut angelegtes Geld, in eine intakte Umwelt vor allem für unsere Nachkommen, hier immer nur auf die aktuellen Kosten zu zeigen, springt zu kurz:
    Wenn man die (immer noch munter weiterlaufenden) Atom und Kohle Subventionen endlich streichen würde und deren Umweltschädigungen einpreisen würde, wäre sofort genügend Geld da und dann wären dann die EEG -Umlagen Peanuts!


  8. Das halte ich für einen Schmarrn, die Grünen sind nach wie vor wichtig,
    ohne sie gäbe es in Deutschland keine Umweltbewegung.
    Aber ich stimme mit Ihnen überein, dass die Aussage von Fell etwas strange ist!
    Hätte ich nicht erwartet muss ich ehrlich sagen!


  9. Hier noch ein Hintergrund- und Übersichtsartikel zu den ökologischen Problemen bei der Solarpanel-Herstellung – und wie chinesische Hersteller diese Probleme „lösen“:

    http://www.voiceofsandiego.org/science/article_37811382-9d69-5936-adeb-5db1395225e3.html

    zwar schon 3 Jahre alt, aber ich bin so pessimistisch zu glauben, daß sich seither nicht viel geändert hat.


  10. Und noch dazu!

    Die chinesischen Produkte sind zwar billiger, aber auch wesentlich schlechter als die von Solarworld. Wenn Herr Fell möchte, das deutsche Firmen auch Ramsch produzieren und in den Markt drücken, ist er wohl fehl an seinem Platz. Nur qualitativ hochwertige Solarmodule sind es wirklich wert aufgestellt zu werden. Alles andere wäre der übliche Polit-Schabernack den wir aller Orten erleben, wie mit dem soganannten Biosprit. Da werden Milliardensubventionen gezahlt für ein umweltpolitisch höchst fragwürdiges Produkt. Das Geld sollte besser in Photovoltaik gesteckt werden. Das ist nämlich die einzig wirkliche Alternative zur Energiegewinnung. Ein mal investieren, 25 Jahre Ruhe, kaum Wartung und vor allem keine Kosten für Rohstoffe. Also, was will man mehr?

 

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